Kunst und Kunst

Das erste Foto zeigt die Decke einer kleinen Autowerkstatt in Antwerpen. Das zweite Foto zeigt die Decke des Foyers des Kunstmuseums Stuttgart. Nein, umgekehrt. Nein, egal. 

 

 

Beide Fotos untereinander zeigen die Problematik des künstlerischen Ansatzes von Museen für zeitgenössische, wie man sagt, Kunst überhaupt. Wenn Donald Judd seine Kästen im Museum an die Wand hängt, stellen sich alle davor und gucken hin. Wenn irgendwo im Alltag ähnliche Konstellationen zu finden sind, die Handwerker dort um einer bestimmten Funktion willen dort angebracht haben, rennen alle vorbei. Nur ich bleibe stehen.

Die Röhren in Stuttgart hat der Künstler, wie man sagt, Andreas Schmid da hingehängt. Bezeichnenderweise findet man via google gleich die Beschreibung des Kunstwerks durch den Sponsor ERCO:

Die dynamische Lichtinstallation des Berliner Künstlers Andreas Schmid mit ihren 334 Leuchtstoffröhren ist für Besucher wohl das augenfälligste Element des Licht- und Gebäudesteuerungs-Netzwerks, das im gesamten Bau für optimale Verhältnisse sorgt. ERCO Lichtsteuer-Module sind in diesem LON-basierten System miteinander vernetzt – vom Restaurant über das Foyer bis in die Galerien. Die Bedienung erfolgt über ERCO Control Pads (Bild unten), die mit ihrem farbigen Touch Screens eine komfortable Auswahl der Funktionen erlauben.

Die dynamische Lichtinstallation des Künstlers, der dann aber doch nur die ERCOsche Technikaffinität unterstreichen soll. Wie sähe wohl so ein Text über die Lampen in der Autowerkstatt in Antwerpen aus?

Nun kann man sagen, dass sich Herr Schmid etwas bei der Installation gedacht hat, ein künstlerisches Vorhaben entwickelt hat, im Gegensatz zu dem Antwerpener Chefmechaniker, der es einfach nur hell haben wollte. Aber dem Rezipienten erschließen sich die künstlerischen Gedanken des Herrn Schmid eh nicht, vorausgesetzt Herr Schmid hat sich tatsächlich künstlerische Gedanken gemacht. Es ist also egal, was Herr Schmid sich dachte und angesichts des ERCO-Textes ist man vielleicht ganz froh, dass man nichts näheres über die künstlerischen Gedanken von Herrn Schmid erfährt. Außerdem sind Installationen in Museum erfahrungsgemäß immer scheiße, da nicht künstlerisch, sondern künstlich, außerdem ohne jede Originalität, da Museumsinstallationen im Jahr 2012 nicht mehr originell sein können.

Kunst im Kapitalismus wird Katastrophe. Ich schlage vor, das Stuttgarter Kunstmuseum zu schließen. Es dient eh nur dazu, dass sich die Ingenieure von Mercedes und Porsche vermehrwerten können, wenn sie hin und wieder die dunkkle Ahnung beschleicht, dass Autokonstruktion ihr Leben sinnlos macht. Dass sie nicht nur in Stuttgart arbeiten, sondern auch leben müssen, wie man sagt. Dann schnell ins Museum und metaphysisch abheben. Doch dort wartet schon ERCO.

Schluss damit! Ich schlage vor, die kleine Autowerkstatt in Antwerpen wird inoffizielles Museum. Jeder, der sich für Kunst interessiert, möge hinfahren und einen Blick auf die Decke erhaschen um den Preis des Angemotztwerdens vom Chefmechaniker. Oder noch besser: Alle Museen werden geschlossen, stattdessen wird die ganze Welt Museum. Kunst wird dann nicht einfach gesichtet, sondern muss erst entdeckt werden. Finden tun die Kunst nur Leute mit jener besonderen Begabung, die beispielsweise mir eigen ist. Leute, die in der Lage sind, sich im Tempo von 0,5 Stundenkilometern durch eine Stadt zu bewegen.

Dazu ein andermal mehr.

(Fotos: genova 2012)

P.S.: Hartmut schreibt über meinen Versuch:

Was dann? Sehen lernen, weiter Kunst machen, montieren – alle Kunst ist Montage, seit Anbeginn – unbefangen sein. “Das Leben ist bunt und fadenscheinig; mehr weiß ich doch auch nicht!” Museum, als vergangenes Leben, ist überall. Wir müssten, bei aller Sympathie für Genovas Vorschlag, dann nicht einmal die Museen schließen. Sie wären dann ja endlich auch welche.

Ich schließe mich vollumfänglich an.

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21 Antworten zu Kunst und Kunst

  1. Motherhead schreibt:

    Was ich als treuer Biograph des Autors bereits mehrfach leidvoll erfahren musste. Zuletzt in der „holländischen Perle am Niederrhein“, dem schönen Nijmegen, einem überaus sympathischen, 125 km nodwestlich von Düsseldorf gelegenen Städtchen am Rhein.
    Davon sicher bald mehr.

