Macht ist perfekt, wenn sie nicht mehr bemerkt wird

Hinweis auf einen angenehmen Artikel von Georg Seesslen aus meiner Blogroll:

Das Projekt der Linken, wie immer sich diese selber definiert, ist nach wie vor in einer einfachen Aussage zusammenzufassen: Die Befreiung der Menschen von ungerechter, unterdrückender und ausbeuterischer Macht. Die Veränderung dieser Macht bzw. dieser Mächte verändert auch die Linke. Die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung und die Ausbeutung sind vergleichbar konstant (da der Mensch als Objekt einigermaßen konstant bleibt und nicht, zum Beispiel, auf einmal fliegen oder gar mit einem Schlag „gut“ geworden sein kann); die Nutznießer von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung wechseln Form und Methodik. Was man von der Macht sagen kann, bevor man ins einzelne geht: Die Macht ist immer auf der Höhe der Zeit. (Oder sie verschwindet.)

Daher hat (der Karlsruher Philosoph) Byung-chul Han natürlich vollkommen recht, wenn er sagt, die Macht sei beinahe perfekt, wenn sie gar nicht mehr bemerkt werde, und umgekehrt sei die Gewalt noch stets ein Anzeichen der Schwäche, nicht der Stärke der Macht. Die Macht ist demnach am perfektesten, die den Menschen ausbeutet, weil er ausgebeutet werden will, und die ungerecht ist, weil seine Adressaten Ungerechtigkeiten wollen, und  die unterdrückt, weil die Unterdrückten Geschmack an der Unterdrückung haben.

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Nichts wirklich neues, aber gut auf den Punkt gebracht. Überhaupt könnte dieser Han lesenswert sein, weil er offenbar neoliberale Logiken recht anschaulich beschreibt. Die Foucaultsche Biopolitik, die Verlagerung der Steuerung des Individuums und der Masse ins Subjekt selbst, und zwar gemäß der Wünsche der herrschenden Klasse. Der Untertan übernimmt die Selbststeuerung also freiwillig. Die Übernahme der objektiven Interessen der herrschenden Klasse vom ausgebeuteten Objekt, das jene als seine eigenen wähnt. Der Ansatz vom Ausgebeutet-werden-wollen als unbewusstem psychologischen Aspekt, der sich sein Ventil dann beispielsweise in Fremdenfeindlichkeit und Homophobie sucht.

Das alles wird im Neoliberalismus verschleiert durch den vordergründig eigentlichen Aspekt des Begriffs. Alles ist so liberal, es gibt keine Hierarchien mehr, kein oben und kein unten, wir sind alle mündig und frei und autonom, wo soll denn der Feind stehen, bitteschön? Das war Achtundsechzig einfacher. Da gab es wenigstens noch den Nazi mit Hut, der offen davon sprach, irgendwen vergasen zu wollen. Wer macht das heute noch?

Die Nazis von heute sind Leute, die sich Islamkritiker nennen oder Grundgesetzverteidiger. Auch so eine skurrile Begriffsverwirrung, die, so nehme ich an, 1930 ähnlich war und erst im Rückblick die Klarheit bekam, an die wir uns gewöhnt haben.

Die Macht ist perfekt, wenn sie nicht bemerkt wird. Man lese sich nur einmal die Kommentare zu einem Spiegel-Artikel über Flüchtlinge durch oder die Kommentare zu einem Welt-Artikel über Griechenland. Die realen Zumutungen des Kapitalismus werden nicht als solche erkannt, sondern umgeleitet auf die Habenichtse. Das alte Spiel. Immer wieder aktuell.

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(Foto: genova 2011)

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40 Antworten zu Macht ist perfekt, wenn sie nicht mehr bemerkt wird

  1. hanneswurst schreibt:

    Das ist wohl so. Es sind die Reflexe derer, die denen, die alles schon einmal rezitiert haben (ohne dabei Ihre Kenntlichkeit aufzugeben) in den Trog spucken. Wie ein Handtuch, das zu lange im Trockner getumbelt wurde bleibt: Asche und Staub, Staub und Asche. Aber die Häuptlinge hängen ihren marxistischen Parolen nach, sehen nicht das Leid, noch den herannahenden Zug, sie bleiben auf den Gleisen stehen und singen das Lied der verlorenen Arbeitermoral. In den Schwimmbädern währenddessen das ewig gleiche Bild von Verwüstung und Pilzgeschmack, mit einem Durchschnittsgehalt kann man sich DAS nicht mehr leisten, am besten Klappe zu, Affe tot, dann braucht man das Elend wenigstens nicht mehr mit anzusehen.

    Szenenwechsel. Ein ungefähr fünfunddreißig Jahre alter Mann hält eine Handgranate in die Höhe und singt „God save the Queen“. Es ist James Bond – im Auftrag ihrer Majestät. Er hat am Vortag Kohlroulade gegessen und versteht zum ersten Mal in seinem Leben, was es heißt, die Arschbacken zusammenzukneifen. Die deutschen Medien berichten von einer Demonstration höchster Eindringlichkeit, George Clooney reist extra von seinem Winterquartier am Lago di Como (Koma-See) an, um zu recherchieren, was Menschlichkeit sein könnte. Was heißt das denn schon, „Gesellschaft“? Was heißt das, im Zeitalter der entleerten Massenkultur aus Rollenspiel, Kontaktbörse und Vorabendserie? Wie haben nur noch einen kurzen Weg vor uns. Oder einen langen. Ich habe einen Langen.

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  2. genova68 schreibt:

    So wird es sein.

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  3. Willy56 schreibt:

    „Die Befreiung der Menschen von ungerechter, unterdrückender und ausbeuterischer Macht.“

    Was für eine Phrase, als wenn irgendjemand auch nur eine entfernte Vorstellung davon hätte, wie das gehen sollte.

    „Die Macht ist demnach am perfektesten, die den Menschen ausbeutet, weil er ausgebeutet werden will, und die ungerecht ist, weil seine Adressaten Ungerechtigkeiten wollen, und die unterdrückt, weil die Unterdrückten Geschmack an der Unterdrückung haben.“

    Also die Menschen selber merken von der Ausbeutung und Unterdrückung nichts, nur der Autor dieser Zeilen durchschaut auf magische Weise alles.

    Offenbar ist das der Effekt andauernder Foucault-Lektüre.

    Wenn da stehen würde: „Die immer größer werdende materielle Ungleichheit zwischen den Menschen hat (lokal und global) verheerende Auswirkungen, dagegen sollte etwas unternommen werden. Ich schlage vor: Y, Y und Z“, dann könnte man darüber diskutieren.

    Aber so ist das einfach nur das übliche Geseiere über die Schlechtigkeit der Welt.

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  4. genova68 schreibt:

    „Also die Menschen selber merken von der Ausbeutung und Unterdrückung nichts, nur der Autor dieser Zeilen durchschaut auf magische Weise alles.“

    Nicht ganz. Ich durchschaue es auch.

