Verlöschendes Interesse als Prinzip

Sendungen wie diese mögen von guten Absichten getragen sein. In Wahrheit aber tragen sie dazu bei, ein wichtiges Thema so lange ergebnislos kaputt zu quasseln, bis auch beim Letzten jedes Interesse verlischt.

Schreibt Lena Bopp in der FAZ über eine aktuelle Ausgabe von Anne Will. Es ging um Sexismus. Das Zitat ist als Schlüssel zu diesen TV-Formaten insgesamt zu sehen, auch wenn der Verfasserin das vielleicht gar nicht klar ist. Labern ohne Ergebnis, ohne Erkenntnis. Das ist seit cirka 20 Jahren der Effekt dieser Sendungen, seit das mit Talk im Turm begann. Meist geht es in diesen Sendungen um wirtschaftspolitische Themen: Eurokrise, Hartz IV, böse Banker, Sozialstaat undundund. Es wird seit zwanzig Jahren alles zerredet, bis das Interesse erlischt bzw. von der nächsten Sau abgelöst wird, die man durchs Dorf treibt. Es geht nicht um Information, sondern um Desinformation durch Überdosis und Ablenkung.

Angesichts der Zahl dieser Sendeausgaben, die in die tausende geht: Was hat das bislang gebracht? Offenkundig ist ja, dass die Formate vor allem eine neoliberal gewendete Politik begleitet haben. Das alleine lässt schon den Schluss zu, dass sie einen antiemanzpatorischen Effekt haben müssen, sonst gäbe es nicht das antiemanzpatorische Ergebnis.

Sind diese Talkshows also nur dazu da, um das System zu stabilisieren, indem man pausenlos relevante Inhalte zerquatscht? Wären sie nicht schon längst abgesetzt, würde dort mit Niveau und vor allem mit Erkenntnisinteresse diskutiert? Ist die TV-Talkshow ein typisches Phänomen einer oberflächlich aufgeklärten Gesellschaft, in der keiner mehr die direkte Konfrontation sucht, sondern in pseudodemokratischer Manier vorgeblich unterschiedliche Standpunkte in seriösem Rahmen (Glas Wasser auf dem Tisch) beredet werden? Einfach nur eine weitere neoliberale Rafinesse?

Insofern wäre der erste Satz von Frau Bopp Nonsens. Vielleicht wahr auf die aktuelle Sexismus-Debatte bezogen, ansonsten aber nicht.

Wer diese Thesen für verschwörungstheoretisch hält, müsste erklären, warum – auch nach 2007 – der marxistische Erklärungsansatz in diesen Sendungen keine Rolle spielt, obwohl er für eine seriöse Erklärung unverzichtbar ist. Ein paar wirklich fitte Gäste hin und wieder sind letztlich nur Bestätigung des hier Gesagten. Das System muss sich als liberales präsentieren, damit seine Illiberalität nicht auffällt. Das Spiel mit dem Anderen als reine Kulisse, die bestehende Verhältnisse zementiert, indem sie sie als veränderbar präsentiert. Wir reden doch ganz offen drüber, ist doch toll.

Die Mechanismen sind subtil, die Ergebnisse müssen vorher feststehen.

Die im Dunkeln:
046(Foto: genova 2012)

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31 Antworten zu Verlöschendes Interesse als Prinzip

  1. besucher schreibt:

    Das hat nichts mit den Talkshows zu tun, das ist im Fernsehen IMMER so.
    Der große Philosoph Hugo Egon Balder dazu: „Kinder, es ist doch nur Fernsehen.“

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  2. Tony Mach schreibt:

    Erinnert mich an „Huxely vs. Orwell“
    http://9gag.com/gag/5196073

    Ohne Huxely’s Werk zu kennen, würde ich sagen das Huxely recht hatte.

    Und in diesem Zusammenhang: Ich glaube es war Michael Parenti der gemeint hat das es Verschwörungen ohne Verschwörer gibt. Also Verschwörungen bei denen sich die mitwirkenden Menschen nicht bewußt sind das sie Teil von etwas sind – von etwas „größeren“ das sie nicht überblicken.

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  3. genova68 schreibt:

    Danke für den Link, ist ja schön anschaulich. Ja, Huxley kommt der heutigen Version näher als Orwell, würde ich auch so sehen.

    Heißt dein zweiter Absatz, dass ich doch Verschwörer bin, ohne es zu merken? Oder meinst du das in Bezug auf die Talkshows?

    Teil von etwas größerem zu sein und das nicht zu merken ist ja die Voraussetzung für den Erfolg dieses Etwas, würde ich sagen. Verblendungszusammenhang eben. Je überzeugter man davon ist, ideologie- und vorurteilsfrei zu denken und zu handeln, desto stärker ist man dieser Gefahr ausgesetzt. Das „Ende der Geschichte“ von Fukujama ist genau sowas.