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  2. Fritz (@Fritz) schreibt:

    Vielleicht ein Beispiel, wie die avancierte Kunst im Strudel ihrer Selbstreflexion nicht mehr weiß, wo hin sich wenden? Schmid schrieb mal: „Auffällig für die jüngere Generation der Lichtkunst ist der Hang zur Größe und zum Erlebnis, aber auch das Bedürfnis nach Persiflierung, Ironisierung und Erlebnisverweigerung.“ http://www.artnet.de/magazine/lichtkunst-im-zkm-karlsruhe/ Tja, Erlebnis und Erlebnisverweigerung in einem und „Schönheitsverweigerung“ als Dreingabe … Aber das mal beiseite, deine Kritik am Museum trifft wohl ins – ehem – Schwarze. Wobei ich nicht glaube, dass sich dort die Ingenieure von Daimler, Bosch und Porsche „vermehrwerten“. Die würden sich eher bei deinem Text vor Freude auf die Schenkel hauen. Denn das ist ja die Kehrseite: „Der Bürger duldet nichts Unverständliches im Haus“. (Karl Kraus). Ich kann der Lichtinstallation von Schmid auf Anhieb auch wenig abgewinnen, es sei denn die demonstrative Verweigerung von Museumslicht (dezent, unmekrlich, sanft streuend etc. muss es sein). Es ist ja eher eine Lichtunordnung … könnte es nicht sein, dass dein Kommentar zu diesem Neonhimmel von Schmid als kongeniale Interpreatation gelesen werden könnte?

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  3. hanneswurst schreibt:

    Das sind ja ganz olle Kamellen, die hier mit 0.5 km/h gelutscht werden, eine Diskussion über Kunst wie aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Hättest Du Dein Neonröhrenfoto rechtzeitig gut ausgestellt, würde es heute im Foyer hängen statt dieser Installation.

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  4. Philipp Meier schreibt:

    @hanneswurst: das erschreckende ist jedoch, dass sich in den letzten hundert jahren diesbezüglich nix verändert hat. es geht doch darum, dass die (hoheit der) kunst den (wenigen) künstlerInnen und kunstvermittelnden entrissen werden und unsere alltage druchdringen sollte.
    wieso ist das museum keine sehschule? wieso zementiert es die alten hirarchien? wieso wirken fast alle museen wie kirchen, in denen man still sein muss, nichts berühren darf, und an die kunst glauben muss?
    die kunst musste irgendwann aus den königshöfen und kirchen befreit werden. heute muss sie aus der instrumentalisierung der standortvermittler und aus den klauen der neofeudalen sammler befreit werden…

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  5. landbewohner schreibt:

    fakt ist: der autoschrauber konnte mit bohrmaschine und zollstock umgehen.
    der „kunstschaffende“ – na ja

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  6. Chris(o) schreibt:

    „Nur ich bleibe stehen.“
    Genau! Das wissen auch die Künstler und bringen das Sehenswerte ins Museum, damit noch mehr stehen bleiben und hinsehen.

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  7. Philipp Meier schreibt:

    wenn das wirklich das anliegen der künstlerInnen wäre, dann müssten sie ganz anders vorgehen. sie holen sich die lorbeeren und grenzen sich mit intellektuellem blabla von den «normalos» ab. es sind SIE, die unterscheiden (wollen/müssen). genau DIESE unterscheidung untermauert ihre berechtigung. da waren die situationisten seelig radikaler. tsssss…

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  8. Chinook schreibt:

    „Wie sähe wohl so ein Text über die Lampen in der Autowerkstatt in Antwerpen aus?“

    Wenn ein „Kunstkenner“ überzeugt davon wäre, dass Kunst ist was er da sieht, würde ihm sicher etwas nettes dazu einfallen.

    „da nicht künstlerisch, sondern künstlich, außerdem ohne jede Originalität, da Museumsinstallationen im Jahr 2012 nicht mehr originell sein können.“

    Und wer entscheidet was originell ist, was Kunst ist? Kunst liegt im Auge des Betrachters. Das gilt um so mehr für den monetären Wert derselbigen. Aber wenn irgendein „Scheiß“, egal wie amüsant, lächerlich oder stümperhaft man es bewerten will – jemandem aus irgendwelchem Grund auch immer gefällt – was solls? Vielleicht mag man es nicht, evtl. hält man die „Interpretationen“ für „sehr gewagt“, um es mal euphemistisch auszudrücken. Aber jede Aussage die man zu dem Sujet tätigt, ist eine individuelle Bewertung. Die nur aus der eigenen Perspektive Gültigkeit hat.

    „Kunst im Kapitalismus wird Katastrophe.“

    Warum? Weil Ihnen manche Kunstwerke nicht gefallen? Weil Sie in diese kapitalistische Verwertungslogiken hineininterpretieren? Oder in die Vermarktung derselben?
    Sie können über marktwirtschaftlich organisierte, demokratische und rechtsstaatliche Systeme sagen was Sie wollen. Am Ende des Tages kann jeder Künstler machen was er oder sie will. Und den Konsumenten, zu denen auch Sie gehören, kann gefallen, was auch immer ihnen gefällt. Sie haben die (Aus)Wahl. Jeder entscheidet für sich selbst was für ihn Kunst ist, und evtl. was man bereit ist dafür auszugeben.