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  5. hanneswurst schreibt:

    Umgekehrt gibt es viele Menschen, die andere Menschen unterdrücken und ausbeuten, und dabei gar nicht wissen, dass sie niemanden ausbeuten wollen. Manche wiederum beuten aus, denken jedoch, sie würden nicht ausbeuten, wollen aber gerne ausbeuten. Andere wollen nur ausbeuten, wenn sie nichts davon wissen müssen, beuten auch tatsächlich niemanden aus, denken aber, sie würden ausbeuten! Es ist eine harte, ungerechte und völlig schizophrene Welt.

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  6. genova68 schreibt:

    Danke für diesen interessanten Beitrag. Man sollte auch den Aspekt des Ausbeulens beachten. Die viele Ausbeutung beult die Menschen aus, sie kriegen einen Bauch und ein Hohlkreuz. Wir alle kennen die Floskel: „Du siehst so ausgebeult aus heute“. Sie ist nur unterm Joch des Kapitalismus sagbar.

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  7. hanneswurst schreibt:

    @genova: Ich habe den Eindruck, dass Du der Sache nicht mit dem gebotenen Ernst begegnest. Soll ich Dir noch etwas Ungeheuerliches schreiben? Ich tue es einfach: ich wette, die meisten Toten wissen nicht, dass sie tot sind. Vollkommen paradox: diejenigen Toten, die wissen dass sie tot sind, sind in Wahrheit gar nicht tot. Bitte teile das auch Herrn Seesslen mit, es wird ihm vielleicht die Augen öffnen. In Wahrheit wird er von denjenigen ausgebeutet, von denen er denkt, dass sie ohne ihr Wissen ausgebeutet würden. Und er will das auch so, weiß aber nichts davon.

    Ich habe es mir anders überlegt, bitte teile das Herrn Seesslen doch nichts mit. Falls doch, und wenn er dann ein Buch darüber schreibt, dann schenk mir bitte nicht das Buch. Das letzte Buch, das Du mir vom ihm geschenkt hast, habe ich sukzessive auf der Toilette gelesen. Das war vor Monaten, und ich habe jetzt noch Durchfall. Ich respektiere natürlich, dass Du mit Herrn Seesslens Ansatz einiges anfangen kannst. Ich unterstelle jedoch, dass Du eher empathischen als analytischen Gefallen an seinen Ausführungen findest.

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  8. genova68 schreibt:

    Dass du mit dem Buch von Seesslen nicht anfangen konntest, dachte ich mir schon, nachdem du nie darauf zu sprechen kamst. Jetzt ist es raus. Vielleicht siehst du das ähnlich wie mein Düsseldorfer Lieblingsbuchhändler, der mich vor dem Kauf des Buches seinerzeit gewagt hat. Wobei er das mit der angeblich unzulänglichen schriftstellerischen Qualität Seesslens begründete.

    Aber was hast du gegen emphatisches Gefallen? Das Buch hat keine Fußnoten, also ist das in Ordnung.

    Ich habe auch nur zwei von drei Kapiteln gelesen, es ist teilweise zu schnörkelig geschrieben. Aber wenn du schon kritisierst, dann tu bitte die Butter zu den Fischen.

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  9. hanneswurst schreibt:

    @genova: Lust, das Buch jetzt noch einmal hervorzuholen und eine fundierte Kritik hinzulegen habe ich nicht. Wir haben übrigens schon einmal über das Buch geredet, Du hast es wohl verdrängt. Aus dem Stehgreif kann ich Dir nur ein paar Argumente nennen:

    – Willy56 trifft im Kern die Punkte, die ich inhaltlich ebenfalls bemängele. Eine Sache, die ich Dir schon einmal persönlich mitgeteilt hatte: er prangert fortwährend an (bzw. sie, Seesslen und Markus Metz), es kommen aber keine Verbesserungsvorschläge.

    – Nicht nur fehlen die hervorgebrachten Alternativen, die Analysen sind weiterhin so schwach, dass in vielen Fällen nicht einmal die Herkunft der bestehenden Verhältnisse klar wird.

    – Stilistisch sehr gewöhnungsbedürftig: die andauernd besserwisserische, überhebliche und gewollt intellektualisierte Art (die er selbst typisch für selbsternannte Linksintellektuelle hält und auf irgendeine verschwurbelte Art rechtfertigt). Der andauernde Versuch, ein zu Recht empörtes aber dennoch (aufgrund besonderer geistiger Größe) gelassenes Bild abzugeben, was misslingt. Dabei vollkommene Humorlosigkeit und programmatische Langeweile.

    Man könnte wirklich meinen, er sei ein „Doppelagent“ der im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung versucht linkes Denken zu diskreditieren. Dabei ist der Impuls, die Machtverdeckung zu analysieren (oder die institutionalisierte Täuschung, die ja eines meiner Lieblingsthemen ist) löblich, aber er schwurbelt es einfach tot.

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  10. genova68 schreibt:

    Stilistisch gewöhnungsbedürftig, ja, ich würde auch nicht das 800-Seiten-Buch von ihm lesen, ich habe ja extra nur das Exzerpt gelesen. Ich lese dann teilweise einfach quer. Ein Buch, in dem jeder Satz lohnt, ist selten.

    Mit der Kritik von Willy kann ich aber wenig anfangen, das ist grundsätzlich.

    “Die Befreiung der Menschen von ungerechter, unterdrückender und ausbeuterischer Macht.”

    Der Satz ist doch prima. Es ist der Versuch einer möglichst selbstverständlichen Aussage zur Frage, was links ist. Da muss ich nicht gleich eine 500Seiten-Begründung nachschieben. Kann man machen, aber es nicht zu tun, gar in einem Blog, ist kein Kritikpunkt. Es ist eine Grundlegung, die man vertiefen kann, aber es geht für mich bei so einem Satz darum, dass Sprache klären kann. Was ist gerecht/ungerecht, was ist unterdrückend, was ist ausbeuterisch. Es geht um Verhältnisse. Die ganze neoliberale Sprachpraxis braucht ein Umfeld, in dem solch einfache Fragen nicht gestellt werden, sonst würde die Verarschung offensichtlich.

    Wenn jemand sagt, dass irgendwer nicht mehr als fünf Euro verdienen darf, weil das die Verhältnisse oder der Markt nicht zulassen, dann sind solche Fragen zielführend. Würde diese Frage öfter gestellt, würde man sich hierzulande und anderswo beispielsweise die Vermögensverteilung nicht bieten lassen. Wenn Millionen fünf Euro in der Stunde verdienen und ein Promille 5000 Euro (und Steinbrück 20000 Euro) dann ist das ohne Ausbeutung nicht denkbar, ohne ausbeuterische Verhältnisse. Von Gerechtigkeit muss man da nicht reden. Von nachfolgender Unterdrückung durch die Verhältnisse auch nicht.

