Joschka Fischers Sonderweg

Joschka Fischer 1994 über Nationalismus im wiedervereinigten Deutschland und die Gefahr, dass Deutschland wieder in seine aggressive „Morgen-die-ganze-Welt“-Stimmung zurückfällt, dass also der Sonderweg in Bezug auf Europa wieder aufgenommen wird:

Eine „Germanisierung“ Europas wird es mit Sicherheit nicht geben, ein solcher Versuch Deutschlands würde nur zu erklärten oder nichterklärten antideutschen Koalitionen seiner Nachbarn führen. Das genaue Gegenteil liegt vielmehr im obersten deutschen Interesse, nämlich eine „Europäisierung“ Deutschlands herbeizuführen, um so den Gefahren der Mittellage und der latenten Hegemonie zu entgehen […]

Die Selbstbegrenzung deutscher Politik ist einfach ein Gebot der Staatsklugheit und der historischen Erfahrung, da Deutschland nach der Wiedervereinigung nolens volens erneut in die Rolle einer latenten Hegemonie in Europa gedrängt wurde, Ergebnis seiner Mittellage, Bevölkerungsgröße und wirtschaftlichen Stärke, die mehr Befürchtungen, Ängste und Misstrauen als zustimmende Freude und arglose Sympathie bei unseren Nachbarn auslöst.“ (Fischer: Risiko Deutschland, S. 212 f.)

Das hat er ganz gut erfasst, der Herr Fischer, und so ist es ja auch gekommen. Allerdings hat er selbst erheblich zu der neuen dominanten Rolle beigetragen mit der neoliberalen rot-grünen Wirtschaftspolitik plus der Remilitarisierung der Außenpolitik. Es kam anders, wie wir wissen, und so kann man Fischer heute sein Zitat um die Ohren hauen.Es ist nicht einfach die wirtschaftliche Stärke aufgrund der großen Bevölkerungszahl. Es ist eine forcierte neoliberale Politik unter rot-grün, die exakt zu dem geführt hat, was Fischer 1994 noch verhindern wollte. Das Bashing anderer europäischer Länder, die „Lohnzurückhaltung“, die nicht nur weniger Geld in deutschen Portemonnaies führt, sondern zu Wettbewerbsproblemen der anderen. Das alles eingefasst im Euro. Auch unter Fischer Ägide eingeführt. Die deutsche Volkswirtschaft fährt massive Gewinne ein, dieses Geld wird dann über deutsche Banken den Südländern billigst zur Verfügung gestellt, auf dass sie sich überteuerte Immobilien kaufen. So läuft das.

Fischer verhielt sich ab 1998 also exakt so, wie er es vier Jahre zuvor als die schlechteste aller Möglichkeiten beschrieben hatte.

Die Selbstbegrenzung deutscher Politik wäre heute eine volkswirtschaftlich mit den anderen europäischen Ländern abgestimmte.

Es zeigt aber auch, dass es bei solchen Alphamännchen wie Fischer und Schröder egal ist, was sie sagen und schreiben. Ihnen geht es um Macht, um sonst nichts. 1994 war es für Fischer ganz praktisch, sich als versierter Außenpolitiker zu zeigen, im Falle einer rot-grünen Koalition war es absehbar, dass die Grünen das Außenministerium kriegen. Also schreibt man ein Buch (oder lässt schreiben).

Es zeigt sich hier erneut, wie sehr sich die politischen Konstellationen verschoben haben. Was Kohl in 16 Jahren nicht schaffte, schaffte rot-grün im Handumdrehen; beispielsweise die Lohnquote von 2000 bis 2006 von 72 auf 67 Prozent abrutschen zu lassen. Nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es zuvor eine solch massive Absenkung, dazu brauchte es rot-grün.

Diese Zitate sind auch eine Warnung vor Steinbrück und seinen Helfershelfern. Links blinken, rechts abbiegen, kennt man ja.

