„Perspektivisch keine Chance mehr“

Ein weiteres kleines Beispiel für das totalitäre System namens Neoliberalismus, dem wir frönen. In Berlin will ein Investor namens Agromex am Spreeufer, knapp südlich von Kreuzberg, drei Hochhäuser mit rund 100 Metern Höhe bauen. Eigentumswohnungen und Büros. Der Uferweg bleibt erhalten, es entsteht ein neuer Park. Eigentlich kein Problem: Wer das Geld hat, soll sich eine Wohnung kaufen.

Interessant ist das, was die Berliner Zeitung dazu schreibt:

Dass die Neubauten den Kiez zu einer Top-Wohnadresse machen werden, steht indes fest. Noch gilt das Viertel laut Mietspiegel als einfache Wohnlage. Doch das wird nicht so bleiben, sagt auch Baustadtrat Rainer Hölmer: „Wer nicht zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter zahlen kann, wird hier perspektivisch keine Chance haben.“

Das Problem ist hier nicht der Investor. Das Problem ist, dass die Politik keine Handhabe hat bzw. haben will gegen die sozialen Folgen dieser Häuser. Drei neue Häuser und der ganze Kiez steigt mal eben von einfacher zu gehobener Wohnlage auf. Die, die dort wohnen, vielleicht schon ewig, haben Pech gehabt. Wobei dieser „Aufstieg“ ja nichts anderes ist als die Tatsache, dass das Kapital in Form von Hausbesitzern einfach die Mieten um 50 oder 100 Prozent oder mehr erhöht. Der Markt wird es hergeben.

Besonders bemerkenswert ist der Fatalismus des Baustadtrats von der SPD. Keine Chance haben, sagt er und kommt nicht auf die Idee, dass er der Büttel des Kapitals ist und mit seiner Perspektive wohl auch sein will. Politik wäre in diesem Fall dazu da, strikte Mietobergrenzen einzuführen, Mietsteigerungen nur als Inflationsausgleich, auch bei Neuvermietungen, soziale Kriterien, nach denen die Wohnungen vermietet werden müssen und mehr. Ein Sozialdemokrat im Jahr 2012 sieht für die unteren 50 oder 70 Prozent einfach „keine Chance mehr“. Natürlich wäre ein einzelner Baustadtrat damit überfordert und Mietrecht ist im Wesentlichen Bundesrecht. Aber die generelle Richtung müsste er fordern, wenn er noch irgendwas mit einer Sozialdemokratie zu tun haben wollte. Will von denen jedoch eh kaum noch einer.

Apropos Sozialdemokrat: Gerhard Schröder meldet sich die Tage mal wieder zu Wort, just als lupenreine Demokraten in Moskau drei Musikerinnen in ein Straflager stecken. Aber das ist eine andere Geschichte.

So geht Politik unterm Kapital, es wird offenbar nicht mal mehr versucht, die realen Abhängigkeiten zu verschleiern. Man sollte Herrn Hölmer dankbar sein.

Bei der Anwohnerinitivative gibt es weiter Informationen.

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11 Antworten zu „Perspektivisch keine Chance mehr“

  1. kimberra schreibt:

    Nach meinem Eindruck sind diese Probleme ziemlich vielschichtig. a) Ich finde das, was am Kotti passiert, die katastrophalere Katastrophe, weil dort (sicher im legalen Rahmen) die Mieten für Wohnungen erhöht werden, ohne die Wohnqualität zu erhöhen (die ja am Kotti entsetzlich niedrig ist: diese Häuser, der Straßenlärm), einfach nur, weil der Kiez ‚in‘ geworden ist. Das führt direkt zum Problem b), dass nämlich solche Mieterhöhungen in Berlin bedeuten, dass sich die Leute die Wohnungen nicht mehr leisten können. Berlin (und Deutschland) ist ja ein Niedriglohnland geworden. Eine Arbeit, die finanziellen Spielraum ermöglicht, stellt in vielen Fällen durch Beziehungen erreichbaren Luxus dar. Aber c) besonders das Spreeufer hat es den Leuten angetan: Partymeile vs. (zu errichtende) Edelwohngegend. Ich mag beides nicht besonders, vor allem aber löst die Zerstörung des idyllischen Kleinods Kreuzberg bei Linken und Alternativen Wut aus. Dabei ist Kreuzberg als Alternativeneldorado doch längst zerstört, der Wilde Wesen wurde durch das Gesetz abgelöst. Abgesehen davon, dass jene Alternativen diesen Bezirk überhaupt erst attraktiv gemacht haben, wundert mich oft, dass niemand auf die Suche nach neuen Kiezen geht, in die man sich einnisten kann.

