Warum Wulff noch heute zurücktreten muss

Darum:

Jeder Haus- mit Gartenbesitzer weiß, dass man eine große Rasenfläche nicht mit der Gardena-Classic-Impuls-Brause wässert, wie Wulff es oben tut, sondern mindestens mit einem Gardena-Standardregner, bei der Wulffschen rechteckigen Rasenfläche besser noch mit einem Gardena-Viereckregner. Und wer etwas auf sich hält, was der Präsident sicher tut, müsste ein ausgeklügeltes Gardena-Sprinkler-System zum Einsatz kommen lassen. Wichtig für den vielreisenden Wulff ist zudem die Gardena-Urlaubsbewässerung, mit der man „entspannt in den Urlaub fahren und mit einem Lächeln zurückkehren“ kann, wie der sympathische Gartenausstatter aus Ulm auf seiner Webseite berichtet. Doch auch davon ist auf dem Foto nichts zu sehen.

Das mit dem Lächeln ist Wulff jedoch gelungen.

Also: Wer seinen Rasen mit der falschen Brause wässert, ist dümmer als jeder Kleingärtner und somit als Präsident nicht geeignet, nicht einmal als Kleingarten-Präsident. Wer darüber hinaus eine halbe Million Euro ausgibt für ein ausgesprochen hässliches Haus mit Billig-Klinkern, lächerlichem Krüppelwalmdach und Sprossenfensterimitaten ist auch ästhetisch ungeeignet für das höchste Amt im Staat. Und wer meint, er müsse nur mal schnell Jackett und Krawatte ausziehen, die Gardena-Classic-Impuls-Brause als Gardena-Viereckregner- oder gar als Gardena-Sprinkler-System-Imitat in die Hand nehmen und ein Schwiegersohngrinsen aufsetzen, um die nötige Glaubwürdigkeit für den Bundespräsidentenposten zu ergattern, hat die Rechnung ohne die Millionen deutscher Gartenfreunde gemacht. Denen kann man vielleicht einen Wust von 476 abgeschriebenen Seiten als Doktorarbeit verkaufen, aber keine Gardena-Classic-Impulsbrause als Gardena-Viereckregner oder gar als Gardena-Sprinkler-System. Irgendwo hört der Spaß auf. Wobei: Wer Sprossenfenster imitiert, imitiert auch Viereckregner. Wulff bleibt sich also treu.

Im selben und lesenswerten FAZ-Artikel von Niklas Maak ging es übrigens hauptsächlich um neue, innovative Wohnarchitektur in Tokio in Fortschreibung dessen, was die Metabolisten in den 1960ern vorschlugen. Sehr sehenswerte Sachen, mit individuell gestaltbaren Grundrissen auf kleinem Raum, mit einer schönen Balance zwischen individuellem Freiraum und den Anforderungen des Kollektivs, und zwar immer wieder neu austarierbar, mit geradezu skulpturalen Eigenschaften. Und viel preiswerter als das Wulffsche Haus, obwohl in Tokio gelegen und nicht in Hannover. Wulffs fremdfinanziertes Heim diente der FAZ als das deutsche Negativ-Beispiel. Man könnte fast eine Ahnung davon bekommen, was Fremdschämen bedeutet.

(Fotos abfotografiert aus der FAZ vom 4. Januar 2012)

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8 Antworten zu Warum Wulff noch heute zurücktreten muss

  1. Pingback: Warum Wulff noch heute zurücktreten muss « Kritik und Kunst

  2. eb schreibt:

    Hihi, Also, – bei der Tokyoter Version, würden wir Aquarianer dann einsteigen ;-)

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  3. InitiativGruppe schreibt:

    In Deutschland laufen inzwischen tausende von Banksters herum, die in der Finanzwelt Gehälter und Boni in einer Höhe kassieren, dass sie über den Bundespräsidenten und seine Hausfinanzierung nur verächtlich lachen können.

    Wollen wir denn nicht, genova, dass UNSER Bundespräsident mit denen mithalten kann? Mit denen auf Augenhöhe verkehren kann?

    Die einzig vernünftige Folgerung aus der ganzen Wulff-Misere ist: Der Bundespräsident muss mehr Geld kriegen. Sehr viel mehr Geld. Ein Ministerpräsident von Niedersachsen muss mindestens so viel Geld kriegen wie die Häupter der Deutschen Bank.

    Was einer Wert ist, das erkennt man daran, wie viel Geld er macht, bzw. über wie viel Geld er verfügt. Ich schäme mich für Deutschland, dass es seine Politiker betteln und auf Almosen der Milliardäre angewiesen sein und in kleinbürgerlichen Häuschen mit Gärtchen dahinter vegetieren lässt.

    WIR sind Schuld daran, dass Wulff sich so unwürdig verhalten musste und dass er in so glanzlosen Verhältnissen lebt. Daran, dass er nicht auch privat in einem Schloss, in einem Palast, in einer wirklich repräsentativen Villa uns und die Welt beeindrucken kann. Wir sollten ihm Bellevue SCHENKEN. Der nächste Präsident kriegt dann vielleicht Sanssouci oder Charlottenburg oder Nymphenburg oder Neuschwanstein – wir haben schon genug tolle Schlösser in Deutschland für unsere nächsten 20 Präsidenten.

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  4. InitiativGruppe schreibt:

    Da fällt mir noch ein, dass es auch noch eine andere Lösung gäbe. Man könnte und sollte doch gleich jemanden zum Bundespräsidenten wählen, der schon alles hat, Geld und Schloss und Namen und Glamour und so …

    Äh, ihr wisst schon, an wen ich jetzt denke …

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  5. summacumlaude schreibt:

    Barbara Schöneberger? Cora ist ja schon tot…

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  6. genova68 schreibt:

    Wer ist Cora?

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  7. genova68 schreibt:

    Aha, danke. Was es nicht alles gibt. Erinnert mich an Micaela Schäfer, die imitiert ja auch große Brüste. Was natürlich weitaus weniger verwerflich ist, als mit einer Gardena-Classic-Impuls-Brause ein Gardena-Sprinkler-System zu imitieren.

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