    Ein Essay oder ein Blogeintrag ist keine wissenschaftliche Arbeit, von der ich die Mehrarbeit natürlich erwarten muss. Es geht auch nicht daraum, dass Seesslen das Exklusivwissen darüber haben muss, was ausbeuterisch ist. Darüber kann man sich unterhalten. Es geht eher um eine Positionsbestimmung, um eine Vergewisserung. Ein komprimierter Blogartikel kann da einiges bewirken.

    Das bezieht sich jetzt im wesentlichen auf den Blogartikel, den Willy kritisiert hat. Willy zeichnet sich übrigens dadurch aus, dass er nie etwas eigenes bringt, sondern ein wenig in linken Blogs herumstänkert und Fragen stellt, die in erster Linie eine imense Beschäftigung des Befragten nach sich ziehen würden. Das ist die Sache mit dem hingehaltenen Stöckchen, manchmal zumindest.

    Es müssen auch keine Verbesserungsvorschläge kommen. Die gibt es ohne Ende, bei Parteien, allen möglichen Gruppen etc. Lies bei attac, wenn dich das im Detail interessiert. Oder hier im Blog, hier steht alles voll von Verbesserungsvorschlägen. Und wenn ich komplizierte Zusammenhänge kritisiere, dann habe ich damit schon alle Hände voll zu tun. Keine Vorschläge zu bringen, zeugt von dem Wissen um meine Begrenztheit. Ein bisschen ist das so wie die Antwort auf jemanden, der den Ausbau der alternativen Energien fordert, er möge doch bitte selbst ein paar Windräder aufstellen. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Das sind oft Totschlagargumente: „Wenn du nicht weißt, wie es besser geht, dann geht es nicht besser und es muss alles beim Alten bleiben.“ TINA.

    Steinbrück bei der nächsten Wahlveranstaltung ein Glas Tomatensaft aufs schüttere Haupt zu kippen, wäre ein sinnvoller Ansatz. Nur, damit du zufrieden bist.

    Aber ok, wie gesagt, den Stil des Buches fand ich offenbar auch nur für zwei Kapitel ausreichend, mein Interesse war danach weg. Ich habe das Buch vergessen.

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  11. hanneswurst schreibt:

    @genova: Ich habe je nicht behauptet, dass jeder einzelne seiner Sätze Schrott ist sondern meinen Gesamteindruck dargestellt. (Auch wenn ich die von Dir zitierte Aussage schon wieder banal finde.)

    Ich finde sogar solche Analysen im Kinderbuchformat überzeugender: http://www.businessinsider.com/whats-wrong-with-economy-charts-2012-10

    Dort werden im Kern einige der Schlüsse gezogen, die sicherlich auch Herr Seesslen unterschreiben würde. Nur kommt man bei ihm nicht dahinter. Es liegt aber nicht allein an Herrn Seesslen, dass er so schwurbelt, es liegt auch an der für Deutschland typischen Akademietümelei. Man scheint hier eher ernst genommen zu werden, wenn man sich im Hochtraben übt und bei Tisch einwandfreie Manieren zeigt.

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  12. genova68 schreibt:

    Bitte nichts gegen einwandfreie Tischmanieren. Das ist das einzige, was ich beherrsche.

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  13. Willy56 schreibt:

    Nun ja, ich habe z.B. bei Che schon mehrfach versucht, Diskussionen über diese Themen anzuregen, aber es interessiert sich offenbar niemand dafür. Ich habe z.B. auf das Beispiel von Brasilien hingewiesen, wo man in den letzten Jahren hervorragendes geleistet hat, und ganz ohne revolutionären Umsturz und fundamentale Veränderungen:

    http://che2001.blogger.de/stories/2111147/#2116397

    Es ist ja kein Zufall, dass du dich auf Nigeria und Angola beziehst, um die böse westliche Kultur zu diskreditieren, als wenn die dortigen Regierungen irgend jemand aus dem Westen zwingen würde, Straßenhändler zu vertreiben und Shopping-Center zu errichten: Du warst sicher noch nie in einer solchen Stadt; es ist ganz einfach so, dass man auf den überfüllten Bürgersteigen nicht weiter kommt. Stadtverwaltungen überall in der III. Welt kämpfen damit, und die Bürger würden liebend gerne bequem und sicher in Supermärkten einkaufen und auf ihre „eigene Kultur“ verzichten, was dies betrifft. In Brasilien ist man da aus einem ganz anderen Wege, der Staat betreibt klassische sozialdemokratische Reformpolitik wie in Deutschland in den 70er Jahren, und mit Erfolg. Inzwischen bekämpft sogar die Regierung die Korruption, in Afrika wäre das unvorstellbar. Kein Brasilianer versucht, mit irgendwelchen Booten in den Westen zu gelangen, um besser zu leben, im Gegenteil, jede Menge Portugiesen gehen z.Z. nach Brasilien wegen der besseren ökonomischen Situation.

    Meine Frage ist eben: Wie kann man solche Entwicklungen auch in anderen Ländern anstoßen? Der Grund für die brasilianische Entwicklung ist mir selber noch nicht ganz klar, ich war 2001 zuletzt in Brasilien, und zu dieser Zeit war das absolut nicht vorhersehbar, es war einfach ein übliches, beschissenes Dritte Welt-Land, und dann dies. Ist es nur die Person vpn Präsident Lula da Silva, Kind armer Leute, Gewerkschafter, ein eher ideologieferner Pragmatiker? S. auch hier:

    http://www.misik.at/fs/263.php

    Ich neige jedenfalls zu der Auffassung, dass eine solche Entwicklung z.B. in Afrika aus kulturellen Gründen nicht möglich ist, eben WEIL die Leute zu sehr an ihrer eigenen Kultur festhalten.

    „Keine Vorschläge zu bringen, zeugt von dem Wissen um meine Begrenztheit.“

    Ohne dir jetzt persönlich etwas unterstellen zu wollen: Ich denke, solche Äußerungen zeigen eher, dass es einem mehr aufs Kritisieren ankommt, als darauf, wirklich etwas zu verbessern.
    Warum will bei Che niemand über Brasilien diskutieren? Warum will niemand über die negativen Seiten der ungesteuerten Migration sprechen, s. hier:

    http://che2001.blogger.de/stories/2123586/#2123682

    So sind eben die radikalen Linken: Sie kritisieren alles mit Emphase, aber jede konkrete Verbesserungsmaßnahme wird als Reformismus diskredietiert. Und die menschen warten weiter auf die revolution.