097 (2)(Foto: genova 2012)

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21 Antworten zu Joschka Fischers Sonderweg

  1. besucher schreibt:

    Diese Leute haben ja auch kein Problem damit den Brain-Drain, der aus diesen Ländern jetzt zu uns hin einsetzt als gut für Deutschland zu verkaufen. um uns herum geht alles unter aber es ist gut für die Wirtschaft und gut für die Integrationsindustrie. willfähriges und hin- und herkarrbares Material. Lasst die Leute bloß nicht sesshaft werden, sonst könnten sie sich vielleicht noch in Vereinen oder Gerwerkschaften organisieren!

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  2. Eso-Policier schreibt:

    Wenn z. B. die Pro-Partei eine starke Begrenzung der Einwanderung fordert, dies hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Im Übrigen gehört der Islam nicht zu Deutschland. Aber es ist auch wichtig, das Christentum zu reformieren. Es gibt keinen allmächtigen Gott. Sondern es gibt ewig verborgene Dinge in der Natur.

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  3. genova68 schreibt:

    Eso,
    ich würde dich bitte, hier künftig nicht mehr zu kommentieren. Deine Beiträge haben nie etwas mit dem Thema zu tun und deine rechte Propaganda ist auf Dauer ermüdend.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Nun ja, die Außenpolitik bestimmte Fischer als Außenminister ja nur sehr begrenzt.Schröder erklärte China und Russland zur Chefsache und bereiste diese Länder, während Fischer da außen vor blieb.Er durfte mehr als alter Antifaschist vor allem Nahostpolitik machen und hat deswegen auch den Ehrendoktor von der Uni Tel Aviv.Schröder hatte auch eine mehr eurasische Orientierung denn eine transatlantische.Das zeigt sich unter anderem auch darin, daß Schröder jetzt bei Gazprom ist und Fischer bei Nabuco und Madeleine Albright Consulting.Beiden möchte ich aber zugute halten, dass sie gegen den Aggressionskrieg gegen den Irak 2003 gestimmt haben–da wurde auch vom angeblichen „deutschen Sonderweg“ gefaselt.Aber dass Genova die Agenda 2010 so für den deutschen Exporterfolg ursächlich macht, ist ja auch Mythenbildung. Die deutschen Exporterfolge hängen eher mit dem Aufschwung in den BRICS-Staaten und Schwellenländern zusammen, als mit der Lohnquote und Hartz4.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Und was macht der Joschka jetzt?
    „Joschka Fischer & Company berät Unternehmen zu den Rahmenbedingungen internationaler Märkte, zukünftigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen sowie nachhaltigen Wachstumschancen. Die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen globaler Gestaltungsaufgaben beeinflussen das unternehmerische Handeln unmittelbar. Es gilt, Geschäftsfelder verantwortlich zu entwickeln und dabei einen positiven Lösungsbeitrag für eine nachhaltige Entwicklung zu leisten. Mit langjähriger Expertise und persönlicher Erfahrung hilft Joschka Fischer & Company seinen Kunden dabei, politische Entwicklungen weltweit einzuschätzen und dieses Wissen verantwortungsvoll für die internationale Geschäftsentwicklung zu nutzen.
    Die Joschka Fischer & Company GmbH wurde von Joschka Fischer und Dietmar Huber im Jahr 2009 gegründet und arbeitet im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit der Albright Stonebridge Group in Washington, D.C. zusammen.“
    http://www.jfandc.de/de/about/

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  6. Eso-Policier schreibt:

    @ genova68
    In Ordnung. Glücklicherweise gibt es genug andere Internetseiten, wo ich Zustimmung finde.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Fischer sieht seine Aufgabe auch darin, Unternehmen vor „Greenwashingvorwürfen“zu schützen und sich selbst als Ökolabel zu empfehlen:

    „JF&C entwickelt Strategien für den Umgang mit grundlegenden politischen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Fragestellungen und bietet damit einen positiven Beitrag für Entwicklung, Investitions- und Verhaltensentscheidungen.
    Wir schätzen national und international Chancen, Risiken und Rahmenbedingungen ein und helfen, mit diesen verantwortlich umzugehen.
    Dabei unterstützen wir Kunden unter anderem mit Analysen und Konzepten zu internationaler Politik und geostrategischen Zusammenhängen, entwickeln unter Berücksichtigung globaler Trends Strategien für nachhaltige Wachstumsmodelle auf nationalen und internationalen Märkten und fördern zielgerichtete Partnerschaften von Unternehmen, Politik und gesellschaftlichen Akteuren.
    Die Herausforderungen nachhaltigen Wachstums prägen das Beratungsangebot von JF&C im Querschnitt. Darüber hinaus unterstützen wir Unternehmen spezifisch bei der Entwicklung und Umsetzung unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien sowie der dazugehörigen Kommunikation. Die Verbindung von politischer Erfahrung und einem hohen Verständnis für die Erfordernisse eines guten Nachhaltigkeitsmanagements erlaubt es uns, die Sustainability-Agenda passgenau zu interpretieren und individuelle Handlungsempfehlungen zu geben. Wir helfen unseren Kunden, die Veränderungen des regulatorischen Umfeldes und gesellschaftlicher Erwartungshaltungen zu verstehen, um weitsichtig die eigene Rolle zu definieren und unternehmerische Antworten zu entwickeln.
    Unsere Arbeit sehen wir als Beitrag dazu, die Zukunftsfähigkeit und Reputation von Unternehmen zu stärken und sie vor Greenwashing-Vorwürfen zu bewahren. Dabei fühlen wir uns praktikablen Ansätzen verpflichtet: In der Zusammenarbeit mit unseren Auftraggebern kommt es uns besonders darauf an, Notwendiges, Wünschenswertes und Machbares ins richtige Verhältnis zu setzen.“

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  8. Jakobiner schreibt:

    Und Joschka Fischer feierte unlängst auch seinen 65.Geburtstag, was BILD einen Artikel wert ist:

    „Vom Alt-68er zum Neu-65er…
    Ex-Außenminister Joschka Fischer feiert heute seinen 65. Geburtstag.
    Sein Lebenslauf – einzigartig, kontrovers: 1981 zählt der einst militante Linke zu den Mitbegründern der Grünen, 1985 wird er in Hessen in Turnschuhen zum ersten grünen Landesminister vereidigt. Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (69, SPD) wird er 1998 Außenminister, führt die Bundeswehr erstmals in einen Kriegseinsatz (Kosovo).
    Seinen Geburtstag will er im kleinsten Kreis in Berlin feiern.
    Was macht Joschka Fischer eigentlich beruflich?
    Der ehemalige Außenminister führt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Dietmar Huber das international tätige Beratungsunternehmen Joschka Fischer & Company. Zu den Kunden gehören Konzerne wie BMW, Siemens oder Rewe.
    Hinzu kommen Fischers Vortragsreisen in die USA, nach Tokio oder Hongkong.
    Regierungen wollen seinen Rat. Er pflegt seinen ganz eigenen privaten Freundeskreis, zu dem unter anderem der Dirigent Daniel Barenboim oder die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright gehören. Ein enger Freund war auch der jüngst verstorbene italienische Ex-Botschafter Antonio Puri Purini.
    Zur eigenen Grünen-Partei unterhält er nur noch wenig Kontakt. Den baden-württembergischen Regierungschef Winfried Kretschmann schätzt er, über Claudia Roth hat er irgendwann gesagt: „Die hat ein Löwenherz.“ Zur 30-Jahr-Feier der Grünen-Bundestagsfraktion ist er einfach nicht erschienen.
    Keine Ruhe kennt Joschka Fischer, wenn es um sein Herzblut-Thema geht – um Europa.
    Er brüllt vor Zorn, wenn ihm einer erzählt, die Griechen oder die Zyprioten gehörten raus aus der Euro-Zone. Ignoranten sind das für Fischer, Menschen, die nichts von Europa und seinem Wert für die Bürger verstanden haben.
    Ganz mit sich im Reinen ist Fischer, wenn er mit seinem gewaltigen Türkischen Hirtenhund Benno stundenlang durch den Wald stapft. Mit Ehefrau Minu oder mit Sohn David, einem Koch, erforscht der Metzgersohn Fischer neue Kneipen oder Nobel-Restaurants. Ihn faszinieren gute Köche und gute Winzer.
    Und an seinem Ehrentag steht Joschka Fischer gemeinsam mit seiner Minu in der Profi-Küche in Dahlem, und eine gute Flasche wartet…“
    http://www.bild.de/politik/inland/joschka-fischer/hat-geburtstag-und-wird-65-29973114.bild.html

