Occupy Deutschland: Auch Ackermann und die Teaparty ins Herz schließen

Diese Occupy-Geschichte wird immer abstruser. Offenbar wird dort nicht nur der Einfluss esoterischer, bestenfalls ahnungsloser Hanseln größer (Meditieren gegen Banken), sondern es gibt auch Bestrebungen, die „Bewegung“ nach rechts zu öffnen.

Vor ein paar Tagen kam die FDP-lerin Katja Hessel, bayrische Staatssektretärin im Wirtschaftsministerium, im Frankfurter Occupy-Zeltlager vorbei. Die FR berichtet:

Plötzlich wirken sie alle wie Brüder und Schwestern im Geiste. In welcher Partei war Hessel nochmal? FDP, sagt sie. Wir sind offen für alle Parteien, sagen die anderen, sie gehöre ja schließlich auch zu den Neunundneunzig Prozent. Die übrigen ein Prozent, das seien ja nur die ganz Kranken, sagt eine, ein paar hundert höchstens, die kontrollierten die ganze Wirtschaft. So offen sind die Besetzer, dass sie wohl auch einen Ackermann ins Herz schließen würden, wenn er nur mal vorbeikäme.

Neuer Star der Occupy-Abteilung Berlin ist ein xxx*, der sich auf alle Fälle von „der Politik“ abrenzen will, aber auf der von ihm betriebenen Website keine Probleme damit hat, ein Propagandavideo von „abgeordnetencheck“ zu publizieren. abgeordnetencheck hat nichts mit abgeordnetenwatch zu tun (wobei die Namensähnlichkeit sicher gewollt ist), sondern ist…

…ein Netzwerk von marktfundamentalistischen und erzkonservativen Lobbyorganisationen, das sogar den berüchtigten „Bürgerkonvent“ von Meinhard Miegel für seine Zwecke wiederbelebt. Die „rechte APO“ geht mit der Zeit und könnte sich zu einer deutschen Tea-Party-Bewegung entwickeln.

schreibt Jens Berger für die nachdenkseiten.

„Grundsätzlich alles neu machen“ will xxx*. Dazu passt auch, dass der „Sprecher“ von Occupy Berlin kürzlich einer Einladung von Jürgen Elsässer zu einer Podiumsdiskussion gefolgt ist, der wiederum darüber nachdenkt, in der von Hans-Olaf Henkel angestrebten Anti-Euro-Partei mitzumachen. Laut Elsässer soll diese Partei „weder rechts noch links, sondern vorn“ sein (siehe dort den Link zum Youtube-Channel). Elsässer betitelt den Bericht mit „Tea Party und/oder Occupy?“.

Bemerkenswerte Konstellationen. Die Sprachlosigkeit der Öffentlichkeit, die sich auf Murren über die böse EU und eine irgendwie gefühlte Empörung über „die Banken“ beschränkt, sogt für einen Drift derjenigen nach rechts, die sich bewegen. Vielleicht ohne es zu merken, weil die Begriffe komplett abhanden gekommen sind.

Vielleicht sollte sich in diesem Zusammenhang auch attac so langsam Gedanken machen, ob man sich da nicht mal abgrenzen sollte.

Klar, Occupy ist heterogen und jeder kann sich da einbringen. Aber das, was ich den letzten Wochen von denen mitgerkriegt habe, auch direkt bei den Aktionen, ist grauslich. Eine politische Bewegung mit esoterischem Ansatz, irgendwie empört und ohne Worte. Die Kinder einer neoliberalen Gesellschaft, die vor allem damit beschäftigt ist, aus Geld mehr Geld zu machen, sind auf der Suche. In einer Zeit, in der selbst Heiner Geissler wie nebenbei erklärt, dass „der Kapitalismus keine Zukunft“ hat, sind die Occupyer made in Germany nützlich Idioten. Die gegenwärtige Krise ist ja auch eine moralische, wenn man sich die Vermögensverteilung in Deutschland und weltweit anschaut. Aber aus der daraus folgenden und grundsätzlich richtigen moralischen Empörung müssten sich konkrete politische Forderungen ableiten. Statt kapitalismuskritischer, sozialer und emanzipatorischer Forderungen kommt die Öffnung nach rechts.

Hoffen wir, dass dieser Blödsinn zumindest in Deutschland möglichst schnell den Bach runtergeht.

Bevor die noch was anstellen.

