Deutsche Zustände, dargestellt am Klappstuhl

Gedächtnisprotokoll: Das Bundesverfassungsgericht hat zum NSU-Prozess entschieden, dass man einfach drei Klappstühle an den Rand stellen müsse, auf die setzten sich drei türkische Medienverteter, dann könne der Prozess losgehen. Für das Aufstellen würde ich fünf Minuten veranschlagen. So viel, weil man die Stühle ja vielleicht aus dem Keller holen muss. Stattdessen rollt der Richter in München die ganze Sache neu auf, verschiebt den Gerichtstermin um drei Wochen, beschließt die Akkreditierung per Los und hat jetzt den Salat, dass die Brigitte über seine Krawatte und das Make up von Frau Zschäpe berichten wird.

Drei Klappstühle: Jeder Grundschüler hätte die Aufgabe besser gelöst als dieser deutsche Richter.

Wie steht es eigentlich um Strukturen, wenn ein solch läppisches Problem nicht flott gelöst werden kann? Welch kaum auszulotende Tiefen des deutschen Bürokratiewahns tun sich da auf? Warum konnte diesen Richter niemand stoppen?

Es geht ja nicht um diesen Richter, dessen Name ich nicht einmal weiß. Hitler war auch nicht das Problem. Das Problem war die Tatsache, dass ihm zig Millionen Deutsche eifrig bei den Verbrechen halfen.

Der Richter begründet sein Verhalten sicherlich mit Gesetzen, mit Vorschriften, mit Bürokratie, mit Ordnung. Es hat vermutlich in der Tat alles seine Ordnung. Und das alles vor dem Hintergrund, dass staatliche Stellen, Behörden, Geheimdienste, Polizisten und Innenminister für die NSU-Morde mitverantwortlich gemacht werden können, durch Wegsehen, vermutlich durch Lügen, Korruption, in Teilen vielleicht schlichtweg durch rechtsradikale Gesinnungen dieser Leute.

Ich hatte noch nie viel mit der deutschen Justiz zu tun und habe mich um die NSU-Geschichte bislang kaum gekümmert. Aber hin und wieder liest man Sachen, die einem das Vertrauen in einen angeblichen deutschen Rechtsstaat nehmen. Der Fall Mollat, fällt mir gerade ein, die für verrückt erklärten hessischen Finanzbeamten, Flick, Kohl oder Ulrike Meinhof seinerzeit oder auch der Leipziger Rotlichtprozess.

Vielleicht geht es nur darum, um wie viel es geht. Recht und Macht sind schlecht zu trennen.

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3 Antworten zu Deutsche Zustände, dargestellt am Klappstuhl

  1. Chris(o) schreibt:

    Aus meiner Sicht wollte das Gericht seine Souveränität unter Beweis stellen und wirkt dabei lediglich dilettantisch, einfach verheerend unprofessionell.Den Hitlervergleich finde ich jedoch ebenso übertrieben, wie das Bemühen des Gerichtes, sich „unanfechtbar“ zu geben.

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  2. hANNES wURST schreibt:

    Darin sind wir uns einig: deutsche Richter können gar nichts, besonders Gerhard Richter nicht, der macht ja nur Krickel-Krackel.

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  3. genova68 schreibt:

    Ja, der Hitlervergleich ist übertrieben, wie meist.

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