Kurzes Statement zum coolen Alexis Tsipras

Keine Ahnung, was ich von diesem neuen linken Superstar der Griechen halten soll. Ich kenne ihn nicht und griechisch kann ich nicht. Alexis Tsipras heißt er. Er ist heute in Berlin, die Temperaturen hier sind schon mal griechisch. Eine ernsthafte Analyse der Situation ist nicht möglich, schon gar nicht über kapitalistische deutsche Zeitungen. Aber wenn ich diese Äußerungen lese:

Er will Europa bezwingen, die „Barbarei“ beenden, die Griechenlands Gläubiger den Hellenen antun. Tsipras spricht von „Umsturz“ und „Revolution“.

Er verspricht Renten von 80 Prozent des letzten Gehalts, höhere Löhne und ein Arbeitslosengeld von 75 Prozent des Tariflohns, fünf Jahre lang. Die bereits gezahlte Sonderabgabe auf Immobilien will er nicht nur abschaffen sondern das Geld sogar zurückerstatten…

Er will den aufgeblähten Staatsdienst um weitere 100000 Beschäftigte vergrößern, Privatisierungen rückgängig machen, die Banken und andere strategisch wichtige Unternehmen verstaatlichen. Die Arbeitsmarktreformen will er zurückdrehen, Kleinsparer für die Verluste beim Schuldenschnitt entschädigen und die Gelder aus der EU-Regionalförderung nicht mehr für Infrastrukturprojekte einsetzen sondern für Sozialleistungen. Wenn Tsipras gefragt wird, wie solche Ideen ins heutige Europa passen, antwortet er freundlich, Europa müsse sich eben ändern.

dann wird mir ganz warm ums Herz. Er stellt ziemlich radikale Forderungen in einer ziemlich hoffnungslosen Situation, und genau diese Kaltschnäuzigkeit finde ich wunderbar. Während sich in Deutschland auch Linke ständig auf vermeintliche Sachzwänge einlassen, die nur über Jahrzehnte aufgebaute Herrschaftsstrukturen sind, sagt Her Tsipras einfach: Leckt uns am Arsch, Europa, wir fordern jetzt mal ordentlich! Geld her, und zwar dalli, sonst gibt es Saures!

Recht hat er. Fordern, was das Zeug hält und den Bonzen aufs Maul hauen, egal, wo die gerade sitzen. Alleine der Begriff „Arbeitsmarktreformen“. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass das nur Sozialabbau ist, also weg damit, wieso noch lange diskutieren?

Gut aussehen tut er auch, der Tsipras, und er trägt gepflegte Oberhemden. Und die Griechen sind offenbar doch ganz cool, wenn sie so einen zum Staatschef wählen wollen. Sollen die mal machen und die Sachzwänge ein merkwürdiges Wort sein lassen. Die europäischen Kapitaleliten sind sicher nicht ohne Grund derzeit so hektisch.

Traurig natürlich die Rolle Deutschlands. Wir hier hätten eigentlich die Pflicht, so einen zu unterstützen, solidarisch zu sein.

Keine Angst, liebes Kapital, das wird nicht passieren.

P.S.: German Foreign Policy schreibt zu den Hintergründen:

„Vor der Neuwahl in Griechenland debattieren die deutschen Eliten unterschiedliche Gewaltszenarien zur Sicherung der Kontrolle über Athen. Diskutiert werden neben der Errichtung eines Protektorats auch ein Putsch sowie die Entsendung von „Schutztruppen“ in den südeuropäischen Staat. Das deutsche Spardiktat, das Griechenland in die Verelendung treibt, entfacht einen immer stärkeren Widerstand in der Bevölkerung, der sich auf demokratischem Wege nicht länger niederhalten zu lassen scheint.“

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10 Antworten zu Kurzes Statement zum coolen Alexis Tsipras

  1. Yunus schreibt:

    Lustig isser:
    „Geld her, und zwar dalli, sonst gibt es Saures!“

    Was für Saures denn? Will er die griechische Armee auf Brüssel marschieren lassen?

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  2. hanneswurst schreibt:

    Griechische Armee auf Brüssel marschieren lassen ist keine schlechte Option, schließlich ist das belgische Militär mangelhaft aufgestellt (und bis eine Einigung zur EU-Eingreiftruppe steht, sind sechs Monate vergangen und Griechenland ist wieder im Spiel). Unterstützung durch Russland und China ist gewiss, die BRD bleibt neutral. Ein Hoch auf den Raubtiersozialismus!

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  3. Yunus schreibt:

    Bin ja mal gespannt wie die über die Alpen kommen wollen ohne die Kriegselefanten vom Hannibal…

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  4. hanneswurst schreibt:

    Der Grieche stellt ein Holzpferd vor die Alpen, das lässt der EU-Rat sofort nach Brüssel schleppen. Westerwelle darf das Pferd aufmachen: springt der Minotaur raus.

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  5. hanneswurst schreibt:

    (Und Westerwelle genießt den Fick seines Lebens.)

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  6. hanneswurst schreibt:

    Schlecht für die Griechen wäre, wenn Merkel das Pferd aufmacht: der Minotauros läuft geradewegs nach Griechenland zurück.

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  7. genova68 schreibt:

    Toll, wie du dich heute einbringst, Hannes. Was wäre die EU ohne dich.

    Übrigens überwiegen in Sachen Matussek heute schon wieder ganz eindeutig die Nazirechtsnervtscheiße-Anfragen.

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  8. hanneswurst schreibt:

    Wenn Lafontaine das Pferd öffnet, hat der Minotauros Pech: dann wird er selber gefickt.

    Matussek: lass den armen Kerl doch in Ruhe, der ist höchstens ein drittklassiger Bösewicht und kann und will nicht ernstgenommen werden, worin er sich deutlich von so schäbigen Gestalten wie Sarrazin unterscheidet.

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  9. Yunus schreibt:

    @hanneswurst Aber wenn die schöne sahra als Deus ex machina erscheint dann vergisst lafo den minotauren recht schnell. Übrigens hat der starjournalist Jürgen elsässer empfohlen lafo und sarrazin sollten zusammen eine Partei gründen. Mein namensvorschlag: sozialistisch-konservative volksrevolutionäre bürgerunion oder so Wat in der Richtung …

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  10. hanneswurst schreibt:

    @Yunus: Wenn schon dann „dea ex machina“, oder hatten Sie kein Latein? Unglaublich. Wenn die konservativen Volksrevolutionäre an der Macht sind, werden Ihnen die Flausen schön ausgetrieben.

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