Philosoph Lindner zu Gast bei Philosoph Precht

Falls jemand noch Zweifel hatte am Format des „philosophischen Talks“, wie Richard David Precht und das ZDF die neue Sendung für die intellektuelle Zielgruppe nennen: Heute Abend ist der Ex-Generalsekretär und künftige Chef der FDP, der smarte Christian Lindner bei Precht zu Gast. Was ist gerecht?, lautet die Frage. Wieso Lindner? Er ist, laut ZDF, „studierter Philosoph“. Na, dann!

Aus der ZDF-Ankündigung zur Sendung:

Der Politiker und Intellektuelle Christian Lindner misst der Frage nach der Gerechtigkeit hohe Bedeutung bei. Doch während er einerseits die Fairness, die Verantwortung für die Schwachen, für eine der wichtigsten Tugenden hält, lehnt er andererseits jede Gleichmacherei ab.

Das steht nicht auf titanic.de, sondern tatsächlich auf zdf.de. Auf dieser Basis soll nun philosophisch erörtert werden. Was ist eigentlich die Bedeutung des bestimmten Artikels vor Gerechtigkeit? Misst Herr Lindner nicht Gerechtigkeit an sich hohe Bedeutung bei, sondern nur „der Gerechtigkeit“? Geht es Herrn Lindner eher um „die Gerechtigkeit“ für Notare, Hoteliers und das Kapital insgesamt?

Lustig auch, wie auf zdf.de mittels des Lindnerschen Lebenslaufes die Einladung in die philosophische Sendung legitimiert wird:

Der Wermelskirchener studierte Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, und schloss sein Studium 2006 mit einem Magister Artium ab. Von 1997 bis 2004 war Lindner Inhaber einer Werbeagentur sowie Mitgründer eines Internet-Unternehmens. In dieser Zeit gab er zwei Fachbücher heraus […] Lindner ist Hauptmann der Reserve bei der Luftwaffe.

Herausgeber von zwei Fachbüchern, sehr schön. Wahrscheinlich hat er in Düsenjets beim Durchbrechen der Schallmauer ordentlich umherphilosophiert.

Überhaupt ist der Internetauftritt der neuen Philosophie-Sendung eine Fundgrube für alle, die ihren Humor noch nicht ganz verloren haben:

Es scheint fast so, als könne man sich heute nicht mehr darauf verlassen, dass sich die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft immer wieder automatisch in ein idealistisches Gleichgewicht auspendelt. Eine ernsthafte Diskussion über die Bedingungen einer gerechteren Gesellschaft wird somit immer zwingender, meint Richard David Precht.

So isses. Die idealistische Auspendelei ist gefährdet, aber Kant sei Dank haben wir den Precht, der das Pendel ernsthaft wieder anschiebt.

Wenn ich mir es recht überlege: Die Titanic hat den ZDF-Account gehackt.  So muss es sein.

Der Jargon der Parteipolitik und der Public Relation, in jahrelanger Repression in den üblichen Talk Shows dem Zuschauer eingebläut, besetzt nun auch ein Feld, auf dem man vielleicht noch auf ein wenig Erbauung und argumentative Tiefe gesetzt hat. Der neoliberale Neusprech erobert jetzt Bereiche, die als Refugien eine gewisse Chance hatten.

Kommt mir nur zufällig die Zusammensetzung von Verwaltungs- und Fernsehrat des ZDF in den Sinn? In denen solch illustre Leute wie Dobrindt, Seehofer, Döring, Rösler sitzen? Jedenfalls hat offenbar niemand dieser Fachleute etwas auszusetzen an dieser Präsentation von Philosophie.

Döpfner philosophiert über Freiheit und Lindner philosophiert über Gerechtigkeit. Eine honorige Gesellschaft und ein lustiges Land, dieses Deutschland.

(Foto: genova 2012)

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55 Antworten zu Philosoph Lindner zu Gast bei Philosoph Precht

  1. hanneswurst schreibt:

    Bisher fand ich Lindner immer ganz unterhaltsam und wenigstens nicht so dämlich wie die meisten seiner Parteikollegen. Auf eine schräge, Hitler-Jungen-artige Weise finde ich ihn auch irgendwie ganz sympathisch. Außerdem gibt es einige Parallelen zwischen seinem und meinem Lebenslauf, Luftwaffe, Konkursverschleppung (allerdings habe ich mir nicht solche Gehälter einverleibt wie Linder), irgendwie zum reinen Zwecke der mentalen Masturbation noch einen Magister gebaut, ständig am Rande des Burn-Outs oder Bore-Outs agierend. Fehlt nur noch, dass auch Lindner eine zwanzigjährige Kifferkarriere hinter sich hätte (und im Bergischen Land kifft eigentlich jeder), und ich könnte sein väterlicher Freund sein. Allerdings würde ich ihm dann auch einmal gehörig den Popo versohlen, wer würde das nicht, wenn er so etwas liest:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Lindner

    Das ist ja wohl die Karriere eines politischen Amokläufers. Aber nicht ganz uninteressant, wie gesagt. Ich würde jedenfalls lieber mit ihm als mit Rösler ein Bier trinken gehen, obwohl ich glaube, dass Rösler ein besseres Herz hat. Gerne auch mit Precht, der ja auch ein Bergisches Gewächs ist. (Du, Genova, solltest wirklich einmal eine Untersuchung des Bergischen an sich machen um diese Menschen zu verstehen, die wie keine anderen Bürger der Republik gelernt haben, Armut und angrenzenden Reichtum diskret zu übergehen.) Precht hat Linder ja auch tatsächlich dabei unterstützt, ein neues Grundsatzprogramm der FDP zu entwerfen. Oh weh oh weh, das sind ja ganz neue Niederungen für einen „Philosophen“. Aber Du hast ja schon herausgefunden, dass Dieter Birnbacher sich ebenfalls für bestenfalls ominöse Vereine vereinnahmen lässt. Aber würde Birnbacher Lindner auch so begegnen, wie Precht es tut? Ich werde jetzt erst einmal die Sendung sehen, die online ja schon verfügbar ist.

    […]

    Precht sitzt wie Uri Geller vor Lindner, starrt ihn an, und man weiß nicht ob er „Wo bekomme ich jetzt eine Löffel her?“ oder „Christian, küss mich!“ denkt. Precht kritisiert, dass 10% der Bevölkerung über 56% des Vermögens verfügen. Eine schöne Einleitung, wenn nicht im Verlaufe des Gesprächs herauskommen würde, dass dies unter den gegebenen Umständen (der gute Hopp von SAP) doch eigentlich ganz OK ist.

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass Precht und Lindner wirklich ernsthaft über einen philosophischen Gerechtigkeitsbegriff gesprochen haben. Der einzige Philosoph, der abgesehen von einem Exkurs über den Naturalismus kurz behandelt wurde, war John Rawls. Den hatte wohl Lindner ausgesucht, der dann auch eifrig über Schlagworte von Rawls wie Vertragsgerechtigkeit und Gerechtigkeit als Fairness referieren durfte. Precht stellte Rawls meiner Meinung nach falsch dar, indem er sagte, in Rawls Modell wäre eine Besserstellung der Privilegierten dann gerecht, wenn die weniger Privilegierten von dieser Besserstellung ebenfalls in gleichem Maße profitieren. Bei Rawls ist jedoch jede Besserstellung dann gerechtfertigt, wenn auch nur ein noch so kleiner Vorteil bei den weniger Privilegierten daraus erwächst, was dazu geführt hat, dass das Gerechtigkeitsmodell von Rawls weitgehend diskreditiert wurde.