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  4. El_Mocho schreibt:

    „Offenkundig ist ja, dass die Formate vor allem eine neoliberal gewendete Politik begleitet haben.“

    Das gilt ja auch für Diskurs- und Machttheorien, Genderfeminismus, Queer Theory, „Critical Whiteness“, usw. Besteht da evtl. auch ein Zusammenhang?

    Dein Hinweis auf den Marxismus ist schon ganz richtig, Marx weist ja auf die Bedeutung des ökonomischen für solche Zusammenhänge hin. Ich denke allerdings er greift noch zu kurz.

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  5. dm schreibt:

    Der große Alexander Cockburn hat das in den 80ern am Beispiel einer amerikanischen Sendung parodiert – „The Tedium Twins“.

    http://www.greanvillepost.com/2010/04/26/the-political-function-of-pbs/

    The ‘MacNeil/Lehrer Report’ started in October 1975, in the aftermath of Watergate. It was a show dedicated to the proposition that there are two sides to every question, a valuable corrective in a period when the American people had finally decided that there were absolutely and definitely not two sides to every question. Nixon was a crook who had rightly been driven from office; corporations were often headed by crooks who carried hot money around in suitcases; federal officials were crooks who broke the law on the say-so of the president.

    It was a dangerous moment, for a citizenry suddenly imbued with the notion that there is not only a thesis and antithesis, but also a synthesis, is a citizenry, capable of all manner of harm to the harmonious motions of the status quo.

    Und: Trudging back through the ‘MacNeil/ Lehrer’ scripts, the hardy reader will soon observe how extraordinarily narrow is the range of opinion canvassed by a show dedicated to dispassionate examination of the issues of the day. The favored blend is usually a couple of congressmen or senators, barking at each other from either side of the fence, corporate chieftains, government executives, ranking lobbyists, and the odd foreign statesman. The mix is ludicrously respectable, almost always heavily establishment in tone. Official spokesmen of trade and interest groups are preferred over people who only have something interesting to say.

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  6. dm schreibt:

    Mir scheint das auch ein guter Ansatz um zu erklären, warum die Demokraten in den USA eine so rechte Politik verfolgen können und trotzdem von Liberalen & Progressiven akzeptiert werden. Im Gegensatz zu den Republikanern, welche auf eine fast schon Schmittianische Weise eindeutig nach Macht streben und ein konkretes Programm verfolgen, fetischisieren die Demokraten eine „offene Debatte“, Kompromisse, post-partisanship – und letztlich technokratische Lösungen, welche sich dadurch empfehlen, dass sie, von Experten bestätigt, schlicht das Vernünftige sind. John Stewart hat Tausende Leute dazu gebracht für nichts anderes zu demonstrieren als eine „vernünftigere politische Debatte“. Was dabei völlig ausgeblendet wird, ist dass es echte gesellschaftliche Konflikte gibt – das ist auch wohl einer der Gründe, dass alle Parteien so in den Begriff „Mitte“ verliebt sind. Die Behauptung es gebe eine „vernünftige“ Wirtschaftspolitik, welche keine gesellschaftliche Partei ergreift – das ist das Gegenstück zu der Behauptung ein Land als ganzes müsse sich der Weltmarktkonkurrenz anpassen, während doch in Wirklichkeit nur wenige von einem starken Export unmittelbar profitieren, uws.

    Doug Henwood, andere Größe der amerikanischen marxistischen Linken:
    Much of the electorate despises conflict, and has a naïve idea that politics isn’t about struggles over principles and material shares, but working for the common good. But in many areas of political life there is no common good. The normal operation of the economic system requires that some do badly so that a few do well, and any attempt to redress that imbalance is going to provoke conflict. There’s no painless way to make the poor less poor or the middle more secure; people at the top will have to be expropriated. It’s very hard to say that in public in the USA.

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  7. eb schreibt:

    Ich glaube, das die alte VT-Mentalität hier eh zu kurz greift. (Ohne sie jetzt hoffentlich irgend jemandem zu unterstellen :-) Den Verschwörungen ohne Verschwörer von @Tony Mach, kann ich mich da mehr als anschließen. Mich hat schon bezüglich Kritik an Bertelsmanns Studienschleuder, Medien-Kampagnen, INSM etc. immer gestört, dass die nächst liegende Reaktion VT war. Dabei hat sich einfach nur etwas normalisiert, was sich nicht normalisieren sollte. Einer an Profit interessierten Einflussnahme muss man lediglich die Türen öffnen, dann passiert das was in jedem ebenso orientierten Unternehmen passiert. Es positioniert sich und baut seinen Einfluss aus. Wenn das auch noch ideologisiert wird, und Schrödersche Hirnosigkeiten auch noch die Mediendemokratie ausrufen, dann brennt das schlicht und einfach den Mainstream. Eine Sendung von Anne Will, repräsentiert, – zumindest für mich, nichts anderes, als das übliche Geschwafel bei einem ganz normalen Meeting im mittleren bis oberen Management eines zeitgemäßen Unternehmens mit maßgeblichen Leuten, (Entscheidungsträgern und so bla,bla,bla. ..), welche alle eigentlich nur eigene Interessen vertreten. Ernsthafte Themen, die Allgemeinheit betreffend, – bei welchem man in die Tiefe steigen muss, werden auch dort nicht, – und wenn, dann nur abstrakt behandelt. Für mich hat sich die D-Gmbh einfach nur normalisiert, – und infolge des entsprechenden Einflusses und seiner Handwerkszeuge, auch die gesamte Oberflächlichkeit mit Controlling-Wille auf Distanz zu dem um was es geht. Mentalitätsmäßig, kann ich nicht mehr unterscheiden, zwischen einem bundesdeutschen Politiker, einer bundesdeutschen Moderatorin und der realen Unbedarftheit, Inkompetenz, Karrieredenken, (welche sie i.d.R. mit Modellierungen und Prozessoptimierungen versuchen auszugleichen), – eines ganz normalen Managers nach amerikanisch-japanischem Muster. Und die, – zerreden alles.

