Momente der Weltgeschichte. Heute: Le Corbusier trifft Modulor

Ein wunderbares Bild: Le Corbusier trifft seinen Modulor und schaut ihm tief in die Augen. Corbusier scheint ein wenig distanziert, kein Wunder bei dem extrem strukturierten, mechanistischen und also dumpfen Blick des Modulors. Hat er vielleicht etwas falsch gemacht? Individuum trifft entworfenen Durchschnitt, da kann einem schon mulmig werden.

Außerdem frage ich mich, warum Corbusiers Durchschnittsmensch so dicke Ober- und Unterschenkel hat und so dünne Knie? Und der extrem große Bauchnabel ist meiner Beobachtung zufolge kein durchschnittlicher, sondern weist sicher auf unbewältigte Kindheitserlebnisse des Meisters hin.

Bin ich froh, dass ich kein Durchschnittsmensch bin.


(Foto: abfotografiert von genova 2012)

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2 Antworten zu Momente der Weltgeschichte. Heute: Le Corbusier trifft Modulor

  1. franz r. schmid schreibt:

    dass an corbusiers modulor einiges eher idealisiert, als der natur entnommen wurde, ist mir schon immer aufgefallen. ich bin erstaunt, dass corbusier nicht öfter kritisiert wird. vielleicht ist es so, dass niemand ihn wirklich verstehen kann und weil corbusier ein berühmter architekt war niemand sich zugestehen mag, dass hier einiges klemmt.

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  2. genova68 schreibt:

    Ich habe das Gefühl, dass Corbusier durchaus kritisiert wird, zumindest von der Masse. Und vor ein paar Jahren wurde breit thematisiert, dass er mit den Nazis sympathisierte.

    Aber er war nicht grundlos berühmt, sondern erschuf unglaublich gute Räume. Auch die Habitationsgebäude in Marseille und Berlin sind planerisch wunderbar, sie wurden aber nur zum Teil umgesetzt, gerade die Gemeinschaftsräume fielen weg.

    Und der Modulor wird m.E. aus einer falschen Perspektive kritisiert, da viele meinen, ein Mensch habe exakt so beschaffen zu sein. Das stimmt nicht, aber jeder Architekt muss von einem Durchschnitt ausgehen, für den er Maße bestimmt. Außerdem muss Kritik immer zeitbezogen sein. Die Frankfurter Küche war, um ein anderes Beispiel zu nennen, ein großer Fortschritt, was Arbeitserleichterung im Haushalt angeht. Dass dadurch die Wohnküche verloren ging und damit ein kulturell und gesellschaftlich wichtiges Phänomen, das in seiner Bedeutung heute vielleicht gar unterschätzt wird, steht auf einem anderen Blatt.

    Das Corbusiersche Indienengagement würde ich eher kritisch sehen, weil das etwas Neokoloniales hat.

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