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  2. genova68 schreibt:

    Ja, sehe ich alles genauso. Ich wollte auch die Kotti-Sache nicht relativieren, da könnte man auch mal was zu schreiben, stimmt. Wobei ich schon glaube, dass die „Suche“ nach neuen Kiezen im Gange ist. Manchmal werden einzelne Viertel in Lichtenberg genannt.

    Es geht aber auch gar nicht unbedingt um die Zerstörung alternativer Kleinode, sondern es geht schlicht um die steigenden Mieten. Wenn jemand, der mit alternativen Kleinoden und Party nichts am Hut hat, zu angemessenen Preisen wohnen will, dann sollte das auch möglich sein. Es geht letztlich um den Angriff aufs System, das muss man leider so klar sagen. Drunter wird nichts zu machen sein.

    Also wird vermutlich nichts zu machen sein.

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  3. Pingback: perspektivisch keine Chance mehr « Kritik und Kunst

  4. Jakobiner schreibt:

    „Aber die generelle Richtung müsste er fordern, wenn er noch irgendwas mit einer Sozialdemokratie zu tun haben wollte. Will von denen jedoch eh kaum noch einer.(….) So geht Politik unterm Kapital, es wird offenbar nicht mal mehr versucht, die realen Abhängigkeiten zu verschleiern. Man sollte Herrn Hölmer dankbar sein.“
    Nun ja, der Spruch „Wer hat uns verraten–Sozialdemokraten“ ist ja auch nicht so neu und weist auf die lange Geschichte der SPD als Kapitalexekutor und Kriegskreditbewilligungspartei hin.Vielsagend auch der Prototyp des neuen JuSos der Zukunft, der so ganz nach dem Geschmack der Schröders, Steinbrücks, Steinmeiers und des Seeheimer Kreises ist–als Lesetip: Die Karriere des ehemaligen Juso-Vorsitzenden Münchens zum Angestellten der Consilius AG–einer Consultingfirma, die sich mit dem Auschlachten von Staatsvermögen beschäftigt. ist da richtungsweisend:

    http://www.global-review.info/2012/07/22/der-prototyp-des-jusos-der-zukunft/

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    Jakobiner,
    ja, sicher, die Sozialdemokraten sind schon oft umgefallen (und der Artikel von dir behandelt ein wohl typisches Beispiel), aber ich bin doch in einer Zeit sozialisiert, wo die Sozis (und erst recht rotgrün) als Gegenentwurf gehandelt wurden und Brand gab es ja auch mal. Und darauf hinweisen, wie scheiße die SPD ist, sollte man immer wieder. Die sind ja gerade via Gabriel dabei, sich als linke Partei zu präsentieren, um Wähler zu bekommen. Da braucht es einen Strich durch die Rechnung.

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  7. balpheubank schreibt:

    Zitat: „…Politik wäre in diesem Fall dazu da, strikte Mietobergrenzen einzuführen, Mietsteigerungen nur als Inflationsausgleich, auch bei Neuvermietungen, soziale Kriterien, nach denen die Wohnungen vermietet werden müssen und mehr….“

