Ulrike Meinhof: „aufrichtig und ernsthaft“

„Ich schaute sie an und sah, dass sie Tränen in den Augen hatte.“ Ulrike Meinhof habe sich deshalb so sehr in sein Gedächtnis eingeprägt, „weil sie die erste Person in der Bundesrepublik war, die aufrichtig und ernsthaft wünschte, über meine Erlebnisse im Warschauer Ghetto informiert zu werden.“

Das schrieb Marcel Reich-Ranicki in seiner 1999 erschienenen Biographie Mein Leben über eine berufliche Begegnung mit der Journalistin Ulrike Meinhof aus dem Jahr 1964 (zitiert nach J. Ditfurth: Ulrike Meinhof. Berlin 2007, S. 183).

Sich vieles zu Herzen nehmen: Das tat sie wohl schon immer. Mit Bibel und Gesangbuch erzogen, Kirchenlieder als Trost, Eltern Nazis, früh Vollwaise, eine verhärtete und verlogene Pflegemutter und eine verhärtete und verlogene Nachkriegsgesellschaft, in der die alten Nazis schon längst wieder das Sagen hatten.

Kaum noch nachvollziehbar heute in der Spaßgesellschaft, dieser bedingungslose Ernst damals.

029(Foto: genova 2012)

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36 Antworten zu Ulrike Meinhof: „aufrichtig und ernsthaft“

  1. alphachamber schreibt:

    Vergleicht man sie mit den Personen der heutigen von Eigeninteressen getriebenen Sozial-Aktivisten, dann muss man sie als Maertyrer bezeichnen.

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  2. Chris(o) schreibt:

    Es ist aber auch dieser „bedingungslose Ernst“, der die tragische „Karriere“ der Ulrike Meinhof beförderte.

    Ähnlich „ernsthaft“ und „bedingungslos“ ist mir nur noch Petra Kelly in Erinnerung.

    Gemeinsam ist diesen beiden Frauen die Selbstverachtung bis hin zur Selbstzerstörung.

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  3. besucher schreibt:

    Dummerweise opferte sie sich später für geltungssüchtige Pöbler wie Andreas Baader auf.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Zu Chris(o):
    „Gemeinsam ist diesen beiden Frauen die Selbstverachtung bis hin zur Selbstzerstörung.“
    Naja, Petra Kelly wurde von General Bastian erschossen–ob sie das selbst wollte, wird immer ungeklärt bleiben.Besser passt vielleicht der Begriff: Moralischer Rigorismus.

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  5. Chris(o) schreibt:

    @ Jakobiner
    Bei Kelly hatte ich nicht unbedingt ihr Ende im Sinn, sondern ihr bis zur totalen Erschöpfung betriebenes Engagement.Aber ihr Tod passte dann auch wieder irgendwie zum obsessiven „Opferwillen“.

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  6. genova68 schreibt:

    Moralischer Rigorismus, tja. Ich werde die Biographie zuende lesen und dann hoffentlich schlauer sein. Eine sehr sympathische Frau jedenfalls, die Ulrike.

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  7. El_Mocho schreibt:

    „wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

    Wirklich eine höchst sympathische Person. Und weiter:

    „Denn wir haben nicht das Problem, daß das Menschen sind, insofern es ihre Funktion ist, beziehungsweise ihre Arbeit ist, die Verbrechen des Systems zu schützen, die Kriminalität des Systems zu verteidigen und zu repräsentieren. Und wenn wir es mit ihnen zu tun haben, dann sind das eben Verbrecher, dann sind das eben Schweine, und das ist eine ganz klare Front. Diejenigen, die sagen, nicht die Bullen sind schuld, die Bullen sind auch irgendwie Menschen, sie haben nur diese beschissene Funktion, diejenigen, die sagen, wir wollen den Kapitalismus abschaffen und den Imperialismus bekämpfen, aber wir machen einen Unterschied zwischen dem System, das wir bekämpfen und den Bullen, die uns bekämpfen — die kommen natürlich überhaupt nicht dazu, das System da zu bekämpfen, wo das System uns bekämpft, Das heißt eben: Sie kommen nicht darüber hinweg, ihre Theorie zur Praxis zu machen, ihre Theorie, die richtig ist. Aber die Praxis hat natürlich zu sein, davon auszugehen, daß die Polizei als Repräsentant des Systems zu bekämpfen ist, und natürlich rücksichtslos zu bekämpfen, und natürlich skrupellos und bedenkenlos zu bekämpfen ist.“

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44931157.html

    Besser kann man den ideologischen Wahn eigentlich nicht dokumentieren. Wenn diese Leute jemals politische Macht hätten ausüben können, hätten sie selbstverständlich auch Konzentrationslager und Gulags eröffnet und einen Haufen Menschen umgebracht, kein Zweifel. Mich kotzen solche Leute nur an.

    Gut hingegen Joachim Fest über Meinhoff:

    „Bei unserer ersten Begegnung auf einem Empfang hörte ich ihr zu und sagte dann: »Sie reden, wie ich es zuletzt von meinem nationalsozialistischen Führungsoffizier im Krieg gehört habe. Der erzählte uns von der Zukunft der Welt und Deutschlands Aufgaben dabei.« Ulrike Meinhof guckte mich an, sie war fast sprachlos. Sie war schon damals dabei, die Jeanne d’Arc der Linken zu werden. …

    …im Gespräch fand ich sie immer nachdenklich, wenn auch etwas zäh auf ihre Position festgelegt. Das war zumindest meine Erfahrung mit ihr. Sie hat oft gesagt: »Da ist etwas dran, das muss ich mir noch mal überlegen.« Aber ihre Leitartikel empfand ich als verdreht und oft geradezu exzentrisch. Ich habe ihr bei jedem unserer Gespräche gesagt: Was haben Sie denn da wieder geschrieben! Vor dem leeren Blatt Papier ließ sie sozusagen alle Vernunft hinter sich.“
    „wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