    „Finden tun die Kunst nur Leute mit jener besonderen Begabung, die beispielsweise mir eigen ist.“

    Aha, da können Sie aber froh sein, daß Sie eine der wenigen Auserwählten sind, die universal beurteilen können, was Kunst ist.
    Oder hängt das, was Sie als Kunst ansehen, nicht maßgeblich mit Ihrer eigenen Perspektive, ganz individuellen Interpretation zusammen?
    Sie stellen Bilder auf Ihren Blog, liefern eine gewisse Interpretation mit, und sind interessiert an den Kommentaren anderer Menschen dazu. Ich gehe einfach mal davon aus, daß Sie dies tun, weil es Sie interessiert wie andere Menschen dies aufnehmen und darauf reagieren.
    Ich glaube nicht, daß bei vielen Kunstschaffenden eine andere Motivation dahintersteht, egal wieviel Geld der Galerist rausschlägt.
    Am Ende bleibt doch nur eins. Kunst, deren Interpretation und den (nicht nur monetären) Wert den man einem Werk zugesteht, daß ist eine absolut subjektive, individuelle Sache. Und ist nicht genau jenes das Großartige daran? Das es eben nicht objektiv und absolut greifbar ist.
    Wenn man Ihrer vorher ausgedrückten Logik weiter folgt, dann sind 99,999% der generierten Kunst schlicht Schrott. Nehmen wir Rothko. Ernstzunehmende Kunst? Warum? Weil er drei Farben auf eine Leinwand in halbwegs symmetrischer Art und Weise aufbringen konnte?
    Ansel Adams? Klar, kann gut Bäume photographieren und macht handwerklich top Photos. Einzigartig? Nein, aber durchaus von einer gewissen Ästhetik und einem Wiedererkennungswert geprägt.
    Genova? Hat neulich z.B. verschiedene Perspektiven eines toten Fischs (meiner Ansicht nach ein Red Snapper) veröffentlicht. Hat das künstlerischen Anspruch, und wenn ja, warum?
    Weil jemand sich dazu entschieden hat 30 Aufnahmen vom selben toten Fisch aus unterschiedlichen Perspektiven zu machen und ein paar Bilder speziell angeordnet online zu stellen?
    Bekommen die Bilder nicht erst einen Kunst-Touch dadurch, daß sie als künstlerisch präsentiert, und im Kommentarbereich des Blogs auch kommentiert werden? Was ist der Unterschied zwischen ein paar Bildern eines toten Fischs aus unterschiedlichen Blickwinkeln, und Kunst?
    Es gibt keinen objektiven Unterschied. Für den Einen ist es ein toter Fisch, ein Parkhaus, eine Garagenbeleuchtung, alles eben aus verschiedenen Blickwinkeln photographiert. Evtl. nichtmal vom handwerklichen her perfekt. Für andere mag das gleiche Sujet Kunst sein. So what?

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  9. hanneswurst schreibt:

    @Philipp Meier: Mir ist es ganz recht, dass die museale Präsentation bildender Kunst so kirchen- oder bibliotheksartig daherkommt, da dies mir ermöglicht, Kunst so zu betrachten, wie ich es gerne tue. Sehr ungelegen käme es mir, wenn andere Besucher vor dem Werk herumtanzen oder dieses betatschen. Bei anderen Kunstformen, zum Beispiel bei einem Symphoniekonzert oder einer Theateraufführung, lasse ich mir eine weniger konservative Darbietung gefallen.

    Vielen Dank für die Erinnerung an den Begriff „Neofeudalismus“, den ich als gangbare Bezeichnung für ein abschreckend ungerechtes und unfreies Gesellschaftssystem besser geeignet finde, als den Begriff „Neoliberalismus“, denn dieser Begriff hat den Nachteil, dass er alle Formen des Liberalismus diskreditiert und damit den Argwohn der Konservativen gegenüber sozialistischen Zwänge bedient. Peter Ulrich verwendet den Begriff ins diesem Kontext zum Beispiel hier: http://www.neues-deutschland.de/artikel/216623.vom-liberalismus-zum-neofeudalismus.html Ich verfüge daher, dass mein Vasall Genova aber sofort den „Neofeudalismus“ anstatt des „Neoliberalismus“ anprangere.

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  10. hf99 schreibt:

    wow, ja, danke exportabel, wunderbar beobachtet. werd ihn loben im spätern leben…

    lG

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  11. Pingback: Kunst, Kunst, weiterKunst « Kritik und Kunst

  12. genova68 schreibt:

    chinook, der tote Fisch war ein totes Schaf. Zu den anderen Beiträgen ein andermal, jedenfalls danke dafür.

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  13. genova68 schreibt:

    Zu dem Schmid kann ich nichts sagen, ich kenne den nicht, aber danke für die Hinweise und das Zitat. Der Hinweis auf Kraus ist ja auch richtig, aber das kann ja nicht dazu führen, dass man alles toll findet, wenn man es nicht versteht.

    Was ist Kunst? Jedes Kunstwerk muss oder kann vor dem zeitgenössischen Hintergrund gesehen werden. Und da ist heute eine Form von Originalität doch unabdingbar, oder? Wenn der Ücker in den Sechzigern seine Nagelbilder gemacht hat, war das originell. Wenn er das heute immer noch macht, ist es keine Kunst mehr, sondern Geldverdienen. Ähnlich ist es mit Judd und all den anderen. Und der Schmid ist mir aufgefallen, weil ich vorher die Decke in Antwerpen gesehen habe. Wenn also der Mechaniker sowas aus einer Notwendigkeit hervorbringt, dann finde ich das Ergebnis besser, weil es einen transzendenten Gehalt hat, wenn auch nicht vom Mechaniker intendiert. Aber das erledige ich dann, via Blick durchs Garagentor.

    Die Schmidsche Installation wird genau in dem Augenblick schal, in dem der Mechaniker zum Vollzug geschritten ist. Und dann eben in dem Stuttgarter Umfeld, wobei ich schon denke, dass sich Ingenieure da verselbstmehrwerten. Das ist doch überfall zu beobachten, dass Kunst zur Eigenaufwertung verwurstet wird, gerade mittlerweile, wo die moderne Kunst ihren Schrecken und ihr antibürgerliches Moment verlorgen hat und jeder mitmachen kann bei der Selbstaufwertung. Die aktuell angesagten und gehypten Ausstellungen und Sammlungen zu sehen, ist für manche eine gesellschaftliche Notwendigkeit, je länger man ansteht, desto besser.