    Ich wittere ja auch eine Verschwörung wenn Peter Kloeppel über armes Deutschland, reiches Deutschland berichtet oder eben wenn Precht sich seine Neocons einlädt. Aber vielleicht sind diese Sendungen auch einfach so trivial und substanzfrei wie sie scheinen. Wobei Kloeppel (bei der einen Sendung, die ich ungläubig gesehen habe) mehr Substanz einbrachte.

    Lindner gab sich alle Mühe, dem Gespenst des Neoliberalismus abzuschwören, zum Beispiel indem er etwas durchaus Intelligentes über sinnvolle und weniger sinnvolle Anwendung von Derivaten sagte, aber ich glaube nicht, dass viele Zuschauer damit etwas anfangen konnten. Wenn Lindner dann ausführt, dass er die Arbeitsagenturen privatisieren will, hakt Precht nicht nach um wirklich zu erfahren, wo bei Lindner Mark anfängt und aufhört. Aber naja, er will halt nicht zu sehr ins Politische abschweifen sondern philosophieren, oder besser schwadronieren und dabei dämonisch aus der Wäsche gucken. Insgesamt eine weitgehend unnötige Sendung und ja, man hat den Eindruck, die bergische Connection ist im Spiel.

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  2. genova68 schreibt:

    Aha, du hast die Sendung gesehen, da hast du mir etwas voraus.

    Das Konzept der Sendung besteht offenbar darin, dass Precht sich selbst inszeniert, das kam schon im Trailer raus. Er will zu jedem Thema das maßgebliche sagen, Freiheit, Gerechtigkeit usw. und deshalb kann er sich keinen ernstzunehmenden Philosophen einladen, weil er dann versagen würde. Precht ist im Fachbetrieb ein komplett lächerliche Figur, keiner nimmt den ernst.

    Es ist vor dem Hintergrund des zwangsfinanzierten ZDF mit seinem Bildungsauftrag eine wahre Katastrophe, die sich da abspielt. Das neoliberalisierte Bürgertums findet es sicher toll, dass es endlich auch mal Philosophie versteht.

    Lindner in eine philosophische Sendung einzuladen ist auch deshalb schlimm, weil der zu JEDEM Thema eine halbe Stunde aus dem Stehgreif etwas erzählen kann, was für den Mainstream passabel klingt. Das ist als talentierter Politiker sein Job. Der stellt sich ins Altersheim und erzählt was über Krankheiten oder vor Kleingärtner und erzählt was über Blumen. Egal. Es ist die mittlerweile übliche Form neoliberaler Gesellschaften: Das rein formale Geplapper ist anerkannt. Lindner hat seine Karriere unter Westerwelle und einer marktradikalen Partei gemacht mit den Forderungen einer Politik, die die Welt an den Abgrund führt. Alleine das müsste das Thema sein, wäre jemand dieser Herrschaften ernsthaft an Gerechtigkeit interessiert. Oder die Mietsteigerungen in Kreuzberg. Alleine solche Verhältnisse würden reichen, einen wie Lindner als kapitalistisches Arschloch zu enttarnen.

    Man hätte 1945 einen philosophischen Talk mit Hitler machen können zum Thema „Menschenrechte“, ein ähnliches Niveau.

    Und der aktuelle Versuch Lindners einer sozialliberalen Positionierung ist reine Taktik.

    Jedenfalls danke für das Liveblogging der Sendung. Ich stimme dir auch zu, dass Lindner attraktiv ist, ein smarter Junge mit einem sensiblen Gesicht und einem knackigen Po, bei dem ich deinen Wunsch nach verhauen verstehe. Vielleicht hätte Precht das mit ihm machen sollen: Übern Tisch legen, Hose runter und vermöbeln. Der Erkenntnisgewinn wäre größer gewesen: Hat Lindner Pickel auf dem Hintern? Ich vermute nein. Weggelasert.

    Außerdem werde ich nicht müde zu betonen, dass Lindner stets hervorragend sitzende Anzüge trägt.

    Was du zu Rawls schreibst, bestätigt mich in meinen Vermutungen, die aber Nichtwissen darstellen: Es kommt bei diesen Diskussionen über Gerechtigkeit nichts heraus, wenn man nicht systemisch und also mit Marx herangeht (wenn es nicht um eine rein individuelle Ebene geht): Es ginge in deinem Beispiel weniger darum, wie viel ein Nichtprivilegierter abbekommen muss, sondern doch zuerst um die Frage der Privilegien. Hat er sich das auch gefragt, der tolle Rawls?

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  3. genova68 schreibt:

    Das Bergische hat mich jedesmal fasziniert, wenn ich mal da war. Es ist das Brandenburg von Düsseldorf: eine Gegend, in die man ein paarmal im Jahr einen Ausflug macht und zurückkommt mit einer Mischung aus ethnologischer Faszination und dem sicheren Gefühl der kulturellen Katastrophe.

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  4. genova68 schreibt:

    P.S.: Ich habe den Link zu diesem Blogartikel gestern in dem Internetforum der Sendung Precht eingestellt. Gerade sehe ich die Reaktion des ZDF:

    * Anmerkung der Redaktion: Der externe Link wurde entfernt. Das ZDF kann keine Verantwortung für den Inhalt der Seiten Dritter übernehmen.

    Den Laden sollte man wirklich dichtmachen.

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  5. Fabio schreibt:

    Precht war Wochen vorher bei der FDP als Gastredner. Jetzt lädt er einen FDP Mann in seine Sendung ein und spricht über Gerechtigkeit – mit der FDP?!
    Das ZDF beweist wieder einmal keinerlei Fingerspitzengefühl …

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  6. genova68 schreibt:

    Precht als Gastredner bei der FDP, ich lach mich schlapp. Passt. Das ist so, wie wenn Klaus Lage bei der SPD singt. Oder Nicole bei der CDU.

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  7. Gargamel schreibt:

    Mit Kritik an Precht steht man unter Linken eher am Rande.
    Exemplarisch, wie er gegen Kritik verteidigt wird vom Bogschreiber und anderen in den Kommentaren dieses Artikels auf Ad Sinistram:
    http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/09/mittagshetze-und-nachtexil.html
    Zur ersten Sendung gab es dann auch einen eigenen Artikel, in dessen Kommentarbereich fast jegliche Kritik an Precht zensiert wurde, Jedenfalls wurde keine kritische Anmerkung von mir dort zur Veröffentlichung zugelassen:
    http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/09/bildung-dass-es-eine-wahre-precht-ist.html

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  8. genova68 schreibt:

    Ad Sinistram hat einen anderen Ansatz, würde nach einem flotten Querlesen vermuten. Er verortet Precht irgendwo „links“ und findet die Sendung deshalb gut. Precht widerspricht dem Hirnforscher und ist außerdem gegen Stuttgart 21. Dann kann er doch nicht so schlecht sein.

    Nun ja. Für links würde ich eher das halten, was ich da oben geschrieben habe. Sicher ist Precht in der Lage, komplexe Themen halbwegs herunterzubrechen und das ist ja nicht schlecht. Aber das muss man dann nicht philosphisch nennen. Der ist in erster Linie medienkompatibel, sonst nix. Seine Sendung ist eine Personalityshow, die schon im Ansatz lächerlich ist: Ich, Precht, nehme es mit jedem auf. Zumindest solange er ein Schwätzer ist wie Lindner und Döpfner.