    Wirklich eine höchst sympathische Person. Und weiter:

    „Denn wir haben nicht das Problem, daß das Menschen sind, insofern es ihre Funktion ist, beziehungsweise ihre Arbeit ist, die Verbrechen des Systems zu schützen, die Kriminalität des Systems zu verteidigen und zu repräsentieren. Und wenn wir es mit ihnen zu tun haben, dann sind das eben Verbrecher, dann sind das eben Schweine, und das ist eine ganz klare Front. Diejenigen, die sagen, nicht die Bullen sind schuld, die Bullen sind auch irgendwie Menschen, sie haben nur diese beschissene Funktion, diejenigen, die sagen, wir wollen den Kapitalismus abschaffen und den Imperialismus bekämpfen, aber wir machen einen Unterschied zwischen dem System, das wir bekämpfen und den Bullen, die uns bekämpfen — die kommen natürlich überhaupt nicht dazu, das System da zu bekämpfen, wo das System uns bekämpft, Das heißt eben: Sie kommen nicht darüber hinweg, ihre Theorie zur Praxis zu machen, ihre Theorie, die richtig ist. Aber die Praxis hat natürlich zu sein, davon auszugehen, daß die Polizei als Repräsentant des Systems zu bekämpfen ist, und natürlich rücksichtslos zu bekämpfen, und natürlich skrupellos und bedenkenlos zu bekämpfen ist.“

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44931157.html

    Besser kann man den ideologischen Wahn eigentlich nicht dokumentieren. Wenn diese Leute jemals politische Macht hätten ausüben können, hätten sie selbstverständlich auch Konzentrationslager und Gulags eröffnet und einen Haufen Menschen umgebracht, kein Zweifel. Mich kotzen solche Leute nur an.

    Gut hingegen Joachim Fest über Meinhoff:

    „Bei unserer ersten Begegnung auf einem Empfang hörte ich ihr zu und sagte dann: »Sie reden, wie ich es zuletzt von meinem nationalsozialistischen Führungsoffizier im Krieg gehört habe. Der erzählte uns von der Zukunft der Welt und Deutschlands Aufgaben dabei.« Ulrike Meinhof guckte mich an, sie war fast sprachlos. Sie war schon damals dabei, die Jeanne d’Arc der Linken zu werden. …

    …im Gespräch fand ich sie immer nachdenklich, wenn auch etwas zäh auf ihre Position festgelegt. Das war zumindest meine Erfahrung mit ihr. Sie hat oft gesagt: »Da ist etwas dran, das muss ich mir noch mal überlegen.« Aber ihre Leitartikel empfand ich als verdreht und oft geradezu exzentrisch. Ich habe ihr bei jedem unserer Gespräche gesagt: Was haben Sie denn da wieder geschrieben! Vor dem leeren Blatt Papier ließ sie sozusagen alle Vernunft hinter sich.“

    http://www.zeit.de/2004/42/Titel_2fFest_42

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  8. Jakobiner schreibt:

    In vielen Darstellungen über die RAF, auch im Film und Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ wird Ulrike Meinhof immer als zartbesaitete, sensible Intellektuelle dargestellt, die erst durch Zufall in die Eskalationsdynamik zwischen Staat und RAF nach ihrem Sprung aus dem Fenster bei der Baader-Entführung geraten sei und durch den bösen Baader und die noch gemeinere Gudrum schlechten Einflüssen ausgesetzt worden sei.Soweit ich mich erinnern kann, schildert Dithfurth aber in der Meinhofbiografie schon wesentlich frühere Ansätze der Meinhof zur Militanz–so habe sie noch als Friedensaktivistin einen Bombenanschlag auf HDW wegen deren Lieferung von Kriegsschiffen an die portuguisische Salazar-Koloniladiktatur vorbereitet.Im übrigen teile ich die Einschätzung El Mochos: Wär die RAF an die Macht gekommen, hätte sie mit Anderdsdenkenden, auch mit moderaten Linken radikal abgerechnet und diese liquidert mittels Volksgerichten.Wie sagte die Meinhof, nicht nur in Bezug auf Polizisten: Du bist Mensch oder du bist Schwein–ein Mittelding gab es für sie nicht und alle Schweine sollten getötet werden.Vieleicht wärst du, Genova vielleicht Opfer des roten Terrors geworden wie Trotzki bei Stalin.

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  9. Jakobiner schreibt:

    Was mich bei vielen früheren Linken ohnehin nervt und was ich peinlich finde, ist, dass sie so taten als hätten sie „Ulrike“, „Andreas“ und „Gudrun“ganz persönlich und intim gekannt. Es galt damals als sehr chic irgendwas mit der RAF tun zu haben und diese Art des Personenkults zu hypen. Als der staatliche Gegenterror dann einsetzte, waren diese Kameraden aber die ersten, die sich distanzierten und gar nichts mehr damit zu tun haben wollten.Und wie sagte Oscar Wilde einmal: Alle Wegen zur Hölle sind mit guten Vorsätzen gepflastert. Auch bei der Linken. Pol Pot wollte den „edlen Wilden“ala Rousseau, der in Verbundenheit mit der Natur als einfacher Bauer ohne städtische Dekadenz arbeite.Edle Absichten, mörderische Konsequenzen.

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  10. Jakobiner schreibt:

    Genauso hätte Genova einen Artikel schreiben können:

    Lenin–aufrichtig und ernsthaft, oder Mao: aufrichtig und ernsthaft oder eben: Pol Pot: aufrichtig und ernsthaft.

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  11. genova68 schreibt:

    Bitte bedenkt bei euren allzu unbedachten Äußerungen: Der Kampf um die Befreiung des Proletariats muss mit Entschiedenheit und Härte geführt werden.