    Gute Nacht

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  14. Chris(o) schreibt:

    Genova mag Recht haben: wo Macht zu rüden Mitteln greifen muss, die Gesellschaft spürbaren Verfolgungen, Repressionen und Einschüchterungen ausgesetzt ist, sind Stümper am Werk. Wir sollten das europäische Modell der Unterdrückung ohne Nebenwirkungen schleunigst zum Exportschlager machen.Warum ist noch niemand darauf gekommen? Mit Autos klappt es doch auch recht schön.

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  15. genova68 schreibt:

    Willy,
    dass keiner mit dir diskutieren will, ist für dich sicher betrüblich, aber vielleicht trägst du auch eine Mitschuld, und zwar durch recht billige Verallgemeinerungen. Che ist also ein radikaler Linker, der nichts verbessern will usw.usf. Du stellst recht oft ziemlich gewagte Behauptungen auf, die es erfordern, dass du selbst mit einem guten Fundament daherkommst. Das scheint mir aber selten der Fall zu sein. Das meine ich mit dem Stöckchen, das du hinhältst, weil du offenbar gerne diskutierst. Und du ärgerst dich, weil niemand drüberspringt.

    Ich gehe jetzt mal auf deine Inhalte ein:

    Brasilien:
    Das war auch 2001 kein typisches Dritte-Welt-Land mehr, sondern ein Schwellenland, schon in den Neunzigern waren Rio und S. Paulo relativ reich, relativ viel Mittelklasse, kein Vergleich zu Paraguay, beispielsweise. Beim Grenzübertritt nach Paraguay hatte ich das Gefühl, 50 Jahre zurückgebeamt zu werden, viel krasser noch als BRD/DDR. Inwieweit Brasilien JETZT so erfolgreich ist, vermag ich nicht zu sagen. Die Favelas in Rio sind nicht weniger geworden und die von mir rezipierten Berichte über die Vorbereitungen zur WM laufen allesamt darauf hinaus, dass dort massive Gentrifizierung betrieben wird, und zwar dort, wo sich jetzt Favelas befinden. Die Armen werden an den Rand getrieben, das wars. Es ist offenbar derzeit eher die neoliberale Variante der Sozialdemokratie, die wir ja auch kennen. Und Brasiliens Wirtschaft läuft gut, das hat auch mit Rohstoffen zu tun und damit, dass Lula das Joch des Neoliberalismus entschärft hat, sicher. Es war ja extrem, was dort in den Achtzigern lief. Aber die Unterschiede zwischen arm und reich sind nach wie vor so extrem, dass es schwerfällt, von Erfolgen zu sprechen.

    In Brasilien gab es also auch von 20 Jahren schon relativ viel Wohlstand, da muss man sich nicht in die USA aufmachen, wenn man etwas erreichen will. Und die Portugiesen gehen nach Brasilien, weil es in diesem riesigen Land mit hoher Wachstumsrate eher Jobchancen gibt als in Portugal. Aber die gehen auch nicht in riesiger Zahl dahin, das ist schlicht falsch, sondern nur, wenn sie einen Job dort haben. Das kann in Sao Paulo durchaus passieren. Die gehen übrigens auch nach Angola, wenn sie dort einen Job bekommen. Du wirst jetzt aber nicht behaupten, dass die Situation dort so toll ist.

    Afrika:
    „Es ist ja kein Zufall, dass du dich auf Nigeria und Angola beziehst, um die böse westliche Kultur zu diskreditieren, als wenn die dortigen Regierungen irgend jemand aus dem Westen zwingen würde, Straßenhändler zu vertreiben und Shopping-Center zu errichten:“

    Es ist ziemlich peinlich, wenn du nicht unterscheidest zwischen den Regiernden und den Regierten. Frau Silva erklärt in dem anderen Blogartikel hier ja, worum es geht und es ist doch allgemein bekannt, dass die meisten afrikanischen Regime nicht demokratisch legitimiert sind und Korruption herrscht. Nigeria und Shell, beispielsweise. Frau Bisa berichtet nicht aus der Perspektive der Herrschenden.

    Und erklär mir bitte nicht, was die Bürger Afrikas liebend gerne machen würden und ob sie liebend gerne auf ihre Kultur verzichten würden. Das wissen weder du noch ich noch kann man das so einfach behaupten. Das zeugt davon, dass dir die Sensibilität fehlt, um über solche Themen überhaupt zu reden, das ist billiger Neokolonialismus, den du mit solchen Aussagen betreibst. Deine Haupttriebfeder scheint zu sein, dich an bösen Linksradikalen abzuarbeiten. Und das ist halt ein bisschen wenig für eine Diskussion.

    Kritisieren oder verbessern: Der Unterschied ist keiner, das eine bedingt das andere. Es gibt haufenweise Verbesserungsvorschläge für alles und jeden, es ist nicht mein Job hier, das einfach fortzuführen. Ich schreibe, was mir auffällt, daraus kann kein Vorwurf gemacht werden. Davon ab gibt es hier Verbesserungsvorschlägen, immer wieder mal, du musst sie nur lesen. Du scheinst ja viel von mir zu halten, wenn du so scharf bist auf meine Verbesserungsvorschläge. Danke dafür.

    Warum redest du eigentlich nicht über Venezuela? Chavez hat in ein paar Jahren für die Bevölkerung viel mehr erreicht als Lula.

    Aber der ist dir wohl zu linksradikal.

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  16. Willy56 schreibt:

    „Es ist offenbar derzeit eher die neoliberale Variante der Sozialdemokratie, die wir ja auch kennen. … Aber die Unterschiede zwischen arm und reich sind nach wie vor so extrem, dass es schwerfällt, von Erfolgen zu sprechen.“

    Wirklich?
    „Weiterhin ist der Anteil der Menschen mit einem Einkommen der dem Mindestlohn entspricht oder darüber liegt, von 29 auf 42 Prozent, das heißt von 51,3 Millionen auf 77,9 Millionen Personen gewachsen. Allerdings lag der Mindestlohn in dem untersuchtem Zeitraum bei 465 Reais, seit dem ersten März dieses Jahres liegt er bei 545 Reais. Der Anteil der von dem IPEA als der armen Schicht zugehörig bezeichneten Menschen, ist von 28 Millionen auf 18 Millionen Menschen gesunken. Zu dieser Gruppe gehören Brasilianer mit einem monatlichen pro Kopf Einkommen zwischen 67 und 134 Reais. Das als extrem arm bezeichnete Segment mit einem Gehalt von weniger als 67 Reais ist von 15 Millionen auf neun Millionen gefallen. Trotzdem ist laut der Studie die regionale Verteilung der armen Bevölkerung gleich geblieben und konzentriert sich im Norden und Nordosten Brasiliens.“
    http://www.brasilnews.de/ungleichheit-der-einkommensverteilung-gesunken-83482
    Also 27 Millionen Brasilianer sind in die Mittelschicht aufgestiegen, 10 Millionen sind aus der Armut und 6 Millionen aus der extremen Armut heraus. Kein Erfolg, wenn sich die Lebensbedingungen von mehr als 40 Millionen Menschen erheblich verbessert haben? Du machst Witze. Schau dir mal diesen Bericht an:
    http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=33933

    Es ist wirklich eine Freude zu sehen, wie die Menschen ihr Leben in die Hand nehmen und es verbessern, ganz ohne ideologische Einweisung durch linke Theoretiker. Ganz im Gegensatz zu Venezuela z.B., wo die alten Rezepte der Linken angewandt wurden: Die eigenen Leute an allen wichtigen Stellen platzieren, Firmen verstaatlichen, die Opposition ausgrenzen. Die Armut nimmt wesentlich weniger ab als in Brasilien, Inflation ist höher, und die Kriminalität ebenso. Dafür darf man sich über den Sozialismus des 21. Jahrhunderts freuen. Wenn Venezuela kein Öl hätte, wäre das Land längst pleite.

