Der Verfassungschutz als Nazi-Förderverein

Nein, es geht nicht um den NSU.

 Der Chef des deutschen Verfassungsschutzes über das rechtsextreme Internetblog Policitally Incorrect:

Der Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, sagte kürzlich auf einer Tagung, er sehe derzeit keine Anhaltspunkte für eine Beobachtung von Hassseiten wie PI-News. „In Deutschland darf man sagen, dass man den Islam nicht mag, genauso wie man sagen darf, dass man das Christentum nicht mag“, sagte er.

Peng. Maaßen suggeriert tatsächlich, auf PI würde nur gesagt, man möge den Islam nicht. So als sagte man, man mag keinen Dauerregen.

PI ist seit Jahren eine Plattform für Volksverhetzung, für eine Art runderneuerte Nazis, die nicht mehr die Juden, sondern die Moslems und Linke … ähm  … entfernen wollen. Es wird dort aufgerufen, mit Waffengewalt gegen Moslems, Türken und andere vorzugehen, es wird NPD-Funktionären eine Plattform geboten, Türken und Moslems erobern Deutschland, in wenigen Jahren müssen alle Frauen eine Burka tragen, es werden haufenweise Falschmeldungen und Lügen lanciert, es wird auch zunehmend in der realen Öffentlichkeit agitiert. Breivik lässt grüßen. Selbst die zurückhaltende FAZ nannte PI einmal „Treffpunkt für den unverholen rassistischen Mob“. Deutsche Gerichte ermittelten und ermitteln derzeit gegen PI-Autoren.

Laut dem Chef des deutschen Verfassungsschutzes sagen sie aber nur, dass sie den Islam nicht mögen. Maaßens Bemerkung transportiert ja auch dieses neurechte „Das wird man ja noch sagen dürfen“, die unterschwellige Haltung, dass Linke die ganze Republik kontrollieren und entscheiden, was man sagen darf und was nicht. Flankenschutz für neue Nazis von ganz oben.

Was ist das für eine Behörde? Sie sind auf dem rechten Auge blind, das haben sie nun jahrelang vorgeführt. Oder sie schaffen den Rechtsterrorismus erst, Strategie der Spannung nannte man das früher, wer weiß.

Oder muss man fragen: Wer ist dieser Hans-Georg Maaßen? Das Hamburger Abendblatt berichtete vergangenes Jahr über seine zweifelhafte Rolle in Sachen Guantanamo, die Linkspartei diagnostiziert eine „ausgeprägte Linken-Phobie“.

Der Typ kam ans Ruder, weil sein Vorgänger bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus versagt hat. Wie war das mit dem Teufel und dem Beelzebub?

Eine Äußerung wie die von Maaßen zu PI müsste eigentlich zu seiner sofortigen Entlassung führen. Nicht, weil man sich darüber empören könnte, sondern weil er zeigt, dass er keine Ahnung von seinem Job hat. Dazu kommt, dass die Landesverfassungschützer in Bayern und Niedersachsen das anders sehen und eine Beobachtung angekündigt haben.

Solche Strukturen finde ich immer wieder faszinierend. Ein kleiner Angestellter wird bei groben Fehlern entlassen, eine Kassiererin sogar wegen der „Unterschlagung“ von 50 Cent. Ein Verfassungsschutzchef muss von seiner Arbeit aber keinerlei Ahnung haben.

Oder hat Maaßen sehr viel Ahnung von seiner Arbeit? Es entsteht natürlich der Verdacht, dass dieser Verfassungschutz Terrorismus und rechte Strukturen fördert. Er hat es in der Vergangenheit schon des öfteren getan. Peter Urbach besorgte den Kommunarden in Berlin Waffen und Sprengstoff und leitete sie aktiv zur Gewalt an. Dann kam heraus, dass er V-Mann war. Dieser Staat braucht Gewalt, braucht diese Spannung offenbar. Man googele zu „Gladio“.

Entweder unterstellt man Maaßen umfassende Blödheit. Kann ja sein. Oder man diagnostiziert eine Taktik. Über die zu reden, weigere ich mich allerdings. Denn sonst ist, wie BAP in den Achtzigern sang, der Verfassungschutz auch hier daheim.

323(Foto: genova 2013)

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8 Antworten zu Der Verfassungschutz als Nazi-Förderverein

  1. Jakobiner schreibt:

    1)Entweder hat der neue Bundesverfassungsschutzpräsident PI News noch nie gelesen oder seine Angestellten sind auch der Ansicht, dass dies eine harmlose Seite ist.Ich vermute: Auf dem rechten Auge bind.

