Harald Martenstein und sein Rassismus der Mitte

„Rassismus drängt in die Mitte der Gesellschaft“, meint der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und Harald Martenstein zeigt auch gleich, wie das konkret aussieht: Er schreibt im Tagesspiegel, dass Ausländer für seinen Geschmack zu kriminell sind. Als Beleg zitiert er unter anderen seinen Sohn:

Mein Sohn und seine Freunde vermeiden es, bei Dunkelheit in die Nähe des Kottbusser Tores zu gehen. Sie sehen zu deutsch aus.

Nun muss man wissen, dass rund um das Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg in den vergangenen Jahren eine Ausgehgegend entstanden ist, und zwar eine ziemlich interessante: Ein paar gute und gut versteckte Clubs, immer wieder neue Läden, Cafés, Restaurants. Dort sind die ganze Nacht Menschenmengen unterwegs, alle möglichen Nationen, Touristen und viele Deutsche, und wenn der letzte Club schließt, hat der Gemüseverkäufer davor schon seinen Stand aufgebaut. Dass man am Kottbusser Tor eins aufs Maul kriegt, weil man zu deutsch aussieht, halte ich schlicht für eine Lüge.

Das Kottbusser Tor, an dem sich seit einigen Jahren viel tut: Anwohnerinitiativen, die gegen steigende Mieten vorgehen, jeden Samstag eine Demo zum Thema, ein kleines Holzhüttendorf, viele neue Läden, eine neue Bibliothek, dazwischen Junkies und Dealer, Obdachlose, ein sehr quirlige, sehr angenehme Ecke Berlins, die umkippen könnte, die aber weit davon entfernt ist.

Das Hauptproblem am Kottbusser Tor sind steigende Mieten, 20, 30, 40 Prozent in den vergangenen Jahren. Um das Kottbusser Tor herum entstehen kleine Prenzlauber-Berg-Enklaven. Vertreibung findet dort via Geldbeutel statt.

Und eine so gefragte Gegend ist also laut Martenstein eine No-Go-Area für Deutsche.

Dazu kommt, dass Martenstein rund 500 Meter vom Kottbusser Tor entfernt wohnt, im Gräfekiez, es also kein Problem wäre, ein wenig zu recherchieren vorm publizieren. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht so bei diesem Thema: No-Go-Areas für Deutsche. Da fragt der schöngeistige Kolumnist, der sich aufgrund seiner halblangen Haare wahrscheinlich schon für total unangepasst hält, gar für einen Querdenker, lieber seinen angeblichen Sohn über dessen angebliche Erfahrungen. Und so schnell steht eine Aussage in einer bürgerlichen Zeitung, wie man sagt, die man in der Parteizeitung der NPD  vermuten könne.

Martenstein ist die neue Mitte, das zeigt er mit diesem Geplapper deutlich: Geld vorhanden, Uni-Abschluss auch, Gentrifizierung ist halb so wild, da müssen die Armen zwar weg, aber so kriege ich wenigstens eine schicke Altbauwohnung, und außerdem verprügeln die eh nur meinen Sohn. Martenstein hat seine Fans bei den, denen Broder zu offensichtlich rassistisch ist, und außerdem ist man ja Akademiker, da hat man´s gerne etwas subtiler. Es ist diese Mischung aus intellektueller Dürftigkeit und dem hauptberuflichen Sich-Eingerichtet-Haben im Ressentiment.

Es ist, eigentlich noch unangenehmer, diese Günter-Jauch-Haltung: Mit großen Augen ahnungslos gucken, man wird ja noch mal fragen dürfen, das wird man doch noch sagen dürfen, wir arme Deutsche, wir drangsalierte Minderheit im eigenen Land. Ich zitiere doch nur meinen Sohn, das werde ich doch noch dürfen. Martenstein und Jauch als Vertreter der schweigenden Mehrheit, die leider nicht mehr überall hin darf.