    Precht vertritt sicher ganz nette Standpunkte, kein Mensch kritisiert wegen seiner politischen Verortung, aber darum geht es bei der Fundamentalkritik an der Sendung, an dem Konzept auch nicht. Die Sendung ist billiger Halbwissensmüll. Nicht, weil man alles wissen müsse, sondern weil er sich mit Geplapper zufrieden gibt und das dann philosphisch nennt. Es reicht eigentlich die Tatsache der Gästeauswahl, um das ganze in die Tonne zu kippen. Oder auch der Einleitungstext des ZDF, wie ich ihn oben zitiert habe.

    Precht wird zum Star hochgejubelt, weil er die medialen Qualitäten zum Star mitbringt. So wie Gottschalk, Jauch und Bohlen das auf ihre Weise auch tun. Gottschalk ist ein guter Showmaster, Jauch ein guter Journalist und Bohlen ein guter Musiker. Und Precht ein guter Philsoph. In der internen ZDF-Logik ist das sicher so, alle erfüllen die ihnen zugedachte Aufgabe.

    Es ist aber bar jeden kritischen Ansatzes, das so stehen zu lassen, auch wenn Gottschalk schon so manchem den Samstagabend wachgehalten hat, Jauch dem Steinbrück in einer Frage auf den Fuß tritt und Bohlen einen Akkord auf dem Klavier hinkriegt. Und wenn Precht dem Lindner erklärt, dass wirtschaftliche Freiheit nicht alles sei.

    ——————–

    Precht und Lindner scheinen wirklich Kumpels aus dem Bergischen Land zu sein. Kurzes googlen ergibt diverse Diskussionen der beiden, unter anderem an der Universität der Künste in Berlin:

    „eine Debatte zum Thema „Zukunft des Kapitalismus“ mit Richard David Precht (Autor) und Christian Lindner (MdL), moderiert von Prof. Dr. Byung-Chul Han“

    Es passt, die plappern zu allem, Kapitalismus, Gerechtigkeit, Zukunft der FDP, egal.

    Und die Welt schreibt zur gestrigen Sendung:

    „Christian Lindner, FDP-Chef in NRW, spricht mit dem Bestsellerautor Richard David Precht über Gerechtigkeit – und zeigt seiner Partei, was ihr in der Bundes-Spitze fehlt: ein Kopf wie Lindner.“

    Na, wer sagt´s denn. Der Lindner wird als kommender Star der FDP aufgebaut, der ist ja auch hervorragend dafür geeignet. Nachdem er zehn Jahr lupenreiner Neoliberaler unter Westerwelle war, gibt es nun keine Reflektion, keine Frage nach seiner menschenverachtenden Politik, nein, jetzt ist er der Erneuerer der sozialliberalen Phase. Unglaublich.

    Die herrschende Klasse weiß schon, was sie an der FDP hat. Die lässt man nicht so einfach untergehen.

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  9. Gargamel schreibt:

    „Zum Star hochgejubelt“ ist doch Schwachsinn – bei einer Sendung mit Sendeplatz nach Mitternacht. Die Kritik hier ist genauso pauschal und oberflächlich. „Und wenn Precht dem Lindner erklärt, dass wirtschaftliche Freiheit nicht alles sei.“ – klingt pointiert, erfaßt aber nichts von dem Gespräch.
    Und Precht mit einem Atemzug mit Gottschalk und Bohlen…
    Wenn Du diesen Grad an Polemik angebracht findest, könnte man Dein Blog unter Politblogs leichterhand dermaßen in die Tonne treten, dass nichts mehr übrigbleibt.

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  10. genova68 schreibt:

    Precht ist unter der Fernsehphilsophie ein Star, ähnlich wie Sloterdijk, den Eindruck habe ich schon. Und er tritt nicht nur nach Mitternacht im Fernsehen auf. Er gilt als intellektuell, dem man jede Frage stellen kann und der immer eine sinnvolle Antwort hat.

    Die Sendung selbst habe ich nicht gesehen, dazu äußere ich mich inhaltlich gar nicht.

    Der Vergleich mit Gottschalk und Bohlen ist ein systemischer, was die gesellschaftliche Rolle angeht, mein Lieber.

    Du kannst den Blog gerne in die Tonne treten, das haben schon viele gemacht, glaube ich. Ich werde es überleben.

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  11. Gargamel schreibt:

    Deine systemische Rolle ist es, dass die Leute hier mal einzeln Dampf ablassen und sich rückversichert und engagiert fühlen können, statt gemeinsam auf die Straße zu gehen.
    Mach mal ’ne Umfrage zur aufgewendeten Zeit fürs Blog-Lesen und für politischen Aktivismus und guck Dir die Zahlen an…

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  12. Yunus schreibt:

    Über Gerechtigkeit zu philosophieren kann ziemlich fruchtlos sein da eh jeder etwas anderes darunter versteht.

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  13. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: Die Art von politischen Feinden, die es auf der Straße zu bekämpfen gilt, gibt es gar nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr in Deutschland. Das sieht man schon daran, dass sich heute Menschen ein Auge wegwasserwerfen lassen, um gegen einen Bahnhof zu protestieren. Das ist doch Quatsch. Oder gegen Bankgeschäfte anzelten, auch sehr sinnvoll. Diese Proteste bringen es deshalb nicht mehr, weil der Widersacher viel raffinierter geworden ist. Wir sind vom Informationszeitalter in das Zeitalter der Desinformation geschlittert, ohne es zu merken. Manche nennen es den Neoliberalismus, ich würde es Operation Mindfuck nennen. Es geht darum, Menschen nicht mehr offen auszubeuten und zu übervorteilen, sondern sie in dem Glauben zu lassen, ihre Lebensumstände wären so gut, wie die Umstände es eben zuließen. Der Grad der Ausbeutung und Übervorteilung richtet sich also nicht mehr in erster Linie nach der Gier der Reichen und Mächtigen, sondern nach der Toleranz der Armen und Schwachen. Um den Ertrag zu steigern, bietet sich als wirkungsvollstes und billigstes Mittel an, die Toleranz der Unterprivilegierten durch Desinformation zu steigern. Wer nicht weiß, was ihm an Wohlstand und gesellschaftlicher Partizipation entgeht, wer nicht begreift, dass er in eine wirtschaftliche Abhängigkeit gerät mit der noch seine Kinder und Enkel zu kämpfen haben werden, der wird auch nicht dagegen protestieren sondern im Gegenteil den Kredit und den Fondssparplan dankbar annehmen, er wird den Mineralölgesellschaften für das kostbare Öl und den Handyherstellern für das neueste Modell danken. Er wird Moden nicht als Teil einer minutiös geplanten Massenausbeutung deuten und die neuesten Gesundheitstipps für wertvolle Ratschläge halten.