    2) Beim Luxenburger Gladio-Prozess hat jetzt ein Andreas Kramer schwere Vorwürfe erhoben.Oktoberfestattentat, der BND und Gladio–alles Fake?
    In der Münchner Abendzeitung behauptet jetzt ein Kramer, dass sein Vater als BND-und Gladiooffizier das Münchner Oktoberfestattentat augeführt hätte.Kann an das ernst nehmen? Normalerweise erzählten selbst SS-Väter ihren Söhnen und Familien niemals etwas über ihre Geheimoperationen, Massaker und KZ-Tätigkeiten:

    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.terrorismus-historiker-darum-plante-mein-vater-das-wiesn-attentat.ecdd3bfd-97f0-4f0d-92f8-578c01748cad.html

    Zum AZ-Artikel:

    Ich kann mich damals noch erinnern zum Bundestagswahlkampf 1980 als die Oktoberfestbombe losging: FJ Strauss machte die Stasi und den KGB verantwortich, aber schon den nächsten Tag war klar, dass dies ein Neonazi, zumals mit Verbindungen zur Wehrsportgruppe Hoffmann war. Ging der Schuss nach hinten los. Oder war Köhler ein Doppeltagent ala Kuras, der für die Stasi arbeiete, um Strauss zu diskreditieren?Naja, die These, dass es sich beim Oktoberfestattentat wie auch bei Bologna um Gladioaktionen handelte, hat auch schon Günther Walraff in seinem Buch “Unser Faschismus nebenan” vertreten. ZUmal äußerte er auch Skepsis, als der deutsche Neonazi Lemke in seiner Zelle aufgehängt aufgefunden wurde, der über Kontakte zwischen Gladio und Neonazis auspacken wollte und auch die Waffen für die Wehrsportgruppe Hoffmann organisiert hatte, sowie zig Waffenlager angelegt hatte.
    Wisneski hat dann die Gladioverbindung auch noch zur RAF gezogen–Buch: “Das RAF-Phantom”. Elsässer sieht dies wie Wallraff, Wisnewski und zieht zudem Analogien zu 9-11, NSU und Salafisten. Grundmotiv bei allem ist: Den Überwachungsstaat auszubauen und es wird auch immer wieder aus dem CIA-Handbuch zitiert, dass eine “Strategie der Spannung” und Unterstützung von terroristischen Gruppen vorsah, um die Linke und Rechte zu diskreditieren.Wieweit soll man das nun glauben?Was mich jedoch stutzig macht an diesem AZ-Artikel, in der der Sohn seinen BND-/Gladio-Vater denunziert ist: Warum sollte der Vater dem Sohn dies so detailgemäß erzählen? Ich kenne auch noch Veteranen des 2. Weltkriegs, di bis in die BRDzeiten hinein nie ein Wort gegenüber ihren Angehörigen verloren haben, welche Geheimoperationen und Massaker sie während des Krieges veranstaltet haben.Selbiges auch für hochrangige US- Vietnamveteranen. Darüber sprach man nicht, hielt die Klappe, auch gegenüber der eigenen Familie. Und selbst KZ-Aufseher erzählten ihren Familien nichts über ihre Tätigkeit.Will sich der Sohn wichtig machen oder ist doch was dran? Aber was noch interessanter wäre: Gibt es den NATO-Geheimdienst Gladio noch oder nicht und wenn ja zu welchem Zweck?

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  2. genova68 schreibt:

    Man muss bei solchen Geschichten immer aufpassen, dass es nicht verschwörungstheoretisch und neurotisch wird. Deshalb würde ich keinesfalls mit Wisnewski oder Elsässer argumentieren. Ich habe mir seinerzeit die Reiseberichte der beiden aus dem Iran durchgelesen, seitdem ist klar, dass beide völlig unseriös sind, um nicht zu sagen: dumm, in keinster Weise reputabel, egal zu welchem Thema. Die überschätzen sich gnadenlos. Elässser will nur persönliche Macht, ein Neurotiker, der andere ist jenseits von gut und böse. Es gibt auch andere, die sich um gladio und Oktoberfest kümmern.

    Bei Maaßen kommt hinzu: Auf dieser Ebene, in seiner Funktion, wird jedes Interview und jede Rede gegengechekt, die wissen genau, dass ihre Worte unter Umständen auf der Goldwaage landen. Umso interessanter, dass er von „mögen“ redet.

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  3. Jakobiner schreibt:

    Nun zugegeben: Der Elsässer und Wisnewski neigen zu abstrusen Ideen, sind auch sehr ideologisch, aber die Vermutung, dass Gladio hinter den Attentaten beim Oktoberfest und Bologna stecken, hatte auch schon Walraff vertreten. Selbiges auch zur RAF und den Roten Brigaden (Aldo Moro). Und zu diesem Thema gibt es jetzt eben den–in deutscher Öffentlichkeit weitgehend unbeachteten-Luxenburger Prozess. Ist Walraff auch ein Verschwörungstheoretiker? Naja, inzwischen bekommt er ja bei Privatsendern wie RTL jetzt seine eigene Sendung „Team Walraff“.

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  4. genova68 schreibt:

    Für Gladio braucht ich weder Elsässer noch Wisnewski, das ist bekannt.

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  5. Chris(o) schreibt:

    Nun, die Schmuddelecke da oben passt jedenfalls ausgezeichnet zum derzeitigen Zustand unseres „Verfassungsschutzes“.

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  6. genova68 schreibt:

    Sehr schön. Zumindest einer hat meine Intention erkannt :-)

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  7. besucher schreibt:

    Zum oktoberfestattentat sollte man vielleicht auch noch anmerken dass verschiedene Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann in palästinensischen Lagern ausgebildet worden sind. So schließt sich der Kreis auch für einen Elsässer: dieser Kramer ist sein Mann und der schafft es bis zu 3sat Kulturzeit. Das will schon was heißen

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  8. Pingback: Der Verfassungsschutz als Nazi Förderverein | allucanbeat

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