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  9. genova68 schreibt:

    „‚Aber dass Genova die Agenda 2010 so für den deutschen Exporterfolg ursächlich macht, ist ja auch Mythenbildung. Die deutschen Exporterfolge hängen eher mit dem Aufschwung in den BRICS-Staaten und Schwellenländern zusammen, als mit der Lohnquote und Hartz4.“

    So genau weiß das wohl niemand. Aber der schon immer vorhandene Außenhandelsüberschuss Deutschlands vergrößerte sich deutlich, nachdem rot-grün verschiedene Steuern gesenkt hat, Stichworte sind Halbeinkünfteverfahren, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer. Hartz IV, Hartz I bis III und mehr führten zu erhöhtem Druck auf die Löhne, weswegen die Lohnentwicklung in Deutschland die schlechteste von ganz Europa war. Es geht generell darum, dass die Außenhandelsüberschuss auf Dauer absurd ist, die Folgen sehen wir gerade. Deutsche Banken haben in Euroland derzeit 900 Milliarden im Feuer, sagt gerade Bofinger im Tagesspiegel. Das hängt direkt mit dem Außenhandelsüberschuss zusammen.

    Der Handel mit BRICS, also Brasilien, Russland, Indien, China, Südarfrika, wird in der öffentlichen Diskussion massiv überschätzt. Real sieht das für 2011 so aus, dass von einem Exportvolumen von insgesamt 633 Mrd. nur 65 Mrd. nach China gingen, aber immerhin 69 Mrd. in die kleinen Niederlande. Selbst nach Polen, Belgien und in die Schweiz exportieren wir mehr als nach Russland oder Brasilien.

    Statist. Bundesamt:
    http://de.statista.com/themen/563/aussenhandel/infografik/564/exportnation-deutschland-die-wichtigsten-daten/

    Die Dominanz Deutschlands in Europa, die Fischer ängstigte, hat er mit herbeigeführt. Und dass der Außenminister und Vizekanzler nichts zu sagen gehabt hätte, ist m.E. Ablenkung, kein Argument.

    Ablehnung des Irakkrieges ist deren Verdienst, ja.

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  10. Jakobiner schreibt:

    „Es geht generell darum, dass die Außenhandelsüberschuss auf Dauer absurd ist, die Folgen sehen wir gerade.“

    Nun ja, Deutschland und Japan haben schon seit Jahrzehnten Außenhandelsüberschüsse ohne, dass es deswegen Handelskriege oder sonstige Gegenreaktionen gab, bzw. dies irgendjemand gestört hat (was mich im übrigen wundert–aber bis auf Helmut Schmidt letzte Woche hat bisher niemand Deutschlands Außenhandelsüberschüsse kritiisiert–die werden scheinbar als normal empfunden).Dazu muß man sehen, daß Deuthschland in den 90er Jahren als „der kranke Mann Europas“galt und bei den Wachstumsraten zielich weit hinten lag.

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  11. Jakobiner schreibt:

    „Diese Zitate sind auch eine Warnung vor Steinbrück und seinen Helfershelfern. Links blinken, rechts abbiegen, kennt man ja.“

    Richtig, wobei der gute Peerlusconi ja auch nach deutscher Kavalerie zu schreien pflegt und ausländische Politiker als Politclowns zu titulieren pflegt.
    Und die Hereinnahme von IG-Bauchef Wiesenhuber in sein Schattenkabinett als potentieller Arbeits- und Sozialminsiter ist auch nur Show und Feigenblatt.Vor der Wahl ist nicht nach der Wahl und der Kanidat fordert schon jetzt „Beinfreiheit“für sich.Aber es wird ohnehin eine Große Koalition unter Mutti Merkel.