* Name auf Wunsch des Betroffenen anonymisiert (2. April 2012)

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53 Antworten zu Occupy Deutschland: Auch Ackermann und die Teaparty ins Herz schließen

  1. tom-ate schreibt:

    Schön, dass du am Ball bleibst und das Occupy-Ding weiter darstellst. M.E. zeigt sich bei diesem Wutbürger-Aufmarsch vor allem Orientierungslosigkeit und der Wunsch nach einem einfachen Ventil angesichts eines für die einzelnen Subjekte übermächtig, irrational oder unverständlich scheinenden Systems. Einer Megamaschine. Es wäre einfacher einen „Gegner“ und eine „Strategie“ zu haben, wenn Aliens gelandet wären, über die man noch rein gar nichts wüsste. Insofern ist alles offen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewegung aber versandet, oder sich rechten Scheinlösungen annähert, scheint mir leider groß zu sein. Die Gretchenfrage: Wie könnten Subjekte dieser Gesellschaft überhaupt eine soziale, solidarische und nachhaltige Gesellschaft konstituieren? Dazu müssen die Akteure schon vorgängig Qualitäten aufweisen, die ich mit einer agnostischen Spiritualität umschreiben würde. Ehrlichkeit statt Neid auf die Kohle der Bonzen. Insofern ist meditieren (bedeutet: konzentriert über einen Gegenstand nachdenken) u. U. nicht einmal falsch.

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  2. genova68 schreibt:

    Tja, das ist so eine Sache mit der Gretchenfrage. Was du da schreibst, von wegen Meditieren, dachte ich mir beim Verfassen des Artikels auch. Aber bei denen läuft halt alles durcheinander. Ich kann nicht gegen die Macht der Banken wettern und dann mit Meditieren kommen. Wenn ich mich mit Gesellschaft und Ökonomie beschäftige, benötige ich nun mal Analysemittel, und die haben die nicht. Das hat ja auch mit dem zu tun, was ich nebenan zu Marx geschrieben habe (Darauf antworte ich dir demnächst.).

    Ich glaube nicht an die komplette Neuausrichtung der Gesellschaft. Das kommt vielleicht irgendwann von selbst oder wir sind mittendrin in dem Prozess, was weiß ich, das lässt sich aber nicht mit zelten bewerkstelligen. Systemanalyse plus daraus folgend Forderungen wäre sinnvoll, und Abgrenzung darf eben nicht passieren in Form grundsätzlicher Ablehnung von Parteien oder Politikern oder Gruppen wie attac, sondern Abgrenzung muss inhaltlich erfolgen. Das schaffen die aber nicht, weil das inhaltlich Flaschen sind.

    Ich kann nicht einfach so die Welt neu erfinden, das ist doch alles bekloppt. Ein paar Zelte aufstellen, aber nur mit behördlicher Genehmigung, das ist Pfadfinderesoterik.

    Einen schönen Einblick in die Occupy-Welt gibt Sonneborn:

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  3. Peter Horn schreibt:

    Könnte es nicht sein, dass wir in einer Zeit leben, in der die Chance besteht, dass sich die Gesellschaft anhand neuer Paradigmen neu erfindet? Nicht nur die Occupy-Bewegung, sondern auch ein Phänomen wie die Piraten spricht dafür. Die rollen mit hem unideologischen Pragmatismus zur Zeit die erstarrte Parteienszene auf. Ihre scheinbare Schwäche ist ihre Stärke: zuzugeben, dass man kein fertiges Weltbild zu verkaufen hat, sondern dass man sich auf einen Weg aus dem Stillstand gemacht hat.

    Gewiss sollte man sich genau anschauen, mit wem man sich verbündet. Jede neue soziale Bewegung muss damit rechnen, unterwandert zu werden. Aber, mit Verlaub, ist es daran so schlimm, wenn sich Menschen zusammenfinden, die gemerkt haben, dass man mit dem alten Rechts-Links-Schema nicht weiter kommt? Dass das ständige Abgrenzen und der Rückzug auf Ideologien die Dinge nicht weiterbringt?