    Liebe_r Artikelschreiber_In/Blogger_In, Sie sind ja wirklich ein richtiger Fiffikus_In. Keine schlechte Ideen, die Sie da haben. Ähnliche Verhaltensweisen kenn‘ ich indess aus meiner Kindheit. Lief das Spiel nicht so wie man wollte, so rief man einfach: „Stop, Stop, Stop“, sammelt alle Karten ein und verkündete, das jetzt aber dringend die Regeln(zu seinen Gunsten) geändert werden müssten, damit es wieder „fair“(sprich, damit man selbst gewinnt) zugehen konnte. Wie gesagt, ziemlich fiffig. Vergessen Sie aber bei der von Ihnen angesprochenen Problematik bitte nicht, dass die nun aktuell so eilig und forsch hochstürmenden Mietpreise in Berlin stattdessen im Zeitraum von 1993 bis ca. Anfang 2010 -also fast zwei Jahrzehnte lang- stagnierten und inflationsbereinigt sogar fielen/sanken. Hatten Sie sich daher damalig genauso angagiert für die (teilweise üblen)Finanznöte der Wohnraum_zur_Verfügung_stellenden_Vermieter eingesetzt? Nein. Stimmt’s?! Denn das war Ihnen mutmaßlich gänzlich wurscht. Na. Tzetze. Wie ellebogen-herzlos. Und bitte bedenken Sie auch, daß weder Berlin, noch die anderen großen, boomenden Metropolregionen(zB. Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, usw.) zusammengenommen Deutschland als Solches repräsentieren, denn in den allermeisten Landstrichen der Republik ist die Entwicklung der regionalen Immobilienmärkte nämlich alles andere als erfreulich. Denken Sie da nur an das Ruhrgebiet, an den Norden Deutschlands, an Ostdeutschland, an das Saarland, an das nordöstliche Hessen und an sonstige strukturell benachteiligte Gebiete. Da ist für so manchen Vermieter der Besitz seines Mehrfamilienhaus oder seiner Eigentumswohnung eher eine Qual und ein Geschäft, bei dem man zuschießen muss, als ein Quell eines angeblich leistungslos sprudelnden Reichtums. Doch tatsächlich!!!

    Artikelzitat: „…Sie werden beneidet und oft angefeindet: Für viele Menschen sind Vermieter gierige Spekulanten, die ihre Mieter aussaugen und hohe Profite einstreichen. Die Wahrheit sieht anders aus: Das zeigt eine Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin für die Bundestagsfraktion der Grünen erstellt hat. Danach werfen Mietwohnungen nicht nur weit geringere Renditen ab als Aktien, Anleihen oder Unternehmensbeteiligungen. 15 Prozent der Vermieter fahren mit ihren Immobilien sogar Verluste ein – mehr als bei jeder anderen Form der Kapitalanlage. Die der „Welt“ vorliegende Studie(Anmerk. Von dem gewerkschaftsnahen DIW erstellt) bestätigt eine frühere Untersuchung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung. Danach erzielten sogar 20 Prozent der Vermieter mit ihren Immobilien in den vorangegangenen fünf Jahren Verluste. Weitere 40 Prozent konnten mit den Mieten gerade ihre Kosten decken. Für Experten sind diese Ergebnisse nicht überraschend: „Von 1993 bis 2009 stiegen in den meisten Regionen weder die Mieten noch die Immobilienpreise“, sagt Andreas Schulten, Vorstand der Forschungsgesellschaft BulwienGesa. Hingegen verteuerten sich durch die Inflation die Aufwendungen der Eigentümer für Instandsetzung und Unterhaltung. Im Durchschnitt werfen vermietete Wohnungen und Mehrfamilienhäuser der DIW-Studie zufolge nur eine Rendite von 1,6 Prozent pro Jahr ab. Damit liegt der Ertrag unterhalb der von der Europäischen Zentralbank angepeilten Inflationsrate von 1,7 bis 1,9 Prozent…“

    Quelle: http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article12555863/Mietshaeuser-werfen-nur-schmale-Renditen-ab.html

    Warum schreibe ich Ihnen das alles? Warum zähle ich das alles langatmig auf? Na, ganz einfach: Um Ihnen zu zeigen, daß ein Investment in Wohnraum alles andere als eine Einbahnstraße ist. Immobilienpreise können steigen, sie können aber auch wieder fallen. Quadratmeterpreise für Mietwohnungen können steigen, sie können aber auch wieder fallen. Comme si. Comme ca. Voila!

