Neues aus Österreich

Der Standard ist eine der größten Tageszeitungen Österreichs und von der politischen Ausrichtung am ehesten mit der Süddeutschen verlgeichbar. So sah die Titelseite des Standard am 13. September aus:

Die Titelseiten aller anderen österreichischen Zeitungen sahen an diesem Tag exakt genauso aus (abgesehen natürlich vom Zeitungskopf), also beispielsweise die Titelseiten der Presse, der Kronenzeitung und der regionalen Blätter. Leider habe ich kein Foto von den Verkaufsstellen an diesem Tag gemacht. Man kann sich aber das Erscheinungsbild der Zeitungsständer grob vorstellen.

Eine interessante Zeitungskultur, keine Frage. Wenn das vorbelastete Wort Gleichschaltung sinnvolle Anwendung in neuer Perspektive finden kann, dann wohl hier. Noch interessanter ist, dass sich dazu keinerlei öffentliche Diskussion finden lässt, auch nicht via google. Ganzseitige Werbungen auf dem Titel scheinen in diesem merkwürdigen Land mit der Form eines Wiener Schnitzels selbstverständlich zu sein. In Deutschland hat das vor Jahren einmal die Welt gemacht, seitdem meines Wissens nicht mehr.

Dazu eine Bevölkerung, die zu 30 Prozent die Quasi-Nazi-Partei FPÖ wählt. Und ein Land, in dem der wichtigste politische Blog sich darüber aufregt, dass die Verwendung des Begriffs „Neger“ problematisiert wird.

Österreich ist intellektuell offenbar komplett im Eimer. Ein Prosit der Gemütlichkeit.

(Foto: genova 2012)

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8 Antworten zu Neues aus Österreich

  1. #?!@"? schreibt:

    Das ist schon der Hammer, aber ich würde eher auf einen fortgeschrittenen Kapitalismus schließen. Dass sich Audi so anbietet, auf der Titelseite, ist schon sehr proletenhaft, um es nicht nuttig zu nennen, ha. Ich finde ja, Der Standard und Die Welt sind die perfekten Namen für ganzseitige Anzeigen auf dem Titelblatt.

    Mich würde interessieren ob sich so eine Aktion bei den Zeitungsverkäufen bemerkbar macht. Ich finde das ja eher abstoßend.

    Dass es keine öffentliche Debatte darüber gibt (ich hab auch mal kurz bei Google geschaut), muss bei den ganzen anderen Vorkommnissen nicht verwundern. Korruption und Vetternwirtschaft, da schockt so ein Titel wohl niemanden mehr wirklich.

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  2. Motherhead schreibt:

    Ich bin mit allem Gesagten völlig gleichgeschaltet, möchte indes anmerken, dass ein „Prosit der G’mütlichkeit“ ausschließlich in Bayer und explizit auf dem Münchner Oktoberfest gesungen wird. Da geht es allerdings alles andere als gemütlich zu, sondern herrscht im Gegenteil der nackerte Kampf um die besten Plätze und die geilsten Weiber (die genau diesen Kampf natürlich auch geil fimden, keine Frage). Wie im richtgen Läbn hoalt.

    Weitere Hintergrundinformationen unter http://motherhead.wordpress.com/2012/09/18/famous-last-words-2/

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  3. genova68 schreibt:

    Wenn es keine öffentlichen Diskussionen zu dem Thema gibt, wird es sich auch nicht bei den Zeitungsverkäufen bemerkbar machen, vermute ich. Ich denke, diese Aktion lief nicht das erste Mal.

    Fortgeschrittener Kapitalismus, ja, das widerspricht ja dem Gleichschaltungsanansatz nicht.

    Audi hatte ich allerdings gar nicht im Visier, es ist offenbar nicht geschäftsschädigend, also machen die das. Da geht es schon eher um das Selbstverständnis der Zeitungsredaktionen und -herausgeber. Darüber spricht die Aktion Bände.

    Ich vermute aber auch, dass die österreichischen Zeitungen noch viel klammer dastehen als die deutschen, einfach wegen der geringeren Zahl an Einwohnern. Der Standard hat eine Auflage von 73.000, die Süddeutsche 426.000.

    Ich lese auch gerade bei wikipedia, das es in Österreich eine „Österreichische Presseförderung“ gibt, die jährlich rund 14 Millionen Euro an Zeitungen zahlt zur Erhaltung der Vielfalt der Presselandschaft. Der Standard bekommt daraus jährlich 1,3 Millionen. Eigentlich nicht schlecht, aber dann ist die audi-Werbung doppelt peinlich.

    motherhead,
    zum Prosit, nur in Bayern, ja, exakt das dachte ich mir auch, aber mir fiel gerade nichts besseres ein und ich hoffte, dass es kein Leser merkt.

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  4. Motherhead schreibt:

    Entschuldigung ich muss immer alles sagen was ich denke ist eine krankheit weiß auch nicht wo die herkommt ojemineojemineh

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  5. #?!@"? schreibt:

    Ich vermute, dass eine Abstimmung schon am Kiosk stattfindet. Da alle anderen das auch so gemacht haben, würde mich interessieren ob das wohl für alle ein schwacher Tag war. Eigentlich eine schöne Art und Weise mal die Zeitungsmarken nebeneinander zu testen. Mir ging es nur um diese eine Ausgabe, nicht um längerfristige Auswirkungen. Die dürften eher gering sein. Der Konsument vergisst schnell, außer man ist ihm richtig ordentlich auf die Füße gestiegen, und angesichts der absenten Debatte, nicht anzunehmen.

    Audi macht das sicher weil sie denken das ist ein fettes Ding und die (Media)Agentur dazu geraten hat. Ich finde es schon geschäftsschädigend für eine solche Marke wenn sie einem so die Kommunikation um die Ohren haut. Wobei der A3 kein A8 ist etc. Nur kann man davon ausgehen, dass gerade der A8-Fahrer (in spe) Zeitungen liest. Wie auch immer.

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  6. #?!@"? schreibt:

    Oh, ich meinte natürlich A8-auf-dem-Rücksitz-Fahrer.

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  7. genova68 schreibt:

    Du findest die Audi-Werbung geschäftsschädigend, aber ich vermute mal, du bist auch keine typische Audi-Kundin. Wenn in Österreich sich offenbar außer mir niemand über diese Werbeaktion aufregt, dann ist das dort wohl eher nicht geschäftsschädigend.

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  8. #?!@"? schreibt:

    Ich bin kein typischer Audi-Kunde. Was ist schon typisch, schließlich leben wir in postmodernen Zeiten :) Dass Leute die sich im oberen Preissegment Autos kaufen, nicht unbedingt anfangen sich über sowas öffentlich aufzuregen, glaub ich aber wohl. Gerade weil die in ihrem kleinen Kapitalisten-Elfenbeinturm drinsitzen und sich um andere DInge kümmern und sich nicht weiter darum scheren was den Pöbel bewegt solang der die Füße stillhält. Da kommt es doch gerade recht wenn der sich so richtig ins Zeug legt damit er sich das neuste Fahrzeug auf Finanzierung kaufen kann. Das heißt aber nicht, dass diese Rumhurerei auf dem Titel nicht zur Kenntnis genommen wurde. Welche Flotte fahren denn eigentlich die Damen und Herren Staatsdiener in Österreich? Aber lassen wir das.

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