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  8. genova68 schreibt:

    Mocho,
    „Das gilt ja auch für Diskurs- und Machttheorien, Genderfeminismus, Queer Theory, “Critical Whiteness”, usw. Besteht da evtl. auch ein Zusammenhang?“

    Inwieweit kommt das denn in massenmedialen Formaten vor? Und um welche Diskurs- und Machttheorien handelt es sich deiner Beobachtung nach?

    dm,
    danke für die Hinweise. In Sachen Marxisten in Amerika bin ich zu einem sinnvollen Statement nicht in der Lage, außer vielleicht, dass die eher in kulturellen Kontexten vorkommen, auch an Universitäten, literaturwissenschaftlich vor allem. Das ist dann wohl eher eine intellektuelle Spielwiese, die sich bitteschön nicht in die Ökonomie einmischen darf.

    Aber eine vernünftige Wirtschaftspolitik kann man aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus erklären. Dass dabei einzelne Gruppen, also vor allem die, die bislang massiv von der realen Wirtschaftspolitik profitierten, Abstriche machen müssen, ist kein Widerspruch. Betriebswirtschaftlich ist vieles sinnvoll, was volkswirtschaftlich schädlich ist. Insofern verstehe ich auch Herr Henwood nicht so ganz, das klingt für mich etwas sarkastisch, es gebe kein „comon good“. Common heißt eben, für möglichst viele, zumindest ökonomisch betrachtet. Aber vielleicht verstehe ich den nicht richtig. Ich lasse mich gerne aufklären.

    PBS, also der amerikanische ÖR, führt wohl eher ein Schattendasein, alleine, was die finanzielle Ausstattung angeht.

    eb,
    den Studien von Bertelsmann würde ich nun wirklich nichts Verschwörungstheoretisches anhängen, das ist Interessenpolitik, ja. Anne Will als Abbild eines meetings eines Unternehmens, ok, aber das wäre ja gerade zu kritisieren. Oder läuft das auch auf die These hinaus, dass es keine common goods gibt? Man sollte sich gerade in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen das Anliegen einer objektiven Sichtweise nicht nehmen lassen. Begründet werden muss es ja, und da sollte sich erweisen, was es taugt. Die deutsche Politik lässt sich diesbezüglich nicht mehr begründen, weder in ihren Auswirkungen auf die unteren 50 Prozent als in ihren Auswirkungen der beggar-my-neighbour-Politik.

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  9. genova68 schreibt:

    Mocho,
    “Das gilt ja auch für Diskurs- und Machttheorien, Genderfeminismus, Queer Theory, “Critical Whiteness”, usw. Besteht da evtl. auch ein Zusammenhang?”

    Inwieweit kommt das denn in massenmedialen Formaten vor? Und um welche Diskurs- und Machttheorien handelt es sich deiner Beobachtung nach?

    dm,
    danke für die Hinweise. In Sachen Marxisten in Amerika bin ich zu einem sinnvollen Statement nicht in der Lage, außer vielleicht, dass die eher in kulturellen Kontexten vorkommen, auch an Universitäten, literaturwissenschaftlich vor allem. Das ist dann wohl eher eine intellektuelle Spielwiese, die sich bitteschön nicht in die Ökonomie einmischen darf.

    Aber eine vernünftige Wirtschaftspolitik kann man aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus erklären. Dass dabei einzelne Gruppen, also vor allem die, die bislang massiv von der realen Wirtschaftspolitik profitierten, Abstriche machen müssen, ist kein Widerspruch. Betriebswirtschaftlich ist vieles sinnvoll, was volkswirtschaftlich schädlich ist. Insofern verstehe ich auch Herr Henwood nicht so ganz, das klingt für mich etwas sarkastisch, es gebe kein “comon good”. Common heißt eben, für möglichst viele, zumindest ökonomisch betrachtet. Aber vielleicht verstehe ich den nicht richtig. Ich lasse mich gerne aufklären.

