Der deutsche Wahn

Aus German Foreign Policy:

Deutschlands Industrie kann durch Exportoffensiven außerhalb Europas die krisenbedingten Absatzeinbrüche in der Eurozone kompensieren. Zwar sind die deutschen Ausfuhren in die zum Sparen gezwungenen Staaten Südeuropas um zehn Prozent oder sogar mehr geschrumpft. Dafür konnte die Bundesrepublik die Ausfuhren etwa in die USA (plus 25 Prozent), nach Südkorea und Japan stark steigern; die Exporte ins außereuropäische Ausland nahmen um zehn Prozent zu. Gegenüber den Vereinigten Staaten wurden sogar Rekordüber-schüsse erzielt. Die Exporte in die Eurozone verlieren damit immer weiter an Bedeutung – sie sind mittlerweile auf rund ein Drittel aller Ausfuhren gesunken -, was wiederum Überlegungen befeuert, die Krisenstaaten nicht mehr um jeden Preis in der gemeinsamen Währung zu halten. Der Binnenmarkt stagniert weiterhin; die deutschen Einzelhandelsumsätze etwa gehen aufgrund der Lohn- zurückhaltung und des Sozialkahlschlags weiter zurück: Sie lagen im Oktober 2012 fast fünf Prozent unter dem Vergleichswert vom Oktober 2000.

Unter dem oben angegebenen Link gibt es noch mehr Zahlensalat.

Das alles ist nicht neu, aber in den Zahlen immer wieder beeindruckend: Deutschland betreibt eine seit gut zehn Jahren verschärft imperialistische Politik, wobei lustigerweise Rot-Grün unter der Vorhut der beiden Alphamännchen Schröder und Fischer mächtig auf die Tube drückten.

Es ist ja volkswirtschaftlich nicht besonders schwierig zu begreifen: In einem Land mit 80 Millionen Einwohnern sollte ein wesentlicher Impuls ökonomischer Entwicklung von innen kommen. Der Binnenmarkt ist aber seit rund 15 Jahren abgewürgt, statt dessen setzt man auf Welteroberung. Was früher mit Kriegen passierte, läuft heute mit Containern. Wobei die militärische Gewalt nach wie vor da ist, nur besser abgeschirmt, unsichtbarer, effizienter.

Der Exportwahn funktioniert nur, wenn man die Masse drillt. Der Deutsche an sich lässt sich bekanntlich gerne drillen, und wenn man ihm was vom fleißigen Chinesen und vom faulen Griechen erzählt, dann ist er in seinem Element.

Zwischen 2000 und 2012 stiegen die realen Arbeitnehmerentgelte um 1,6 Prozent (was über die innere Spreizung nichts aussagt), die Exporte stiegen im gleichen Zeitraum um 93 Prozent. Der durchschnittsdeutsche Depp freut sich drüber.

Und wir hier? Eigentlich hätten wir die Aufgabe, Merkel und Co. aufs Maul zu hauen. Stattdessen halten wir´s und sind wir wieder einmal Angehörige des Landes der Täter. Da wissen wir wenigstens, woran wir sind.

Alles bekannt, deshalb fade out.

187 (2)(Foto: genova 2012)

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Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichte, Gesellschaft, Kapitalismus, Neoliberalismus, Politik, Rechtsaußen, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Der deutsche Wahn

  1. besucher schreibt:

    Am meisten beißen sich die Ex-Allierten in den Arsch die Deutschland durch Europa kleinhalten wollten. Sie erreichten genau das Gegenteil. Deutschland übernimmt das Eurokratenimperium.

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  2. Jakobiner schreibt:

    Selbst wenn die Löhne steigen würden–ein Binnenmarkt von 80 Millionen dann gutentlohnter Konsumenten ist immer noch viel zu klein für das exzessive Produktionsvolumen der deutschen Wirtschaft.Deshalb wurde ja auch der EU-Binnenmarkt gegründet, da Deutschlands Exportindustrie grössere Märkte brauchte.Der Euro hat dann noch wie Währungsdumping gewirkt und die deutsche Wirtschaft noch wettbewerbsfähiger gemacht mit dem Resulat, dass die Staaten Südosteuropas erst gar keine richtige Industrie aufbauen konnten, sondern gnadenlos niederkonkurriert wurden.

    Ich sage: Weg mit dem Euro!!! Der Euro ist nicht Europa, sondern verschärft die ökonomischen und dann auch politischen Unterschiede zwischen den europäischen Staaten, führt zu populistischem Nationalismus und Rechtsradikalismus. Europa als EG über 4 Jahrzehnte oder als EU von 1990-2002 war ein Europa, das ohne Euro gut funktionierte, Das Festhalten am Euro ist eine zu höchst ationalistische Forderung der deutschen Exportindustrie und wird uns in den Staatsbankrott führen. Von daher: Jetzt raus aus dem Euro!!!

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  3. Jakobiner schreibt:

    Ich habe auch nichts dagegen, dass Deutschland exportiert und eine Exportindustrie hat. Aber die wesentliche Frage ist, wenn die Gleichgewichte ausser kraft gesetzt werden. Niemand kann so unverschämt wie Deutschland und China in alle Welt exportieren ohne da auf Gegenreaktionen zu stossen, vor allem wenn andere Staten gar nicht mehr den Hauch einer Chance haben eigene Exportindustrien oder Industrien aufzubauen. Dieser Punkt ist definitiv erreicht.Dass die USA sich noch nicht dagegen erhoben haben, hängt mehr damit zusammen, dass die Asiaten und Europäer immer mehr maroden Staatsschuldpapiere aufkaufen und sich das US-Finanzkapital sich in alle Realwirtschaft und darüberhinaus reinsetzt und darüber steigt. Aber auch das wird seine Grenze haben und dann crasht es eben noch viel gewaltiger als angenommen.

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  4. genova68 schreibt:

    „Selbst wenn die Löhne steigen würden–ein Binnenmarkt von 80 Millionen dann gutentlohnter Konsumenten ist immer noch viel zu klein für das exzessive Produktionsvolumen der deutschen Wirtschaft.“

    Der Binnenmarkt und die EU-Expansion dienen dem Kapital, das sich rentieren muss, ja. Aber die obige Aussage ist allzu flott hingeschrieben. Wir haben derzeit einen jährlichen Überschuss von 200 Milliarden Euro. Butterwegge meinte kürzlich, dass bei einer Lohnquote wie in den 90ern, also etwa 72 Prozent, den Arbeitnehmern jährlich 180 Milliarden mehr zur Verfügung stünden. Auch wenn das Rechnungen mit Unbekannten sind: Die Korrelation ist nicht zu übersehen.

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