    Kunst als Distinktionsmerkmal, wie beim Bauhaus, dem der politische Stachel gezogen wurde und analog zur Nespresso-Kaffeemaschine, in dem die Besserverdienenden sich endlich vom Filterkaffee absetzen können. Wobei die Nespressomaschine ja auch keinen anderen Zweck hat.

    Man müsste eigentlich das Foto aus Antwerpen an die Wand unterhalb der Installation in Stuttgart hängen. Mal sehen, was passiert.

    Krass auch, dass der Hamburger Bahnhof in Berlin bei der Beuys-Ausstellung vor ein, zwei Jahren Beuys Filzplatten zusammenhangslos irgendwohin legte und man das nicht mal berühren durfte. Banale Verwaltung von Kunst, die nicht verwaltbar ist und nur temporär Kunst ist. Aber auch Beuys ist jetzt arriviert und wird einbalsamiert. Schmid muss nicht einbalsamiert werden, der ist eh harmlos.

    Es geht also im Kern darum, die Augen offen zu halten, das interessevolle Wohlgefallen des Rezipienten. Hängt aber auch damit zusammen, dass mir die Judds und die Ückers in Museen so langsam auf den Sack gehen und es zu allem Überfluss auch noch Provinzmuseen gibt, die immer noch einen halben Kommunalhaushalt für sowas ausgeben, damit sie halt auch einen Judd und einen Ücker haben.

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  14. genova68 schreibt:

    Chinook,
    Kunst liegt nicht einfach im Auge des Betrachters, den Künstler gibt es ja auch noch. Und natürlich ist das Kunst, was Schmid macht, aber vielleicht einfach schlechte, auf alle Fälle keine originelle, siehe Antwerpen. Wobei ich wiederum nicht weiß, ob der Begriff der Originalität hier überhaupt sinnvoll ist.

    Kunst ist auch keine absolut individuelle Sache, was ist das denn für ein Quatsch. Dann macht einfach jeder, was er will und keinen interessiert das. Warum Rothko gute Kunst ist, ist einfach zu erklären, weil er den abstrakten Expressionismus auf den Weg gebracht hat und seine Farbfeldbilder ein Seherlebnis schaffen, so mal aus dem Ärmel geschüttelt.

    In den Kunstmarkt muss ich keine kapitalistische Verwertungslogik hineininterpretieren, das macht der Markt schon selbst. Du argumentierst auch hier mal wieder oberflächlich-ideologisch.

    Jeder Künstler kann machen, was er will, aber wenn er Geld braucht, muss er machen, was ich will. Und dass ich die Wahl habe, mein Gott, was eine banale Feststellung im Kapitalismus (und natürlich Rechtsstaat und Demokratie, dürfen nicht fehlen in der Aufzählung).

    Ich beurteile auch nicht universal, was Kunst ist, sondern ich mache den Versuch konkret an einem Beispiel.

    Der künstlerische Wert der Schaffotos liegt in der Verfremdung, die sich schon an dem bemerkenswerten Umstand ablesen lässt, dass die toten Tiere auf dem Markt selbst harmlos sind, auf den Fotos aber den gegenteiligen Effekt haben, was meines Erachtens an den Vergrößerungen liegt.

    Was die Bilder hier im Blog angeht: Ob das nun jeder als Kunst betrachtet, ist mir eigentlich egal. Im Museum ist der Anspruch ein anderer.

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  15. Chinook schreibt:

    „Was die Bilder hier im Blog angeht: Ob das nun jeder als Kunst betrachtet, ist mir eigentlich egal.“

    Das sehe ich anders. Was Sie als Kunst präsentieren, ist Kunst. Wieviele Hobbykünstlerausstellungen gibt es, wo Sachen präsentiert werden die man vielleicht als absolut amateurhaft bewertet, die evtl. laienhaft verwirklicht wurden, die aber doch Kunst sind? Womit ich nicht ausdrücken möchte, daß ihre Bilder amateurhaft seien. Was macht Darstellungen jedweder Art zu Kunst? Der Punkt ist, man kann Kunst nicht definieren. Nicht definieren was Kunst ist, und was nicht. Für wen und warum etwas Kunst sein sollte. Dies ist eine subjektive Entscheidung.
    Weil es keinen Masterplan gibt Kunst zu bewerten, kann es auch keinen geben, den Anspruch an Kunstmuseen zu bemessen. Im Museum wird ausgestellt was einigen Entscheidern gefällt, und vor allem was die Leute sehen wollen. Sonst würde diese Räume niemand besuchen. Sie mögen mich als Kunstbanausen bezeichnen, aber jene Kunst, für die Menschen nicht bereit sind zu bezahlen, sollte man diesen ersparen. Es werden immer die Werke hoch geschätzt, die am meisten nachgefragt werden (solange die Künstler und Nutzer frei sind, nachzufragen was sie wollen). Und das wird dann im Museum ausgestellt, besonders hochtrabend interpretiert. Nebenher werden einige Werke „reingeschmuggelt“, die den Marotten der Planer entgegenkommen.