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  12. che2001 schreibt:

    Also, diesen bedingungslosen Ernst kenne ich noch von meinen eigenen Politzusammenhängen aus den Achtzigern und Neunzigern. Gut, gebrochen durch einen gepflegten Nonsense-Humor, aber in der Kernauseinandersetzung waren wir genauso ernst, wenn auch ohne die Konsequenz, wen umbringen zu wollen. Aus unseren Reihen wurden in dieser Zeit ja auch noch Einige getötet.

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  13. genova68 schreibt:

    Der bedingungslose Ernst, das ist ein interessantes Thema bei U. Meinhof, die Konzentration auf Vietnam als Ersatz für die Juden, denen man nicht geholfen hat, die Überzeugung. Es ist ja auch interessant, dass beispielsweise sich niemand mehr für den Irakkrieg interessiert, zehn Jahre danach, obwohl man spätestens heute um die Kriegsverbrechen der Willigen weiß. Die Staatsführer sind in Freiheit statt vor Gericht. Das Fehlen einer moralischen Empörtheit ist für Bush et al. ganz praktisch.

    mocho,
    wenn das, das du da oben machst, deiner grundsätzlichen Herangehensweise an Themen entspricht, dann wundert mich gar nichts. Du verstehst deshalb aus Prinzip nichts, weil du nichts verstehen willst. Meinhof alles mögliche vorzuwerfen, ist natürlich leicht. Daraus abzuleiten, jemand sei nicht sympathisch, ist lächerlich. Du versuchst nicht zu verstehen, sondern erliegst der Feindbildproduktion, ein typisch rechtes Phänomen. Du wirst dich mit dieser Masche ein Leben lang an Foucault und Adorno abarbeiten, ohne irgendwas kapiert zu haben, weil du nicht kapieren willst.

    Danke für die Veranschaulichung deiner Methode.

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  14. besucher schreibt:

    „wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“

    Hmm… heute würde man das als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bezeichnen.

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  15. besucher schreibt:

    @Jakobiner

    Das skurrile bei Rousseau ist dass er von einem Idealzustand des Menschen in der Natur in grauer Vorzeit ausgeht. Einen Idealzustand den es nie gegeben hat wenn man sich die Realitäten vor Augen führt: Der Steinzeitmensch musste ständig auf der Hut vor feindlichen Stammesverbänden sein, das Essen war im Großen und Ganzen wenig schmackhaft und wenn man an Leib- oder an Zahnschmerzen litt durchstand man dass vermutlich nur unter stärkerem Drogeneinfluss.

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  16. besucher schreibt:

    @genova

    warum erwähnst Du zum Beispiel nicht auch dass sich niemand mehr für Darfur interessiert? Oder für den Ost-Kongo? Oder für Xinjiang?

    Die ganzen Artikel und Reportagen im Fernsehen sprechen Bände zu Deiner populistischen Feststellung dass der Irak niemanden interessiert.

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  17. Jakobiner schreibt:

    Zu Genova:
    „Es ist ja auch interessant, dass beispielsweise sich niemand mehr für den Irakkrieg interessiert, zehn Jahre danach, obwohl man spätestens heute um die Kriegsverbrechen der Willigen weiß. Die Staatsführer sind in Freiheit statt vor Gericht. Das Fehlen einer moralischen Empörtheit ist für Bush et al. ganz praktisch.“
    Das hängt aber meiner Ansicht nach mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in den USA zusammen.Heute treffen diese Kriege nur „Freiwillige“, früher konnte jeder nach Vietnam kommen und gab es dementsprechend auch eine Politisierung über diese Frage bei den Jugendlichen und Wehrdienstleistenden im Kriegsalter.Am besten zu sehen in dem Musicalfilm „Hair“.Über den ersten Golfkrieg gab es eigentlich nur einen Film „Jawheads“und hier wurde eher Beschwerde geführt, dass dies ein Hochtechnologiekrieg ist, bei dem der Soldat gar nicht mehr richtig zum Einsatz kommt.

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  18. genova68 schreibt:

    „warum erwähnst Du zum Beispiel nicht auch dass sich niemand mehr für Darfur interessiert? Oder für den Ost-Kongo? Oder für Xinjiang?“

    Weil Irak gerade zehnjähriges feiert, deshalb kam mir das in den Sinn. Und das weißt du auch, besucher. In den anderen Gebieten sind die Zuordnungen nicht klar, im Irak haben die USA einen völkerrechtswidrigen imperialistischen Krieg begonnen, die Kriegsverbrecher laufen frei herum.

    Immer die Stöckchen, über die ich springen soll…

    Jakobiner,
    stimmt wohl. Guttenberg wusste, warum er die Wehrpflicht abschaffte.

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  19. besucher schreibt:

    Also im Sudan sind die Zuordnungen sogar sehr klar. Kann man alles nachlesen. Aber das Thema eignet sich schlecht für populistisches Getröte.

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  20. genova68 schreibt:

    Na, dann lies mal schön.

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  21. Jakobiner schreibt:

    Interessant. Brandanschlag auf Till Schweigers Auto und heute ging ein Bekennerbrief dazu ein, wonach Schweiger in seinem neuen Film die Bundeswehr verherrlicht hat und die Opfer des NATO-Einsatzes in Afghanistan verschweigt.Es scheint doch noch Leute zu geben, die sich von den Auslandseinsätzen betroffen fühlen.

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  22. genova68 schreibt:

    Wenn ich es mir spontan überlege, ist mir Schweiger unsympathischer als Hitler. Das sollte man mal zur Diskussion stellen.