Vom Establishment als liberal eingestufte Kolumnisten, die nach rechts wegkippen. Ganz normal, in neoliberalen Zeiten, denke ich.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Fremdenfeindlichkeit, Medien, Neoliberalismus, Rechtsaußen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

24 Antworten zu Harald Martenstein und sein Rassismus der Mitte

  1. hanneswurst schreibt:

    Über Martenstein bräuchte man sich nicht aufregen, wenn man ihn einfach als den täppischen Clown sehen könnte, der er ist. Schuld hat also eigentlich der Tagesspiegel. Wenn ein Medium einem Menschen ein Forum bietet, der nicht begreift oder so tut, als wenn er nicht begreifen würde, dass es für eine Tat vollkommen belanglos ist, ob die Täter einen ausländischen Akzent hatten, während es natürlich sehr wohl von Belang ist, wenn eine Tat durch eine nationalsozialistische Ideologie verursacht wird, dann ist diesem Medium publizistisch nicht mehr zu helfen, zumindest wenn das Forum nicht als Satire kenntlich gemacht wird.

    Gefällt mir

  2. Chris(o) schreibt:

    „No-Go-Areas“ klassifizierten zunächst amerikanische Touriführer als für Ausländer zu meidende Gebiete in Deutschland aufgrund ausländerfeindlicher Umtriebigkeiten der Neo-Nazi-Szene.
    „No-Go-Areas“ ist somit meines Wissens nicht ursprünglich dem NPD-Jargon eigen, sondern eher der wachsamen „Gegenseite“.

    Gefällt mir

  3. Jakobiner schreibt:

    Da stimme ich dem Hanswurst zu und will ergänzen: Ein mit dem Tagesspiegel vergleichbares Exemplar ist beim SPIEGEL Jan Fleischhauer, der inzwischen auch noch zwei Bücher über den SPIEGELverlag gegen Linke herausgegeben hat.Das erzählt uns mehr über den SPIEGEL und die allgemeine Entwicklung der Gesellschaft: Vom „Sturmgeschütz der Demokratie“ zum Sturmgeschütz des Neolbieralismus und der Political Incorrectness.Mich würde noch interessieren, wie Genova oder Hanneswurst oder andere Leute den neuen Starphilosophen der Republik, Richard David Precht empfinden. Der scheint mir schon linksliberal, aber dass er in seiner ZDF-Sendung „Precht“ Matthias Döpfner (BILD) über Freioheit schwadronieren lässt, ist ja auch bezeichnend.Aber schlimmer als der Eugeniker und Sozialdarwinist Sloterdjik kann Precht ja auch kaum mehr werden.

    Gefällt mir

  4. hanneswurst schreibt:

    @Jokobiner: Der André Rieu und Popularisator der Philosophie – wie ihn Sloterdijk sieht – ist mir unsympathisch. Unter anderem, weil meine Frau auf ihn hereinfällt, auf die ach so Belesenheit und das Wissen zu so vielen Themen – was für mich ungefähr das Gegenteil von Philosophie ist, genauso wie Talkshows. Ich kann mir auch keinen Künstler als Talkmaster vorstellen, er ist während der Show dann einfach kein Künstler und so kann der talkende Philosoph während der Sendung auch kein Philosoph mehr sein und somit auch keine Philosophie vermitteln. Ich bin selber ein Opfer von allen möglichen Büchern über Philosophie und Philosophen, dabei ist es schon schwierig genug, Heidegger im Original zu lesen, wie schwierig ist es dann erst, Heidegger aus einem Text über Heideggers Philosophie zu verstehen – es ist blank weg unmöglich und der Markt für philosophische Sekundärliteratur damit ein Tummelplatz für Sektierer und Geschäftemacher. Über die politischen Aussagen des Herrn André Rieu der Philosophie weiß ich jedoch rein gar nichts, und dabei bleibt es hoffentlich. (Dit is dat Internet: Erst schimpfen und dann einräumen, dass man zum eigentlichen Thema gar nichts beizutragen hat.)