    „Warum Rothko gute Kunst ist, ist einfach zu erklären, weil er den abstrakten Expressionismus auf den Weg gebracht hat und seine Farbfeldbilder ein Seherlebnis schaffen, so mal aus dem Ärmel geschüttelt.“

    Andere Beurteilungen gehen schon so weit, daß die Anordnung der Farben ein „dreidimensionales“ Erleben seiner Bilder ermöglichte.
    So mal aus dem Ärmel geschüttelt, hab ich meine eigene Theorie zu den Preisen. Die meisten Menschen empfinden Rothkos Bilder als ästhetisch, und diese „Farbfeldbilder“ (LOL) passen ob ihrer Einfachheit saugeil in eine 8 Millionen Dollar Villa mit weißen Ledersofas, Chromregalen und Glastischen. Verschönern diese, und man kann neben dem ästhetischen Wert noch auf einen monetär künstlerischen setzen. Heute interpretiert man dies und das, aber wenn Rothko nie gezeigt hätte, daß er handwerklich wirklich zeichnen kann…wie würde man seine Werke heute bewerten? Niemand würde viel drum geben, die „genialen Farbfeldbilder“ Bilder wären allerdings dieselben, nur monetär wertlos.
    Sie machens doch nicht anders als die marktwirtschaftlichen Kunstverwerter. Bei der „Kunst“ die ihnen gefällt, interpretieren Sie den mehrdimensionalen Wert praktisch herbei. Es bleibt aber doch eine subjektive Einschätzung, egal wie hochgestochen und allgemeingültig Ihre Interpretation dargestellt wird.

    „Ich beurteile auch nicht universal, was Kunst ist, sondern ich mache den Versuch konkret an einem Beispiel.“

    Klar, vom Einzelfall (den Sie klar strukturieren) induktiv auf das Allgemeine schließen. Ein konkretes Beispiel in negativ bewertete kapitalistische Verwertungslogiken stellen, und von dem selbst erschaffenen Rahmen dann auf die ganze Atmosphäre drumherum schließen. Insofern wird das Einzelbeispiel zum universalen Transportvehikel einer bestimmten Sichtweise, die einen Orientierungspunkit generiert.
    Vollkommen verständlich und in sich selbst folgerichtig. Aber braucht es gerade in Fragen der Kunst Orientierung, oder kann Kunst nicht eine Nische darstellen?
    OK, es muß klar sein wo Schwarz, und was Weiß ist. Deshalb interpretieren Sie ganz gewaltig und teilen ein in Kunst und kapitalistischen Schrott. Am Ende steht trotzdem eine individuelle Frage. Sieht man etwas subjektiv als Kunst an oder nicht, und wie/wo zieht man die Grenze? Und vor allem, warum?

    „Kunst liegt nicht einfach im Auge des Betrachters, den Künstler gibt es ja auch noch.“

    Und? Wer entscheidet, ob man es mit Kunst zu tun hat, oder mit Tapetenverzierungen? Der Künstler? Der Galerist?

    „Dann macht einfach jeder, was er will und keinen interessiert das.“

    Eben, trifft es ganz gut. Jeder macht was er will. Alle entscheiden selbst was sie mögen. Manche Künstler treffen den aktuellen Geschmack, andere eben nicht und dann interessiert das keinen. Warum sollte es auch anders sein?
    Eine Diskussion bzgl. Theater, Oper, Symphonie-Konzerte und deren ständige Subvention, bleibt eine abgehobene Elitendiskussion.
    Oder glaubt wirklich jemand, die unteren 30% würde es interessieren, was mit Ausstellungen/Oper/Theater/Museen/Konzerten/etc. passiert?

    „Jeder Künstler kann machen, was er will, aber wenn er Geld braucht, muss er machen, was ich will“

    Jemand der „wirklich gut“ ist und tatsächlich Geld braucht, kann nicht besonders gut sein. Seit mindestens acht Jahren ist es ein leichtes, ein paar tausend Euro pro Bild rauszuholen, ohne Bekanntheitsgrad.
    Wer soll denn hier „ich“ sein? „Ich“ representiert die Masse. Ja, wenn der Künstler nix macht was auf breiteres Interesse stößt, interessiert es keinen und er wird sich wohl eine ganz unkünstlerische Beschäftigung suchen müssen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.
    Nach Ihrer Logik sind das jedoch die Liebsten. Denn die werden sicher niemals vom Kapital korrumpiert. Weil ihnen schlicht niemand Geld geben wird.
    Die Einen könne sich anbiedern wie sie wollen, es interessiert keinen. Und die Andern, die Erfolgreichen, was ist mit denen? Müssen die sich vom kapitalorientierten Galeristen vorschreiben lassen was sie produzieren? Nein, sie haben die Wahl.
    Was wollen Sie eigentlich mit vorhergehend zitiertem Satz aussagen? Das heutige Künstler nicht machen was sie wollen, sondern allein Auftragsarbeiten für Kapitalisten ausführen, weil es mehr Geld gibt? Das glauben Sie doch nicht wirklich?
    Und wenn dem so wäre? In anderen Systemen biedern sich Künstler eben den Mächtigen an, um durch deren politischen Einfluß zu gewinnen. Geld oder Privilegien? Unterschiedliche Währungen in verschiedenen Systemen. Der Künstler bleibt was er immer war. Schmuck – und das Denken überlässt er mal lieber den Pferden, die haben größere Köpfe.

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  16. genova68 schreibt:

    Die Frage, was Kunst ist, ist eine interessante, aber die ist nicht beantwortbar, nur weil jemand behauptet, er sei Künstler. Es gibt Kriterien und an Dir, Chinook, ist die komplette Entwicklung der Ästhetik vorbeigegangen, jahrhundertelange Debatten über Kunst interessieren dich nicht, für dich ist alles radikal subjektiv.

    Wenn Dir ein Auto sagt, es sei ein Fahrrad, glaubst du das wohl auch.