    Wie gesagt, eine Entwicklung wie in Brasilien möchte ich in möglichst vielen Ländern der III. Welt sehen, und die Frage, warum das so schwierig ist, beschäftigt mich schon.

    „es ist doch allgemein bekannt, dass die meisten afrikanischen Regime nicht demokratisch legitimiert sind und Korruption herrscht.“

    Ja und? Glaubst du das war in Brasilien anders? Lula hat aber, anders als die afrikanischen Politiker, das Interesse des ganzen im Auge gehabt und ein paar simple maßnahmen ergriffen. Nur mal als Beispiel, aus der FAZ vom 31.10.2012, unter Bezug auf Brasilien: „Arme Familien erhalten Geld, wenn ihre Kinder regelmäßig zur Schule gehen. Dies vermindert die unmittelbare Armut und verschafft den Kindern langfristig Chancen zu sozialem Aufstieg.“
    So sehen vernünftige Maßnahmen aus. Nigeria ist ein reiches Land, einer der größten Ölproduzenten der OPEC, warum unternimmt dort niemand so etwas? Könnte es evtl. mit der „afrikanischen Kultur“ zu tun haben, nach der man in erster Linie immer nur an der eigenen Familie, dem eigenen Stamm oder Clan, der eigenen Partei verpflichtet ist und sich nicht um Außenstehende kümmert? Sehr schön grade wieder in Südafrika zu beobachten.

    „Frau Bisa berichtet nicht aus der Perspektive der Herrschenden.“

    Sie redet zumindest so. Aber diese Frau gehört eindeutig der Oberschicht an („Bisi Silva is the founder and artistic director of the Centre for Contemporary Art, Lagos, a center opened in December 2007 which promotes research, documentation and expositions, where she curated some expositions of Nigerian paintress Ndidi Dike. She was the co-organizer of the Dak’Art Biennale 2006 in Dakar.” http://en.wikipedia.org/wiki/Bisi_Silva ). Solche Leute, die in Europa Ausstelllungen afrikanischer Kunst organisieren, haben natürlich ein Interesse an „afrikanischer Kultur“, von der die gewöhnlichen Menschen in Afrika gar nichts wissen.

    „Und erklär mir bitte nicht, was die Bürger Afrikas liebend gerne machen würden und ob sie liebend gerne auf ihre Kultur verzichten würden.“

    Ich denke die meisten Afrikaner hätten durchaus Interesse an einer Entwicklung wie in Brasilien, sonst würden sie ja nicht massenhaft nach Europa kommen, um ihre materiellen Lebensverhältnisse zu bessern, unter Zurücklassung ihrer kostbaren Kultur.

    „Kritisieren oder verbessern: Der Unterschied ist keiner, das eine bedingt das andere.“

    Vielleicht muss man kritisieren, um verbessern zu können, aber man kann durchaus kritisieren, ganz ohne zu verbessern oder Verbesserungen auch nur ins Auge zu fassen.

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  17. genova68 schreibt:

    Erstmal nur zu dem Film auf 3sat:

    Sorry, aber der ist doch eine intellektuelle Katastrophe. Dass sowas auf 3sat läuft, lässt einen ja glatt verzweifeln. Lauter billige Aussagen, mit flotten Bildern unterlegt.

    Beispiel: „Schon jetzt haben Brasiliens untere Schichten insgesamt mehr Geld zum ausgeben als die Reichen.“

    Was soll ich damit anfangen? Ein Satz, der Präzision und Fakten suggeriert und nichts davon bietet. Was sind die „unteren Schichten“? Was sind „die Reichen“? Das soll doch nur suggerieren, dass das Maß so langsam voll ist. Die Armen werden zu reich. „Schon jetzt“: Wenn das so weitergeht…

    Die Yoguhrt-Frau ist auch eine Katastrophe. Die verkauft Nestle-Produkte, eine großer Konzern, der für Ausbeutung und eine kaputte Welt sorgt, für Megastrukturen mit massiven Hierarchien, für übereuerte Produkte mit Zucker und Fett. Und dann erzählt die Kundin auch noch, dass sie erklärt bekommt, wie viele Vitamine in der Nahrung sind. Nestle hat da ein für sich tolles Konzept entwickelt, aber mir ist sowas zu unemanzipatorisch. Jetzt fressen die alle die Nestle-Scheiße, meine Güte. Und die Frau gurkt für einen Hungerlohn durch die Favelas und dreht den Leuten überteuerten Blödsinn an. Mir fällt da spontan das brasilianische TV-Niveau ein, das sich die Leute den ganzen Tag reinziehen.

    Hier in Berlin hat sich in den letzten Jahren eine emanzipative Richtung entwickelt: Eisdielen schießen wie die Pilze aus dem Boden, alles selbstgemachtes Eis, jeden Tag werden neue Sorten erfunden, die Leute nehmen es begeistert an, überall Schlangen, die Multis sind weg. Es gehört hier mittlerweile zum guten Ton, kein Nogger mehr zu essen. Man kriegt es auch kaum noch. Sowas ist vorbildlich! Und ich halte es für eine Mär, dass sich die Massen den teuren Nestle-Scheiß leisten können.

    Noch ein Beispiel:

    „30 Millionen sind in den letzten Jahren in die Mittelschicht aufgestiegen.“ Was sind „die letzten Jahre“? Brasilien hatte vor 20 Jahren 155 Millionen Einwohner, jetzt 200 Millionen. Insofern relativieren sich die 30 Millionen.

    Der Film ist vermutlich von Nestle finanziert worden. In der Einstellung im Supermarkt ist Nestle auch voll im Bild, danach heißt es, dass der Umsatz von Nestle gestiegen ist, danach fahren wieder die Yoguhrt-Frauen durchs Bild.

    Es ist ein PR-Film, der eine Beschwerde lohnte. Und ein Grund mehr, die GEZ-Zahlungen einzustellen.

    Zum Rest ein andermal.