    Gefällt mir

  5. Jakobiner schreibt:

    Naja, der miesgrämmige Sloterdijk mit der Brille auf der Nasenspitze (Intellektualitätsausweis ala Joschka Fischer) hat ja mit seinem „Philosophischen Quartett“ meistens auch nur recht grobes Geschwafel zu viert vollzogen und selbst auch versucht Philosophie zu popularisieren–Sloterdijk kann nicht der Andreu Rieu der deutschen Philosophie sein, weil er halt nicht das Äussere Und Charisma dazu hat wie der Adonis und schönes Haar-Mähnenfrisurträger Precht. Zudem ist Sloterdijk ein Eugeniker und Sozialdarwinist, was Precht nicht ist. Precht ist z.B. für den Sozialstaat, wenngleich für ein soziales Pflichtjahr für alle seine Bürger.Auch ist mir der Precht nicht durch political incorrectes Gehetze aufgefallen–da verzichtet er drauf und teilt dies auch nicht–anders als die Sarrazins, Broders und Fleischhauers oder eben Sloterdijiks.
    Dennoch habe ich den Eindruck, dass Precht ein linksliberaler Schwätzer mit zuviel Toleranz ist, der es allen (P)recht machen will und deswegen so gut ankommt.Ich habe aber noch eine Theorie: Der Andre Rieu-Precht auf der Philosophiebene ist so das Äquivalent auf der Kabarett-/Comedyebene wie der deutsche George Clooney des Satiregipfels Nuhr.Letzterer erzählt ja nur noch davon, wie gut es uns eigentlich geht und ds Deutschland ein Land des Jammerns sei–einem Zustand, dem er entgegenarbeiten will.

    Gefällt mir

  6. Jakobiner schreibt:

    Zumindestens ist eine Tendenz erkennbar: Gab es früher noch Publikumsfragen oder- beiträge, so hat man sich inzwischen in den öffentlich-rechtlichen Medien auf das Format der Expertenrunden geeinigt, und ist dann nochmals vom „Philosophischen Quartett“ auf Prechts philosophisches Duett gekommen, das faktisch nur ein Monolog in Arbeitsteilung ist. Der Personenkult um Precht duldet letztendlich nur noch den 1 Philosophen, den Weltenerklärer, wie dies viele Leute auch in Helmut Schmidt oder Peter Scholl-Latour sehen. So funktioniert eine pluralistische Gesellschaft: Man will nur noch den 1 Führer in weltideologischen Fragen.So läuft die real existierende Demokratie. Zuletzt noch: Hätte Sloterdijk etwas mehr Mut, würde er Precht den Hasi Hinterseer der deutschen Philosophie nennen. Auf Rieu und Hinterseer fällt nämlich auch meine Frau grausamerweise rein und den Precht findet sie logischerweise auch gut. Aber Sloterdijk wollte es sich wohl nicht zu sehr mit den Bildungsbürgern verschezen, hat er doch nicht wie Precht Millionenauflage bei seinen Büchern wie unser neuer shooting star. Vielleicht ist auch Precht die BILD der Philosophie!

    Gefällt mir

  7. hanneswurst schreibt:

    Klar, auch Sloderdijk als Show war nur eine mittelprechtige Sache. Er prechte gerne mit Thesen vor, die einzig auf die Alleinstellung seiner selbstempfundenen Gehirnkapazität abzielten – zum Erprechen. Ich höre lieber auf, sonst kommt wieder der genova Niveauverweis.

    Gefällt mir

  8. Motherhead schreibt:

    Wieso? Wo du precht hast, hast du precht.

    Gefällt mir

  9. hanneswurst schreibt:

    Mother! Sei nicht schon wieder so ein Prechtax! Der Krug geht solange zum Brunnen, bis der Bertold precht!

    Gefällt mir

  10. Jakobiner schreibt:

    Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Autor einmal eine Kurzzusammenfassung eines philsosophischen Werkes gibt (welcher Arbeiter hat schon die Zeit sich das alles durchzulesen!!!) und dann Rückschlsüsse auf unsere heutige Zeit nimmt. Ich habe eigentlich nichts gegen die sogenannte Popularsierung der Philosophie, aber eben konkret etwas dagegegen, wenn es dafür personenkultmässige Personen der Phiolosophie gibt, die behaupten alles allein erklären zu können.Und diesen totalitären Zug entdecke ich vor allem in Precht, der meint jetzt der alleinige Interpreteur der Philosophie, Geschichte und Politik werden zu können, wie dies Habermas und Sloterdijik zuvor von sich beanspruchten. Precht ist so wie Helmut Schmidt und Peter- Scholl-Latour–der einzige Weltenerklärer–Zeit ihn und besagte Figuren einmal vom Podest zu holen!!!