    Das wird durch eine zunehmend abhängige Medienlandschaft erreicht, durch Initiativen und Stiftungen und natürlich durch politische Einflussnahme. Lindner bei Precht ist nur ein Beispiel am Rande; natürlich hatte dieser Pseudophilosophietalk auch nur den Sinn, die Zuschauer ein wenig zu beruhigen, „ach der FDP Fritze war bei diesem Philosophen mit den langen Haaren – der hat es ihm doch wohl ordentlich gegeben? – nein so krass war es nicht eigentlich wollen beide nur das Beste für alle“ – schnarch, schnarch. Sie schluckten brav ihr Rauscholin, das bekamen sie täglich vom Roboterregime. Aber heißt das jetzt, dass Lindner und Precht unsere Gehirne toasten wollen? Nein, wahrscheinlich wissen sie selber nicht, was sie tun. Natürlich sind – nur um zwei sichere Kandidaten zu nennen – Bertelsmann und Springer Spieler bei dieser Operation. Aber ob diese Form der Desinformation überhaupt generalstabsmäßig geplant ist, oder ob sie sich einfach aus der Möglichkeit von Reichtum und Publizität ergibt, kann ich nicht beurteilen. In einem Staat, in dem zunehmend das Kapital zum politischen Selbstläufer wird, ergibt sich der Mindfuck vielleicht nebenläufig von selber.

    Das ist also die nächste Herausforderung: die Mechanismen dieser Verschwörung (ob mit oder ohne Verschwörer) aufzudecken und dem Wähler klarzumachen, dass er damit, dass er alle zwei Jahre ein neues Handy kauft, die Chancen seiner eigenen Familie schwächt während die Elite, die von seinem Handykauf profitiert, bereits genug Reichtum angehäuft hat, um die eigene Nachkommenschaft über Generationen zu versorgen. Das Märchen vom wirtschaftsfördernden Konsum, der in Wahrheit eine hochbeschleunigte Abwertung des eigenen Vermögens zugunsten der Produzenten ist, muss endlich entzaubert werden.

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  14. genova68 schreibt:

    Wow, cooler Kommentar.

    Klar widersprechen würde ich deiner Version des weggewasserworfenen Auges. Das war ein brutaler Polizeieinsatz, mit dem die Demonstranten an dem Tag nicht rechnen konnten. Die stellten sich da nicht aus Jux und Dollerei hin.

    Die Toleranz der Unterprivilegierten durch Desinformation zu steigern, klingt gut. Aber auf die Straße gehen könnte schon was bringen, wenn es nicht so kontrollierbar bleibt, wie es ist. Das sind aber Entwicklungen, die kommen, ohne vorher ernsthaft gesteuert zu werden, siehe ägyptischer Frühling. Das ist hier unwahrscheinlich, weil es wohl mit der youth bulge zusammenhängt. Die gibt es hier nicht und wird es auch nicht geben, es wird höchtstens zu sinnlosen Krawallen wie in der Pariser banlieue kommen.

    Ich habe auch gar nicht die Absicht, hier in dem Blog irgendwas anzuzetteln, da würde ich mich übelst überschätzen. Ich schreibe nur das auf, was mir auffällt.

    Aber jedenfalls danke, Hanneswurst, für die Gedanken. Precht und Lindner wissen systemisch nicht was sie tun, wohl war, aber die sind eben Teil des Systems. Die Frage der Verantwortung des Einzelnen ist immer müßig.

    Interessant in dem Zusammenhang und als Selbstkritik vielleicht: Ich wollte vor Tagen etwas schreiben zu einer sehr angenehmen Aktion in Kreuzberg: Eine türkische Familie, die in dem sehr angesagten Kiez Reichenberger Straße wohnt, soll von dem neuen Hausbesitzer Farell, der haufenweise Häuser in Kreuzberg und Neukölln kauft, aus der Wohnung herausgeklagt werden, in der sie seit 16 Jahren wohnen. Die zahlen aktuell 715 Euro kalt für 120 qm, 1200 Euro kalt sind da mittlerweile drin. Die Familie prozessierte, verlor, zahlte die Miete nach, aber eine Woche nach der Frist, und zack, kam die Kündigeung, obwohl die Mietschulden (inklusive der Mieterhöuhung) beglichen waren. Sie blieb einfach, dann kam plötzlich eine Gerichtsvollzieherin mit einem Schlosser, der die Schlösser austauschen sollte. Mittels Telefonkette kamen rund 150 Leute und stellten sich einfach vor die Tür. Die Gerichtsvollzieherin zog unverrichteter Dinge wieder ab. Genau so kann es laufen, konkrete Aktionen, die zeigen: Bis hierhin und nicht weiter.

    Darüber habe ich leider nichts geschrieben, aber hier gibt es einen Film dazu:

    http://gentrificationblog.wordpress.com/2012/10/22/berlin-mieterinitiativen-verhindern-zwangsraumung/

    Diese Leute haben meinen vollen Respekt und ich trage mich jetzt auch in diese Telefonkette ein.

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  15. Jakobiner schreibt:

    1) Na, ich bin mal gespannt, ob Precht in Zukunft auch Sarah Wagenknecht oder andere Linke einlädt.Er hätte diese ja auch genauso zu den Themen Freiheit, (soziale) Gerechtigkeit,etc. philosophieren lassen können. Aber Genova hat recht: Herausgekommen wäre wahrscheinlich auch nur, substanzloses, seichtes Geplapper, ein Müllhaufen von Halbwissen, das sich dann Philosophie betitelt.

    2)“In einem Staat, in dem zunehmend das Kapital zum politischen Selbstläufer wird, ergibt sich der Mindfuck vielleicht nebenläufig von selber.“

    So ist es!!!

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  16. genova68 schreibt:

    Wagenknecht einzuladen wäre genauso vermessen wie Lindner. Wobei die immerhin Philosophie ernsthaft studiert hat und sicher fundierter reden könnte.

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  17. Jakobiner schreibt:

    Naja, wenn Precht Wagenknecht einladen wollte, würde wahrscheinlich ein CDU-/CSU-/FDP-Mann schnell wieder einen Anruf beim ZDF tätigen. Dazu gäbe es dann wohl auch nochmals eine ernsthafte Diskussion im Fernsehrat, wo die Politoberen zusammensitzen.

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  18. Gargamel schreibt:

    „Angenommen, es gäbe objektive leistungsgerechte Bezahlung. Was machen wir dann mit denen, die am unteren Rand der Gesellschaft sind? Diese können sich dann nicht mehr in die Lebenslüge flüchten, dass die Umstände ungünstig waren!“
    So also Precht am Sonntag.
    Je mehr man sich einer Objektivierung des Einkommens für jeden einzelnen Menschen annähert – bei gegebenem menschenwürdigen Grundeinkommen (mit dem allein sich Menschen weiterhin am unteren Ende der Gesellschaft sehen) -, umso größer werden die Unruhen sein, da die Menschen dadurch immer weniger die gerechte Einordnung Ihres Wirkens anzweifeln können und sie die zunehmende Wahrheit über sich selbst nicht aushalten werden.
    Nach dieser Erkenntis sollte jedem klar sein:
    Soziale Gerechtigkeit schafft keinen sozialen Frieden.

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  19. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: War das eine Meinungsäußerung von Ihnen? Oder wollten Sie darauf hinweisen, was für einen verschwurbelten Bullshit Precht da von sich gegeben hat? Gerade diese „Angenommen, es gäbe objektive leistungsgerechte….“ Nummer war so schlecht von Precht, dass man sah wie es selbst bei Lindner in den Zähnen zog. Weil es hingelegt wurde wie der Geistesblitz eines Zehnjährigen, der dann nicht mehr weiß wohin mit mit dem an sich gerissenen Wort. Oder vielleicht erklärt mir jemand, was Precht damit verdeutlichen wollte.