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  18. genova68 schreibt:

    Die 3Sat-Sendung, in der der Clip lief, heißt Makro, lese ich gerade, „das Wirtschaftsformat“. Vor dem Hintergrund wird der Zahlensalat ja noch skurriler. Dazu die permanente Hintergrundmusik und die Schnitte, die dafür sorgen, dass man die unkrtischen Informationen schluckt.

    Danke für die Aufklärung, was auf 3sat alles möglich ist. Bisher hätte ich sowas RTL 2 zugeordnet.

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  19. che2001 schreibt:

    Ein hervorragendes Posting, wird gleich mal verlinkt.

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  20. hanneswurst schreibt:

    Interessant diese Zahlen hinter den Pseudonymen. Willy ist 56, das ist klar, denn ob er 1956 geboren ist oder ob die Zahl sein Alter angibt – es bleibt bei 56, sehr geschickt. Genova ist wahrscheinlich Jahrgang 1968, könnte aber auch 68 Jahre alt sein. Aber was ist mit che2001? Ich nehme an, sein Pseudonym ist 11 Jahre alt oder die Zahl ist eine Huldigung an Stanley Kubricks klassische Weltraumoper.

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  21. genova68 schreibt:

    Ich bin 1968 geboren und 68 Jahre alt – ein Ergebnis differenzierter Raum-Zeit-Krümmung. Aussehen tue ich wie 86.

    Aber wir wollen nun so langsam ans In-Uns-Gehen denken, das Fest des Herrn steht vor der Tür. Schluss mit den Frotzeleien und die Tür dem Messias geöffnet. Mich dünkt, er kommt heuer runter.

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  22. besucher schreibt:

    Ich weiß auch wer die Tetzels (Ablasshändler) der heutigen Zeit sind: die klimahysteriker. Die energiewende macht die Armen noch ärmer und verdienen tun die die es sich leisten können Strom einzuspeisen und abzusetzen. Ein klassisch Neoliberales Projekt made by the Staat. Da sollte die Linke doch mal sehen dass sie von der Öko-FDP nur verarscht worden ist.

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  23. genova68 schreibt:

    Sehr richtig. Ich schlage vor, wir führen auch die coolen amerikanischen Straßenkreuzer aus den Siebzigern wieder ein. Die schlucken wenigstens noch 30 Liter auf 100 Kilometer. Und damit auch die Armen sich das leisten können, fordere ich einen Benzinpreis von sieben Cent pro Liter wie in Venezuela. Öl gibt es im Schiefer wie Sand am Meer, Schluss mit der Hysterie.

    Doch daraus wird nix, weil die blöden Grünen dagegen sind.

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  24. besucher schreibt:

    Auch mit der Mär von der Ressourcenknappheit kann man die Menschen schön klein halten. Ich merke Du bist im System.

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  25. besucher schreibt:

    Nachtrag: was haben der Club of Rome, die Grünen und Mojib Latif gemeinsam? Deren Vertreter bzw. Letzterer treten immer noch im Fernsehen auf, und dass obwohl erstere in den 70ern sagten dass in 20 Jahren das Öl alle ist, dann kam in den 80ern Le Waldsterben und die Prognose dass es im Jahr 2000 nur noch tote Bäume in Europa gibt und in besagtem Jahr tauchte auch der Herr Latif auf der sagte dass es in zehn Jahren hier keinen Schnee mehr geben wird. So, frohe Weihnachten allerseits, ich Schau jetzt in meine Glaskugel ob wir das mit der Erderwärmung bis 2050 hinbekommen. Simsalabim!

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  26. besucher schreibt:

    Übrigens ist Macht dann perfekt wenn man sie mit Angst und Furcht eingebettet in eine höhere Moral durchgesetzt wird. Es müssen nur genügend Gläubige da sein, dann wird man mit den Abweichlern schon fertig.

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  27. willy56 schreibt:

    genova, zieh dich nicht an dem 3sat-Bericht hoch, war willkürlich auf die Schnelle ausgewählt.

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  28. Jakobiner schreibt:

    Zu
    besucher | 22. Dezember 2012 um 14:30 |

    Auch mit der Mär von der Ressourcenknappheit kann man die Menschen schön klein halten. Ich merke Du bist im System.
    besucher | 22. Dezember 2012 um 16:15 |
    Nachtrag: was haben der Club of Rome, die Grünen und Mojib Latif gemeinsam? Deren Vertreter bzw. Letzterer treten immer noch im Fernsehen auf, und dass obwohl erstere in den 70ern sagten dass in 20 Jahren das Öl alle ist, dann kam in den 80ern Le Waldsterben und die Prognose dass es im Jahr 2000 nur noch tote Bäume in Europa gibt und in besagtem Jahr tauchte auch der Herr Latif auf der sagte dass es in zehn Jahren hier keinen Schnee mehr geben wird.“

    Gerade diese Prognosen und Warnungen haben doch gerade die Änderungen bewirkt, die diese Prognosen nicht traurige Wirklichkeit werden liessen. Hätte man nichts getan, wären sie eben eingetreten
    Und wer meint, Resourcen gebe es unbegrenzt, ist ein ideologischer Traümer oder religiöser Realitätsverweigerer.

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  29. Jakobiner schreibt:

    Mayakalender, Weltuntergang und Peak Oil
    Ich finde es erst einmal interessant, dass weltweit fast keiner an den Mayakalender oder irgendwelche Weltuntergänge glaubt. Bis auf ein paar Spinner, die unter der Lupe allaufsichtiger Medien hochgehypt werden, glaubt keiner dran.Das ist mehr das Anschauungsmaterial ein paar Doofer, die uns so rundherum intelligent erscheinen lassen sollen.Das könnte beruhigend sein. Was ich für wesentlich wichtiger halte, sind so Fragen, wie man zu Peak Oil steht–das wäre der eigentliche “Weltuntergang” –das Ende der Ära des billigen Öls–DIE Zivilisationskrise–das lässt alles zusammenkrachen. Es wäre gut, wenn es ein internationales Forschungsprojekt für Peak Oil geben würde, das sich über Alternativen Gedanken macht. Genauso wie es ein internationales Forschungsprojekt für ITER, das Kernfusionsprojekt schlechthin gibt, bei dem 24 Staaten partizipieren, oder eine internationale ISS müsste es ein gleiches Forschungsprojekt der UNO geben für Peak Oil.Nicht Meteoriten, nicht Sonnenstürme, nicht Tsunamis noch Erdbeben wie sie uns in den zahlreichen Dokus der Privatmedien geschildert werden sind die reale Bedrohung, sondern eben Peak Oil. Da kann die Fracking Revolution nochmals einen Zeitraum von 50-100 Jahre schaffen, aber danach ist es endgültig aus mit der Ära des billigen Öls. Und die Fracking Revolution versaut soviel Grundwasser und zerstört soviel ökologisch, dass sie fragwürdig ist, zumal sie das Öl auch nicht billiger machen wird.