    Menschen sehnen sich nach Orientierung im scheinbar undurchschaubaren Chaos der Welt. Die Rollen sind doch so schön verteilt: die Marktliberalen und die Multikulti-Freunde. Die braunen Dumpfbacken, die Gegen-Rechts-Steineschmeißer, die sich mit denen prügeln. Die religiösen Heilssucher und die versteinerten DDR-Nostalgiker. Die von der Industrie gekauften Spitzen-Sozis und die unpolitischen Engelforscher. Die linken Israel-Freunde und die Palästina-Fans. Alle haben eine persönliche Geschichte, in deren Verlauf sie zu dem geworden sind, was sie gerade sind, aber nicht für immer bleiben müssen.

    Die Linie verläuft in Wirklichkeit primär zwischen Stillstand und Veränderung. Wobei der Stillstand, der dem Prinzip des Lebendigen widerspricht, nur mit Gewalt durchgesetzt werden kann. Die Zeichen stehen derzeit auf Veränderung.

    Es gibt die unterschiedlichsten Mittel zur Weltverbesserung. Die einen probieren es mit Molotowcocktails, die anderen mit Bachblüten. Das wichtigste überhaupt ist, dass man sich überhaupt Gedanken macht über das, was um einen herum vorgeht. Und dass man diese Gedanken mit anderen austauscht, damit sie sich entwickeln können. Die Gedanken, die anderen und man selbst.

    Eine weitere Polarität ist die zwischen Vereinzelung und Herdentrieb. Eine Folge des selbständigen Denkens kann sein, dass man mehrmals im Lauf eines Lebens aus seiner vorübergehenden politischen Heimat vertrieben wird und am Ende eine Einmann-Splittergruppe bildet. Aber nur zusammen mit anderen und im Austausch bringt man die Ideen und die Dinge voran.

    Wer meint, das richtige Mittel, eine ungute Entwicklung zu verhindern, sei die Abgrenzung, der sollte überlegen, ob es nicht der bessere Weg wäre, selber rauszugehen und die Occupy-Bewegung zu besetzen, das heisst, seine Ideen einzubringen und gemeinsam mit anderen den Weg in die Zukunft neu zu bestimmen.

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  4. tom-ate schreibt:

    @Peter Horn: Eigene Ideen dort einbringen, ist eine gangbare Möglichkeit. „Die Zeichen stehen derzeit auf Veränderung.“ – Hm, ich denke, die Menschen hierzulande werden es sich zweimal überlegen, ob sie sich wirklich bewegen wollen. Schließlich leben sie im Kontor der Globalisierung. Verlieren will man gewöhnlich nicht.

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  5. Peleo schreibt:

    Danke. Diese Details findet man sonst nicht so leicht.

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  6. genova68 schreibt:

    Peter Horn,
    „Es gibt die unterschiedlichsten Mittel zur Weltverbesserung. Die einen probieren es mit Molotowcocktails, die anderen mit Bachblüten. Das wichtigste überhaupt ist, dass man sich überhaupt Gedanken macht über das, was um einen herum vorgeht. Und dass man diese Gedanken mit anderen austauscht, damit sie sich entwickeln können. Die Gedanken, die anderen und man selbst.

    So ist es. Ansonsten sehe ich deinen Beitrag eher problematisch, weil auch hier die Begriffe schwimmen. Stillstand vs. Veränderung? Neoliberalismus ist rasante Veränderung, alleine in den vergangenen 20 Jahren. Technologischer Fortschritt, soziale Beziehungen, Verhaltensweisen von Menschen, das Fernsehprogramm, Handel, Kapitalakkumulation etc. Wo soll denn da Stillstand sein? Und wenn das Chaos in der Welt undurchschaubar ist, dann ist das auch kein Stillstand und dann können die Rollen auch nicht schön verteilt sein.

    Wenn ich mich persönlich verändern wil, muss ich mich kennenlernen. Wenn ich heute Gesellschaft verändern will, muss ich vor allem (nicht nur) ökonomische Strukturen erkennen, woraus sich nach und nach die Erkenntnis entwickeln wird, wie das hier alles funktoniert. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Genau weil die so kompliziert sind, versuchen es manche mit Bachblüten. Wenn nun theoretisch es alle mit Bachblüten probieren würden, käme wohl wirklich etwas völlig neues bei raus. Es werden es aber nie alle mit Bachblüten probieren.

    Vielleicht bin ich da altmodisch, aber man kann nicht einfach hinter gewonnene Erkenntnisse zurückfallen. Es geht hier ja nicht um Abenteuerurlaub (wobei es wohl viele Aktivisten so sehen). Und wenn selbstständiges Denken dazu führt, sich mit Henkel et al. einzulassen, dann besser bitte nicht so viel „selbstständig denken“.