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  23. Jakobiner schreibt:

    Noch ein paar Infos zum „Anschlag“ auf Schweiger aus der Frakfurter Rundschau:
    „Motiv: Afghanistan-Engagement
    In dem Bekennerschreiben wird Schweigers Engagement für die Bundeswehr und deren Einsatz in Afghanistan als Motiv für den Anschlag genannt. „Deutsche Kriegseinsätze mit allen ihren Folgen sollen als normal und gerecht empfunden und akzeptiert werden“, heißt es in dem Schreiben.
    In zahlreichen Veröffentlichungen, Filmen und Fernsehsendungen würden ehemalige Afghanistan-Kämpfer als Helden auftreten. Konkret nennen die angeblichen Täter Schweigers Film „Der Schutzengel“, in dem der 49-Jährige im vergangenen Jahr einen früheren KSK-Soldaten mimte, der aus Afghanistan zurückgekehrt war und nun eine Zeugin vor ihren Verfolgern schützte.
    Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte in der Vergangenheit dieses Engagement Schweigers gewürdigt und war auch zur Premiere des Streifens in Berlin erschienen. De Maizière betonte unlängst, durch solche Darstellungen der Soldaten in Film und Fernsehen hätte sich das öffentliche Ansehen der Bundeswehr in den vergangenen Jahren und die Akzeptanz des Afghanistan-Einsatzes erheblich verbessert.
    Andere Opfer von Farb- und Brandanschlägen
    Farb- und Brandanschläge auf die Fahrzeuge oder Wohnhäuser von Prominenten hat es in der Hansestadt in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Zu den Opfern gehörten Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, dessen Mercedes 2007 in Flammen aufging, der Chef der Werbeagentur Jung von Matt, Holger Jung, der für die Kampagne „Du bist Deutschland“ verantwortlich war oder der Chef der Affinerie, Werner Marnette. Die Täter konnten stets unerkannt entkommen.
    In Hamburg und Berlin wurden in den vergangenen Jahren nachts auch immer wieder Luxusautos aus Protest gegen steigende Mieten und die Gentrifizierung ganzer Stadtteile angezündet. Überdies wurden Fuhrparks von Polizei, Bundeswehr, der Post und anderen Speditionen wiederholt von Brandstiftern heimgesucht, die ihre Taten stets damit begründeten, dass die betroffenen Firmen und Einrichtungen die Streitkräfte bei ihren Auslandseinsätzen unterstützten“
    http://www.fr-online.de/panorama/til-schweiger-anschlag-staatsschutz-ermittelt-nach-schweiger-anschlag,1472782,22219382.html

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  24. genova68 schreibt:

    Ja, die Rolle Schweigers in Sachen Afghanistan („mehr Respekt für deutsche Soldaten“) ist eine üble so wie der ganze Typ. Ein Narzist, der vermutlich Behandlung bräuchte, wäre er nicht so erfolgreich. Dennoch sind mir diese ganzen Anschläge zuwider, weil ich diese Leute für nicht reif genug halte, als dass sie wüssten, was sie tun.

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  25. Jakobiner schreibt:

    Schweiger ist für mich ein unsäglich schlechter Schauspieler, der eigentlich nur 3 Mimiken draufhat, darunter sein penetrant dämliches Grinsen und eben gerne den Actionrambo und schönen, harten Mann spielt, der Minderjährige, Witwen und Waisen schützt. Ein Schwarzenegger für Arme!!!

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  26. garfield080 schreibt:

    @Jakobiner
    Das hängt aber meiner Ansicht nach mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in den USA zusammen.Heute treffen diese Kriege nur “Freiwillige” …

    die Abschaffung der Wehrpflicht war MMN sehr gefährlich.
    Es sollte es entweder eine Wehrpflichtigen-, „Volks-„Armee geben, oder komplette Abschaffung der BW.

    Aber das war schon ein genialer Zug… jetzt kann man die Soldaten um die ganze Welt schicken, ohne Proteste fürchten zu müssen – sie wissen ja, es trifft weder sie noch die eigenen Kinder, sondern bloß Freiwillige – und die sind doch selbst schuld, hätten ja nicht gehn müssen…
    an die zivilen Opfer denkt hierzulande sowieso keiner, nicht nur dank der geschickten Medienmanipulation.

    Gleichzeitig sind wir auf dem besten Weg, so ne Art Opfer/Heldenmythos nach amerikanischen Vorbild einzuführen, DeMaiziere hatte ja schon mal einen „Veteranentag“ angedacht … Staatsbegräbnisse mit viel Tamtam, Orden, Denkmäler, Lametta, volles Programm…
    ich kann mich schlecht ausdrücken – aber ich denke, über kurz oder lang wird das in ne Situation ähnlich den USA führen – wo man die Gefallenen „Helden“ betrauern & über den Scheiß Krieg schimpfen kann, beim anschließenden feierlichen Singen der Hymne… und die Maschinerie damit auf ganz subtile Weise noch am Laufen gehalten wird, ohne daß überhaupt ein Widerspruch auffallen würde.
    ich kann mich wie gesagt schlecht ausdrücken, aber vllt versteht ihr was ich meine.

    „Pazifisten“, die sich für eine Abschaffung der Wehrpflicht einsetzen, aber kein Problem mit einer Söldnerarmee haben – sind MMN keine Pazifisten, sondern entweder „kurzsichtig“ oder Heuchler…
    jedenfalls graust mir schon allein der Gedanke an die militärische Zukunft – wo Drohnen das Abschlachten wildfremder Leute jetzt schon zu einem „spielerischen Akt“ gemacht haben.

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  27. Jakobiner schreibt:

    1) Zu Genova:
    „Bitte bedenkt bei euren allzu unbedachten Äußerungen: Der Kampf um die Befreiung des Proletariats muss mit Entschiedenheit und Härte geführt werden.“
    „Dennoch sind mir diese ganzen Anschläge zuwider, weil ich diese Leute für nicht reif genug halte, als dass sie wüssten, was sie tun.“

    Aber die gute „Ulrike“ war reif, „aufrichtig und ernsthaft“ genug, dass sie wusste was sie tat, oder wie? Reflektierende Intellektuelle dürfen Menschen morden, unreflektierte Halbgebildete nicht mal einen Wagen abfackeln–ein sehr elitaristischer Ansatz auch, bester Genova.

