Mit welcher Duden-Ausgabe arbeitet der Journalist Andreas Unterberger?

Ein kurzer Ausflug in unser komisches Nachbarland namens Österreich. Ein Land der Extreme und deshalb interessant. Zum einen gab und gibt es dort viele ganz wunderbare Schriftsteller, Musiker, schöne Berge, guten Kaffee, tolle Torten. Zum anderen die Kronenzeitung, Volksmusik, Jörg Haider, HC Strache und Andreas Unterberger.

Es geht im Folgenden um letzteren und auch nur um ein Detail. Unterberger war früher ein wichtiger Journalist in Österreich: zwischen 1973 und 2004 Redakteur bei der Presse, einer großen konservativen Tageszeitung aus Wien, vielleicht mit der FAZ vergleichbar. Von 1995 an saß Unterberger dort sogar auf dem Sessel des Chefredakteurs. Er hat es also weit gebracht.

Was macht Unterberger jetzt? Er schreibt einen Blog, den ich schlicht als in weiten Teilen rechtsradikal bezeichnen würde. Ein kleines aktuelles Beispiel:

Es ist unfassbar, wie rasch die Diktatur der Politischen Korrektheit voranschreitet. Jetzt hat der sogenannte Presserat eine Zeitung verurteilt, weil sie den Ausdruck „Neger“ verwendet hat. Das also kommt heraus, wenn Gewerkschafter und Herausgeber sich zu Hütern der Pressefreiheit aufschwingen […] Ein solcher Presserat und seine Ehrbegriffe sind in jeder Hinsicht neger. Dieses „neger“ wird von meinem Duden übrigens als umgangssprachlich gebrandmarkt, der „Neger“ als „Angehöriger der Rasse der Negriden“ hingegen keineswegs. Aber unsere linken Journalisten sind ja dem Duden allemal weit voraus an Korrektheit, freilich nur Politischer.

Fragt sich nur, welche Duden-Ausgabe Herr Unterberger benutzt. Meine, die 24. Auflage von 2006, erwähnt das „diskriminierende“ Moment des Begriffs. Dazu kommt Unterbergers Formulierung von der „Rasse der Negriden“.

Wie viele Duden-Ausgaben muss man zurückgehen, bis man solche Einschätzungen und Formulierungen findet? Bis in die 1950er? Oder doch eher vor 1945? Was sagt man zu jemandem, der als einer der (ehemals) wichtigsten Journalisten Österreichs offenbar mit einem Duden aus der Nazizeit (bzw. massiv davon beeinflusst) arbeitet und argumentiert? Und welches Gedankengut muss man pflegen, wenn man bei der Rüge des Presserates aufgrund der Verwendung von „Neger“ im Jahr 2012 über die „Diktatur der politischen Korrektheit“ lamentiert? Und wieso ist so jemand einer der erfolgreichsten Blogger dieses sympathischen Landes, das mir schon auf den großen Landkarten in der Schule als überdimensioniertes Wiener Schnitzel auffiel?

Besonders pikant: Unterberger war laut wikipedia zwischen 1989 und 1998 Lehrbeauftragter im Fachbereich Politikwissenschaft an der Uni Wien und hielt unter anderem „Seminare und Vorlesungen“ ab zu den Themen „Minderheitenschutz“ sowie „Minderheiten- und Selbstbestimmungsfragen“. Wahrscheinlich hatte er vor allem die arme österreichische Minderheit in Europa vor Augen.

Ein recht typischer Kommentar aus dem Unterbergschen Blogartikel:

weil man nicht Neger sagen darf, sagen viele eben Bimbo

Ja, so ist das wohl in Österreich. Drangsaliert und geschunden von den politisch Korrekten. Ich erinnere mich an einen Skiurlaub vor ein paar Jahren, in dem ich die Kronenzeitung las und wirklich den Eindruch hatte, dass die Bild dagegen ein linkes Intellektuellenblatt ist. Die Kronenzeitung erreicht täglich 2,7 Millionen von 8,4 Millionen Österreichern.

Werben tut auf dem Unterberger-Blog übrigens das neoliberale Hayek-Institut. Die beschäftigen sich ja auch mit Sprache.

Update 1.8.12: Die Zeitung, die der österreichische Presserat gerügt hat, heißt „Zur Zeit“ und wird herausgegeben vom FPÖ-Politiker Andreas Mölzer.