    Das Occupy-Ding kommt mir gerade wo vor wie die Diskussion in den 90ern, als man dachte, man könne die innere Schranke überwinden, indem man jetzt halt „an der Börse“ Geld verdient. War damals auch eine neue Erfahrung.

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  7. Peter Horn schreibt:

    @genova68:
    Es stimmt, was Du schreibst. Die Dynamik des technologischen Fortschritts ist per se kein Stillstand. Auch der Kapitalismus passt sich ständig an, sonst wäre er längst untergegangen.

    Ich meine da eher den Stillstand, der sich im Festhalten an den Grunddogmen dieses Systems manifestiert. Was sich gerade vermehrt zu regen beginnt, ist ein breites Unbehagen mit dem Geld- und Zinssystem und dem von der Realwirtschaft abgekoppelten Herumspekulieren, das am Ende immer wieder negativ auf des materielle Leben des Einzelnen zurückfällt. Noch ist das Unbehagen nur stellenweise artikuliert und konkretisiert, aber das wird sich ändern. Hier sollte und wird sich noch einiges bewegen.

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  8. Nihilist schreibt:

    Wenn ich an die Occupy denke, und an die, die sich dort „an die Spitze“ setzen wollen, fällt mir immer wieder Fischer ein, der die Grünen „occupiert“ hatte. Viele Trittbrettfahrer die hoffen so an die Pfründe zu kommen.

    Ich halte es da eher mit Hüsch – und wenn du nicht der Löffel für sie bist, schmeissen sie dich auf den Mist – apropo Löffel, wer mit dem Teufel aus einem Topf essen möchte braucht einen sehr langen Löffel.

    Deswegen, der Feind meines Feindes ist nicht unbedigt mein Freund. Seine Freunde kann man sich zum Glück selber aussuchen. Nicht jeder, der mich zum Freund haben möchte, bekommt mich auch als Freund. Da bin ich wählerisch.

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  9. uhupardo schreibt:

    Ich habe eine Menge Verständnis für die Occupy-Bewegung. Da äussert sich im Prinzip zunächst unartikulierter Protest: „So geht´s nicht weiter!“

    Das kann auch gar nicht anders sein – zunächst. Woher soll denn die Weisheit bei den 20-Jährigen kommen, wenn die 60-Jährigen mit all ihrer Lebensinformation schon nicht mehr durchblicken?

    Nein, ich bin sehr dankbar dafür, DASS sich endlich Protest regt. Sich über die Aussagen und die Kanalisierung Gedanken zu machen, ist natürlich trotzdem richtig, aber im ersten Schritt nicht zu velangen. Die Aussagen der 1968er waren nicht klarer und nicht verständlicher als die der Occupy-Bewegung – zunächst.

    Apropos klare Aussagen. Hier ist eine:
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/06/serie-der-tag-nach-dem-crash-teil-1-das-bandbreitenmodell/

    Saludos del Uhupardo

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  10. hanneswurst schreibt:

    @genova: Hieß es an dieser Stelle nicht vor kurzem noch, die Occupisten wären Teil einer Verschwörung, an der auch das deutsche Fernsehen teil hat? Wie passt das zu der „heute Show“ Einlage?

    Mir scheint, als wären die Occupy-Basher vor allem die Leute, die seit Jahrzehnten ihren Marx und Adorno hin- und herwälzen, neunmalklug daherschwafeln und ob eines Gegenarguments schnell beleidigt sind und ansonsten nur auf dem faulen Arsch herumsitzen. Die Occupisten gehen wenigsten mal an die frische Luft.

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  11. genova68 schreibt:

    Peter Horn,
    jetzt verstehe ich, was du meinst. Es wäre eine Analyse des kapitalistischen Systems, und da die schon viele versucht und geleistet haben, sollte man die zur Kenntnis nehmen. Das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Und davon kriege ich nichts mit. Wenn du denen mit Marx oder anderen Leuten kommst, fühlen die sich schon instrumentalisiert.