    2) „aber ich denke, über kurz oder lang wird das in ne Situation ähnlich den USA führen – wo man die Gefallenen “Helden” betrauern & über den Scheiß Krieg schimpfen kann, beim anschließenden feierlichen Singen der Hymne“
    –das ist die Frage. Bisher hält sich die deutsche Regierung ja eher aus Kriegen heraus–siehe Lybien oder wie Westerwelle das nennt“die Kultur der militärischen Zurückhaltung“. Ich glaube auch, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung diesen militaristischen Pomp nicht mitmachen würde– Militärparaden ala Russland, China oder USA dürfte es also in weiterer Zukunft nicht geben, auch keine Marschkolonnen im Stechschritt und Panzerverbände unter dem Brandenburger Tor, die dann von der Größten Feldherrin aller Zeiten Merkel oder sonstwem abgenommen wird.Die Strategie dürfte eher sein, die weltweiten Einsätze eher erst gar nicht in der Öffentlichkeit zu thematisieren und totzuschweigen, soweit es eben geht, sie von der Öffentlichkeit weitgehendst zu entkoppeln. Und die Medien spielen da mit–hast du noch was über Mali gehört die letzten Wochen–da herrscht scheinbar Nachrichtensperre.

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  28. Jakobiner schreibt:

    „Aber das war schon ein genialer Zug… jetzt kann man die Soldaten um die ganze Welt schicken, ohne Proteste fürchten zu müssen – sie wissen ja, es trifft weder sie noch die eigenen Kinder, sondern bloß Freiwillige – und die sind doch selbst schuld, hätten ja nicht gehn müssen…
    an die zivilen Opfer denkt hierzulande sowieso keiner, nicht nur dank der geschickten Medienmanipulation.“

    Ja, die Einstellung in der Bevölkerung scheint die des jungen Goethes zu sein: Was kümmert´s mich wenn sich ferne fremde Völker die Schädel einschlagen.

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  29. genova68 schreibt:

    Jakobiner,
    das erste Zitat war ironisch gemeint, ich dachte, das sei klar, aber wenn man sich nicht kennt, geht Ironie manchmal daneben. Es war meine Reaktion auf die dämlichen Kommentare von mocho, der auf meinen individuellen Versuch der Annäherung an Meinhof mit dem üblichen Krempel kam.

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  30. garfield080 schreibt:

    „… ich glaube auch, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung diesen militaristischen Pomp nicht mitmachen würde– Militärparaden ala Russland, China oder USA dürfte es also in weiterer Zukunft nicht geben, auch keine Marschkolonnen im Stechschritt und Panzerverbände unter dem Brandenburger Tor, die dann von der Größten Feldherrin aller Zeiten Merkel oder sonstwem abgenommen wird …“

    Militärparaden & ähnlicher Pomp sind dafür gar nicht mehr nötig…
    das geht viel subtiler, – Kinofilme sind nur die Spitze des Eisbergs – sogar Dokumentationen, Berichte und was weiß ich noch alles, übernehmen die Rolle…
    die Botschaft lautet: „hasse den Krieg, aber nicht den Krieger!“
    mit der Trennung zw. Krieg und Soldaten fängt’s ja schon an, und die taucht immer häufiger auf.
    Der Täter ist „der Krieg“ – praktisch, weil nicht fassbar – Opfer ist der Soldat, nicht etwa Zivilisten – wenn die überhaupt auftauchen, nur als Teil der Kulisse (auch in den Nachrichten), Krisengebiete sind ja grundsätzlich menschenleer… dazu kommt dieses Gefühl „das Schlachtfeld als der letzte Ort, an dem man sich beweisen kann“, was in unserer über-sicheren & durchorganisierten Welt gerade auf Jugendliche sicher anziehend wirkt.

    So kann man zum Militär gehn, und seinem Ego gleichzeitig einreden, man sei 100% Anti-Krieg… und der Widerspruch fällt nicht mal auf, wie gesagt.

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  31. Jakobiner schreibt:

    Wohlgemerkt: Die meisten sogenannten Antikriegsfilme sind auch nicht besser als die Kriegsfilme. Dazu als Lesetip:

    Mit Rambo nicht Neues im Westen–warum sich Kriegs- und Antikriegsfilme in nichts unterscheiden!

    Das akademische Gemüt rümpft hoch die Nase über die sogenannte Kategorie: Kriegsfilm.

    Bildlich darf man sich darunter vorstellen: Rambo, Top Gun, Der Eiserne Adler und was da noch so alles von aufgeklärteten Medienkritikern als solches verschrien ist. Formal zu erkennen sei der Kriegsfilm unter anderem durch: Saubere Heroisierung, aalglattes Ableben, Machismo und Action.

    Schon interessant ist dann, was von dieser Seite als Kategorie Antikriegsfilm gehandelt wird :

    “Kohlberg”, “Im Westen nichts Neues”, “Das Boot”, “Die Brücke”, “Dr. Strange – als ich lernte die Bombe zu lieben”, “When the wind blows”, “Apocalopse Now”, “Full Metal Jacket”, “Platoon”, “4th of July”, “Zwischen Himmel und Erde” und neuerdings “Saving Private Ryan”. Formell seien sie daran zu erkennen, daß der Krieg unsauber, realistisch ohne Beschönigung dargestellt sei. Fast wie im richtigen Leben