    Gefällt mir

  11. Yunus schreibt:

    Martenstein zitiert seinen Sohn: Fragen Sie doch seinen Sohn wie er zu dieser Ansicht kommt.

    Gefällt mir

  12. Yunus schreibt:

    @alle: wow, ein Fleischhauer ist natürlich ein Beleg dafür dass der Spiegel kippt. Er hat sich sogar positiv über Romney geaußert: wow, er hat Jehova gesagt. Einer von 100.

    Gefällt mir

  13. genova68 schreibt:

    Oh, ich sehe gerade, dass Jakobiner den Precht hier schon thematisiert hat. Na, da habe ich also in nicht bewussten vorauseilendem Gehorsam die Anregung aufgegriffen ;-)

    Precht ist der André Rieu der Philosophie :-) nicht schlecht.

    Precht kann wohl ganz gut erklären, er ist meinungsstark, das ist ja wichtig heutzutage, und die Redaktionen wissen, dass der Typ nicht enttäuschen wird, lädt man ihn ein. Von Fachkolllegen wird er sehr negativ gesehen. Das Übersetzen von philosophischem Kauderwelsch ist ja nicht in jedem Fall schlecht, gerade bei ethischen Themen, und ich hätte an die Sendung auch nicht den Anspruch eine philosophischen Oberseminars, aber Precht man jetzt ja anderes: Er dient bestimmten Interessen zur Aufwertung, also ein Döpfner darf sich eine Stunde lang pseudointellektuell äußern und ist damit gebauchpinselt. Und Precht schafft das, indem er sich selbst einen intellektuellen Anstricht gibt, was er ohne die massive Unterstützung der TV-Medien nie geschafft hätte.

    Precht und Martenstein haben übrigens sehr ähnliche Frisuren. Wobei ich dem Precht dann doch mehr Niveau zubilligen würde als Martenstein.

    Gefällt mir

  14. Yunus schreibt:

    Immer dieses „heutzutage“ : als ob es früher nicht wichtig gewesen wäre in philosophischen Diskussionen eine Meinung zu vertreten. Ob die Debatte dann auch wirklich Tiefgang hatte steht allerdings auf einem anderen Blatt.

    Gefällt mir

  15. mablo schreibt:

    @Geova: ich finde es bezeichnend, dass du mir ganz genau das vermittelst, was Martenstein in seinem Text beschreibt! Du veranschaulichst wunderbar seine Erfahrungen. Insofern: Auf den Punkt getroffen vom Martenstein….
    Deine Kritik an Döpfner mit Precht geht aber klar

    Gefällt mir

  16. genova68 schreibt:

    ich finde es bezeichnend, dass du mir ganz genau das vermittelst, was Martenstein in seinem Text beschreibt! Du veranschaulichst wunderbar seine Erfahrungen.

    verstehe ich nicht. Was sollen denn in dem konkreten Beispiel die Erfahrungen von Martenstein sein? Doch bestenfalls die, dass sein Sohn ihm etwas erzählt hat.

    Gefällt mir

  17. mablo schreibt:

    Nein, nicht die Erfahrungen von Körperverletzung oder dergleichen. Die Erfahrung, dass die Beschuldigung des Rassismus schnell im Raum steht, wenn man von persönlichen Erfahrungen erzählt oder diese auch zitiert. Das Verallgemeinern einer von wenigen Personen verübten Tat oder Charaktereigenschaft auf eine ganze Gruppe von Personen, oder halt Nationalität geschieht NICHT immer beim Erzählenden, sondern kann auch vom Empfänger (ohne Intention des Senders) konstruiert werden. Diese Vorverurteilung der vermeintlich Vorverurteilenden/Rechtsgerichteten und das ist m.M.n. total daneben und ein gesellschaftliches Problem.