    „Preise geh’n mal hoch und geh’n mal niedrig, genau wie die Falten am Arsch von alten König Friedrich.“, Orginalzitat: Manfred Krug

    Wenn Sie also schon einen neokommunistischen Immobiliensozialismus via Mietobergrenzen, gedeckelten Mietsteigerungen und „sozialen Kriterien“(Huihuihui) anstreben, dann sollten Sie aber auch gerecht sein und dieses dirigistische System für Mieter als auch für VERMIETER einführen wollen, sprich, dass Vermieter, die nicht das Glück haben ihr Haus/ETW in Berlin oder Hamburg, sondern stattdessen fatalerweise in Wanne-Eickel oder Chemnitz stehen_zu_haben, dass diese dann auch das gesetzliche Recht haben müssen, strickte Miet-UNTER-grenzen plus verbindliche Mietsteigerungen als Inflationsausgleich einzuführen, die dann vom Mieter auch zwangsweise gezahlt werden, plus natürlich auch diverser „soziale“ Maßnahmen vom Staat speziell für den Vermieter, also, wenn der Immobilieneigentümer eine Wohnung nicht belegt bekommt, dass ihm dann der Staat einen zahlenden Mieter zuweist und, -falls der sich gegen die unfreiwillige Umsiedlung mit Händen und Füßen sträubt- wiederum der Staat anschließend die Warmmietkosten für die leere Einheit übernehmen muss.

    Wäre doch okay, oder?! Wenn schon Vollkaskosicherheit für den Mieter, dann aber auch Vollkaskosicherheit für den VERmieter! Wie gesagt, wenn schon, denn schon. So sollte es idealerweise sein, find‘ ich. Und da wir grade so schön bei den protoplanwirtschaftlichen Methoden sind, warum dehnen wir dann, von den heimischen 4-Wänden ausgehend, nicht gleich auch noch das Spektrum an potentiellen Fürsorgeobjekten weiter auf die ausserhäuslichen Territorien aus? Warum also nicht ebenso Preisobergrenzen und Preissteigerungsgrenzen inclusive sozialer „Kriterien“ für den Erwerb von sonstigen Gütern und Dienstleistungen, also zum Beispiel für Dinge wie (immer teurer werdenden)elektrischen Strom, Fönfrisuren vom Hipp-Koffeur, CD-Playern, Duschgel, Kartoffelchips mit Pepperonigeschmack, Feinripp-Unterhosen, geruchsneutrales Katzenstreu, Waschmaschinenreparaturen, Ikea-Sofas, akkubetriebene Stichsägen und was es da sonst noch so gibt, einführen? Tja, und da wären wir dann schon recht bald wieder zurück zu den (un-)seligen Zeiten der kapitalismusbefreiten Ost-Zone namens DDR, und wie es in dem bankrotten Failed-State anno 1989, -nach 40zig Jahren totalitärer Sozial(kriterien)politik- aussah, das wissen Sie doch sicher auch, oder?!

    Hochachtungsvoll, Ihr
    Balph Eubank

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  8. genova68 schreibt:

    Eubank,
    was du schreibst, ist schon faktisch fast durch die Bank falsch. Die Mieten in Berlin sind von 1993 bis 2010 nicht real gefallen, wer erzählt Dir denn so ein Märchen? Die Mietsituation war in den begehrten Bezirken auch schon Mitte der Neunziger angespannt, es gab riesige Schlangen bei Maklerterminen. Die Mieten waren günstiger als heute, stimmt, aber hör bitte auf mit der Mär, die Vermieter würden draufzahlen. Wenn ein Vermieter draufzahlt, ist er unfähig. Wer als Spekulationsobjekt ein Haus kauft, das Mängel hat oder in der falschen Gegend liegt, ist selbst schuld. Und wenn er eins erbt und vermietet und die Kosten kommen nicht rein, dann soll er es verkaufen. So einfach ist das? Einen Hausbesitzer bemitleiden, weil er vielleicht doch nicht ganz mit 100 Prozent faulenzen seinen Lebensunterhalt finanziert?