    PBS, also der amerikanische ÖR, führt wohl eher ein Schattendasein, alleine, was die finanzielle Ausstattung angeht.

    eb,
    den Studien von Bertelsmann würde ich nun wirklich nichts Verschwörungstheoretisches anhängen, das ist Interessenpolitik, ja. Anne Will als Abbild eines meetings eines Unternehmens, ok, aber das wäre ja gerade zu kritisieren. Oder läuft das auch auf die These hinaus, dass es keine common goods gibt? Man sollte sich gerade in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen das Anliegen einer objektiven Sichtweise nicht nehmen lassen. Begründet werden muss es ja, und da sollte sich erweisen, was es taugt. Die deutsche Politik lässt sich diesbezüglich nicht mehr begründen, weder in ihren Auswirkungen auf die unteren 50 Prozent als in ihren Auswirkungen der beggar-my-neighbour-Politik.

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  10. eb schreibt:

    @genova68
    Mich würde jetzt interessieren, was du eigentlich ausgesagt hast. Das Objektivität, – schon lange die Domäne der Subjektiven ist, – sollte uns eigentlich klar sein. Ansonsten, – gäb’s keine Ideologien. Also was soll das, – mit den volkswirtschaftlichen Zusammenhängen? Das hier ist Markt. Der ist nicht logisch.

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  11. eb schreibt:

    Hab meinen letzten comment noch mal durchgelesen. Bitte auf keinen Fall als Kritik oder Angriff etc. verstehen. Ich hab mitunter Schwierigkeiten den richtigen Ton zu treffen. (Hat was mit Wechsel zwischen eigener und lokaler Schwabenmentalität und kurzer Angebundenheit zu tun. :-) Und wenn ich nicht aufpasse, klingt das mitunter so, als wollte ich jemandem was. Also bitte nicht falsch verstehen. Meinen letzten Satz muss ich aber noch erklären. Was bei Ökonomen meistens nicht berücksichtigt wird, ist der Umstand, dass min. ein Drittel der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge auf Werbung und PR beruhen. Deshalb das mit der nicht mehr objektiv handelbaren Logik. Im Zuge der Entwicklung, hat sich diese Werbung und PR auch äquivalent unverhältnismäßig in Politik und Medien etabliert. Letztendlich, begründet sich alles nur noch auf Selbstdarstellungen, PR-Strategien zum Positionieren des Eigen- und nicht des Allgemeinnutzens. Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass man diese Manager- und Unternehmensmentalität erst mal wieder aus der Gesellschaft und Politik raus bringen müsste. Ich nenne das immer; Politik und Gesellschaft entmarkten.

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  12. genova68 schreibt:

    Blogdiskussionen sind immer problematisch, weil es schnell zu Missverständnissen kommt, gerade, wenn man sich nicht real kennt. Danke für die Klarstellung, eb, aber ich habe jetzt zuerst deine Klarstellung gelesen und dann den ersten Kommentar, insofern konnte es nicht zu einem Missverständnis kommen :-)

    Ich würde dir in allem zustimmen, Politik und Gesellschaft entmarkten, schön ausgedrückt.

    Mal so dahingeschrieben, unsortiert:

    Ökonomen haben in den Neunzigern die Rolle der Erklärer der gesamtem Gesellschaft übernommen, nachdem es vorher, seit 68, Soziologen gewesen waren. Natürlich sind Ökonomen eher begrenzt, weil sie auf mathematischen Modellen aufbauen, die Gesellschaft nicht ernsthaft erklären können. Andererseits ist Marketing doch Teil des BWL-Komplexes, und da ist Psychologie bedeutend, ganze Heerscharen von Psychologen werden auschließlich dazu ausgebildet, Marketing effektiver zu machen.

    Marketing wird immer wichtiger, weil man die Leute dazu bringen muss, den ganzen Krempel zu kaufen, der produziert wird. Und das Verkaufen ist in der Politik ebenso angesagt. Kapitalismus durchzieht nach und nach alles, es gibt keine Ausnahme. Es gibt nur noch Teilinteressen, es gibt nur noch BWL, kein VWL, und das Kapital hat es gut hingekriegt, diese seine Teilinteressen als Gesamtinteresse zu verkaufen.

    Politik als kulturindustrieller Komplex, eben ziemlich intelligent gemacht. Ich schätze mal, dass es da keine Lösung gibt, weil das System zu elastisch ist. Selbst sowas wie Occupy wird vom Mainstream begeistert begrüßt, endlich ist mal was los, das steigert die Auflage. Wissend, dass die Gesellschaft politisch zu entmündigt ist, als dass ernsthaft etwas passieren könnte. Leute wie Lafontaine sind die Ausnahme, weil die Ahnung haben und das ausdrücken können. Die werden bekämpft.

    In den USA ist das alles ja wesentlich zugespitzter, und wie sieht dort eine Gegenbewegung aus? Tea Party. Ähnlich wie hier, als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 15 Prozent die FDP wählten. Solche merkwürdigen Phänomene interessieren mich, das würde ich gerne besser verstehen.