    Der Erkenntnishortizont der meisten dieser sogenannten Antikriegsfilme ist begrenzt darauf, daß ein Krieg eine denkbar ungemütliche Sache ist, zumal zerstörerisch für Volks- oder eigenen Körper. Man kann da sterben, muß Leute töten und/oder andere Selbstverständlichkeiten eines guten Bundeswehrtrainings halt auch mal umsetzen. Kein sauberer Krieg halt – insofern man das Ideal von einem sauberen Krieg als Maßstab hat. Die Erkenntnis dieser Antikriegsfilme ist also: Brutal so ein Krieg auch ! Zudem er auch meistens dann auch nur “our Boys/unsere Jungs” als Opfer sieht. Die andere Kriegsseite wird da schon ausgeblendet. Wenn die eigentlichen Opfer oder die andere Kriegspartei einmal ins Bilde oder gar zu Worte kommt, dann als feuriger Vietcong, Araber, südkoreanisches Waisenkind oder als jungfräuliches Asiatenmädchen, das zugleich idealisierte Mitleidsprojektionsfläche ist. Die SO Lieschen Unschuldig ist, daß sie ohnehin nichts zu sagen hat, außer daß man sich aussöhnen solle und Frieden eine gute Sache ist, d.h. inhaltslose Blubberblasen von sich gibt in jederlei Richtung interpretierbar – oft zumal mit asiatischen/buddhistischen Weisheiten (Schwachsinn) garniert. Nicht nur, daß der Krieg ein unsauberer sei, nein schlimmer: ein sinnloser Krieg auch noch dazu!

    Die Argumentation eine

    SINNLOSIGKEIT DES KRIEGES

    weist nur darauf hin, daß ein Krieg eben mit Vernichtungswaffen geführt wird, nicht aber auf Gründe oder Zwecke, weswegen er geführt wird. (Selbst dieser Kritikabteilung wird neuerdings entgegengearbeitet mit der Entwicklung “nichttödlicher Waffen” – wie sie Friedensforscher Schmidt-Eenbohn marketinggeschickt schon heute anpreist). Diese Sorte “Kritik” drückt sich auch um die Stellungnahme, ob man einen Krieg für zweckgemäß und geeignetes Mittel befindet oder halt nicht (Tyrannenmord, Krieg gegen Somoza, etc.), da der Einsatz von Gewalt zumeist schon als PER SE verurteilungswürdig angesehen wird und zwar ohne nähere Betrachtung der Umstände, der Ursachen, der Zwecke und Ziele. Antikriegsfilme sind daher zumeist ein inhaltsloses Statement gegen GEWALT AN SICH, bzw. kritisieren nur unverhältnismäßigen Gewalteinsatz. Ebenso wie in der Jugendgewaltdebatte alles in den großen Topf GEWALT geschmissen wird und z.B. unpolitische Kleingangs (deren höchstes Begehr die Markenjeans des zahlungskräftigeren Mitschülers ist) undifferenziert in einem Atemzug mit straff durchorganisierten politischen Gangs faschistischer Jugendorganisationen (deren kleinstes Begehr das allabendliche “Zeckenklatschen”, aber eben das stramme obergeordnete Ziel der Errichtung eines 4. faschistischen Reichs ist) als ein kohärentes Ganzes unter dem Titel Gewalt zusammengeschmissen werden. Exakt von dieser Sorte Gewalt- und Pazifismusbegriff resultiert dann wegen inhaltsloser Gewaltablehnung “an sich” oft im Laufe der Jahre ein Umschwenken auf kriegerische Positionen “für sich”, wie man das gerade bei den Grünen erlebt.

    So zweck-/grundlos können Kriege gar nicht sein, DA sie eben immer wieder geführt werden – sonst hätte es nicht so viele “sinnlose” Kriege gegeben. All diese Kriege hatten ihre Ursachen und Zwecke. Wenn man keine Kriege will, sollte man die Kriegsursachen auch analysieren und sich überlegen, wie man diese abstellt. Doch gerade darum geht es bei den Apologeten der “Sinnlosigkeit” NICHT. “Sinnlosigkeit” ist da eher das Äquivalent für Nichtverstehen- Wollen, sich und andere im Unverständnis suhlend belassend.

    Die Scheinantworten, die da gegeben werden, orientieren sich am Formellen: Die da oben- wir da unten, eine Kritik, die auch der einfache Gefreite Adolf Hitler hätte teilen können. Oder an Charakterlosigkeit. Oder es sind halt Verrückte – der Krieg als Resultat einer vorgeblichen Geisteskrankheit (Machtversessenheit) der jeweiligen Führer. Im besten/schlechtesten Falle als Mißperzeption, Zufall, Hineinschlittern, o.ä

    Entweder sind hier monokelschwingende Junkergeneräle oder tollwütige große Diktatoren die Erklärungsfolie, die den guten deutschen Landser verheizen. Oder eine Art anthropologische Interpretation eines Kampfes zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis in den Abgründen “unserer Seele”- individuell, wie aber auch quasi-repräsentativ für und gegen die “Volksseele”. Ausgetragen dann als guter Soldat contra schlechter Soldat im Kriegsknigge des Schlachtfeldes. Zumal treten die Guten dann auch noch als idealistisch gesinnte Campus-Milchbubis auf, die von haßverzerrten und vernarbten Gesichtern böser Kriegsprols kontrastiert werden (z.B. in Platoon). Im allgemeinsten Falle ist der Mensch halt ein Krieger oder Tier von Natur aus – fragt sich nur wie dann die augenfällig langen Perioden von Frieden und Kooperation zusammenkommen! Egal: Es geht um MORAL:

    In “Casualties of War” wie auch in Platoon kämpft hier der GUTE Militarist gegen den BÖSEN Militaristen. Der BÖSE vergewaltigt, der GUTE meint: ein demokratisch geführter Krieg habe sauber – funktional ohne eigene Triebexzesse auszukommen, sondern nur der “höheren Sache” zu dienen. Vergewaltigungen unschuldiger Frauen lenkt vom eigentlichen Ziel der Eliminierung von Vietcongs ab und verbreitet ungute Stimmung unter der zu zivilisierenden Bauernschaft. Der BÖSE argumentiert mit Partisanenbekämpfung und Erhalt von Zusammenhalt, Kameradschaft und Lebenskraft.