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  12. genova68 schreibt:

    Jakobiner,
    die aktuelle Euro-Krise hat auch mit Deutschlands Exportüberschuss zu tun, die Kritik daran ist nun seit Jahren immens, vor allem im Ausland, aber auch hierzulande. Die Medien sind größtenteils neoliberal geprägt, die bringen das Thema nur selten. Also: Viele haben schon die Außenhandelsüberschüsse kritisiert, nicht nur Schmidt. Das steht ja auch immer mal wieder in diesem blog.

    Handelskriege könnte es geben, aber mit wem? Freihandel ist der neue Gott, davon profitiert in erster Linie das Kapital. Wobei es in Bezug auf ärmere Länder keinen Freihandel gibt, siehe die Agrarsubventionen auf Waren, die dann nach Afrika gehen, oder die vielen verstecken Subventionen, sei es als „Forschungsgelder“ oder via Aufstockung über das Jobcenter, gerade aktuell bei Amazon.

    „Kranker Mann Europas“ war nichts als neoliberale Propaganda. Es gab Probleme mit der Finanzierung der Ex-DDR, wobei sich auch da das Kapital die Taschen vollstopfte, aber die Sozialsysteme ihre Grenzen kamen, was vermutlich politisch gewollt war. So konnte man sie leichter zerschlagen. Auch damals gab es die Exportüberschüsse. Die bedeuten vor allem, dass eine Volkswirtschaft mehr herstellt, als sie selbst konsumiert, im Fall Deutschlands derzeit Waren und Dienstleistungen im Wert von 200 Milliarden Euro jährlich. Auch früher schon. Also nix krank. Das Problem ist, das hierzlande zu wenig konsumiert wird. Es ist die alte aggressive deutsche Politik, diesmal aber nicht militärisch, sondern ökonomisch. Da hatte Fischer schon recht, wie gesagt. Wir sind alle neoliberal verseucht,

    Das muss man einfach mal zur Kenntnis nehmen. Es ist ja auch gigantisch, wie dem doofen Michel so lange erzählt wurde, die Rente sei nicht sicher, bis er massenhaft sein Geld AWD gab.

    Und das geradezu Perverse an der Kranker-Mann-Rhetorik: Daraufhin gab es u.a. die Agenda 2010, die also nach offizieller Lesart dafür sorgen sollte, dass das kranke Deutschland wieder Anschluss an Europa findet. Jetzt aber wird so getan, als sei Deutschland damals Vorreiter gewesen und die Südländer müssten jetzt nachholen.

    Es ist eine einzige Propagandamaschine, die da läuft.

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  13. Jakobiner schreibt:

    „Handelskriege könnte es geben, aber mit wem? Freihandel ist der neue Gott, davon profitiert in erster Linie das Kapital.“

    Na z.B. könnte die USA sagen: Jetzt reicht es uns mal mit den deutschen Außenhadelsüberschüssen und wir machen da mal German-Bashing. Auffällig ist doch, dass die Deutschen da immer von der Kritik ausgenommen wurden in den USA.Japan-Bashing in den 80ern oder aber China-Bashing in den 90ern und 2000ern, aber nie Deutschland-Bashing.Die USA sind ja froh, daß Deutschland Handelsüberschüsse hat und Europa damit über Rettugsschirme über Wasser hält. China wird eher als Gefahr gesehen, als „deutsche Sonderwege“–das ist mehr eine innereuropäische Wahrnehmung.Ind man sollte nicht jede Merkel-Gitlerbärtchenkarikatur für Nennwert nehmen.

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  14. Jakobiner schreibt:

    Dazu könnte man mal deine Argumentation hinterfragen: Deutschland ist zwar im Moment die wirtschaftlich stärkste Nation in Europa mit Außenhandelsüberschüssen, aber auch die Nation,die am meisten für EU-Subventionen, Rettungsschirme, UNO etc zahlt. Wenn sich die Eurokrise verschärfen sollte und mal Spanien, Italien oder FRankreich Zahlungsausfälle haben sollten, treten die Rettungsschirme in kraft und ist Deutschland nicht mehr Exportwelteister, sondern das weltweit überschuldete Land der Welt.Dann schultert Deutschland den Großteil der Krise. Es ist ein sehr riskoreiches Speil zwischen STärke und Abgrund. Und wenn Deutschland diese Härte nicht mehr schultern kann und aus dem Euro austritt, ist dasselbe Geschrei als Europa unter den angebliche deustchen Eurozwangsherrschaft..

