Des Ariers Tragik

Kann einem deutschen Neo-Nazi Schlimmeres widerfahren als nach der Verübung eines rassistischen  Anschlags von der Polizei als „mediterran“ und mit „dunklem Teint“ beschrieben zu werden? So geschehen nach dem Bombenattentat in der Kölner Keupstraße 2004. Einer der beiden Nazis hatte ja in der Tat  einen recht dunklen Teint.

Schlimmschlimm: Da will einer ein richtiger deutscher Arier sein und dann sowas. Der muss getobt haben, als er in den Medien erfuhr, in welcher Form man nach ihm suchte. Er, der deutscheste aller Deutschen, der die Mediterranen auslöschen will, ist nun selber einer. Nennt man sowas einen Schicksalsschlag?

Wunderbar entlarvend einerseits. Andererseits bezeichnend für den alltäglichen deutschen Rassismus, dass man aufgrund dieser Täterbeschreibung sofort davon ausging, dass da Türken unter sich eine Rechnung beglichen hatten. Das Blut- und Bodendenken steckt nach wie vor tief in uns drin. So gesehen können die Nazis triumphieren. Nach wie vor.

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2 Antworten zu Des Ariers Tragik

  1. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  2. InitiativGruppe schreibt:

    Ich wär da ein bisschen großzügiger.
    Aus Eigeninteresse. Ich stereotypisiere selber in meinem Kopf recht ungeniert.
    Da es – in meinem Kopf und meiner Einschätzung nach – ohne Abwertung oder Blut- und Bodenmystik passiert, und da mir mein Stereotypisieren bewusst ist, da dieses Pauschalieren also bei Bedarf leicht aufzulösen und zu transformieren ist in komplexere Formen der Wahrnehmung, halte ich es bei mir selber für harmlos. Sogar für eine natürliche und nützliche Komplexitätsreduktion.

    Wenn das bei mir so ist, könnte es bei manch anderem Menschen auch so sein.

    Meine Polizei- und Medienkritik würde nicht darin bestehen, dass sie das Merkmal auch (!) als möglichen Hinweis verstanden hat, sondern dass andere Möglichkeiten nicht hinreichend einbezogen worden sind. Es ist ja wohl selbstverständlich, dass man polizeilich professionell nur arbeiten kann, wenn man umsichtig arbeitet, also alle Möglichkeiten in Betracht zieht, auch die zunächst als weniger wahrscheinlich erscheinenden. In jedem Fall, in dem spezifisch Migranten zum Opfer werden, liegt es nicht unbedingt fern, auch (!) rechtsradikale Täter in den Kreis der Verdächtigen einzubeziehen. (Bekennerschreiben kommen von denen eher selten.)

    Nun, künftig dürften Polizei, Verfassungsschutz, Politik und Medien ihr rechtes Auge weiter geöffnet halten. Ob das auch bei den Bürgern der Fall ist? Ich bin da meinen Mitbürgern gegenüber noch skeptischer als gegenüber den Institutionen.

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