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  13. eb schreibt:

    Kann ich nur zustimmen und sehe es genauso. Wobei es noch einen parallelen Punkt gibt, den ich besonders gefährlich sehe. Deckungsgleich in den 90igern, (wie du schreibst, die Ökonomen als große Erklärer), gab es einen sprichwörtlichen Rehype auf Luhmanns sozologischer Systemtheorie. Das ist insofern interessant, weil die alte Kontroverse zwischen Habermaß Lebenswelten und Luhmans soziologischer Supertheorie Anfang der Siebziger war, – und von Habermaß formal wie ethisch eigentlich gewonnen wurde. Deckungsgleich verfolgten die Soziologen diesen Ansatz auch nicht, – bis eben in den 90igern. Es war zu höchst interessant (aber traurig) plötzlich zu bemerken, dass selbst noch Hardcore-Esoteriker, ( unter den Grünen schwer vertreten ), plötzlich eine vollkommen undifferenzierte Systemsicht bekamen. Damit mischte sich für mich nicht nur die ganze Geschichte, – sondern hier fing auch an, dass die Bertelsmänner auf dieser Basis großflächig mediale Soziologisierung betrieben, – die wir heute vom Arbeitsmarkt her kennen.

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  14. Chris(o) schreibt:

    Pardon, aber die „Systemtheorie“ ist doch nur ein Erklärungsmodell, so wie die „Lebenswelten“ Habermas´ein Erklärungsmodell sind: für das, was ist

    Weder das eine noch das andere Modell können ursächlich auf gesellschaftliche Prozesse bezogen werden.Sie liefern doch nur Methoden dieselben zu analysieren.

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  15. eb schreibt:

    @Chris
    Das ist nicht ganz richtig. Soziologische Systemtheorie, – ist das Modell schlechthin. Natürlich ist es ein Erklärungsmodell. Vollkommen richtig. Eben …. das Erklärungsmodell schlechthin. Woher kommt wohl der Begriff „human ressources“ ? Es sind keine Methoden mehr, es sind auch keine Modelle mehr, …. es ist Lifestyle. Bitte etwas mehr Realitätsbewusstsein.

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  16. eb schreibt:

    @Chris Vielleicht noch etwas erklärender. Der Begriff „Modell“ für ein abstraktes Abbild von etwas, ist einer der Kernpunkte dafür gewesen, systemtheoretische Sichten auf Menschen nicht akzeptieren zu können. Systemtheorie kennt nur den Objektivbegriff. Keinen Subjektivbegriff, – daher also auch keine Menschen, – sondern nur Objekte. Was keinen Humanismus, der auch vom Subjektivbegriff in Lebenswelten lebt, mehr – im System zu lässt. Wir haben also zwei grundsätzlich konträre Sichten auf Menschen. Merkwürdigerweise waren ausgerechnet die Soziologen bisher die einzigen, welche sich der strengen Logik der 18 anderen Systemtheorien aus dem naturwissenschaftlichen und technischen Bereich einfach so widersetzt hatten. Und dies auch noch beim Wissen, dass sich nicht jene oder welche Theorie, sondern die Art der behandelnden Denkstruktur nach unten fort pflanzt. Die Gefährlichkeit liegt gerade im Wort Modell. Es beinhaltet nicht nur die mögliche modellierende Beschreibung von etwas, sondern auch die Modellierung des Beschriebenen. Hat sich das Beschriebene etabliert, also z.B. auch die versachlichte Sicht auf Menschen lediglich als Objekte, ( was einfach mittlerweile Zeitgeist ist ), dann bekommt diese Modellierung des Beschriebenen einen ganz eigenen Klang. Als Beispiel empfehle ich, sich mal im zeitgemäßen Sprachgebrauch der Sozialpädagogen um zu hören, – und es mit dem genauso zeitgemäßen üblichen Managerjargon zu vergleichen.

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  17. Chris(o) schreibt:

    Der von den Sozialwissenschaften adaptierte Systembegriff hat aber auch dazu geführt,“Verhalten“ im Kontext sozialer Wirklichkeiten abzubilden.
    Die unlängst erhobene Studie über „Stress“ in der Arbeitswelt, führt die Ursachen nicht auf individuelle Eigenheiten des Individuums, sondern auf eine Vielzahl auf den Menschen einwirkenden „Stressfaktoren“ zurück.
    Das bedeutet, dass ein systemisches Erklärungsmodell oder -prinzip nicht inhuman, sondern, im Gegenteil, immer den „Kontext“, d.h. die soziale Realität des Einzelnen mitdenkt.Vor Jahrzehnten hätte man den Arbeitnehmern einfach „mangelnde Belastbarkeit“ unterstellt und sie in den vorzeitigen Ruhestand entlassen.Heute macht man sich, auch aufgrund der systemischeren,d.h. umfassenderen Sichtweisen, Gedanken darüber, wie die Arbeitswelt gestaltet sein kann, dass sie weniger krankmachend wirkt.
    Ich denke, das ist doch ein Beispiel für die positiv „modellierende“ Wirkung eines „Erklärungsmodells“.