    Für alle, die sich mit realen Zivilisationsuntergängen statt mit Mayakalendern beschäftigen wollen, ist die Bundeswehrstudie zu Peak Oil zu lesen unter:

    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0CDwQFjAB&url=http%3A%2F%2Fwww.bundeswehr.de%2Fresource%2Fresource%2FMzEzNTM4MmUzMzMyMmUzMTM1MzMyZTM2MzIzMDMwMzAzMDMwMzAzMDY4Mzg2ZjY2Nzk2NzYxNzcyMDIwMjAyMDIw%2FSicherheitspolitische%2520Implikationen%2520knapper%2520Ressourcen.pdf&ei=ykfUUO2wJaKI4AS604HADA&usg=AFQjCNFhD2ReXsuZQFMVae9gfy4z9bNltw&bvm=bv.1355534169,d.bGE

    Weiterführende Artikel dazu:

    http://www.peak-oil.com/effizienzrevolution-nach-peak-oil/peak-oil-studie-bundeswehr/

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rohstoffknappheit-bundeswehr-studie-warnt-vor-dramatischer-oelkrise-a-714878.html

    http://www.spiegel.de/international/germany/peak-oil-and-the-german-government-military-study-warns-of-a-potentially-drastic-oil-crisis-a-715138.html

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  30. besucher schreibt:

    @jakobiner: Dann haben sie wohl die Entwicklung in Russland und China in den letzten 20 Jahren verpasst. Aber ich finde es schon faszinierend dass gewisse Leute Prognosen aufstellen können deren Halbwertszeit gerade mal 10 Jahre dauert. Hat irgendetwas von Voodoo. Und sie Glauben doch nicht im Ernst dass das Waldsterben deshalb aufgehört hat weil in Tschechien ein paar Chemiewerke pleitegingen. Sicher, es ist immer sinnvoll ressourcensparend zu wirtschaften aber wenn daraus eine Ideologie erwächst deren aberwitzige Prognosen dem Allgemeinwohl zu Schaden beginnen dann hört der Spaß auf. Für mich vielleicht nicht, für sie auch nicht, aber für Leute die in nicht allzuferner Zukunft ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können.

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  31. Chinook schreibt:

    „Arme Familien erhalten Geld, wenn ihre Kinder regelmäßig zur Schule gehen. Dies vermindert die unmittelbare Armut und verschafft den Kindern langfristig Chancen zu sozialem Aufstieg.“
    „So sehen vernünftige Maßnahmen aus.“

    Naja. Bolsa Familia etc. sind längst überfällige Maßnahmen. Aber das sind keine Programme, durch welche die Armen wohlhabender würden. Der große Erfolg liegt vor allem darin, Menschen eine einigermaßen ausreichende Kalorienversorgung zu ermöglichen. Da kann man durchaus auch mal den Gedanken zulassen, daß geselslchaftliche Teilhabe sich nicht in Kalorien/Tag bemessen läßt. Das lange wenig gegen Armut unternommen wurde, obwohl es im Rahmen der wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten lag, sagt schon einiges über gesellschaftliche Problematiken und in Brasilien herrschende Machtverhältnisse aus. Die Diskussionen bzgl. solcher Programme und Art und Weise wie diese regelmäßig in Brasilien geführt werden, ebenfalls. Wenns um Leistungen für die gesellschaftlich ausgeschlossenen geht, dann fängt der Staat sogar plötzlich mit Korruptionsbekämpfung an, indem die Leistungsberechtigten die Zahlungen direkt auf Geldkarten erhalten, um den Zugriff korrupter Staatsbediensteter zu beschränken. Was ein guter Ansatz ist, jedoch abermals sehr aussagekräftig, in welchen Fällen man sowas versucht (und in welchen nicht).
    Wie langfristig umfassende Maßnahmen zur Armutsbekämpfung sein werden, ist die andere Frage. Ich sehe in den aktuellen Programmen mehr Wählermobilisierung und insbesondere eine der FInanzkrise geschuldete antizyklische Fiskalpolitik. Natürlich werden durch die Programme und wachsende Wirtschaft mehr Menschen „wohlhabender“, wie könnte das auch anders sein. Entscheidend ist, in welchem Maß werden vorhandene Potenziale ausgeschöpft? Aus der Perspektive sieht das dann schon weniger rosig aus. Die aktuelle brasilianische Politik ist nicht dazu geeignet, breite gesellschaftliche Gruppen zu integrieren, weil die Mächtigen es eigentlich nicht wollen. Hat allerdings nichts mit Neoliberalismus zu tun, sondern mit über lange Zeit gewachsenen persistenten Strukturen.

    „Also 27 Millionen Brasilianer sind in die Mittelschicht aufgestiegen,“

    Von dem Punkt aus, an dem Brasilien sich noch vor 10 Jahren befand, konnte es bei dem Wirtschaftswachstum nur aufwärts gehen. Schaut man sich den Gini-Index an und wo Brasilien da stand und steht, werden die Problematiken ziemlich deutlich. Es gibt keinen Zweifel, daß weite Teile einflußreicher Bevölkerungsgruppen wenig Interesse an einer Integration exkludierter Gruppen haben. Zumindest an keiner, die über das Maß hinausgeht, welches für friedliche Verhältnisse und wirtschaftl. Wachstum absolut notwendig ist. Wobei die brasilianische Gesellschaft ist eine ziemlich friedliche ist.

    „Der Anteil der von dem IPEA als der armen Schicht zugehörig bezeichneten Menschen, ist von 28 Millionen auf 18 Millionen Menschen gesunken.“

    Die von Ihnen genannten Zahlen zeigen einen positiven Trend an, mehr nicht. In einem Land, wo der Lohn eines Favelabewohners (also den „Wohlhabenden“ unter den Armen) im Vergleich zu dem eines Angehörigen der Mittelschicht gut mal 1/30 oder weniger beträgt, relativieren sich die nominellen Zahlen.
    Venezuela kann kaum der Maßstab sein an dem man Brasilien misst. Noch unfähiger geht kaum noch.

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  32. Jakobiner schreibt:

    Zu Besucher:
    „Und sie Glauben doch nicht im Ernst dass das Waldsterben deshalb aufgehört hat weil in Tschechien ein paar Chemiewerke pleitegingen.
    Sicher, es ist immer sinnvoll ressourcensparend zu wirtschaften aber wenn daraus eine Ideologie erwächst deren aberwitzige Prognosen dem Allgemeinwohl zu Schaden beginnen dann hört der Spaß auf. Für mich vielleicht nicht, für sie auch nicht, aber für Leute die in nicht allzuferner Zukunft ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können.