    Wer meint, mit Wohnungen für die Masse Spekulationsgewinne erzielen zu müssen, also andere für sich arbeiten zu lassen, der kann sich gerne den Arsch verbrennen. Mein Mitleid kriegt der nicht.

    Die „Finanznöte der Vermieter“, ich lach mich schlapp. Ich schätze, du bist so ein Exemplar, das sich verschätzt hat und jetzt die bösen Linken dafür verantwortlich macht.

    Mietshäuser werfen nicht einfach nur schmale Renditen ab, das ist das übliche neoliberale Geplapper. Seit Jahren sind die Medien voll von gegensätzlichen Berichten, von Blasen, von Spekulation. Das interessiert jemanden wie dich nicht. Was soll ich dazu noch sagen?

    Durchschnittswerte interessieren hier eh nicht bzw. ihr Einsatz zeigt nur das Interesse, Entwicklungen zu verschleiern. Sicher steigen die Mieten in Eisenhüttenstadt und Schwedt nicht überdurchschnittlich, aber was soll uns das sagen? Dass sie deshalb in Kreuzberg unbezahlbar werden dürfen?

    Und wer ein Haus in Wanne-Eickel hat und damit keine Kohle macht: So what? Wieso sollte mich das interessieren? Gibt es ein gottgegebenes Recht, durch Nichtstun Geld zu verdienen? Für dich, Eubank, offenbar schon, nur hast du das Pecht, ein Haus in Wanne-Eickel zu haben, dabei hättest du gerne eins in Kreuzberg.

    Es ist das alte Begier, durch Abhängen reich zu werden. Aktien, Immobilien, Ausbeutung jeder Art. Menschlich verständlich. Aber dann bitte nicht anfangen zu heulen, wenn es mal nicht so läuft.

    Der Rest deines Beitrags ist mir zu Stammtisch. Ich habe es mir vor längerer Zeit abgewöhnt, auf solch einem Niveau zu diskutieren, zu zeitaufwändig.

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  9. balpheubank schreibt:

    @genova68

    „Die Mieten in Berlin sind von 1993 bis 2010 nicht real gefallen, wer erzählt Dir denn so ein Märchen?“

    Mmmmh. Naja, zum Beispiel die linksliberale Berliner Zeitung „Der Tagespiegel“, in der es zig Artikel darüber gibt, dass die Mieten in der Hauptstadt exakt in jener Zeitperiode(1993 bis 2010) effektiv gefallen sind?! Alles Stammtischjournalismus? Ernsthaft?!

    Quelle: http://www.tagesspiegel.de

    „Die Mietsituation war in den begehrten Bezirken auch schon Mitte der Neunziger angespannt, es gab riesige Schlangen bei Maklerterminen.“

    Ja, dass glaub‘ ich Ihnen sofort. Das hat aber nichts mit der „Gier“ der Vermieter zu tun, sondern das sind schlicht und einfach die Gesetze des Markets, die da wirken. Die Nachfrage nach Wohnungen ist in den Trentbezirken größer als das Angebot an Wohnungen. Da steigen dann natürlich logischerweise auch die Mieten, weil aufgrund der hohen Nachfrage ein Interessent immer bereit ist einen höheren qm²-Preis zu zahlen, als ein anderer Bewerber das maximal möchte. That’s life. Wenn die Nachfrage geringer wäre als das Angebot und die Vermieter einer nach dem anderm dieMietpreise senken würden, so würden Sie doch auch nicht aus reiner Menschenfreundlchkeit und christlicher Nächstenliebe ausgerechnet die Wohnung nehmen, die die teuerste unter den vergleichbaren Angeboten ist. Nein, da versuchen Sie als Mieter_In doch auch das Beste aus dem für Sie günstigen Marktgeschehen für sich Selbst herauszuholen, oder?! Warum akzeptieren Sie das dann nicht auch für den Vermieter? Wir sind doch alle nur Menschen und denken zufördest an uns selbst. Und das gilt auch genauso für Sie als auch für mich.