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  18. genova68 schreibt:

    Hört sich doch beides ganz vernünftig an. Kein System ohne Subjekte und keine Subjekte ohne System.

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  19. eb schreibt:

    @Chris
    Hihi. Nicht schlecht. Aber darüber wird es meiner Ansicht nach entschuldigt. Ich gehe immer von der Basis des Grundgedankens aus. Man systematisiert die Gesundheit von Menschen zugunsten ihrer Funktionalität. Das ist die Basis dahinter, – nicht die Menschen als solche. Diese Studien reflektieren das Ergebnis der Vorgabe. Das ist wie eine Bertelsmann-Studie, die jetzt nicht mehr darum herum kommt, das Resultat der eigenen Systemideologie zu kritisieren. Hinter diesen Studien, stehen nun mal auch privatisierte Krankenhäuser sowie Versicherungen, deren Management so was von rational systemisch modelliert. Nachher, sortiert man dann immer gerne die positiven Aspekte heraus. Aber nichts für ungut. Ich lehne Systemsichten und auch Modelle ja nicht generell ab. Es geht aber zwingend um die mentale alles entscheidende Grundlage. Ist etwas ein Handwerkszeug, also Systemtheorie zugunsten humanem Denkens unter Menschen, oder sind Menschen die Handwerkszeuge eines Systems? Mir bleibt leider im Moment nichts anderes übrig, als Letzteres als momentanen Status anzusehen.

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  20. Chris(o) schreibt:

    Alles lässt sich missbrauchen, missdeuten etc.
    Aber, dass ich mit einem Hammer auch jemanden erschlagen kann, heißt ja nicht, dass der Hammer nicht ein überaus nützliches Instrument wäre.

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  21. eb schreibt:

    @Chris. Ja. – Zum Erschlagen von Menschen, – ist er ein überaus nützliches Instrument.

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  22. Chris(o) schreibt:

    Nein, das nicht, aber das nützliche Analyse-Instrumentarium entbindet uns nicht von irgendwie begründeten Konsequenzen, um auf „Analyse“ zu reagieren.Das ethisch-moralische, ideologisch-programmatische Denken wird uns nicht abgenommen.Wie wir auf „Analyse“ reagieren, hängt aber genau davon ab, wie wir „die Welt sehen“.Das können wir nicht der Systemtheorie in die Schuhe schieben oder irgendeinem anderen „Erklärungsmodell“.

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  23. eb schreibt:

    @chris
    Das können wir nicht der Systemtheorie in die Schuhe schieben…

    Jein. Beschäftigt man sich mit Systemtheorie, dann bildet die soziologische eine Sonderform davon, – welche die der Systemtheorie, und darüber hinaus diesbezüglich 2000 Jahre alte eigene Logik missachtet. Alleine schon die Kategorisierung in Unter-, Mittel-, und Oberschicht von ausgeprägten Luhmännern, hat Konsequenzen erbracht, die in 16 Millionen Menschen alleine in diesem Lande, – an die Armutsgrenze gebracht hat. Das lässt sich nicht verharmlosen.

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  24. eb schreibt:

    Das ethisch-moralische, ideologisch-programmatische Denken wird uns nicht abgenommen.

    Doch, – genau das, wird uns darüber abgenommen.

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  25. Chris(o) schreibt:

    Ja nun, Kategorisierung ist ja eine Methode, sich die Welt übersichtlich und begreiflich zu machen.Aber gleichzeitig wissen wir,dass dies allesamt Methoden sind,Komplexität zu reduzieren, Unterscheidungen treffen zu können.Offenbar brauchen wir solche Reduktionen, um überhaupt miteinander kommunizieren zu können.
    Dennoch will mir nicht einleuchten, wie Kategorisierung zwangsläufig zu Armut führen soll. Wie gesagt, sind daran unsere Wertigkeiten eher beteiligt,die Sicht auf das Kategorisierte.Die Theorie, die hinter der Kategorisierung steht, erscheint mir eher ohne irgendeinen moralischen Anspruch zu sein, also Wert-neutral.Mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.

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  26. eb schreibt:

    @Chris
    Aber gleichzeitig wissen wir,dass dies allesamt Methoden sind,Komplexität zu reduzieren, Unterscheidungen treffen zu können

    Du hast es doch schon erfasst. Wie willst du Unterscheidungen treffen können, wenn du Komplexität reduzierst? Die, – kann man abstrakt soweit reduzieren, dass du vollkommen, – und sogar vom Mainstream akzeptiert, ganze Bevölkerungschichten denunzieren kannst. Das ist die Gefahr beim Modellieren.