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30 Antworten zu Mit welcher Duden-Ausgabe arbeitet der Journalist Andreas Unterberger?

  1. Yunus schreibt:

    Heißt Ernst Neger jetzt eigentlich Ernst Bimbo?
    Da müsste man den Grabstein noch ändern, oder?

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  2. Yunus schreibt:
  3. hANNES wURST schreibt:

    @Yunus: hähä,hähähähä

    Man sollte bei den Ösis ein bisschen nachsichtig sein, das sind nicht einfach Deutsche mit starkem Dialekt, sondern eine ganz eigene Subspezies (eventuell sogar das „missing link“ zwischen Homo erectus und Homo sapiens).

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  4. Yunus schreibt:

    Vielleicht sollte ich mal wieder wenn ich in Wien bin einen Mohr im Hemd bestellen.
    Wie sagt man jetzt eigentlich? Schwarzer oder? Man sagt ja auch Weiße.

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  5. genova68 schreibt:

    Yunus, wenn du dich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen willst und nicht nur billige Möchtegernwitze reißen, lies das hier:

    http://www.deutschlandschwarzweiss.de/

    Man lernt einiges.

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  6. Yunus schreibt:

    Mach ich mal wenn ich meine masochistische Phase habe und mir eine Domina (Noah Sow) wünsche die mich in meiner Unwürdigkeit auf den richtigen Weg bringt.

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  7. genova68 schreibt:

    Willst du nicht künftig bei dem Unterberger kommentieren? Da scheinst du gut hinzupassen.

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  8. Yunus schreibt:

    Warum sollte ich? Hast Du mir gegenüber Vorurteile?

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  9. genova68 schreibt:

    Nein, Urteile. Du reproduziert hier den Scheiß von Unterberger und meinst dann, die offensichtlich nötige Aufklärung ablehnen zu müssen mit dem Hinweis, das sei masochistisch.

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  10. Yunus schreibt:

    Habe ich mich irgendwo mit den Ansichten Unterbergers gemein gemacht?
    Wohl kaum. Ich habe nur durch einen Witz auf Begriffsproblematik hingewiesen.
    Aufklärung nehme ich gern an, bilde mir aber selbst erstmal ein Urteil von wem ich mich aufklären lasse. Polemikerinnen die ohne Studien arbeiten und nur für sich selbst sprechen sind dafür wenig hilfreich.

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  11. genova68 schreibt:

    Wieder eine Falschbehauptung über Sow. Ich kenne die nicht persönlich und die mag auch nervige Positionen vertreten. Das Buch ist aber aufschlussreich, gerade für Leute wie dich, die mal flott einen Neger-Bimbo-„Witz“ reißen, in dem Kontext. Alleine dein besserwisserisches Abwehrverhalten gegenüber dem Lesetipp spricht Bände. Du nimmst Aufklärung eben NICHT gerne an und ein Urteil bilden kannst du dir mit diesen Voraussetzungen schon gar nicht.

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  12. Yunus schreibt:

    Ach was? Dann würde ich mal die Zwei-Punkte-Rezession bei Amazon über das Buch lesen.

    Sow geht schon in der Eingangsfrage ihres sogenannten Tests falsch an die Sache heran. Wenn sie sich darüber aufregt über die Frage woher sie wirklich kommt dann hätte sie nicht sagen sollen: Ich heiße Noah Sow. Ist nun mal kein deutscher Name. Wenn ich ne blonde Frau vor mir sitzen habe die akzentfrei deutschspricht und Colleen Foster heißt werde ich sie auch fragen wo sie oder ihre Familie herkommen.

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  13. genova68 schreibt:

    Auch interessant: Ich habe das Buch gelesen, du nicht, aber du erzählst mir jetzt, was in dem Buch falsch läuft, und zwar aufgrund einer Amazon-Rezension. So laufen Herrschaftsdiskurse. Lies das Buch, wenn du darüber diskutieren willst, oder lass es bleiben.

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  14. Yunus schreibt:

    Ich habe in dem Buch gelesen (online), auch auf dem Link den Du hier reingestellt hast und Interviews mit der Dame.
    Da kann ich mir dann schon ein Urteil bilden ob sie verschiedene Ebenen vermengt oder nicht?