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  20. Gargamel schreibt:

    Er wollte damit verdeutlichen, dass Ideale als Richtschnur taugen können, sie ab einem gewissen Annäherungsgrad aber nicht das bewirken oder paradoxerweise gar das Gegenteil dessen, was man sich von ihnen verspricht.
    In die grundlegende ständige Debatte „Kann und darf man als Opposition im vom System vorgegebenen Rahmen arbeiten, ohne dieses zu stützen?“ ist das natürlich ein Riesenargument für die JA-Fraktion.

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  21. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: Sorry, ich raffe es einfach nicht. Prechts Argument blendet erst einmal so einfache Fakten wie den Privatbesitzt aus, arbeitet mit der Variablen „Leistungsfähigkeit“, die er aber undefiniert lässt (wie viel hat der „freie Wille“ mit dieser „Leistungsfähigkeit“ zu tun, wie viel Erbanlagen und Herkunft?) und stellt eine bloße Sextaner-Psycho-Behauptung („dann wären ganz viele ganz traurig“) darauf – also auf nichts – auf. Was verdeutlicht das? Ich verstehe es einfach nicht. Tut mir leid, als „Philosophen“ kann ich diesen bildungsbürgerlichen Dandy einfach nicht ernst nehmen. Ich finde, das Prädikat „Andre Rieu der Philosophen“ wird ihm nicht gerecht, er ist eher das für die Philosophie, was Til Schweiger für die deutsche Schauspielkunst ist.

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  22. genova68 schreibt:

    Hat Precht den Satz da oben wirklich gesagt? Eine objektiv leistungsgerechte Bezahlung einfach mal anzunehmen ist so sinnvoll wie einfach mal anzunehmen, dass morgen die Sonne nicht mehr aufgeht und darauf aufbauend dann zu spekulieren.

    Der Trick mit der objektiv leistungsgerechten Bezahlung dient Precht wohl dazu, den „unteren Rand der Gesellschaft“ als untüchtig oder lebensunwert darzustellen. Er konstruiert einen unteren Rand der Gesellschaft, von dem es überhaupt unklar wäre, ob es ihn gäbe bei einer objektiv leistungsgerechten Bezahlung. Er will ein objektives Kriterium, um den Menschen da unten sagen zu können: „Seht her, jetzt ist es objektiv: Ihr taugt nichts“!

    Er schafft stattdessen eine Spekulation, die nur zur Schaffung einer weiteren Spekulation dient, um also als Ergebnis zweier Spekulationen ein zweifelhaftes Menschenbild zu entwerfen.

    Gargamel, was du da machst, ist ein ähnlicher Unsinn. Du übernimmst einfach die Prechtschen Prämissen und erzählst dann etwas von Unruhen, weil die Menschen merken, welch Taugenichtse sie sind. Wie war das nochmal mit deiner linken Perspektive?

    Angenommen, die Erde wäre eine Scheibe und die Sonne würde morgen nicht mehr aufgehen, würden da nicht manche blind umherstolpern und runterfallen? Sicher, sicher.

    Davon abgesehen kann man ja immer über den individuellen Anteil am Zustandekommen bestimmter Situationen sprechen. Aber bitte nicht so. Das is ja auch eine Folge neoliberaler Entwicklungen. Ein Begriff wie Eigenverantwortung ist ja grundsätzlich sinnvoll einsetzbar, in den vergangenen zehn Jahren aber praktisch massiv missbraucht worden.

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  23. Jakobiner schreibt:

    Das mit dem objektiv leistungsgerechten Lohn habe ich von Precht noch nicht gehört–interesant, aber stimmt das auch? Falls ja, warte ich noch bis Precht Ayn Rand als nächste transatlantische Starphilosophin des Sozialdarwinismus einlädt.Die würde alle Döpfners und Lindners bei weitem in den Schatten stellen.Vielleicht wäre auch noch ein Repräsentant der Prädinationslehre ine gute Wahl uneseres Til Schweigers der Philosophie.

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  24. Jakobiner schreibt:

    Korrektur: Prädestinationslehre

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  25. Gargamel schreibt:

    Genova, erst willst Du auf die Sendung keinesfalls inhaltlich eingehen, nun versuchst Du, unbedingt mitreden zu wollen. Was soll das?
    Und hat Deine kritische Ader kein Problem damit, aus einem einzelnen Satzzitat aus Sekundärquelle, das als Stichworte gedacht ist für diejenigen, die die Sendung gesehen haben und den Zusammenhang kennen, eine Meinung zurechtzuschnitzen?
    Dazu noch solcher mathematisch haarsträubender Unsinn „Er konstruiert einen unteren Rand der Gesellschaft, von dem es überhaupt unklar wäre, ob es ihn gäbe bei einer objektiv leistungsgerechten Bezahlung.“ – Hast Du mal was von einer unteren und oberen Grenze eines Intervalls gehört?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Intervall_(Mathematik)

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  26. Gargamel schreibt:

    hanneswurst, Precht überlegt da, was wäre, wenn größtmögliche, kaum mehr anzweifelbare Gerechtigkeit herrschen würde.
    Es geht nicht darum, dass man nicht alle Parameter auf Null stellen kann, sondern nur, welche Tendenzen aufkommen, je weiter man in diese Richtung ginge.

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  27. genova68 schreibt:

    Du bist ja echt ein Komiker, gargamel. Ich darf also den Satz, den du hier zitiert hast, nicht kommentieren? Entschuldigung, das wusste ich nicht.

    Aber danke für den Link, da hast du recht, das habe ich nicht bedacht. Jetzt, nach gründlicher Überlegung, habe ich meinen Fehler erkannt und korrigiere:

    [a, b] := \{(x_1, \dots, x_n) \in \R^n \mid a_1 \le x_1 \le b_1, \dots, a_n \le x_n \le b_n\} (a, b) = {]{a, b}[} := \{(x_1, \dots, x_n) \in \R^n \mid a_1 < x_1 < b_1, \dots, a_n < x_n < b_n\} [a, b) = {[{a, b}[} := \{(x_1, \dots, x_n) \in \R^n \mid a_1 \le x_1 < b_1, \dots, a_n \le x_n < b_n\} (a, b] = {]{a, b}]} := \{(x_1, \dots, x_n) \in \R^n \mid a_1 < x_1 \le b_1, \dots, a_n < x_n \le b_n\}.

    Ergo: Precht hat recht.

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  28. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: Precht hat von Leistungsgerechtigkeit geredet. Das ist nur ein Teilaspekt – eigentlich eine Theorie – der Gerechtigkeit. Seine Aussage ist im Grunde: es sollte mal besser alles bleiben, wie es ist. Denn diejenigen, die in der Gesellschaft tausendfach bessergestellt sind als andere, wären sehr unglücklich wenn man dies ändern würde (zum Beispiel weil sie schon als Kinder mit silbernen Löffeln gefüttert wurden). Diejenigen aber, die unten herumdümpeln, haben ihre Tröstungsmechanismen schon gefunden. Lindner/Precht waren sich im Grunde einig: solange die Unterschicht getröstet oder betäubt werden kann und solange (Rawls) der zunehmende Reichtum der Oberschicht auch ein paar Printen für den ALG II Empfänger bringt, so lange ist die Gesellschaft gerecht im Sinne von Lindner/Precht.

