Max Strauß: „Griechen hätten SYRIZA wählen sollen“

Lustig: Max Strauß, 53, Sohn von Franz Josef, CSU-Mitglied und seit rund 20 Jahren in diverse Korruptionsfälle verwickelt, schreibt im Handelsblatt einen (zumindest in Teilen) lesenswerten Beitrag zur jüngsten Geschichte Griechenlands mit der Kernaussage:

„Die Griechen haben bei der Wahl ihre Chance verpasst. Nur mit Syriza hätten sie sich selbst von den korrupten „Eliten“ befreien können. Jetzt drohen sie, auf Dauer zu Europas Kostgänger zu werden.“

Hat was. Mit korrupten Eliten kennt der sich sicher aus, schon vom Elternhaus her. Max ist ja so eine Art Geschädigter seine Übervaters. Vielleicht konnte er gar nicht anders als im Sumpf mitwaten und hofft jetzt ganz freudianisch auf SYRIZA.

Auch das hier:

„Seit dem Ende der unrühmlichen Militärdiktatur 1974 hatten in Griechenland Nea Dimokratia (ND) und Pasok regiert und das Land strukturell ruiniert. Die Protagonisten dieses undurchdringlichen Machtkartells kamen immer wieder aus denselben Familien, Positionen in Staat wurden an ein gigantisches, laufend anwachsendes Klientel verteilt. Der Staat verkam zum Selbstbedienungsladen der Parteien.“

Eigentlich bekannt. Aber angesichts der aktuellen deutschen Berichterstattung über Griechenland ist so ein Hinweis schon eine Wohltat, während man bei ARD und ZDF ganz offen erleichtert ist, dass die bösen „Linksradikalen“ oder gar „Kommunisten“ nicht in der Regierung sitzen („nochmal gut gegangen“ „Europa atmet auf“ etc.). So gerne sich das bürgerliche Feuilleton mit Leuten wie dem Anarchisten David Graber beschäftigt und Occupy toll findet: Wenn die nicht mehr nur spielen wollen, hört der Spaß auf.

Und so erfährt man ausgerechnet via Handelsblatt und Max Strauß das Wesentliche: Die europäischen Eliten freuen sich, dass die korrupten und für die Korruption in Griechenland und für die desaströse Lage verantwortlichen Parteien ND und Pasok weiterhin im Sattel sitzen.

Mich würde mal interessieren, wie die Schützenhilfe des deutschen und europäischen Kapitals vor der Griechenland-Wahl aussah. Oder haben die nur zugeguckt, dass möglicherweise Tsipras an die Macht kommt? Die Berichterstattung in den deuschen Medien war schon klar gegen die „Linksradikalen“ gerichtet, doch das lesen die Griechen nicht.

Bis vor 20, 30 Jahren gab es Gladio, heute geht es finanziell und machtpolitisch um mindestens genauso viel. Und warum diskutiert angesichts der Situation von EU, Griechenland und Kapital niemand über Naomi Kleins Schockstrategie?

Bei Sturm duckt man sich erstmal. Merkwürdige Zeiten, irgendwie.

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