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  15. genova68 schreibt:

    Es ist doch ganz einfach: Die ist schwarz, in Deutschland geboren und berichtet von ihren Erfahrungen damit. Und du willst in dem Buch gelesen haben, das es online gar nicht gibt, hast dich vielleicht oberflächlich damit auseinandergesetzt, kannst sie aber sofort darüber belehren, was sie falsch macht. Das ist einer der Punkte, die sie in dem Buch anspricht, diese weiße Dauerbelehrung, diese dominante Perspektive, und zwar seit Jahrhunderten. Du bist in dem, was du hier schreibst, das beste Beispiel dafür, dass solche Bücher nötig sind. Du kannst jetzt natürlich von deinem Ross nicht mehr runter, aber genau das wäre nötig. Einmal die Klappe halten und lesen.

    Ich habe mir das vor einer Weile bewusst gemacht und merke seitdem ziemlich oft, dass weiße, bürgerliche, abgesicherte, dominierende Männer einem die Welt erklären, natürlich nur aus ihrer Perspektive und andere Perspektiven dabei abwertend, das gehört zu ihrem Selbstverständnis, man hat es ja zu etwas gebracht, man ist erfolgreich und deshalb hat man eben recht, ständig ihre Sichtweise raushauen, ohne jede Reflektion darauf, ob sie überhaupt Bescheid wissen. Das lief früher auch über die Schiene „Der Wessi erklärt dem Ossi, wie die DDR war“, das habe ich verwandschaftsbedingt tausendfach mitgekriegt. Und der Wessi checkt überhaupt nicht, dass er ständig über seine Grenzen hinaus argumentiert.

    Du bist hier gerade der Wessi, das ist das einzige, was ich sagen will.

    Und die Diskussion hier verläut doch ganz typisch. Ich bringe einen Artikel, der sich mit dem rassistischen Gebrauch von „Neger“ in einem rechsradikalen Blog beschäftigt, du reproduzierst die Begriffe in einem meiner Meinung nach geschmacklosen Witz, dazu bringst du noch den „Mohr“ rein, alles natürlich nur lustig, dann behauptest du, man müsse masochistisch sein, wenn man Sow LESEN soll, dann kommst du nach meiner Kritik plötzlich auf die rationale Tour und erklärst ihr, was sie in dem Buch falsch gemacht hat. Als nächstes wirst du dich darüber beschweren, dass ich dich unterdrücke, weil ich dich in die rechte Ecke schiebe.

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  16. Yunus schreibt:

    „Als nächstes wirst du dich darüber beschweren, dass ich dich unterdrücke, weil ich dich in die rechte Ecke schiebe.“

    Aber das hast Du doch schon ;-)

    12:16
    „Willst du nicht künftig bei dem Unterberger kommentieren? Da scheinst du gut hinzupassen.“

    Es kommt eben auf die Wahrnehmung und individuelle Beurteilung an. Sow und Du können ja behaupten dass ich aufgrund der Witze die ich gemacht habe Vorurteile gegen Schwarze hätte. Andere Schwarze würden mir da wahrscheinlich widersprechen. „Mohr im Hemd“ ist eine Bezeichnung die sich von ihrem ursprünglichen Kontext gelöst hat.

    Ich bin hier überhaupt nicht der Wessi weil ich meine Meinung nicht als exklusiv hier in die Welt setze. Hab ruhig Deine Meinung zu dem Thema.

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  17. genova68 schreibt:

    Was sich vom ursprünglichen Kontext gelöst hat und was nicht, kannst du nicht einfach bestimmen. Das ist ja genau das Ding, dich interessiert es nicht, was Betroffene dazu sagen. Du hast natürlich offiziell keine Vorurteile gegen Schwarze, aber nur, solange sie das Maul halten und deine Meinung vertreten. Schreibt eine ein Buch zum Thema Rassismus und ihre Erfahrungen damit, ist es damit aus. Und zur Zwei-Punkte-Rezension:

    http://www.amazon.de/Deutschland-Schwarz-Weiss-allt%C3%A4gliche-Rassismus/dp/3442155754/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1343736804&sr=1-1

    Es gibt dort zehn Rezensionen, eine davon hat zwei Sterne, eine vier und acht haben fünf Sterne. Du erwähnst einzig die schlechteste. Warum wohl?

    Du müsstest, wie gesagt, erstmal lernen, Leuten, die von sich reden, zuzuhören. Stattdessen liest du das Buch nicht und faselst was von einer Zwei-Sterne-Rezension.