    Allen sogenannten Kriegs- wie auch Antikriegsfilmen ist somit eines GEMEINSAM: Keiner geht auf die Kriegsursache, Frage der Zwecke ein. Warum, weswegen kam es zu diesem Krieg?

    Beiderlei Genres verschanzen sich hinter der Mittel-/Verhältnismäßigkeitrelation

    Bei sogenannten Kriegsfilmen ist der Zweck ohnehin feststehend und gar nicht erst benannt, weil von oben und damit als unhinterfragbar vorausgesetzt. Zumeist ein sauberer Krieg! Somit sind alle Mittel zulässig.

    Bei den sogenannten Antikriegsfilmen.wird ebensowenig nach Kriegsursache gefragt, doch anhand verwendeter Kriegsmittel und Verhältnismäßigkeit affirmative Kritik nach oben aufgemacht. Wenn wir schon Frontschweine sind, dann aber bitte Respekt vor uns. Wenn wir schon Frontschweine sind, dann erwarten wir aber bitte eine saubere Kriegsführung.

    “Burger Hill” gewann seine Popularität dadurch, daß hier (authentisch und eine wahre Geschichte!) Hunderte von GIs in Schlamm und Blut geopfert wurden, um diesen Hügel zu stürmen. Dieser wurde dann aber wieder nach Eroberung unter schwersten Verlusten ruckzuck geräumt, da die taktischen Prioritäten sich verschoben hatten. Zwar dramatisch, Scheiße kann`s laufen. Die alltägliche Frontveränderung halt in einem Krieg, wie auch Truppen bei allsonntäglicher “Risiko”- Spielrunde auf dem Altar der Würfel geopfert werden. Der Klageruf und wesentliche Inhalt dieses Antikriegsfilms erschallt: Unfair und unsauber!!! Eine Art Reklamation an die Obrigkeit, man möge mit dem Kanonenfutter nicht “leichtfertig” rumspielen. Hätte’s das gebraucht? So mancher General, der mehrere Hunderttausende über mehrere Schlachtfelder hin- und herkoordinieren muß, wird sich gegen eine derartige mikroskopische Sichtweise zurecht beschweren. Zumal all diese Untertanen ja ihm ungefragt gehorchen wollen, den Zweck des Einsatzes ja ungefragt unterstützen. Wo gehobelt wird, fallen halt auch Späne. Denn exakt an diesem Punkt erfolgte ja nie weiteres Nachfragen: Warum überhaupt dieser Krieg geführt wird, zu welchem Zweck und dann die Beantwortung der Frage, ob man diesen teilt! Wäre dies gekommen, hätte es der General auch sogleich als “Insubordination” vors Kriegsgericht gezerrt. Aber all diese Leute haben ja nicht einmal verweigert, noch sich solche Fragen je gestellt. Ebenso bei Antikriegsfilmen

    Warum z.B. der Vietnamkrieg geführt wurde, in dem der Burger Hill einen Mikrokosmos an Dramen darstellt, wird gar nicht erst gebracht. Den Dramaturgen interessiert das verwertbare Drama – nicht aber die Ursachen oder gar eine verfilmbare Analyse des Krieges. Ähnlich läuft es mit den realen Rekruten ab: Was von oben kommt, muß Sinn haben, muß gut sein. Nur siegen müssen “wir”. Punktum

    Wenn es nicht so läuft, dann äußert sich Unzufriedenheit, Kriegsmüdigkeit, “Kritik”- doch zumeist nie an den Ursachen und Zwecken. Analog sind dann auch die Ausgangspunkte bei Anti- und Kriegsfilmen:

    In beiden Fällen stehen “unsere Boys” schon immer vor oder schon auf dem Schlachtfeld und haben sich zu bewähren. Wie sie dies tun oder wie ihnen mitgespielt wird- das ist der Kern beider Genres.

    Aber halt nicht: Warum sie da stehen, weshalb überhaupt- das wird konsequent ausgeblendet. So gibt es keinerlei Antikriegsfilme, die Fragen nach Kriegsursachen versuchen nachzugehen. Keiner dieser Filme versucht auch nur eine Erklärung explizit zu äußern, warum es zu Kriegen oder zu Weltkriegen ( 1, 2), Korea-, Vietnamkrieg, etc. kam.

    Die Unisono- Antwort auf diese Kritik ist auch

    “Das ist ja nicht das Thema” oder: “Das kann ja ein Film nicht bringen”

    Warum eigentlich KANN er dies nicht? Warum wurde und wird dies nie versucht?

    Daß dies nicht Thema IST, dem ist zuzustimmen. Warum es nicht sein kann, ist da schon keinesfalls klar. Dann folgt als nächste Schutzbehauptung: Ein Kinofilm könne schon aus dramaturgischen Aspekten keine Dokumentation sein.

    Nur: Es geht nicht um Dokumentation, Chronologie, sondern Analyse der Kriegsursachen, die man filmerisch durchaus spannend mit Einzelschicksalen in einen klärenden oder diskursiven Kontext verbinden kann

    Da ist wohl eher die Ahnung, daß sich hierfür keine Sponsoren einfinden. Der vorschreitende Gehorsam, wie auch die daraus resultierende Tendenz vieler Filmemacher, daß wenn man so einen Film dreht, dann doch lieber an direkter Individualbetroffenheit (Rollstuhl, gefallener Sohn, Kriegspsychose, kriegsentwurzeltes Vietcongmädel, eigener Freiheit auf Motorrad, etc) ansetzt, denn auf Analyse in Verknüpfung mit filmerischen Mitteln. Schon Geschichts- Sozialkunde- und anderer Unterricht, wie auch andersweitige Vorkonditionierung an Filmhochschulen zu Beziehungskisten, Action, etc. beugen da einem solchen Genre schon präventiv vor.