    Da spielt auch diese typisch deutsche Ökobefindlichkeit rein. Bitte kein Wachstum, weil das ist schlecht für den Wald. Das sind alles so gefühlige Verzichtsgeschichten, ohne jede Analyse. Ich weiß nicht, ob das verständlich ist, was ich schreibe, es fällt mir gerade ein. Es fehlt das emanzipative Subjekt, das Ansprüche auf eine gutes Leben stellt jenseits geflickter Kleidung. Wir sollten uns das bei den Franzosen abgucken.

    uhupardo,
    dass es 68 erstmal nicht verständlicher war, kann gut sein, stimmt. DASS sich etwas tut, ist ja ok, aber die Frage nach dem WAS muss man stellen. Und bei Occupy war das mediale Interesse zu Beginn riesig, aber das wurde nicht genutzt, danach flachte die Dynamik der Bewegung schnell ab, im Moment ist sie eigentlich schon tot. Das Campen wird sich wegen der Temperaturen schnell auflösen. Und dann war es das.

    Eine Bewegung braucht Ziele, die übers Fragen ermittelt werden können. Aber die haben ja nicht mal Fragen.

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  12. Besucher schreibt:

    „Stattdessen kapitalismuskritischer, sozialer und emanzipatorischer Forderungen kommt die Öffnung nach rechts.“

    Außer Bla-und-Blubb-Phrasen aus dem AstA-Koffer trägt dieser Artikel auch nicht wirklich was zur Debatte bei.
    Kapitalismuskritik, wie darf sie denn Ihrer Meinung nach aussehen?
    Emanzipation wovon? Was ist denn in ihren Augen sozial?

    Ein bisschen mehr muss da schon kommen…

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  13. genova68 schreibt:

    Danke für den Hinweis auf „stattdessen“ statt „statt“, wie es richtig heißen muss. Ist korrigiert.

    Ansonsten kann ich mit deiner Kritik wenig anfangen, weil sie nur polemisch ist. Asta-Koffer, aha. In dem Artikel steht mehr als der von dir zitierte Satz aus dem Kommentar, und wenn du ernsthaft Antworten auf deine Fragen haben willst, schau dich ein wenig auf diesem Blog um.

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  14. chriwi schreibt:

    Viele Gefolgsleute des Neoliberalismus (und davon gibt und gab es einige) waren auf der Suche nach einfachen Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Genau das ist die Stärke der Neoliberalen, dass sie diese einfachen Erklärungen liefern können, auch wenn sie fehlerhaft waren. Gespickt mit ein wenig Arbeitslosen- oder Ausländerbashing wurde diese Fehler gerne übersehen. Es betraf ja „nur“ eine Minderheit. Nun erkennt diese Gruppe, das sie selbst in diese Minderheit abrutscht. Diese Menschen suchen wieder einfach Erklärungen und gehen eventuell neuen Ideologen auf den Leim. Statt sich mit einem Thema auseinanderzusetzen gilt man bei vielen schon als kritisch, wenn man gegen das System ist. Wogegen speziell, das liefern die Führer der Bewegung (Tea Party lässt grüßen). Das führte aber erst zu den Problemen. Man fragte nicht „warum“, sondern sagte „mach mal“. Nun tauscht viele ihren Hirten aus und bleiben weiterhin ein Schaf.

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  15. genova68 schreibt:

    „Nun tauscht viele ihren Hirten aus und bleiben weiterhin ein Schaf.“

    Tja. Wobei die Occupy-Leute ja explizit überhaupt keinen Hirten wollen. Die Geschmeidigkeit neoliberaler Argumentation ist allerdings wirklich ein Punkt, die neoliberale Propaganda der letzten 20 Jahre ist ja hochprofessionel erdacht und gemanagt worden, mit unglaublichen Summen, natürlich vom Mehrwert bezahlt, was ja wiederum Fragen aufwirft, wie man aus der Spirale rauskommt. Vielleicht doch nur mit meditieren.

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  16. Besucher schreibt:

    Tja, vielleicht mit einem Re-Start der nationalen Währungen?
    Eine europäische Regierung und einen europäischen Haushalt kann ja keiner ernsthaft fordern, wo bleibt denn da die demokratische Legitimation?

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  17. genova68 schreibt:

    Legitimationen kann man schaffen.

    Mir scheint, hier schreibt ein Nationalist, der gerne, wie heute üblich, den Demokratiebegriff denunziert, weil er sich auf die ominöse schweigende Mehrheit beruft.

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  18. Besucher schreibt:

    Ist eine ungenaue Aussage von Ihnen. sehr nebulös. Wie stellen Sie sich das vor?