    „Hab ruhig deine Meinung zum Thema“. Ja, sehr freundlich, vielen Dank, das ist ja wieder so ein typisches pseudoliberales Verhalten. Man ist ja generös und liberal.

    Das Video ist krass, ja, wundert mich aber nicht. Ich habe dieses Jahr bei der EM des öfteren den Waldi-Club gesehen und Markus Lanz. Was dort an unterschwelligem Nationalismus, zwangsläufig gepaart mit Idiotentum lief, ist unterirdisch. Das läuft übrigens immer notwendig hinter einer total liberalen Maske. Wir sind ja nicht mir 1933.

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  18. Yunus schreibt:

    Die urteilst schon wieder falsch in der Hinsicht dass ich ihr den Mund verbieten will.
    Ich habe nur etwas gegen Oberlehrertum was ich für typisch deutsch halte (insofern ist diese Frau wohl so deutsch wie sie es dann wohl eher nicht sein sollte ;-) )

    „Ich hab mich dabei immer gefragt, warum sie die Leserschaft so anspricht und meint, dass alle, die ihr Buch kaufen und/ oder lesen automatisch Abwehrreflexe entwickeln und „dagegenhalten“ wollen. Sie wirft so praktisch alle in einen Topf, in den der Uneinsichtigen, die nciht begreifen wollen, dass Rassismus mehr ist als Gewalt gegen Ausländer. Ich für meinen Teil hab das Buch gekauft und gelesen, weil ich etwas lernen und an mir ändern will und habe keinen der von Sow geschilderten Abwehrmechanismen entwickelt. Und irgendwie glaube ich nciht, dass ich in der Hinsicht einzigartig bin. Das ist auch gar keine Kritik am Inhalt, sondern nur am Stil, mir ist schleierhaft, warum Sow sich anmaßt, ihre Leserschaft so komplett für renitent und unbelehrbar darzustellen. Mich persönlich hat das genervt.
    Fazit: Sow hat ein wichtiges Buch geschrieben, dass sich jeder gut durchlesen sollte. Denn nur wenn sich jeder Einzelne Gedanken über sich selbst macht und sich ändert, sind auch Veränderungen im Großen möglich.“

    Das war jetzt aus der hilfreichsten positiven Rezension.

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  19. uhupardo schreibt:

    Ich will zu dem „Neger“-Thema gar nicht Stellung beziehen, weil es selbsterklärend ist. Espasst aber zu den gesammelten Erfahrungen meiner Österreich-Besuche in den vergangenen Jahren. Ich habe es zunhemend als erschreckend empfunden, wie viel Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Austria längst schleichend gesellschaftsfähig geworden sind und keinerlei Widerspruch mehr provozieren. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch immer weiter verschobene kleine Tabubrüche offensichtlich akkumuliert.

    Die Kronenzeitung, das (vor der Bild-Zeitung) schlimmste Blatt Europas, hat einen erheblichen Anteil daran. Wenn eine Gesellschaft erst einmal so weit ist wie Österreich jetzt, kann leider alles passieren.

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  20. genova68 schreibt:

    Ja, Sow hat also ein Buch geschrieben, das sich jeder gut durchlesen sollte. Trotz der Kritik daran.

    Was sage ich die ganze Zeit? Vielleicht nimmst du einfach mal zur Kenntnis, dass du das Buch nicht kennst. Dich stört irgendwas an Noah Sow, ist ja in Ordnung, ich fand ihr Auftreten in der Lampendiskussion teilweise auch strange, aber zu den Hintergründen ist das Buch hilfreich. Und, wie oben gesagt, dein Humor in Sachen Mohr und Neger lässt die Vermutung zu, dass dir das Buch besonders guttun würde.

    So, von mir aus ist zu dem Thema alles gesagt.

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  21. besucher schreibt:

    Dann tun mir alle Bücher gut von Leuten die sich aufgrund irgendwelcher Witze diskriminiert fühlen. Ob das nun Juden, Schwule, Deutsche, Russen, Moslems, Christen, Spießer, Ostfriesen oder Indianer sind. Da mache ich keine Ausnahme.