    P.S. Martensteins Text ist sicher sehr provozierend/populistisch geschrieben (und das Kottbuser Tor hier glaube ich eher ein Vehikel für die Veranschaulichung der Problematik), aber dies ist die Intention, die zumindest ich für mich daraus ziehe.

    Gefällt mir

  18. genova68 schreibt:

    Ich habe bewusst nicht Stellung bezogen zu dem kompletten Artikel von Martenstein. Es gibt ja mittlerweile Berichte über Mobbing deutscher Schüler, wenn sie in der Minderheit sind, Mobbing und Gewalt von Türken, Arabern etc. Das ist in den konkreten Fällen für die Betroffenen übel und das kann man auch diskutieren, inklusive vormoderner gesellschaftlicher Ansichten mancher Türken/Araber als da wären Patriarchat, tägliche Gewaltausübung, der Ehrbegriff, das ganze dämliche Mackertum mancher Leute, die man als Modernisierungsverlierer bezeichnet. Also eventuelle kulturelle Hintergründe. Aber genau das findet meiner Erfahrung nach am Kottbusser Tor nicht statt und dann sollte man das auch nicht schreiben. Nix Vehikel, es geht bei einem Journalisten um saubere Recherche. Das macht Martenstein nicht, generell selten, sondern er bedient bewusst rassistische Vorurteile, und zwar in einem gehobenen Segment, also intellektuelles Bürgertum oder sowas, Tagespiegel- und Zeitleser. Das stößt mir auf.

    Und im konkreten Martensteinschen Falle macht er genau das (also im Zusammenhang des kompletten Artikels), was du offenbar bestreitest: Deutsche dürfen da nicht hingehen, weil sie sonst von Türken aufs Maul kriegen. Und: Man darf das als Deutscher nicht sagen, sonst ist man Rassist. Also zum einen eine falsche Konstruktion und dann auch noch die erfundene doppelte Opferrolle der Deutschen: Aufs Maul kriegen und nicht darüber reden dürfen. Das würde ich schon rassistisch nennen.

    Im übrigen betreibt Martenstein keine soziologische und kulturelle und historische Ursachensuche, sondern diskriminiert ethnisch.

    Gefällt mir

  19. mablo schreibt:

    Ich kenne mich mit den Regeln des Journalismus nicht aus. Zumindest aber dürften dort die Ansprüche im Bereich des Kommentars oder Kolumne als Meinungsbeitrag andere sein als im Bereich eines „Investigativ“Artikels oder so….
    Letztlich gibt er (klar gekennzeichnet!) die Aussage seines Sohnes wieder, die nun als begründete oder unbegründete Angst interpretiert aber keinesfalls als Fakt gesehen werden kann. Dies wäre nur durch, sagen wir, eine Kriminalitätsstatistik oder so möglich. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Und Sich am Kotti umzusehen würde wohl kaum direkt eine Tracht Prügel nach sich ziehen, sondern höchstens ein paar weitere Einschätzungen von irgendwelchen Personen.
    Letztlich schildert er an diesem Beispiel die Hilflosigkeit seines Sohnes anders mit der Sache umzugehen, als diesen Ort einfach zu meiden und sich nicht öffentlich darüber zu beklagen. Was nach Martenstein wohl nicht die optimale, aber gängige Lösung ist.

    Zur generellen Färbung Martensteins schreiberischer Ergüss kann ich nix sagen, da ich es nicht regelmäßig verfolge, aber zu diesem Fall sage ich:
    Die Verquickung seiner Ohrfeigen mit der folgenden Aussage seines Sohnes suggeriert natürlich: „Hey, am Kotti kriegste als Deutscher auf die Fresse“. Der Teil übers Kotti macht dennoch nur etwa ein Fünftel der Kolumne aus. Er gibt seiner GesamtAussage halt mehr Relevanz durch das Einbinden weiterer (wenn auch subjektiver und „nur“ vom Sohn gemachten) „Erfahrungen/Empfindungen“.