    „Einen Hausbesitzer bemitleiden, weil er vielleicht doch nicht ganz mit 100 Prozent faulenzen seinen Lebensunterhalt finanziert?…Es ist das alte Begier, durch Abhängen reich zu werden. “

    Naja, ich muss schon sagen, Sie haben aber wirklich ganz schlimme Vorurteile und Ressentiments gegenüber Vermietern. Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Hausbesitzer alle nichtsnutzige Faulpelze sind? Würden Sie solche pauschalen Aussagen denn auch bezüglich zB. Hartz4-Empfängern akzeptieren? Doch wohl sicher nicht. Da würden Sie garantiert mit großer Bestimmheit mehr Differenziertheit fordern und gar von schlimmer „Hetze“ sprechen, oder?!

    Wie kommt man eigentlich zu einer Immobilie? Na, meistens doch so, dass man von seinem erarbeiteten Geld ein Teil nicht seiner unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung zuführt, sondern es stattdessen anspart, um sich davon ein Haus oder eine ETW zu kaufen. Allermeist muss man dazu auch noch Kredite aufnehmen. Wenn man dann so einen Immobilie nicht selbst nutzt, sondern vermietet, um einen Ertrag für sein investiertes Geld zu erhalten(das man ansonsten ja auch auf’s Sparbuch hätte legen können) oder um seinen Hypothekenkredit zurückzahlen zu können, so tut man damit doch eigentlich für die Gesellschaft nur gutes, denn in anderen Ländern wie zB. Spanien, Griechenland, Irland, Schweden, Großbritanien, USA, usw. haben sie es im Vergleich zu Deutschland sehr schwer eine Mietwohnung zu finden, weil dort die Eigentumsquote so hoch ist, dass man nur an adäquaten Wohnraum rankommt, wenn man welchen ziemlich teuer käuflich erwirbt. Wäre Ihnen das dann als Alternative lieber?

    „Mein Mitleid kriegt der nicht.“

    Huihuihui. Klingt aber ziemlich gnadenlos. Einerseits schimpfen Sie auf die hartherzigen neoliberalen Kapitalisten, anderseits sind Sie selbst aber auch nicht bereit Empathie für andere Menschen aufzubringen. Ziemlich inkonsequent. Ein sozialere, bessere Gesellschaft, bzw. Welt schaffen Sie SO! jedenfalls nicht.

    „Mietshäuser werfen nicht einfach nur schmale Renditen ab, das ist das übliche neoliberale Geplapper. “

    „Neoliberales Geplapper“? Wirklich? Liebe_r Genova, wollen Sie damit behaupten, dass die Grünen, die diese von mir zuvor zitierte Studie in Auftrag gegeben hatten, um mit ihrer Hilfe Argumente in die Hand zu bekommen, um von Immobilienbesitzern eine Vermögenssteuer fordern zu können, wollen Sie etwa ernsthaft behaupten, dass diese Öko-Partei „neoliberal“ ist? Die Grünen? Ich mein, die G-R-Ü-N-E-N? Echt??? Oder dass das gewerkschaftsnahe DIW, die diese Studie ausgearbeitet hatte, dass also dieses linke Forschungsinstitut „neoliberal“ ist? Also wirklich! Das ist aber nun tatsächlich sehr weit hergeholt, find‘ ich.

    Quelle: http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article12555863/Mietshaeuser-werfen-nur-schmale-Renditen-ab.html

    „Gibt es ein gottgegebenes Recht, durch Nichtstun Geld zu verdienen?“

    Nanana. Was wollen Sie denn damit ausagen? Wollen Sie damit etwa subtil Harz4-Empfänger diskreditieren? Ich muss doch schon sehr bitten. ;o)))

    „Für dich, Eubank, offenbar schon, nur hast du das Pech, ein Haus in Wanne-Eickel zu haben, “

    Trösten Sie sich. Ich besitze gottseidank kein Haus in Wanne-Eickel. Allerdings auch keins in Kreuzberg. Leider leider.