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  22. Chris schreibt:

    Die Frage stellt sich, wer die Maßstäbe vorgibt oder setzt.
    Neben einem ganz einfachen Gefühl für Anstand gilt die subjektive Perspektive.
    „Anstand“ ist nur noch wenig gefragt, wenn es darum geht, die Meinungsfreiheit zu glorifizieren.Das „Titanic-Papst“- Thema hat das anschaulich gemacht.
    Womit die „subjektive Perspektive“ noch eingefangen werden kann, ist der Rassismusvorwurf und alle ihm inhärenten Bedingungen.
    Gegen „Beleidigungen“ Stellung zu beziehen ist „reaktionär“.Gegen „Rassismus“ vorzugehen ist eine gesellschaftliche Aufgabe und darum ein „Muss“.
    Wer die Perspektive von „Geschmähten“ herabwürdigt, darf als ignorant gelten.Ich bin dafür, dass die Gesellschaft sich alle Perspektiven „erlauben“ sollte.Auch die der Ignoranten.Ansonsten könnte es glatt passieren, dass wir die Ignoranz nicht mehr wahrnehmen.

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  23. genova68 schreibt:

    Du empfindest das Titanic-Titelbild als zu wenig kritisiert und rassistische Vorgänge als zu stark? Ja, perspektivisch interessant. Ich finde mittlerweile im Rückblick auch manche Titanic-Titel daneben, gerade, wenn es um Jesus geht. Jesus als Klopapierrollenhalter ist eigentlich zu krass, wenn man Religiösen gewissen besondere Verletzlichkeiten zugesteht.

    Was das mit „Neger“ zu tun hat, ist mir aber schleierhaft. Da läuft unterm Signum der Meinungsfreiheit Rassismus ab. Zum Begriff Neger muss ich das ja nicht ausführen, hoffe ich. Es sind doch gerade die neuen Rechten, die unterm Mantel der Klage gegen politische Korrektheit einfach die Rahmen verschieben wollen. Neger heißt nicht anderes als „ich möchte sagen dürfen, dass Scharze weniger wert sind als Weiße“. Schwule sind krank, Südländer faul etc.

    Insofern verstehe ich nicht, was das mit Multiperspektivität zu tun haben sollte. Die sollte in dem Fall doch eher beinhalten, dass man beispielsweise die Perspektive von Schwarzen beachtet, gerade was die Frage der Eigenbezeichnung angeht. Ausgerechnet bie „Neger“ auf Multiperspektivität zu pochen, ist ein recht-tradiertes Verhaltensmuster.

    Im übrigen zeige ich doch mit dem Artikel, dass einer der wichtigsten Journalisten Österreichs pro „Neger“ argumentiert. Es ist also offenbar eine in Österreich weithin tolerierte Perspektive, und zwar eine eindeutig rassistische. Die brauchen keine Unterstützung, glaube ich.

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  24. che schreibt:

    Der Begriff „Rasse der Negriden“ geht auf den NS-Rassenanthropologen Egon von Eickstedt zurück und wurde noch bis in die 1990er in Lexikondefinitionen verwendet.

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  25. Chris schreibt:

    Ich hege Zweifel, dass wir noch recht wissen, warum wir verteidigen, was wir verteidigen und warum wir angreifen, was wir angreifen.
    Wir hätten gar kein Rassismusproblem, könnten wir die subjektive Perspektive vorbehaltlos anerkennen.
    Wenn uns die Würde des Einzelnen ganz altmodisch verteidigenswert erschiene,unabhängig davon, wer der Einzelne nun sei,brauchten wir keine Bücher darüber zu lesen, wie Schwarze, Weiße,Gaukler und Päpste denn nun zu „betrachten“ seien.Wir würden einfach auf die hören, die es angeht.
    Der Selbstausdruck via Buch hat den Nachteil, dass er Allgemeingültigkeit beanspruchen mag und den Vorteil, dass diese auch bezweifelt werden kann.Wie das von Dir genannte Buch einzuordnen ist, weiß ich nicht.

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  26. genova68 schreibt:

    che,
    Herr Unterberger besteht offenbar darauf, dass diese NS-Definition auch 2012 unangetastet bleibt.

    Chris,
    die subjektive Perspektive und auf die hören,die es angeht. Ja, in der Tat. Aber wieso sollen diese Perspektiven nicht in Büchern ausgedrückt werden. Ein Buch beansprucht nicht notwendig Allgemeingültigkeit. Das ist ja nur die Form, nicht der Inhalt. Ob jemand etwas erzählt und man hört ihm zu oder er schreibt das auf und man liest es, ist kein substanzieller Unterschied.