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  15. genova68 schreibt:

    Der Freihandel ist eine heilige Kuh, gerade in den USA, das lässt sich nicht so einfach beenden. Außerdem profitieren die USA gewissermaßen von den Überschüssen der Deutschen und der Chinesen, weil der Dollar nach wie vor die Leitwährung ist. Die Chinesen verschenken ihre Waren nach Amerika, weil sie denen dafür Staatsanleihen kaufen. Insofern pokern die USA hoch, aber sie können es sich offenbar leisten. Kleinere Staaten können das nicht.

    Es gibt eine Menge amerikanische Kritik am deutschen Sonderweg, allen voran Stiglitz und Krugman. In den USA vermutlich noch viel mehr. Die Deutschen mussten in der Finanzkrise zu Keynes ja geradezu gezwungen werden, ein Offenbarungseid für fast alle Ökonomen hierzulande.

    Was du beschreibst, ist die politische Bewertung bestimmter Länder, das ist wieder etwas anderes. Sicher sehen die USA China langfristig eher als Konkurrenz denn Deutschland.

    „Deutschland“ schultet erst einmal überhaupt nichts. Die Interessen des deutschen Kapitals wurden in den vergangenen Jahren von den Regierungen hervorragend vertreten, Verluste sozialisieren, Gewinne privatisieren. Verdient an der bekloppten deuschen Politik hat das Kapital, die Masse nicht, das ist doch alles bekannt. Dass aus deutschen Steuergeldern vielleicht noch große Summen für irgendwelche Rettungsfonds aufgebracht werden, bringt den Kleinen nichts, die Großen haben die Taschen eh voll.

    Die Krise war und ist nur möglich durch die aggressiv-nationalistische Politik Deutschlands, das sollte man nicht vergessen. Aggressiv-nationalistisch in einem kapitalistischen Sinn.

    Dass Deutschland irgendwas nicht schultern kann und aus dem Euro austritt, ist eine merkwürdige Sicht der Dinge. Der Austritt würde vermutlich ein Riesenloch in die Wettbewerbsfähigkeit reißen, vielleicht könnte Deutschland erst dann alles mögliche nicht mehr schultern. Da bewegen wir uns aber auf wackeligem, weil kaum vorhersagbaren Terrain.

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  16. Jakobiner schreibt:

    ZU Genova:

    Erst einmal vergißt du, dass ohne Euro-Rettungsschirme auch die Spareinlagen der ganz normalen Sparer wegwäre.Dier sogenannte „Sozialisiserung“ der Verluste ist auch eine Sozialisierung zugunsten der deutschen Klein-und Mittelsparer–deswegen auch die breite Zustimmung dazu.

    Zwietens:“Es gibt eine Menge amerikanische Kritik am deutschen Sonderweg, allen voran Stiglitz und Krugman. In den USA vermutlich noch viel mehr. Die Deutschen mussten in der Finanzkrise zu Keynes ja geradezu gezwungen werden, ein Offenbarungseid für fast alle Ökonomen hierzulande.“

    Neben Stiglitz und Krugmann hat auch der Megaspekulant Soros offen zum Sturz Merkels im Spiegel aufgerufen: Entweder es gäbe einen europäischen Zentralstaat mit Eurobonds oder aber eben Deutschland müsse gewzungen werden aus dem Euro auszusteigen. D.h. Soros unterstützt mit seiner Open-Society-Gesellschaft wahrscheinlich sowohl Linke/SPD/Gürne (Eurobonds) wie aber auch die AfD (Zurück zur DM). Er kann unter beiden Konstellationen nur gewinnen. Und was mir bisher noch keiner beantworten konnte: Was passiert, wenn die Eurobonds selbst zum Spekulationsobjekt werden–das wäre eine Finanzkrise auf noch viel höherer Ebene.Und womit soll man keynesianistische Investitionsprogramme finanzieren? Durch noch mehr Staatsverschuldung?