    „Der Rest deines Beitrags ist mir zu Stammtisch. Ich habe es mir vor längerer Zeit abgewöhnt, auf solch einem Niveau zu diskutieren, zu zeitaufwändig.“

    „Stammtisch?“ Naja, also gerade Stammtischparolen müssten doch besonders leicht argumentativ zu entkräften sein, da sie ja angeblich auf platten, dumpfen Vereinfachungen beruhen. Wäre also für Sie doch kein großer Zeitaufand. Aber okay. Sie wollen nicht. Akzeptiert. Generell frage ich mich aber, wie Sie die Wohnungsproblematik in Kreuzberg und Co. denn überhaupt nach Ihren Vorstellungen lösen wollen? Gut. Sie wollen staatsdirigistisch in den Markt eingreifen, nur bringen solche Maßnahmen höchstens einen Linderung der Situation für die ALTmieter. Den NEUmietern indess, denen wird mit Mietpreisobergrenzen, mit Mietpreissteigerungsgrenzen und den von Ihnen angedachten „sozialen Kriterien“ in keinster Weise geholfen, da alle diese „Schutzschirme“ alles bewirken, nur nicht, dass Menschen dazu motiviert werden zusätzlichen Wohnraum in denen durch Staatsprotektionismus geschützen Berliner Innenstadtbezirken zu schaffen. Generell ist der Geschosswohnungsbau ja jetzt schon so extrem unattraktiv, so daß in ganz Deutschland schon seit langem praktisch keine privatwirtschaftlichen Mietshäuser mehr gebaut werden. Und wenn gebaut wird, dann sind das nur noch Eigentumswohnungsanlagen im höheren Preisegment, weil es sich halt nur noch da rechnet. Und Sie wollen das Ganze durch zusätziche Restriktionen noch unleidlicher und noch schwieriger machen?

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  10. genova68 schreibt:

    Deine Quellenangabe ist ein Witz, genauer gesagt: keine. Ich halte deine These so lange für falsch, bis du in der Lage bist, das Gegenteil zu belegen.

    „das sind schlicht und einfach die Gesetze des Markets, die da wirken. Die Nachfrage nach Wohnungen ist in den Trentbezirken größer als das Angebot an Wohnungen. Da steigen dann natürlich logischerweise auch die Mieten, weil aufgrund der hohen Nachfrage ein Interessent immer bereit ist einen höheren qm²-Preis zu zahlen, als ein anderer Bewerber das maximal möchte. That’s life. “

    Ja, exakt. Aber genau das gälte es zu hinterfragen. Es werden hier in Kreuzberg und Neukölln täglich Familien deportiert, die dummerweise seit Jahrzehnten in den Trendbezirken wohnen, die können die Miete nicht mehr zahlen und müssen jetzt an den Stadtrand, Kinder in neue Schulen, problematisches Umfeld, Ghettoisierung etc.

    Tja, thats life, logischerweise. Es passt auch zu dem, was du im weiteren schreibst. Du erzählst etwas von persönlichen Perspektiven der Vermieter. JA, aber um die geht es gar nicht. Vermieter sind Kapitalisten, die sich das rausholen, was ihnen das System zusteht. Es geht nicht um persönliche Schuld, das interpretierst du nur in mich hinein, weil du irgendwelche Feindbilder im Kopf hast, die aber nichts mit der Realität zu tun haben.

    Ich würde dir empfehlen, in diesem Blog die Artikel zum Thema Mieten in Berlin zu lesen, es sind sicher 20 oder 30 mittlerweile. Falls du dann noch Fragen hast, melde dich einfach, ich helfe gerne.