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  27. willy56 schreibt:

    genova, Noah Sow ist keine Schwarze sondern eine Mulata, sprich: einer ihrer Elternteile ist weiß, schau dir mal ein beliebiges Foto von ihr an, man sieht das sofort. Dass sich eine in Deutschland geborene Mulata zur Sprecherin der Schwarzen und aller Unterdrückten überhaupt aufwirft, ist ein Witz. Die Schwarzen lachen sich über solche Leute kaputt. Wenn sie etwas an ihr gut finden, dann höchstens wie viele Weiße sie mit ihrem Rassismusgerede reinlegt. Die Schwarzen können durchaus für sich selbst sprechen und brauchen keine deutschen Mulatas oder Hamburger Intellektuellen, die für sie sprechen. Sie halten ihre Rasse auch nicht für eine soziale Konstruktion der Weißen zur Legitimierung des Kolonialismus, sondern haben in der Regel ein positives Verhältnis dazu, man könnte auch sagen, sie sind stolz, schwarz zu sein.

    Schwarze und Mulatten mögen sich nicht besonders, sie misstrauen einander seit Jahrhunderten, s. etwa hier:

    http://web.archive.org/web/20080214221930/www.100prozentmulatto.de/derbegriffmulatte.html

    „Der Begriff Mulatte ist mehr als nur ein Wort. Er steht für die Anerkennung einer Identität, die sich sowohl von ‚Schwarz‘ als auch von ‚Weiss‘ unterscheidet. Mulatte ist ausserdem die einzige international verständliche Bezeichnung für eine Person, die zwischen ‚Schwarz‘ und ‚Weiss‘ gemischt ist. Sie stellt den Bezug zu Mulatten und Mulattokulturen in anderen Ländern her. Besonders in den USA haben im Laufe der Geschichte sowohl Weisse als auch Schwarze versucht, Mulatten unter Kontrolle zu halten. Mittlerweile nehmen jedoch auch dort mehr und mehr Mulatten wieder ihre eigene Identität – und somit auch das Wort selber – für sich in Anspruch.“

    „Von 2008 bis 2009 war Noah Sow Mitglied der Gruppe Sisters, mit der sie im Februar 2008 beim Bundesvision Song Contest 2008 auftrat und Tourneen in Deutschland und Senegal absolvierte, darunter Konzerte mit der WDR Big Band, in der Philharmonie Köln und in Essen.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Noah_Sow

    Die Dame kennt Afrika nur aus einer Tournee. Ich weiß ja nicht welche Diskriminierungserfahrungen sie persönlich gemacht hat, aber sie hat mit Sicherheit nichts erlebt, was sich auch nur entfernt mit dem vergleichen lässt, was in Afrika oder Brasilien so abgeht. Da sie offenbar über ein großes Ego und eine gute Portion Eitelkeit verfügt (warum nimmt man sonst an solchen bescheuerten Popstar-Wettbewerben teil?) und es immer genug Unwissende Linke gibt, nutzt sie halt diese Schiene. Ist ja auch OK, aber es sollte sich niemand, der wirklich an politischen Veränderungen und nicht nur an Unterwerfungsgesten und intellektueller Dominanz interessiert ist, von so was beeindrucken lassen. Und schon gar nicht vom dazugehörigen intellektuellen Unterbau von Diskurstheorien und ähnlichem Schwachsinn.

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  28. genova68 schreibt:

    ogott, willy, jetzt auch noch du. du hast das buch nicht gelesen und es ist alles, was du schreibst, falsch. lies das buch und wir reden drüber.

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  29. willy56 schreibt:

    OK, ich habe grade festgestellt, dass es in einer öffentlichen Bibliothek erhältlich ist und habe vorbestellt. Ansonsten gibt es ja wohl auch genügend öffentliche Äuerungen von ihr, um sich ein Urteil zu bilden, weshalb ich mich ausdrücklich auf das Buch bezogen habe.

    Ist ja wohl doch noch etwas anderes, als ob man über Kant reden will und die Kritk der reinen Vernunft nicht gelesen hat.

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  30. Yunus schreibt:

    @willy:

    Und Du musst auch jede Seite gründlich lesen, am besten 2-3 Mal dann bist Du erst befähigt darüber zu diskutieren ;-)

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