    Zumal die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kunsthandwerk nun offensichtlich ist und die Grenzen fließend, dazu muss man nur einen Kurzbesuch in einer touristischen Kleinstadt machen.

    Hobbykünstler ist ja auch so ein wahnsinniges Wort, was soll man dazu noch schreiben? Dir fehlt das richtige Bewusstsein, Chinook, die richtige Lektüre, das ernsthafte Interesse. Ich kann es nicht ändern.

    Was in Museen ausgestellt wird: Da gibt es eine Menge Kriterien, aber am wenigsten das, was „die Leute“ sehen wollen. Es gibt einen Haufen Kunsthistoriker, die darüber debattieren, was gute Kunst ist und was nicht und nach welchen Kriterien ausgewählt wird. Für Dich ist alles nur Markt, aber nicht im Sinne des Ansatzes von Kritik, sondern in der Ideologie, dass nur der Markt real ist, dass nur dort, wo ein Markt vorhanden ist, überhaupt etwas funktionieren kann und Kritik grundsätzlich falsch ist, denn der Markt hat recht. Mit diesem Verständnis kannst du natürlich keinerlei Verhältnis zur Kunst entwickeln, bestenfalls zum Kunstmarkt.

    „Jeder macht was er will. Alle entscheiden selbst was sie mögen. Manche Künstler treffen den aktuellen Geschmack, andere eben nicht und dann interessiert das keinen. Warum sollte es auch anders sein?“

    Du nimmst Kunst nicht Ernst, deshalb kann jeder machen, was er will. So wie ja auch die Ameisen in Peru Deiner Meinung nach machen dürfen, was sie wollen, Du hast kein Verhältnis zu ihnen.

    Künstler treffen den aktuellen Geschmack, das sind alles grauenhafte Aussagen, entschuldigung. Du bist der lebende Beweis, wie flach das ganze Marktgeplapper und die Ideologie dahinter ist. Aber das scheinst du selbst zu ahnen, sonst würdest du hier nicht immer wieder kommentieren. Immerhin.

    „Jemand der “wirklich gut” ist und tatsächlich Geld braucht, kann nicht besonders gut sein. Seit mindestens acht Jahren ist es ein leichtes, ein paar tausend Euro pro Bild rauszuholen, ohne Bekanntheitsgrad.“

    Sorry, Du hast echt keine Ahnung. Ich kenne zig Künstler, die praktisch nichts aus ihren Bildern herausholen. In Deinen Augen sind die dann halt schlecht, kann man nix machen, sollen den Job wechseln.

    Und dann wieder diese zwanghafte Verbindung zwischen Kunst und Geldverdienen.

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  17. hanneswurst schreibt:

    In mein Wörterbuch habe ich längst eine inzwischen mehrheitlich anerkannte Definition von „Kunst“ aufgenommen und diese gerade noch einmal leicht überarbeitet:

    http://hanneswurst.wordpress.com/2012/01/19/wursts-philosophisches-worterbuch-kunst/

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  18. Chinook schreibt:

    „an Dir, Chinook, ist die komplette Entwicklung der Ästhetik vorbeigegangen, jahrhundertelange Debatten über Kunst interessieren dich nicht, für dich ist alles radikal subjektiv“

    -Auf doppelte Weise gelangt man dazu, die Kunst zu verabscheuen: indem man sie nämlich von Haus aus haßt, oder indem man um sie mit dem Verstande wirbt. (Oscar Wilde)-

    Das will ich doch wohl hoffen. Wahrscheinlich passt mir einfach das „Ergebnis“ dieser jahrhundertelangen Debatten über Ästhetik/Kunst nicht. Und der Versuch ein Korsett zu schnüren, klar einzugrenzen was Kunst ist, was sie sein sollte und wie. Weil man durch die EIngrenzung eine bestimmte Perspektive auf einen Gegenstand einnimmt, und die Grenzen dann zwangsweise sozusagen ein Paradigma, einen Blickwinkel bilden, welches manche Ansicht ausgrenzt. Womit ich überhaupt kein Problem habe. Die fangen erst an, wenn man versucht eine bestimmte Ansicht zu verallgemeinern und als aus richtiger Perspektive darzustellen. Also durch Objektivierung einer subjektiven Erfahrung heraus allgemeingültige Interpretationsregeln aufzuoktruyieren.

    „Zumal die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kunsthandwerk nun offensichtlich ist und die Grenzen fließend“

    Bezogen auf touristische Kleinstädte. Sei es Montmartre, oder Trachtengruppen auf Madeira. Allzu Künstlich oder etwas schlicht reproduzierend wird nach einem westl. Verständnis selten als Kunst bewertet. Japaner beispielsweise, würden über eine Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kunsthandwerk mehrheitlich nur die Köpfe schütteln. Und da kommt man doch wieder zu der Frage, ob die von Ihnen genannten jahrhundertealten Debatten bzgl. Kunst so einfach eine generell richtige Perspektive generieren können? Sich einer subjektiv wahrgenommenen Sache objektiv zu nähern bringt eben Probleme mt sich, und selten hilft das argumentative Vehikel, daß man subjektive Sichtweisen einfach versucht generell zu objektivieren. Funktioniert ja nur für die Gruppe, die der Perspektive dann folgt.
    Kennen Sie den alten Mathematiker-Witz? Zuerst definiert der Mathematiker, was es heißt einen Löwen gefangen zu haben.
    Definition: Ein Löwe ist gefangen, wenn er in einem Käfig eingeschlossen ist. Danach baut er einen Käfig um sich selbst, definiert die Fläche im Käfig, innerhalb welcher er sich befindet, als Außen und hat den Löwen damit gefangen.
    Ich finde, daß Sie so an Kunst herangehen. Was Ihnen aus welchen Gründen auch immer gefällt, definieren Sie als Innen. Was nicht gefällt als Außen. Damit das alles eine Basis hat, definieren Sie, z.B. mit dem „Kapitalismusverwertungsargument“, was nicht als „richtige“ Kunst angesehen gehört. Nebenbei, die Debatten sind ja nicht „jahrhunderte“ alt, weil es eine einhellige Lösung gab.