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  17. Jakobiner schreibt:

    „Verdient an der bekloppten deuschen Politik hat das Kapital, die Masse nicht, das ist doch alles bekannt.“

    Das ist doch völliger Quatsch. Der DGB juchzt über die Vollbeschäfzigung, fordert höhere Löhne und ist mit dem BDI und dem Großteil der deutschen Bevölkerung auf dem Trip, dass der Euro um jeden Preis gehalten werden muss, auch wenn es die anderen Länder runterkonkurriert.Es ist nicht nur das deutsche Kapital, das da keine Rücksicjhten auf andere nimmt, sondern genauso der DGB und sein Anhang.Das ist Sozialpartnerschaft im Eurosinne.Es ist nicht nur das Kapital, das daraus einen direkten Nutzen zieht. Aber wie gesagt: Wenn Frankreich oder Spanien oder Italien in die Schieflage kommen, wird es ersnt. Dann hast du nicht mehr die Exportwundermaschine, sondern eben den weltweit am höchsten verschuldeten Staat. Diesen Wahnsinn, dieses Spiel zwischen eingebildeter Stärke und Abgrund ignozierst du–wie auch DGB und BDI und breite Teile der Bevölkerung.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Du scheinst mir zu glauben, die Finanzkrise könnte man lösen ohne einen Preis dafür zu zahlen. Das ist meiner Ansicht nach falsch. Jede Lösung hat ihren Preis. Die Eurobonds, die ich als schlechteste Variante sehe, da sie eine noch viel gigantischere Finanzblase produzieren werden. Die Direktfinanzierung von Staaten durch die EZB–das wird man eben eine höhere Inflation in Kauf nehmen müssen. Noch mehr Rettungsschirme–unter der immensen Gefahr, dass Deutschland nur bei Schieflage eines EU-Kernlandes dann der weltweit höchstverschuldete Staat wird.Oder die Rückkehr zu Nationalwährungen–da wird man in Deutschland kurzfristig 4-5 Millionen Arbeitslose in Kauf nehmen müssen, da einige der Exporte einbrechen werden.Ich plädiere trotzdem noch für die letzte Lösung. Denn auch bei einem Außenkurs von 1,80 US-Dollar zur DM war Deutschland Exportlokomotive.Das würde eher wieder das Gleichgewicht herstellen.Und man sollte sich von diesem Geschwatze Europa=der Euro nicht einlullen lassen. Die EU und die EG gab es auch Jahrzehnte ohne Euro und haben besser funktioniert.

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  19. genova68 schreibt:

    Staatsverschuldung heißt in Deutschland ledigich, dass es eine Menge Kapital gibt, das man dem Staat leihen kann. Es ist genug Geld vorhanden. Und die Rolle des DGB sagt nichts darüber aus, welche Rolle das Kapital spielt.

    Ohne Rettungsschirme wäre nicht zwangsläufig das Geld der kleinen Sparer weg, das könnte man schützen, durch Freibeträge beispielsweise.

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  20. Jakobiner schreibt:

    Staatsverschuldung heißt, dass der Staat–und nicht nur in Deutschland–sich von Banken Billionen geliehen hat und eifrig Zinsen darauf zahlt, da er gar nicht mehr zur Schuldenabtragung fähig ist.Rettungsschirme bedeuten, dass die Geberstaaten im Ernstfall mit dem Staatsbankrott, den der Ex-Bundespräsident Herzog für verfassungskonform erklärte, haften müssen. Und da er dies nicht können wird, eben die Kosten und Haftungen an die Bevölkerung weitergeben.
    Bei Genovas Artikeln erhält man den Eindruck, das Manna wachse vom Himmel.

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  21. genova68 schreibt:

    Staatsverschuldung heißt, dass es Leute gibt, die dem Staat zwei Billionen Euro leihen. Geld wächst nicht vom Himmel (interessante grammatikalische Form), sondern es ist schon längst vorhanden, nur in den falschen Händen.

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