Krieg Israel-Iran: Jahresprognosen sind was für Männer, die sich überschätzen

Also für ziemlich viele Männer, schätze ich. Am Jahresende hagelt es in den Medien Prognosen für die kommenden zwölf Monate. Nicht darüber, ob man es wohl schafft, abzunehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören. Nein, es geht ums Ganze: Bricht die EU zusammen? Gibt es Krieg irgendwo auf der Welt? Und in Griechenland Bürgerkrieg? Wird der Dax dreistellig?

Aus irgendwelchen Gründen ist mir eine Prognose des Börsenexperten Dirk Müller vom November 2011 hängengeblieben. Der erzählt ja am laufenden Band per Video etwas über die Entwicklung der Märkte und die Entwicklung der Welt. Ich halte den durchaus für fit, wenn es darum geht, volkswirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich zu erklären und halte seine Perspektive für absolut diskutabel und freundlicherweise verlinkt er meine Artikel hin und wieder auf seine Seite.

Aber er überschätzt sich, wenn er Prognosen über globale Entwicklungen abgibt. Vor gut einem Jahr jedenfalls, am 7. November 2011, meinte er, dass es 2012 „aller Wahrscheinlichkeit nach“ zum Krieg zwischen Israel und dem Iran kommen werde. Da könne also kein Zweifel bestehen. Ich dachte mir damals, dass der ja echt tolle Quellen haben muss, wenn er das so deutlich behauptet. Zugang zu geheimdienstlichen Informationen und so.

Pustekuchen. Es ist die übliche männliche Selbstüberschätzung, oft von Nichtakademikern, die einem mal nebenbei die Welt erklären. Nahostkonflikt, Weltökonomie, der Chinese, der Islam und überhaupt: alles ganz einfach. Hört auf meine Signale.

Einen Krieg so dermaßen sicher zu prognostizieren, fällt, wenn er ausfällt, mit ziemlicher Wucht auf den zurück, der ihn prognostiziert hat.

Ich ziehe den Artikel zurück und meinen Hut, falls es in den kommenden elf Tagen doch noch zum Krieg kommen sollte.

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5 Antworten zu Krieg Israel-Iran: Jahresprognosen sind was für Männer, die sich überschätzen

  1. Wer ist dieser Dirk Müller?

    Noch nie von dem gehört. Er ist auf jeden fall eine gelungene parodie auf einen börsennachrichtensprecher, selten beim anschauen von börsennachrichten so gelacht. Und in china wird im kommenden jahr (also 2012) ein würstchen, pardon eine immobilienspekulationsblase, platzen – und revolution ausbrechen. Was sonst?

    All diese spektakulären ereignisse, die für mich hochinteressant gewesen wären, habe ich leider verschlafen, schade eigentlich.

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  2. genova68 schreibt:

    Ja, Müller hat sich in der Tat überschätzt. Der war eine Weile lang sehr gefragt als Experte in Sachen Euro, das ist ihm wohl zu Kopf gestiegen.

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  3. besucher schreibt:

    Also wie es aussieht fällt der Weltuntergang heute schonmal flach. Und Krieg über Weihnachten und Silvester? Nee, wohl eher nicht.

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  4. genova68 schreibt:

    Noch hat der Weltuntergang zwölf Stunden Zeit. Bitte den Tag nicht vor dem Abend loben.

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  5. besucher schreibt:

    Ob in der letzten Stunde noch was passiert? wie sieht das denn gerade in Moskau aus? Da ist es jetzt doch schon 1:00 Uhr. Also wenn im Kreml noch Licht brennt dann ist alles gut.

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