    „Hobbykünstler ist ja auch so ein wahnsinniges Wort“

    Warum? Zumindest Diejenigen, welche ich getroffen habe, haben auf die Trennung zwischen Amateuren/Liebhabern der Kunst, und Professionellen. also davon lebenden Künstlern, doch Wert gelegt. Ich bin sogar der Ansicht, daß bei den un-/semiprofessionell Kunstschaffenden, welche diese Unterscheidung nicht ziehen, meist der Ehrgeiz das Talent bei weitem übersteigt.

    „Da gibt es eine Menge Kriterien, aber am wenigsten das, was “die Leute” sehen wollen. Es gibt einen Haufen Kunsthistoriker, die darüber debattieren, was gute Kunst ist und was nicht und nach welchen Kriterien ausgewählt wird.“

    Ich habe nichts anderes gesagt. Am Ende der Debatte hängen Werke in der Ausstellung, die Publikum anziehen, plus Werke, die den Organisatoren persönlich wichtig waren. Ausnahmen sind kleine Ausstellungen oder Veranstaltungen, die kommunales Geld „einfach so“ zugeschustert bekommen (wobei die Kommunen gar nicht so klein sein müssen). Bringt dann der Allgemeinheit nix, aber die Organisatoren und ihre wohlhabenden Bekanntschaften, vor denen man auf kultiviert machen will, haben dadurch oft die Möglichkeit ein paar Künstler persönlich zu treffen. Denen das zwar am A… vorbeigeht und die es als langweilige Pflicht ansehen, aber der „feinen Gesellschaft“ geht einer ab.

    „sondern in der Ideologie, dass nur der Markt real ist, dass nur dort, wo ein Markt vorhanden ist, überhaupt etwas funktionieren kann und Kritik grundsätzlich falsch ist“

    Absolut nicht. Ein „Markt/Austauschplatz“ für verschiedene Kapitalformen ist allerdings überall vorhanden. Aber eine Frage: Mit welchem Recht kann man eine Ausstellung mit Steuergeldern finanzieren, die nicht das zeigt, was die Leute sehen wollen, sondern dem Gusto irgendwelcher Kommunalgrößen entspricht und nicht maximale EInnahmen generiert. Wir reden hier von Subventionen pro Eintrittskarte bis 120 Euro und höher?
    Ist es in dem Fall ok, wenn sich ein paar „Kunsthistoriker“ hinsetzen, für deren Ansicht sich kaum jemand interessiert, diese eine Ausstellung für einige wenige machen, und alle müssen dafür zahlen? Geld das an anderer Stelle fehlt? Nur weil Organisatoren von Ausstellungen selten Kreativität im geschäftlichen Sinne zeigen, oder gar Einfühlungsvermögen in die breite Bevölkerung, und die Fähigkeit breitenwirksam Marketing zu machen ihnen vollkommen abgeht?

    Ich gestehe gern ein, daß ich nicht so kunstaffin bin, daß ich Oper/Ausstellung/Museen/Theater bereit bin einfach so zu unterstützen. Wenn ich das tue, dann nicht für irgendeinen Begriff von Kunst, sondern für Menschen, die es sich sonst nicht leisten könnten und die weitergehendes Interesse haben, als sich mal sehen zu lassen und pseudointellektuelles Geschwätz zu betreiben. Was vollkommen ok ist, ich möchte es nur nicht bezahlen und ich bezweifle, das viele andere es bezahlen wollen. Aber dann kann es kein „Unausgelastet“ mehr geben. Schleust die Grundschulklassen umsonst durch, diejenigen welche sich einen Eintritt nicht leisten können etc. bis es ausgelastet ist. Gezahlt wird so oder so. Solange Kunstveranstaltungen aller Art kaum Leute anziehen, UND DESWEGEN massiv subventioniert werden, muß man sich schon fragen, wo genau da der Sinn liegt und der Fehler im Angebot. Insbesondere, wenn auch Niedrigverdiener dies finanzieren, welche bei den Besuchern bei weitem unterrepräsentiert sind und trotzdem bei jeder Karte für die Elite mitzahlen.
    Das hilft vielleicht Künstlern und Kultur, ist aber trotzdem asozial. So eine seltsame Vorstellung, der sich extrem nach Links geneigte nicht hingeben können. Ähnlich wie bei der Diskussion um Photovoltaik. Da muss man eben das ganz große Bild im Auge haben und differenzieren! Was ansonsten nicht gerade up-to-date ist in den entsprechenden Gruppen.

    „Du bist der lebende Beweis, wie flach das ganze Marktgeplapper und die Ideologie dahinter ist.“

    Aha. Welches Marktgeplapper? Das wenn viele Leute einen Künstler mögen hohe Werte für dessen Werke geboten werden? Das ist eine allgemeingültige Systematik.