    Ich berufe mich auf gar niemanden. Ich halte es nur für einen Denkfehler wenn man von der Prämisse ausgeht dass eine gemeinsame Währung automatisch Frieden und Wohlstand schafft.

    Schauen Sie z.B. nach Südamerika:
    Da hat jeder Staat seine eigene Währung und soweit ich weiß gab es dort seit über hundert Jahren keine größeren Kriege (von regionalen Konflikten abgesehen) zwischen den Staaten.

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  19. tom-ate schreibt:

    @genova: „diese typisch deutsche Ökobefindlichkeit“ – halte ich durchaus für einen brauchbaren Baustein für den Umbau unserer Gesellschaft hin zu einer solidarischen und nachhaltigen Gemeinschaft. Viel eher als die Neidbefindlichkeit: Der da hat mehr Kohle und für mein neues Eierfon brauch ich jetzt die Kohle.

    „Bitte kein Wachstum, weil das ist schlecht für den Wald.“ – Wachstum ist gut, weil dann der hübsche Verteilkuchen größer wird und dann auch ALLE ein größeres Stück davon kriegen? Glaubst du dieses neoliberale Märchen, das uns alle im Hamsterrad gefangen halten will? Warum die Linke hier mit den Neoliberalen d’accord gehen, verstehe ich nicht. Alte Klamotte. Über den Daumen grob gepeilt ist in den letzten zehn Jahren das BIP in Deutschland um ca. 20% gewachsen. Hatten die Ärmsten damals 20% weniger Einkommen verglichen mit heute? Waren die Menschen hierzulande vor gut zehn Jahren im Schnitt 20 Prozent weniger glücklich? Die Linke muss die Wachstumsdebatte erstmal ernsthaft führen.

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  20. genova68 schreibt:

    Besucher,
    es ging erstmal um die von dir aufgebrachte Legitimation. Die schafft man, indem man Vertreter in Parlamente wählt und weitere demokratische Strukturen schafft. Die Währungsfrage ist hier nicht Thema.

    tomate,
    ja, da haben wir das nächste weite Feld ;-)

    Ökologisch, solidarisch, nachhaltig, ja, sicher, aber die deutsche protestantische Verzichtsmentatlität ist doch für das neoliberale Dogma wie geschaffen: Fordert nicht zuviel, ist auch gut für den Wald. Angesichts der hier schon öfter diskutierten Vermögensverteilung spielt die Forderung auf Verzicht den Neoliberalen in die Hände.

    Ich habe dazu schon ein paarmal was geschrieben:

    https://exportabel.wordpress.com/2009/06/23/luxus-appartements-fur-anal-deutschland/
    und

    https://exportabel.wordpress.com/?s=robert+pfaller

    Wachstum: Es gibt quantitatives und qualitatives. Wenn ich dieses Jahr meine Äpfel nur bei Aldi kaufe und nächstes Jahr zum doppelten Preis die gleiche Menge nur im Bioladen, erzeuge ich Wirtschaftswachstum, weil in den Bioäpfeln mehr Aufwand und mehr Manpower, mehr Wert steckt. Jede Hausisolierung schafft Wirtschaftwachstum.

    Deine Prozentzahlen zeigen nur die Folgen neoliberaler Politik.

    Der Verzicht nervt mich auch im kulturellen Sinn, es ist mir zu entsagend, ich möchte schicke und teure Kleidung für alle, natürlich solidarisch produziert.

    Dass die heutige Wachstumslogik oft falsch läuft, ja, sicher. Aber deshalb „Wachstum“ wegzuhauen, ist gefährlich. Das ist ja eine breite innerlinke Position, aber mir gingen schon bei dem attac-Kongress dieses Jahr in Berlin zum Thema die Ökos auf den Sack. Verzichten tun die immer aus einer privilegierten Perpsektive. Typisch ist da die Böll-Stiftung.

    https://exportabel.wordpress.com/2011/06/09/attac/

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  21. Besucher schreibt:

    Ich finde dass aber schon bemerkenswert wie Sie einerseits die Globalisierung begrüßen und andererseits die Neoliberalen angreifen.
    Auf die Idee dass Globalisierung und Neoliberalismus Hand in Hand gehen könnten sind Sie wahrscheinlich noch nicht gekommen.
    Ich befürchte sie sind auch so einer der einem Jürgen Elsässer den Richtungswechsel nicht verzeiht.