    In die gleiche Scharte haut die Bertelsmann Stiftung, wenn sie ihre Studien über das Bildungssystem verfüttert. „Es gibt mehr Schulverlierer als Schulgewinner“ soll eigentlich heißen, dass die zu hohe Durchlässigkeit des Schulsystems, die durch sinnvolle Maßnahmen der Sozialdemokraten gefördert wird (sechs Grundschulklassen, Gesamtschulen), ein Leid über die Kinder bringt. Hauptschüler aus der Arbeitersiedlung wollen Abi machen, kann ja nicht gutgehen, wie sind sie traurig, wenn sie scheitern. Schuster bleib bei Deinen Leisten. Dass die Kinder des Vorstandsvorsitzenden sowieso Abi und Eliteuni hinlegen ist doch klar – notfalls wird ein Privatlehrer eingestellt, ein Internat gegründet, eine Universität gekauft. Wer würde nicht alles für seine Kinder tun, was er kann.

    Das zu durchlässige Bildungssystem stinkt den Bertelsmanns und den Lindner/Prechts, denn es macht das Vererben eines elitären Status aufwändiger. Das Halloween-Szenario im Bildungssystem wäre für die Vorstandsriege das, was Precht mit Leistungsgerechtigkeit beschrieben hat: Schuluniformen, keine Wahl der Schule, nur noch staatliche Schulen, Computer gibt Zensuren. Das wären Aspekte der Leistungsgerechtigkeit. Schlimm für das VV-Kind, wenn es nicht einmal die Hauptschule schafft, das ist grausam, sagt Precht mit dämonisch wirrem Blick. Ohne zu bedenken, wie grausam die Realität ist, wer kennt keine Schulabgänger die trotz guter Noten statt Oberstufe „erst mal eine Lehre“ gemacht haben, weil Papi auch Malocher war.

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  29. genova68 schreibt:

    „hanneswurst, Precht überlegt da, was wäre, wenn größtmögliche, kaum mehr anzweifelbare Gerechtigkeit herrschen würde.
    Es geht nicht darum, dass man nicht alle Parameter auf Null stellen kann, sondern nur, welche Tendenzen aufkommen, je weiter man in diese Richtung ginge.“

    Ja, und wenn die größtmögliche Gerechtigkeit herrscht, wird es Unruhen geben, weil die Taugenichtse dann erkennen, dass sie welche sind. Der Gedanke ist nicht uninteressant auf der Ebene, dass die Menschen Lebenslügen brauchen, um mit sich selbst klarzukommen. Also bitte größtmögliche Ungerechtigkeit, damit die da unten weiter auf die da oben schimpfen und es keine Unruhen gibt.

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  30. genova68 schreibt:

    Der Precht scheint ein Sarrazinverschnitt zu sein. Bislang habe ich den eher als sozialliberalen Plauderer betrachtet.

    Die Unterschicht trösten und betäuben ist nach Meinung von Precht gerecht? Ja, die da unten sind eh zu dumm für alles. Falsche Gene wahrscheinlich.

    Ich habe den Eindruck, dass Precht, wie Lindner sowieso, den Gerechtigkeitsbegriff einfach für ihre Zwecke instrumentalisieren. Hauptsache, die Kapitalakkumulation schreitet voran, und alles, was ihr dient, ist gerecht bzw. wird als gerecht interpretiert.

    Ich gehe jetzt davon aus, dass Hanneswurst, der die Sendung gesehen hat, korrekt wiedergibt.

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  31. Gargamel schreibt:

    Du kommst hier mit Spekulationen an, was gemeint sein könnte, die komplett dem Unwissen über das Gespräch geschuldet sind und erwartest, dass Dir jemand den genaueren Kontext vorkaut – zu dem Du keinesfalls Stellung nehmen wolltest… Wer ist da der Komiker? ;)

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  32. hanneswurst schreibt:

    @Genova: Was ist das „korrekt“? Natürlich hat Precht nicht gesagt „Arbeiten und dumm sein, das ist das Glück“, sondern ich unterstelle ihm, dass er das gemeint hat. Oder eigentlich nicht einmal das. Ich werfe ihm vor, dass er Linder die für einen Philosophen aus linkem Hause offensichtliche Ungerechtigkeit in Deutschland nicht um die Ohren gehauen hat, sondern statt dessen wie ein schlimmer Mitläufer dastand. Der er vielleicht einfach ist. Sozialdarwinismus wie bei Sarrazin würde ich nicht unterstellen, eher eine spätpubertäre Auflehnung gegen das Elternhaus. Und natürlich ein Mangel an philosophischer Bildung (in Relation zur Selbst- und Senderaußendarstellung). Ich fand aber nicht, dass die Sendung irgendwie im Kopf weh tut oder so und frage mich, warum Du sie Dir nicht einfach ansiehst, ich halte das für eine seltsame Form des Protests und kann in dieser Hinsicht Gargamels Schimpfen verstehen, auch wenn sein Mathematik-Argument belanglos war.

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  33. genova68 schreibt:

    Ich schau mir so einen Schrott nicht an. Ich muss mir auch nicht jede Bohlensendung angucken, um einigermaßen zu wissen, was mich da erwarten würde.

    Wollte ich die Sendung rezensieren, müsste ich sie gucken. Will ich aber nicht. Aber warum sollte ich nicht auf die einzelnen Zitate eingehen können? Hannes interpretiert das für mich nachvollziehbar, gargamel kommt von einem anderen Stern, auf dem Mathematik ein anderes Wort ist für Gesellschaft. Die völlig unterschiedliche Interpretation des Precht-Satzes würde sich nicht auflösen, wenn ich die Sendung schaute. Ich würde auch danach nicht mit Integralen argumentieren. Das ist genau so eine merkwürdige Vorstellung von Objektivität wie die von der objektiv gerechten Bezahlung.

    Es sind doch vielmehr die subjektiven Sichtweisen der Diskutanten hier, die zum Tragen kommen.

    Die Haltung von Lindner zum Thema ist eh klar, der ist Ziehsohn von Westerwelle. Mehr muss ich da nicht wissen. Sich auf einen PR-Plauderer einzlassen heißt, sich auf die Lüge einzulassen.

    Die Haltung von Precht scheint mir nach dem Urteil von Hannes auch klar.

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  34. Gargamel schreibt:

    Genova, solange nicht alle exakt das gleiche zur Verfügung haben, gibt es ein unteres und ein oberes Ende. Jetzt sage mir bitte, wie man mit dieser Erkenntnis von einem Planet kommt, in dem „Mathematik ein anderes Wort ist für Gesellschaft“ ist.

    hanneswurst, „dass er die für einen Philosophen aus linkem Hause offensichtliche Ungerechtigkeit in Deutschland nicht um die Ohren gehauen hat“? Wie kommst Du darauf, genau das hat er doch immer wieder getan?

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  35. Gargamel schreibt:

    Ich sehe schon – wenn man auf Nachfrage zur näheren Erläuterung überhaupt nur Begriffe aus einem Themenbereich benutzt, die das Gegenüber als Reizbereich sieht, dann kann einem plötzlich die Gleichsetzung des einen Bereichs (hier: Gesellschaft) mit dem gesamten anderen Bereich (hier: Mathematik) untergejubelt werden…
    Das ist so sinnvoll, als würde man bei Anklängen an sozialistische Themen den Sprecher mit Mao Zedong gleichsetzen und ihn für die 76 Millionen Toten mitverantwortlich machen, die Maos Sozialismus verursacht hat…

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  36. genova68 schreibt:

    Es gibt dann ein oberes und ein unteres Ende der Gehaltsskala, ja, aber nicht zwangsläufig einen unteren Rand der Gesellschaft.