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  27. Chris(o) schreibt:

    Ja, aber nur,wenn man denunzieren will.
    Die Identifikation einer „Unterschicht“ könnte, anstatt zur „Denunziation“, auch dazu führen, dass die Parameter, die an dem Abdriften in die prekäre Situation beteiligt sind, beseitigt würden.Beispielsweise könnte ernsthafter als bisher in die Bildung investiert werden, gerechtere Entlohnung der Arbeit etc.Die Identifikation an sich ist also nicht das Problem, sondern die Entscheidungen, die bezogen auf „Unterschicht“ getroffen werden.

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  28. eb schreibt:

    @Chris
    Ich höre immer nur „könnte“. Tut es?

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  29. eb schreibt:

    Vielleicht nochmals zur Erinnerung. Die Denunzierten existieren bereits. Die prekären Situationen exitieren bereits. Die Föderalismuspolitik innnerhalb der Bildung, und damit die Züchtung von Eliten existiert bereits. Alles unter der Ägide Luhmannscher Soziologen.

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  30. dm schreibt:

    „Aber eine vernünftige Wirtschaftspolitik kann man aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus erklären. Dass dabei einzelne Gruppen, also vor allem die, die bislang massiv von der realen Wirtschaftspolitik profitierten, Abstriche machen müssen, ist kein Widerspruch. Betriebswirtschaftlich ist vieles sinnvoll, was volkswirtschaftlich schädlich ist. Insofern verstehe ich auch Herr Henwood nicht so ganz, das klingt für mich etwas sarkastisch, es gebe kein “comon good”. Common heißt eben, für möglichst viele, zumindest ökonomisch betrachtet. Aber vielleicht verstehe ich den nicht richtig. Ich lasse mich gerne aufklären.“

    Ja, natürlich gibt es eine vernünftige Wirtschaftspolitik, aber der Begriff sollte misstrauisch machen, weil es bei Wirtschaftspolitik auch immer um Machtausübung geht und das wird eben ausgeblendet, wenn man sie als ein rein technisches Problem betrachtet, die man etwa „Experten“ überlassen kann, was dann dazu führen kann, dass sich etwa die Meinung durchsetzt die südlichen Länder Europas werden für ihre unvernünftige Wirtschaftspolitik bestraft, und die Lösung bestehe in einer (politisch neutralen) technokratischen Aufsicht und „Reformen“ – wobei man bezeichnenderweise Reformen als prinzipiell positiv besetzten Begriff benutzt und gar nicht mehr erwähnen muss, wer von diesen Reformen profitiert und wer darunter leidet.
    Worauf ich nur hinauswollte, ist, dass Fernsehtalkshows dazu beitragen die Fiktion zu erschaffen, Politik sei nur ein Wettstreit zwischen verschiedenen technischen Lösungen – aber grundsätzliche Konflikte, oder wirkliche Meinungsverschiedenheiten gibt es nicht:
    “ … ein typisches Phänomen einer oberflächlich aufgeklärten Gesellschaft, in der keiner mehr die direkte Konfrontation sucht, sondern in pseudodemokratischer Manier vorgeblich unterschiedliche Standpunkte in seriösem Rahmen (Glas Wasser auf dem Tisch) beredet werden? “
    Man kann noch so lange darüber reden, dass die Reaktionen der europäischen Regierungen auf die Krise unvernünftig sind – ich würde sogar behaupten, dass das eigentlich ja jeder weiß – selbst der IWF deutet ja an, die Austeritätspolitik sei gescheitert. Das Festhalten an dieser Politik lässt sich nur verstehen, wenn man die „gesamtwirtschaftliche Vernunft“ nicht als Maßstab nimmt, sondern Wirtschaft als einen Konflikt zwischen Mehrheit und Kapital betrachtet: Neoliberalen Ökonomen geht es eben nicht um das „common good“, ob bewußt oder unbewußt, sie tun nur so, zum Beispiel in Talk Shows.
    Ein ähnliches Phänomen scheint es mir, wenn man eine Gesundheit demokratischer Prozesse (die sich ja in Talk Shows zur Schau stellen) prinzipiell als Endzweck setzt, um eine inhaltliche Leere zu kaschieren, bzw. von der inhaltlichen Diskussion abzulenken. Wenn Leute von Politikern vor allem „Kompetenz“ erwarten, oder wenn sich Kritik an der Regierung nur darin äußert, diese sei korrupt und zu abgehoben von der Bevölkerung, anstatt eben an der Politik anzusetzen, die sie macht. Barack Obama z.B. hat viele Frustration nach der Wirtschaftskrise, die vielleicht dazu geführt hätte, dass eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn von extremer Ungleichheit in Gang gekommen wäre, er wolle die Weise verändern wie „Washington works“ – also Lobbyisten entmachten, mehr Bürgerbeteiligung, etc. Genauso wie man hier nach dem Anschauen einer Talkshow beruhigt sein kann, in dem Bewusstsein, die politischen Probleme werden von lauter klugen, serious people diskutiert, sind allzu viele amerikanische Liberale beruhigt bei dem Gedanken, endlich sei nach Bush eine zivilisiertere, intelligentere, transparentere, etc. Regierung an der Macht, obwohl sich inhaltlich an der Politik erschreckend wenig geändert hat.
    Ich denke, Henwood wollte darauf hinaus, dass in den USA die Vorstellung verbreitet ist, die politischen Institutionen seien genauso wie die Wirtschaft prinzipiell gut, und alle Probleme rühren nur daher, dass sie – durch special interests, Korruption, usw. – pervertiert wurden. Kritik zielt dann eher auf „moralische Reinigung“ der Institutionen, damit diese wieder eben dem „common good“ dienen, während man als Marxist darauf bestehen muss, dass es einen realen Konflikt gibt, und die Interessen der Bevölkerung nur im Kampf gegen eine reiche Minderheit durchgesetzt werden können – es ist ja das perfide von solchen Begriffen wie „trickle-down-economics“ oder „Deutschland AG“, dass hier die Interessen des Kapitals identisch mit dem der Allgemeinheit gedacht sind. Während die „Wirtschaft“ kein Problem damit hat, ihre partikularen Interessen auch gegen die Allgemeinheit zu vertreten, ist das es im politischen Diskurs tabu, darauf hinzuweisen, die Interessen der Wall Street könnten prinzipiell denen der Bevölkerung entgegengesetzt sein (etwa mit dem Klassiker: „Arbeitslosigkeit ist gut für die Aktienkurse“).
    Obwohl das teilweise einfach Eigenheiten der amerikanischen politischen Tradition sind (die auch solche bizarren Phänomene wie die Tea Party erklären helfen) lässt sich das vielleicht auch auf unsere Verhältnisse übertragen.
    Das alles nur, um Doug Henwood zu verteidigen ;)
    Ich kann verstehen, woher die Reserviertheit gegenüber amerikanischen, akademischen Linken kommt, aber Henwood ist ein Beispiel dafür, wie mans machen muss. Er gibt seit über zwanzig Jahren eine rein ökonomische Zeitschrift heraus, Left Business Observer – der deutschen Lunapark21 war sie ein direktes Vorbild. Sein Buch über die Wall Street ist zum Beispiel sehr gut – konzentriert auf ökonomische Analyse anstatt Urteile nur aus der Theorie zu entwickeln. Auch sprachlich wunderbar (vor allem für jemand wie mich, der nicht so mit den Feinheiten theoretischer Begriffe umgehen kann ;) ). Überhaupt gibt es in letzter Zeit, habe ich das Gefühl, immer mehr vernünftige Linke auch in Amerika, das Jacobinmag zum Beispiel, nicht arkan-theoretisch, politisch pragmatisch anstatt Apokalyptisch und vor allem eine „Kritik der politischen Ökonomie“ als Hauptanliegen…