    Kleine Anekdote am Rande:
    Ich hatte eben gerade einen Klempner (ein Mann aus dem Volke, Achtung!) im Hause der bei mir tropfende Wasserhähne reparierte.
    Es entspann sich folgender Dialog:
    „Das Wasser hier in Köln-Innenstadt ist so dreckig, wenn Ihre Waschmaschine z.B, keinen Filter hätte, dann wäre Sie nach einem Jahr hin. Die aus Polen haben nämlich keinen.“
    Ich: „Ich habe meine schon seit 12 Jahren. Made in Germany.“
    Er: „Tja, in zwei Jahren werden sie dass nicht mehr lesen können. Die Bezeichnung gibt es dann nicht mehr. Beschluss des EU-Rates.“
    Ich: „Na, vielleicht ist das Gebilde bis dahin auseinandergeflogen.“
    Er: „Nee, die machen weiter bis wir alle nix mehr haben.“

    Die ominöse, schweigende Mehrheit, Genovese, da müssen wir doch was tun damit die nicht so denken, nicht wahr?

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  22. genova68 schreibt:

    Aha. Eine Waschmaschine made in Germany ist also immer toll und eine aus Polen immer Schrott. Schön, dass die Welt so einfach ist. Und dass dein Klempner so nationalistisch ist wie du, dafür kann ich nun wirklich nichts.

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  23. Besucher schreibt:

    Haben wir zusammen Schweine gehütet? Ich hab Ihnen nicht das DU angeboten.

    Aber der Wutanfall ist bezeichnend: Nur weil der Klempner und ich vielleicht auf bewährte Produkte vertrauen (macht jede Firma, meines Vaters Firma hatte mal ein Bohrgerät aus China zur Reparatur, da war die Hälfte von vornherein falsch zusammengesetzt) und wenn diese Vertrauensmöglichkeit durch Brüssel einem weggenommen wird dann fällt Ihnen nichts anderes ein als eine pauschale Aussage.

    Sie müssen ja keine deutschen Produkte kaufen, sie können sich gern für Ihre Nationalität schämen, dass sei Ihnen unbenommen, Sie Sohn der Täter !

    Aber was bieten sie den Bürgern denn an? Ein Weltsozialsystem welches NIE existieren wird außer in Ihren kleinen Debattenzirkeln? Eine europäische Identität die für den kleinen Mann (den Klempner) nichts bedeutet, den sie doch so gern vertreten ( oder geben sie das nur vor?).?

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  24. tom-ate schreibt:

    @genova: Tja, wieder ein weites Feld…
    „Ein Mensch, der die Welt retten will, ist mir suspekt.“ Mir hingegen sind Menschen suspekt, denen die Welt am Arsch vorbei geht. Und das Traurige ist, die haben vom Ego-Standpunkt aus auch noch recht. Denn die Welt geht nicht in einer Generation kaputt. Was in 500 Jahren ist, interessiert nur die, die sie eben retten wollen.

    Du hast meine konkreten Fragen natürlich nicht beantwortet und du weißt genau warum. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte hat nicht den geringsten sozialen Fortschritt gebracht. Es hat unsere Köpfe vernebelt. Immer noch mehr materielle Surrogate für ein verpasstes Leben.

    Das mit der Psychoanalyse und der protestantischen Verzichtsmentalität hingegen sind vage Konstruktionsversuche, woran sich Feuilletonisten ergötzen. Das ist doch keine Analyse. Mit Psychoanalyse kann ich alles und jedes dahin dehnen und verrenken, wie ich will. Deshalb haben die Analytiker in ihrem Kerngeschäft so ziemlich abgewirtschaftet. Und längst haben die Katholiken diese Arbeits- und Verzichtsmentalität übernommen. Was an Frankreich so toll sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Hierarchien, die Arroganz der Macht sind dort noch wesentlich ausgeprägter als bei uns.

    Dass du den Ego-Gewerkschaftsstandpunkt okay findest, ehrt dich schon als senkrechten Genossen. Der ist zum Glück ein Auslaufmodell. Und da ich auch noch Vegetarier bin, haben wir nun das Heu sicher nicht auf dem gleichen Boden. Wir können das hier nicht ausdiskutieren. Wir kennen jeweils die Argumente der Gegenseite.