    „Sorry, Du hast echt keine Ahnung. Ich kenne zig Künstler, die praktisch nichts aus ihren Bildern herausholen. In Deinen Augen sind die dann halt schlecht, kann man nix machen, sollen den Job wechseln.“

    Zunächst – Künstler ist kein Standardjob. EIn „professional“ ist, wer davon leben kann. Ist in so gut wie jedem anderen Bereich des Lebens auch nicht anders. Einfach eine Bezeichnung. Wer das nicht kann, wird wohl kaum umhinkommen eine andere Haupterwerbstätigkeit aufzunehmen. Das ist eben so, Dafür kann ich nun auch nichts. Ich kann auch nicht hingehen und meinen, irgendwas ist meine Berufung, jedoch ist niemand bereit mich dafür zu bezahlen, und dann zu pikiert sein mir einen Job zu suchen, der die Miete finanziert. Übrigens hab ich noch nie mit einem Künstler gesprochen, der sich darüber aufregte. Sind meiner Erfahrung nach meist Leute, die wirklich einer Berufung folgen und eben soviel arbeiten, um jener weiter maximal nachgehen zu können. Ohne sich über den Kunstmarkt etc., oder gar irgendwelche neoliberale Themen aufzuregen (in Berlin bei den ganzen Ehrgeizigen mag das anders sein). Auf der Suche nach Möglichkeiten ihre Kunst breiteren Gruppen vorzustellen, und oft sehr selbstkritisch.
    Es gibt viele Gründe, warum ein Künstler nicht wahrgenommen wird. Nicht talentiert genug, schlechter als die Konkurrenz, schlechter Galerist, nicht clever genug. Es gab jedoch nie bessere Chancen, aus perfektem handwerklichen Geschick mehr zu machen als heute. Was auf dem Kunstmarkt im Preissegment von 2500-30000 Euro mittlerweile gekauft wird ist ziemlich, naja, mutig. Wer dort nict landet, kann eben kein hauptberuflicher Künstler sein. Genausowenig wie Sie hauptberuflich Tour de France fahren könnten, einfach weil sie ein Amateur/Liebhaber des Sports sind.
    Ja, das ist wieder Marktgeplapper, aber Sie beschweren sich doch, daß Ihnen bekannte Künstler sich einen richtigen Job suchen müssen. Inwiefern ist das eigentlich schlecht? Muß der Rest der Bevölkerung auch.
    Was wär denn ihr Vorschlag, um das Los der betroffenen Künstler, die ihrem Hobby nicht fröhnen können, zu erleichtern?

    „Und dann wieder diese zwanghafte Verbindung zwischen Kunst und Geldverdienen.“

    Eben nicht. Ich sage lediglich, daß vieles Kunst ist. Diese im Auge der Betrachter liegt. Da ist eben keine Verbindung zwischen Kunst und dem Markt. Manche Kunst wird eben mehr gemocht als andere, wehsalb Menschen bereit sind dafür mehr zu bezahlen. Es muß auch nicht alles hoch geschätzte hochinterpetiert werden, um den Wert im Nachhinein praktisch „wissenschafltich“ zu legitimieren. Was durch Kunstwissenschaftler meiner Ansicht nach oft getan wird. Teilweise sogar erst Jahrzehnte oder noch länger nach dem Ableben des Künstlers. Betriebsunfälle einer jahrhundertealten Debatte.

    „Du nimmst Kunst nicht Ernst, deshalb kann jeder machen, was er will.“

    -Die Kunst ist das einzig Ernsthafte auf der Welt. Und der Künstler ist der einzige Mensch, der nie ernsthaft ist. (Oscar Wilde)-

    „Die Schmidsche Installation wird genau in dem Augenblick schal, in dem der Mechaniker zum Vollzug geschritten ist. Und dann eben in dem Stuttgarter Umfeld, wobei ich schon denke, dass sich Ingenieure da verselbstmehrwerten.“

    -Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr. Wer dem Symbol nachgeht, tut es auf eigene Gefahr. In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben. (Oscar Wilde)-

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  19. hanneswurst schreibt:

    Was bei der Frage „Was ist Kunst?“ gerne in einen Pott geworfen wird sind Kunst und Kunstbetrieb. So wie ein Menschenleben einen unschätzbaren Wert hat, so ist auch dem Kunstwerk kein prinzipieller Wert zurechenbar. Dennoch wird der Wert eines Menschenleben in einen Vergleichsmaßstab gebracht, wenn es zum Beispiel darum geht mehr Geld in das Gesundheitssystem oder den Ausbau von Verkehrswegen zu stecken. Ähnlich wird Kunst definiert, eingeordnet und bewertet um festzustellen, was gerade förderungswürdig ist. Der Natur der Kunst oder der langfristigen Bedeutung eines Werks kommt man damit nicht unbedingt näher, da nutzen auch jahrhundertelange Debatten über Kunst nicht.

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  20. genova68 schreibt:

    Chinook,
    mir sind deine Beiträge zu lang. Ich müsste Stunden investieren, um das alles zu kommentieren. Das geht nicht.

    Und sowas:

    „Manche Kunst wird eben mehr gemocht als andere, wehsalb Menschen bereit sind dafür mehr zu bezahlen.“

    Was ist das denn? Gemocht? Kunst ist ein Markt, und gezahlt wird in Erwartung von Rendite, nicht auf Grundlage von „mögen“. Mit solchen Kategorien kommt man nicht weiter, im Gegenteil, ein Gespräch ist kaum möglich, oder eben nur um den Preis eines großen Zeitaufwandes.

    Falls sich jemand anders damit auseinandersetzen möchte, bitte sehr.

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  21. Bersarin schreibt:

    „Falls sich jemand anders damit auseinandersetzen möchte, bitte sehr.“

    Nein, das ist nicht nach meinem Geschmack. Zu subjektiv, der Chinook!

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