    Also von mir aus ist das mit dem Kottbuser Tor Mist und auch schlecht konstruiert. Vielleicht aber genauso von seinem Sohn gesagt worden. Und wieso darf man das dann nicht schreiben? Genau, weil:

    „Man darf das als Deutscher nicht sagen, sonst ist man Rassist“

    Und dass man keine kulturelle und historische Ursachensuche betreibt, heißt nicht, dass man keine soziokulturelle Beobachtungen im Alltag macht und diese verarbeitet.

    P.S. Hat mich gefreut, dass du prompt geantwortet hast. Ich seh den Rassismus halt nicht. Entweder bin ich zu naiv oder nicht so paranoid ;)

    Gefällt mir

  20. genova68 schreibt:

    mablo,
    ein Meinungsartikel sollte auf vorhandenen Berichten aufbauen und diese Meinung klar darstellen und begründbar herleiten. Martenstein macht mit dem Kottibeispiel das Gegenteil, er diffamiert und lügt. Der Verweis auf seinen Sohn ist ein billiger Trick, um seinen Rassismus nicht selbst zuzugeben (oder: seine Vorurteile). Er könnte auch schreiben: „Meine Nachbarin behauptet, in ihrem Garten landen Ufos“. Also: Dass irgendwer irgendwas sagt, heißt noch lange nicht, dass man das so in eine Zeitung schreiben sollte.

    Und: Wenn der Gegenstand der Recherche sich 500 Meter von der eigenen Wohnung entfernt befindet, wäre es eine Selbstverständlichkeit, das zu überprüfen. Würde man in jedem anderen Fall auch erwarten, beispielsweise bei den Ufos der Nachbarin.

    Der Rassismus bei Martenstein ist doch klar: Kotti steht für Türken, Deutsche dürfen nicht hin, No-Go-Area. Das ist offenbar so gängig, dass es als Rassismus gar nicht mehr auffällt.

    Man darf als Deutscher also alles mögliche sagen, muss sich aber bei solche hahnebüchenen Aussagen wie der des Sohnes Kritik gefallen lassen.

    Diese erfundene Opferrolle der Deutschen kommt in letzter Zeit immer öfter zum Tragen, grauenhaft: Wir zahlen für die faulen Südeuropäer, dürfen im eigenen Land den Mund nicht mehr aufmachen und müssen uns von Türken verprügen lassen.

    Zusätzlich perfide wird Martensteins Geplapper, wenn man bedenkt, wie die Entwicklung am Kotti real aussieht: Dort steigen die Mieten extrem, weil plötzlich alle Welt da hin ziehen will, alteingessene Mieter müssen raus, es hat sich dort ein multinationaler Widerstand entwickelt, ein Hüttendorf, jeden Samstag eine kleine Demo und mehr. Es findet dort gerade eine massive Gentrifizierung und Türkenvertreibung statt, laut Martenstein isses aber eine No-Go-Area.

    Dieser ganze neue und gleichzeitig alte deutsche Wahnsinn: Ich werde dazu in kürze einen gewohnt hervorragenden Artikel am Beispiel des SZ-Redakteurs Gustav Seibt verfassen.

    Gefällt mir

  21. Klaus schreibt:

    Wie kann man den a,müsanten, ironischen, launigen Martenstein so missverstehen? Dummheit ist’s wohl nicht. Also Absicht?
    „mablo“ hat’s versucht nochmal zu erklären. Leider umsonst. Das Weltbild steht und wackelt nicht mal. Martenstein = Fleischhauer = sowas wie’n Nazi.
    Himmelhilf.

    Gefällt mir

  22. genova68 schreibt:

    Statt auf den Himmel zu hoffen müsstest du erkären, was dir an dem Artikel nicht passt.

    Gefällt mir

  23. Benn schreibt:

    „Es findet dort gerade eine massive Gentrifizierung und Türkenvertreibung statt, laut Martenstein isses aber eine No-Go-Area.“

    Das muss ja kein Widerspruch sein.

    Gefällt mir

  24. besucher schreibt:

    Wo wohnt Bushido eigentlich momentan?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s