    Nochmal das Zitat:

    “Angenommen, es gäbe objektive leistungsgerechte Bezahlung. Was machen wir dann mit denen, die am unteren Rand der Gesellschaft sind? Diese können sich dann nicht mehr in die Lebenslüge flüchten, dass die Umstände ungünstig waren!”

    Das ist eben der Unterschied zwischen Mathematik und Soziologie. Einkommensunterschiede sagen nicht zwangsläufig etwas über den unteren Rand der Gesellschaft aus. Ein Briefträger ist wichtig, und wenn die Bezahlung ordentlich ist, dann ist er zufrieden, wenn er gar nichts anderes sein will. Dass ein Hirnchirurg mehr verdient, wird ihn nicht stören. Darüber zu diskutieren, wer wichtiger ist, Briefträger oder Hirnchirurg, ist sinnlos.

    Wenn jemand meint, einen Mercedes fahren zu müssen und dafür mehr arbeitet, ist der nicht automatisch „über“ dem, dem ein Polo reicht und der dafür mehr Zeit für ein Hobby hat, um das mal ganz anschaulich zu erläutern. Das sind doch Fragen individueller Wertigkeiten, die man nicht objektivieren kann. Objektiviert wird das nur in einem System, in dem materieller Besitz als so wichtig erachtet wird, dass daraus die Wertigkeit von Menschen abgeleitet wird.

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  37. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: Das war nicht mein Eindruck, ich habe es so empfunden, als hätte Precht Stichworte gegeben und pseudokritisch nachgefragt – in Punkten, die Lindner immer schön relativieren konnte. Precht ist ja auch offensichtlich FDP-nah, da er Lindner beim Entwurf eines FDP-Grundsatzprogramms geholfen hat (siehe Wikipedia) und als Gastredner bei der FDP spricht (wurde von Fabio kolportiert). Precht kommt mir eher wie ein willkommene Schießbudenfigur vor, bei der die Gäste nichts zu befürchten haben und der Zuschauer doch den Eindruck haben soll, dass der Gast sich doch wacker geschlagen hat, gegen einen „so schönen und schlauen Mann wie Precht, Erna“. Das ist eben genau der Mindfuck. Ich vermute, dass auch diese „Armes Deutschland, Reiches Deutschland“ Sendung so funktioniert – letzten Endes soll beim Zuschauer hängenbleiben, dass Unterprivilegiertheit zwar traurig ist, aber leider unvermeidbar, und dass doch alle alles tun um es erträglich zu machen. Genau das Precht Ding, Armut und mangelnde gesellschaftliche Teilhabe wird wieder salonfähig gemacht, das Unterschichten-TV propagiert den stolzen – und leicht ausbeutbaren und beeinflussbaren – Asi.

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  38. Gargamel schreibt:

    Was sagt Ihr eigentlich zur sozialen Kompetenz einer Linkspartei, in der auf dem Bundesparteitag die Ost-Deligierten Schmähgesänge („Ihr habt den Krieg verloren“) gegen die West-Deligierten anstimmen, oder zur wirtschaftlichen Kompetenz, wenn ein Gregor Gysi Wachstum als Lösung der Probleme anerkennt (Rede im Bundestag neulich), oder zur grundsätzlich oppositionellen Kompetenz, wenn eine Petra Pau es als pflichtbewusst ansieht, als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags an der technokratischen Abwicklung der Gesetze mitzuwirken, die jedem linken Ideal entgegenstehen?

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  39. Gargamel schreibt:

    hanneswurst, ich hatte zumindest den Eindruck, dass so sehr wie in keiner anderen Sendung auf dem Ungerechtigkeitsvorwurf beharrt wurde. Das kann man sicher immer noch als zuwenig erachten, und ich hätte auch nochmal nachgehakt in dem ein oder anderen Punkt – wenn das einem von Euch als Sendungsmoderator besser gelungen wäre als Precht in diesem Gesprächsfluss mit seiner Gedankenfülle, hätte das allemal meinen höchsten Respekt.
    Diese Brachialkritik a la Sarrazin usw. halte ich nur für unangemessen. Bei solchen Maßstäben kann man als Systemträger genauso Gottschalk und Gysi gleichsetzen, ebenso wie Pau und Precht.

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  40. hanneswurst schreibt:

    @Gargamel: Ich habe gerne mal die Linkspartei gewählt – einfach aus Gründen des sozialen Ausgleichs. Aber seitdem Wagenknecht und Lafontaine ein Paar sind kann ich nur sagen: was für ein Sauhaufen.

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  41. Gargamel schreibt:

    Ich denke auch, dass man gar nicht groß weiter reden muss über Gesellschaftsverbesserung, da man sicher sein kann, dass sich die Linke gegenseitig, untereinander kaputt macht.

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  42. minori schreibt:

    Ich möchte noch einmal an das Wort „Wutbürger“ erinnern.Ein Wutbürger hat ein Gespühr für Gerechtigkeit.Alle Bürger leisten ihren Beitrag, zahlen Steuern und Krankenversichrung.Im gegenzug erwarten sie das Recht auf Chancengleichheit und Schutz vor Benachteiligungen.Es gilt für wirtschaftliche Teilhabe, für Bildung und Gesundheit.,Es darf nicht sein das nur bestimmte Eliten alles unter sich teilen.
    Vielen Dank, Herr Precht für Ihre Sendung, schöne Grüße, ich habe wieder
    Hoffnung.

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  43. genova68 schreibt:

    Wie ist eine Hoffnung beschaffen, die sich aufgrund von Precht ueberhaupt erst wieder manifestiert?

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  44. hanneswurst schreibt:

    Das ist die Art von Hoffnung, die nicht tot ist, aber seltsam riecht.

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  45. Motherhead schreibt:

    Hanneswurst: Du immer mit deinem Neid auf La fotz taine. Gönn dem Opi doch was. Das junge Ding ist meines Erachtens ein gerechter Ausgleich für die vielen Schmähungen, denen sich einer der wenigen aufrechten Spitzenpolitiker der jüngeren deutschen Geschichte in der Vergangenheit ausgesetzt sah.

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  46. hanneswurst schreibt:

    Wenn jemand sein Privatvergnügen derart vor die Parteibelange stellen will, dann soll er vorher seinen Platz räumen. Der narzisstische Liebeswahn dieses Popanzen hat den Sozialismus in Deutschland um 20 Jahre zurückgeworfen! Der Sozialismus verlangt doch gerade nach Mäßigung zugunsten der Allgemeinheit, und dann kommt so einer daher und lässt seinen dionysischen Ausschweifungen freien Lauf. Fehlt nur noch, dass er mit seiner Alten im Porsche Cayenne durch Kreuzberg (oder Oberbilk) cruist. Was muss er denn noch veranstalten, damit einer wie Du kapiert, dass Lafontaine lauthals Wasser predigt und dabei unverhohlen Wein trinkt. Autoritär, kompromisslos, größenwahnsinnig und UNREDLICH, das ist genau die Art von Schweine-Sozen, wegen denen die Leute dann doch lieber ein paar stockkonservative, bibeltreue Mitte-Rechts Heinis wählen.