    Zumal solche Produktionen bei allem Kraftaufwand nicht vermarktbar wären

    Besser kommen da schon wie jetzt die Produktionen deutscher Neufilmer mit Betroffenheitsinterviews, Lars von Thiers-Formaten mit Kosovo-Albanern und Sample-technischer Schnittästhetik zum neusten Krieg. Damit wird inhaltliche Analyse klar rausgehalten und affirmative Legitimationsmuster filmerisch rübergebracht

    Daß also Antikriegsfilme von Liebhabern sogenannter Kriegsfilme als wehrkraftzersetzend, Pazifistenkram und weicheiisch betrachtet werden, macht kritischen Leuten die Antikriegsfilme aufgrund eines scheinbar offensichtlichen Kontrastes schon unhinterfragt sympathisch. Zumal wenn diese kritischen Menschen dann diese Antikriegsfilme auch noch für “ästhetisch gut gemacht”/”dramaturgisch exzellent” befinden, fallen Inhalte ganz heraus.

    Denn kein Film beantwortet oder “erörtert” die Frage, WARUM es zu dem Krieg, den Weltkriegen oder ähnlichem kam. In diesem WESENTLICHEN Punkt unterscheiden sich Kriegs- und sogenannte ANTI-Kriegsfilme überhaupt nicht!!

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  32. garfield080 schreibt:

    ich finde Anti-Kriegsfilme in der Hinsicht sogar noch problematischer.

    Bei „echten“ Kriegsfilmen wie Rambo etc, wird wohl auch Freunden solcher Filme klar sein, daß es sich da um an den Haaren herbeigezogene Science Fiction handelt, reine Unterhaltung.
    „Anti“Kriegsfilme, wie Platoon z.B., haben dagegen den Anspruch die Realität zu zeigen.
    Gerade indem sie auch die „schmutzigen“ Seiten des Kriegs zeigen (wobei die wirklich schmutzigen, Brechreiz erzeugenden „Seiten“ natürlich auch hier draußen bleiben), also den Dreck, das Leid, die sterbenden Kameraden etc… wird ja erst die „Opferrolle“ des Soldaten aufgebaut.

    Während Rambo ein sowieso unerreichbarer Übermensch ist, ist der Soldat in diesen Filmen ein Mensch „wie du und ich“; aber einer der viel durchgemacht hat, gelitten hat, durch die Scheiße gegangen ist… was ihn gerade erst sympathisch macht. Eine positive „Underdog“-Identifikationsfigur halt.

    Man muß die Sendung von der „Aufnahme“ (dafür gibt’s sicher einen Fachausdruck – ich ungebildeter Bauer hab keinen parat, lasse mich aber gerne belehren ;-)) trennen, also wie sie ankommt & was sie in Gang setzt.

    Von daher sind „Anti“Kriegsfilme wahrscheinlich ne bessere Reklame fürs Militär als jeder BW-Werbespot.

    Was die Finanzierung angeht, hast du wahrscheinlich Recht, viele Filme werden ja durch das Militär selbst tatkräftig unterstützt.
    Waschechte „Requisiten“ machen sich natürlich sehr viel besser auf der Leinwand… im Gegenzug für teures Original-Material, an das man so gar nicht rankommt, sind viele Produzenten dann bereit sich „gefällig“ zu zeigen.

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  33. besucher schreibt:

    Vielleicht sollten die Gotcha-Akademien mehr Werbung machen: Das zieht die an die unbedingt ballern wollen.

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  34. garfield080 schreibt:

    edit:
    neben den „wirklich schmutzigen Seiten“ sind in Anti-Kriegsfilmen natürlich auch die wirklichen Opfer nie zu sehn – Zivilisten, die keine Gemeinschaft haben, in der sie mit Nahrung und med. Behandlung versorgt werden; die dort Heim, Familie & Freunde verlieren, um dann wie verlorene Seelen durchs Land zu irren; auf die kein gedeckter Tisch in einem friedlichen Land wartet, sondern eine Pritsche im Auffanglager…
    wie gesagt, Krisengebiete sind grundsätzlich menschenleer & unbevölkert

    war nicht eigtl Ulrike Meinhof das Thema…?

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  35. Jakobiner schreibt:

    Dann stell´ dir eben mal vor, was Ulrike Meinhof wohl zu Antikiregsfilmen und „Unsere Mütter, unsere Väter“ gedacht hätte…damit sind wir dann wieder on-topic…

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  36. garfield080 schreibt:

    ich bin nicht so der Meinhof-Experte. Um das „live“ miterlebt zu haben, bin ich eine Generation zu spät. Meine RAF-Kentnisse beschränken sich auf wenige Sachen die ich gelesen hab, „Baader-Meinhof-Komplex“ von Stefan Aust z.B., nur war der Autor wohl nicht gerade „unbefangen“ soweit ich weiß. Das Buch war so eigtl ganz ok, den Film fand dagegen ich ziemlich scheiße… nicht daß ich ein Fan der RAF wäre, aber da war mir zuviel „Brille“ im Spiel; v.A. viel zu oberflächlich. Wer sich nicht vorher schon mit dem Thema beschäftigt hatte, konnte da eigtl kaum durchblicken… aber ist schon paar Jahre her, vllt täuscht auch meine Erinnerung. „Carlos“ fand ich allerdings noch schlimmer…

    PS. das oben war übrigens kein Scherz – der Fachausdruck für „Aufnahme“/Aufnehmenden“ in dem Fall ist „Rezipent“, lieg ich da richtig?
    Dank mangelnder Schulbildung hab ich’s nicht so mit Eloquenz, bin aber gerade dabei mir im Selbststudium einen umwerfend intellektuellen Flair anzueignen ;)

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