    Nein, aber da der Katalysator bei den Autos und Filteranlagen in den europäischen Industrieanlagen eingebaut wurden, hat sich die Emmissionsbelastung erheblich reduziert.Selbiges mit den deutschen Gewässern und den Seen, die teils nicht mehr befischbar waren–das wir heute da wieder klareres Wasser haben, ist auch ein Verdienst der Ökologiebewegung und der Grünen, die mittels neuer Abwasserverodnungen das Problem abstellten.Die Energiewende ist notwendig–ihre Ausführung dilletantisch.Man braucht ein Energieministerium, das alle Zuständigkeiten bündelt und die Netze in staatlicher Hand–ganz wie man das in Skandinavien macht.

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  33. besucher schreibt:

    Ich habe auch keine Probleme mit den Ansätzen der Ökologiebewegung, es ist nur eine Blamage was daraus geworden ist, da haben Sie Recht.

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  34. Jakobiner schreibt:

    Noch als Lesetip: Das Gejammer von neoliberalen Managern über die neue „Generation Y“, die trotz allen Geredes über Angst vor Jobverlust Altersarmut, Flexibilität,etc. zunehmend Ansprüche stellt. Hört sich sehr positiv an:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/work-life-balance-generation-weichei-12002680.html

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  35. Jakobiner schreibt:

    Hat diese angebliche Generation Y ihre eigene Macht erkannt gegenüber dem neoliberalen System?Diesen FAZ-Artikel habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen.Zum einen:Der materielle Hintergrund ist die demographische Krise mit Facharbeiter- und Führungsmangel, der der sogenannten Generation Y einen erweiterten Spielraum als gestärkte Verhandlungsposition gibt–ähnlich wie in den 70er Jahren, als fast Vollbeschäftigung herrschte und Akademiker sich noch ausgiebig politischen Aktivismus leisten konnten– Berufsverbot hin, Berufsverbot her.Aber sind dies nun Ichlinge, die ihren eigenen Lebenststandard erhöhen wollen oder auch Leute, die auch an Schwächere, weniger Priviligiert denken? Sind dies Leute, die dann auch für arme Rentner eintreten würden oder würden sie nicht ihre eigene Lebensqualität durch erhöhte Steuerlast bedroht sehen und dann genauso knallhart unsozial sein wie sie sich gegen Ausbeutungsbedingungen in Betrieben entgegenstellen?

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  36. Jakobiner schreibt:

    Zu „besucher | 23. Dezember 2012 um 09:43 |

    Ich habe auch keine Probleme mit den Ansätzen der Ökologiebewegung, es ist nur eine Blamage was daraus geworden ist, da haben Sie Recht.“

    Wenn ich sie recht verstanden habe, halten sie ja auch Global Warming für ein ideologisches Konstrukt und alle Leute, die das so sehen als Klimalügner, die nur eine Neue Weltrodnung mittels CO2-Diktatur der Bilderberger und Masseneuthanasie wegenMangels an billiger Atomkraft,etc. beabsichtigen.Wie es aussieht, wird die Klimaerwärmung ja aufgrund der Interessen der Ölindustrie, Petrochemie, OPEC,China und Russland eher untertieben.Peak OIl ist zwar mittels der Fracking Revolution, der Bohrung in Schiefergasen- und öl nochmals um 50-100 Jahre verlagert, aber von dem Problem des Endes einer Ära des billigen Öls werden wir dann konfrontiert. Das ist sehr unausweichlich.Daher wäre es sinnvoll, hier einmal die Alarmsirenen angehen zu lassen, um zumindestens ein internationales Forschungskonsortium zu finanzieren, das ähnlich wie ITER bei der Kernfusion oder der ISS fungiert und Alternativen zu Peak OIl erforscht. Da ist mir ein bisschen Alarmsimus recht, denn Peak Oil wird nirgendwo thematisiert–mit Ausnahme 1 Doku auf einem fragwürdigen Sender wie ntv.Ansonsten wird die öffentliche Diskussion vor allem dadurch bestimmt, ob Cindy von Marzahn bei Wetten daß auftreten sollte oder nicht.

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  37. Jakobiner schreibt:

    Ist Cindy von Marzahn ein Fanal gegen den Neoliberalismus wie die Generation Y, die die FAZ beklagt?
    Cindy von Marzahn und die neoliberale Sauberkeit deutscher TV-Schirme

    Neben der Eurokrise ist die wohl am heftigsten diskutierte Frage dieser Republik, ob Cindy aus Marzahn weiter bei “Wetten, daß…”als Comoderatorin und Assistentin von Markus Lanz auftreten sollte. Cindy aus Marzahn ist ja die selbsterdachte Kunstfigur und Karikatur einer bildungsfernen, übergewichtigen Sozialhilfeempfängerin aus Ostberlin.Sie bedient somit alle Klischees der Hartz4lerin.Das scheint einige Leute zu stören, die sie als häßlich und primitiv empfinden. So was hat auf den sauberen deutschen Fernsehschirmen nichts zu suchen. Man möchte sich diese Problemgruppe medial nicht auf die Mattscheibe holen–nicht einmal symbolisch– und sie vergessen machen, ihnen nur das Unterschichtenfernsehen der Privatsender als pädagogisches Bootcamp zu gestehen, in deren Prorammen Harzler umerzogen werden sollen..Ich bin mir nicht klar, ob dies nur ästhetische Gründe sind oder ob hier nicht eine gehörige Portion Sozialdarwinismus mitspielt.

    Cindy aus Marzahn ist die Anti-Hunzinger- und Anti-Klump und das antisexy Top-Model of Germany. Das macht sie mir schon wieder sympathischer als diese bulimisierten Oberklassefrauen, die auf Switch Reloaded so köstlich verarscht werden. Ja, es bedürfte mehrerer Cindy von Marzahns in diesen konfliktfreien deutschen Serien–vom Forsthaus Falkenau über Dahoam is dahoam bis zum Wort zum Sonntag.Hartz4 ins deutsche TV und nicht nur auf der Betroffenenbank bei Anne Will oder mittels Experte, die ÜBER die Hartzler reden!!!Cindy eymbolisiert sie–oder ist dies ein Trugschluss, wenn ich mir ihre Deutschlandtour “Prinzessin Cindy, Pink is beautiful” ansehe–scheint so, als ob der soziale Kontent rausgekippt werden soll und man sie nur noch auf Pink, übergewichtig, Miss Piggy festlegen will. Da sehen wir dann Cindy demnächst im Fitnesscenter wieder und danach bei Klumps Next Topmodel. Und danach darf sie dann wieder bei “Wetten, daß..?”erscheinen und mit Klaus Lagerfeld tanzen.

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  38. genova68 schreibt:

    Der Lesetipp besteht in einer ziemlich allgemein gehaltenen Google-Anfrage. Was soll man denn diskutieren?

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  39. Jakobiner schreibt:

    Siehe oben „Cindy aus Marzahn und die neoliberale Sauberkeit deutscher Bildschirme“.

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