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  47. Motherhead schreibt:

    Der Mann kann so viel Wein saufen wie er will, solange er dafür Steuern bezahlt und durch seine Arbeit daran arbeitet, die Gesellschaft gerechter zu machen. Das ist ein harter Job und ich habe nicht das Gefühl, dass Lafontaine in seiner aktiven Zeit jemals so gut verdient hätte, wie es jetzt Steinbrück und Konsorten tun. Das Wein-Wasser-Argument ist das klassische Totschlag-Argument der Konservativen, die ihr schlechtes Gewissen ob ihrer moralischen Unterlegenheit dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie dem moralisch Überlegenen aufgrund dessen angeblicher Verlogenheit ans Bein pissen.

    Womöglich hast du dich von dieser Argumentation beeinflussen lassen, denn ich weiß ja, dass du selbst ein moralisch einwandfreier Mensch bist (keine Ironie!). Außerdem scheint mir in dein harsches Urteil auch rheinischer Katholizismus einzufließen (man verlässt seine Frau nicht, egal wie nervig die Alte ist). Um Lafos Ex muss man sich aber sicherlich keine Sorgen machen: Die hat ohne Ende von ihrem Mann profitiert und ist sicherlich auch finanziell bestens versorgt.

    Lafontaine hat sich in zahllosen Talkshows mit seiner immer stringenten Argumentationsweise für den Sozialstaat eingesetzt. Obwohl er sich durch seine unbequeme Art jede Menge Feinde geschaffen hat, hat es nie jemand vermocht, ihm eine Affäre anzukreiden, die so handfest gewesen wäre, dass er darüber gestürzt wäre.
    Nein: Er ist einer der wenigen großen deutschen Politiker der Neunziger- und Nuller-Jahre. Und einer der am ungerechtesten beurteilten.

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  48. hanneswurst schreibt:

    „Großer deutscher Politiker“, schöne Ironie, aber an welchen Meriten könnte man das festmachen? Kein Mensch konnte Lafontaine leiden, natürlich konnte er nicht gegen Kohl gewinnen, Schröder musste 98 als freundliches (dummes) Gesicht aufgestellt werden. Was macht Superminister Super-Lafo? Er – als potentielles linkes Korrektiv in einem verstrahlten Kabinett Schröder I – sucht beleidigt das Weite. Klar, weil er nicht der Sonnenkönig sein konnte. So wurde seine richtige Position zum Kosovokrieg nicht gehört, so überließ er Schwachmaten wie Scharping und Schröder das Feld und bereitete ungewollt der Agenda 2010 das Feld. Was ist daran groß – die nutzlose Prinzipientreue, die uns allen geschadet hat? Und jetzt macht es sich als geriatrischer Gigolo zum Berlusconi. Als er in der Linkspartei noch einen starke Position hatte, habe ich mich gefreut wenn er seine Positionen schlau zum Besten gegeben hat aber nach dieser Fickgeschichte ist mein Eindruck, dass er ein unnützes moralisches und politisches Wrack ist, das aufs Altenteil gehört. Kann mit Münte auf ewige Kreuzfahrt gehen, ihre Tussis können sie gleich mitnehmen.

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  49. Motherhead schreibt:

    Auch hier gibst du meines Erachtens nur gängige Allgemeinplätze wieder: „Sonnenkönig“ hat sich die Presse ausgedacht, da er relativ klein ist und einen französischen Namen trägt. Dass er beleidigt gewesen sei, statt ausschließlich prinzipientreu. (Was ist gegen Prinzipientreue zu sagen? Ist dir ein Sympath ohne Prinzipien lieber? Dann empfehle ich die Seehofers dieser Welt.) Dass er die Partei im Stich gelassen habe. (Vielleicht fand er es ja tatsächlich zu schmerzlich, einer Partei anzugehören, die in der Person des Machtmenschen Gerhard Schröder plötzlich knallharte neoliberale Politik gemacht hat?)
    Und obwohl sein Motiv, in der Linken eine Führungsrolle zu übenehmen, sicherlich auch von Geltungsbedürfnis getrieben war: Erstens ist das verständlich, wenn man jahrzehntelang eine Führungsposition innehatte. Zweitens ja trotzdem respektabel, weil er sich damit kräftig hätte blamieren können. Drittens und vor allem: Der Zweck heiligt hier die Mittel. Er hat der Linken einen kräftigen Schub gegeben und damit einem wichtigen Korrektiv neoliberaler Politik erst auf die Sprünge geholfen.

    Dafür vielen herzlichen Dank, lieber Onkel Lafo! Mögest du noch viele zärtliche Stunden mit deiner schönen, klugen Freundin erleben und so manchen Tropfen edlen Weines in dich hineingluckern!
    Alles Glück dieser Welt wünscht dir niemand mehr als
    Dein Motherhead.

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  50. genova68 schreibt:

    Sehr richtig, motherhead. Hannes ist nur neidisch, er hätte auch gerne eine Freundin, die 30 Jahre jünger ist als er.

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  51. Jakobiner schreibt:

    Für mich sind die Ansichten von Hanneswurst die einer moralisierenden ältlichere Kaffeetante, die sich am neuesten Tratsch von irgendwelchen Celebritymagazien und Goldenen Blättern orientiert.Politisch inhaltliche Kritik am Oskar und der Wagenkecht kommt da überhaupt nicht.

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  52. hanneswurst schreibt:

    @Jakobiner: Das ist eine Unverschämtheit, und ich lese nicht das „Goldene Blatt“. Nur die „Gala“ und „Men’s Health“. Ob Lafontaine das soziale Bewusstsein in Deutschland eher vorangebracht hat oder ob er im Gegenteil eher ein Hemmschuh war, darüber kann man streiten. Und dass meine Argumentation ebenso moralinsauer wie unsachlich ist, wie meine früheren Lobpreisungen von Wagenknechts Anmut – geschenkt. Das Problem ist nur, dass nicht alle potentiellen Linke-Wähler so über der Sache stehen wie Sie, sondern die Sache ebenso beleidigt, missgünstig und neidisch betrachten wie ich. Wer davon wegen seiner eigenen weltmännischen Laissez-faire Haltung nichts hören will, der ignoriert meiner Meinung nach auch politische Realitäten. Dass Lafontaine, der zum Beispiel seine Ex-Frau ebenfalls in ein politisches Amt buxierte und alles tat hat um Bartsch zu isolieren, außerdem ein behender Puppenspieler ist – um nicht zu sagen eine olle Krake – macht ihn mir nicht weniger suspekt.

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  53. BaMo schreibt:

    Dieser Beitrag und die folgenden Kommentare zeigen für mich einzig und allein wie selbstherrlich die vermeintlich intellektuelle Linke in Deutschland ist … ich gehe jede Wette ein, dass 3/4 der Kommentatoren hier im Staatsdienst sind. Umverteilung als Fairness lässt sich leicht predigen, wenn man dauer-alimentiert wird :-)

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  54. genova68 schreibt:

    So ist es.
    mfg
    genova, verbeamtet

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  55. Ex-Vermieter schreibt:

    Ich bring mal kurz die Prozentzahlen auf ’n anderen Stand.
    „Beruf“: Privatier

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