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  31. genova68 schreibt:

    dm,
    „Worauf ich nur hinauswollte, ist, dass Fernsehtalkshows dazu beitragen die Fiktion zu erschaffen, Politik sei nur ein Wettstreit zwischen verschiedenen technischen Lösungen – aber grundsätzliche Konflikte, oder wirkliche Meinungsverschiedenheiten gibt es nicht“

    Wir haben da überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten, vermute ich. Ich wollte den Begriff der Vernunft auf eine Politik des Allgemeinwohls anwenden, die man ja definieren kann, auch wenn es da nicht unbedingt nur eine gültige Definition gibt. Aber sie wäre deutlich unterschieden von der des Kapitals mit seinen Partikularinteressen. Das ist natürlich immer wieder zu begründen, aber das wäre die Aufgabe.

    Die Talkshows als Entlastungsprozess für die kapitalistische politische Klasse, die Demokratie darin vorspiegelt, ja. Das wäre ja das, was man bewusstmachen muss. Das sind schwierige Prozesse. Lafontaine versucht es ja ein wenig.

    Das common good könnte man in dieser Perspektive als eins der breiten Mehrheit, der Masse definieren, an der die Kapitaleigner naturgemäß desto weniger Interesse haben, je mehr Kapital sie zur Akkumulation zur Verfügung haben. Ich würde nicht auf den Begriff des Allgemeinwohls verzichten wollen, weil man ihn dann den Neoliberalen absprechen kann. Das müsste auch in Diskussionen deutlicher werden. Leider werden die Neoliberalen auch von Linken in diesen Strukturen anerkannt.

    Interessant zu Henwood über „Wallstreet“:

    „The author made less than $10,000 on this book for six years of work, even though it sold over 20,000 copies“

    http://www.wallstreetthebook.com/

    Das sind doch recht traurige Zahlen, die finden eine Auflage von 20.000 viel. Die zeigen wohl, dass solche Leute keine Breitenwirkung haben. Es scheint in den USA ja in Mode zu sein, dass Unis mindestens einen Marxisten haben, der sich aber bitte schön mit Literatur und Kultur beschäftigen soll. Das wars dann aber auch.

    Wobei du zu amerikanischen Maristen sicher interessanteres erzählen kannst als ich.

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