    Ein paar Tipps:

    https://exportabel.wordpress.com/2012/08/25/mietverdoppelung-weil-wir-keine-sprache-haben/

    https://exportabel.wordpress.com/2012/06/29/zur-attraktivitat-der-luge-im-kapitalismus/

    https://exportabel.wordpress.com/2012/03/05/berlin-vertreibung-unterm-diktat-des-kapitals/

    Zum Rest noch kurz: Geld arbeitet nicht, sondern es arbeiten ganz konkret Menschen. Wenn du ein Haus vermietest und erwartest, dass das Rendite abwirft, dann willst du, das andere Menschen, also die Mieter, für dich arbeiten, während du nicht arbeiten musst. Das ist typisch kapitalistisches Schmarotzertum. Wenn du für das Haus einen Kredit aufnimmst, dann arbeiten die Mieter halt für die Bank, die dafür nicht arbeitet. Es geht ja nicht darum, dass die Mieter einfach nur die Kosten für ihr Wohnen bezahlen. Das ist selbstverständich. Es geht darum, dass für den Vermieter etwas abspringen soll. Das ist der Mehrwert, den die zusätzlich erarbeiten müssen, die drin wohnen, damut der Vermieter abhängen kann.

    Ich empfehle dir den Gentrification-Blog zur regelmäßigen Lektüre. Da wird dir klar werden, wie man Wohnungsversorgung anders regeln kann und vor allem, wie wenig der deutsche Wohnungsmarkt mit einem freien Markt zu tun hat. In Berlin geht es im wesentlichen um Steuervergünstigungen für Reiche, wenn die hier investieren. Wohnungen in bezahlbaren Bereichen entstehen hier fast überhaupt keine.

    Darüberhinaus könnte man sich die 1920er Jahre anschauen, die in vielem innovativer waren als heute. Es entstand der massenhafte Genossenschaftsbau, für den sich der Staat verantwortlich fühlte. Wohnungsbau in einer heute unvorstellbaren Zahl. Dazu attraktiv, modern, nach vorne gedacht. Da müssen nicht Menschen motiviert werden, Wohnungen zu bauen, sondern es werden Anschubhilfen via genossenschaftlicher Modelle gegeben. Der Knackpunkt ist immer: Warum muss irgendwer dauerhaft einen Mehrwert bekommen, wenn es um das absolut notwendige Grundrecht auf Wohnen geht?

    Es gibt in Salzburg ganz neu sozialen Wohnungsbau für 4,76 Euro nettokalt, durchfinanziert auf Basis aktuell günstiger Zinsen (was in den aktuellen Diskussionen viel zu wenig reflektiert wird). In Deutschland heißt es, dass man unter zehn Euro nicht bauen könnte. Es gibt in Berlin haufenweise gute Architekten, die in dieser Richtung etwas machen würden, wenn man sie ließe. Voraussetzung wären günstige Bodenpreise, keine sogenannten Marktpreise, denn dann kommen immer irgendwelche Investoren und bauen Luxuswohnungen.

    Du siehst, die Problematik ist nicht zu durchdringen, wenn man die üblichen Phrasen glaubt. Aber auch das ist typisch und passt zu dem aktuellen Artikel hier im Blog über Seesslen: Einer wie du betrachtet sich vermutlich als gut informiert aus freien Medien und ist in Wirklichkeit nur neoliberal verkleistert. Aber es stimmt, du scheinst dich immerhin für das andere zu interessieren, das spricht für dich.

    Ich vermute mal, dass du einer von denen bist, die ein Häuschen vermieten und dabei wirklich eine Menge Arbeit haben, ihr Haus pflegen, Rechnungen bezahlen müssen und wenig dabei hängenbleibt. Wenn das so ist, dann solltest du dich nicht von dieser Kritik angesprochen fühlen, es geht in Berlin um völlig andere Dimensionen. Das wäre so, als wenn sich ein Kadettfahrer mit einem S-Klasse-Fahrer gemein macht, nur weil beide Karren vier Räder haben.

    Aber auch zur Erkenntnis dessen braucht man natürlich das richtige Bewusstsein.

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  11. Nina schreibt:

    Ihr Berliner habt es noch gut. Schaut Euch mal die Preise in Frankfurt am Main an!

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