    Wir haben parallel noch über Mehrwert diskutiert. Es ist heute der chinesische Arbeiter, der nur für seine Reproduktion schuftet. Dort, in der Werkstätte der Welt wird Mehrwert im Marxschen Sinne geschöpft. Deutsche Arbeiter, die schon seit Generationen über ihren bloßen Reproduktionslohn hinaus ganz schön alimentiert werden (ein Tabuthema?) – damit das System eben läuft – profitieren direkt von den Billigprodukten aus Ostasien, sie überhäufen sich und ihre Wohnungen mit Flachbildschirmen, iPhones und dergleichen. Toll. Luxus für „alle“ auf Kosten der realen Proletarier? Das wäre neokolonialistisch.

    Was heißt für dich Verzicht? Für mich heißt Verzicht, wenn ich als Arbeiter/Verbraucher auf Lebenszeit verzichten muss, nur um eine perverse Materialschlacht gegen unsere Lebensgrundlagen mitmachen muss. Selbstbestimmte Lebenszeit, das ist mir was wert, nicht Eierfon und noch mehr Kohle. Interessanterweise definiere ich Verzicht also um 180 Grad anders als du.

    Hm, wenn sich „ökologische“ und ein „linke“ Standpunkte nicht integrieren lassen, dann gute Nacht. Diejenigen, die meinen, das System zu verwalten, werden bei genügend Reibung im sozialen autoritär reagieren. Bei Verschärfung der ökologischen Situation genauso. Das Ergebnis kann man Ökofaschismus nennen, aber nur ein Idiot, denkt bei diesem Begriff daran, dass Faschismus und ökologische Bewegung sich vereinen. Nein, es ist das System selbst, das gezwungen wird, die Schrauben anzuziehen, um zu überleben.

    Es geht bei Kritik am Wachstum nicht daran, dieses „wegzuhauen“. Die Wirtschaftsliberalen erheben Wachstum um jeden Preis zum Dogma, was das Primat der Wirtschaft eben fundiert. Wachstum und Wirtschaft insgesamt sollen nicht mehr die absoluten Werte in der Gesellschaft sein, wonach wir zu tanzen haben.

    Dann müsste man noch definieren, was denn genau mit qualitativem Wachstum gemeint wäre bzw. inwiefern es nicht mehr quantitativ wäre.

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  25. Besucher schreibt:

    @tom-ate

    Ich glaube genova hat eher ein Problem mit der deutschen Mentalität aus den allseitsbekannten Gründen. Da fallen dann auch Begriffe wie Machbarkeitsanalyse und Maßhalten unter Faschismusverdacht.

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  26. tom-ate schreibt:

    Hmpf, schade, immer in meinen schönsten Sätzen überlese ich die Grammatikfehler…;-)
    Leider hat’s hier keine Korrekturfunktion für Kommentare.

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  27. hanneswurst schreibt:

    Zitat „Besucher“: „meines Vaters Firma hatte mal ein Bohrgerät aus China zur Reparatur, da war die Hälfte von vornherein falsch zusammengesetzt“

    Endlich kommen hier einmal Leute zu Wort, die bedeutsame und gelebte Erfahrung einbringen, nicht immer bloß diese Teewurstintellektuellen.

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  28. tom-ate schreibt:

    @hanneswurst: Deine Postings haben hier eindeutig den größten Unterhaltungswert. Kein Scheiß.

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  29. genova68 schreibt:

    Ja, leider hat es keine Korrigierfunktion hier. Falls ich was korrigieren soll, kannst du es ja sagen.

    ——————————————-

    „„Ein Mensch, der die Welt retten will, ist mir suspekt.“ Mir hingegen sind Menschen suspekt, denen die Welt am Arsch vorbei geht. Und das Traurige ist, die haben vom Ego-Standpunkt aus auch noch recht. Denn die Welt geht nicht in einer Generation kaputt. Was in 500 Jahren ist, interessiert nur die, die sie eben retten wollen.“

    Mir geht die Welt nicht am Arsch vorbei, aber das ist eine Frage der Relation. Ich kann die Welt nicht retten, das ist doch völlig vermessen. Und was ist denn überhaupt „Welt retten“? Sieben Milliarden Menschen retten? Wollen die das alle? Und was in 500 Jahren ist, das ist doch eine völlig sinnlose Frage. Wer sich heute über das Jahr 2500 Gedanken macht, überschätzt sich. Das ist kein menschliches Maß. Überlass das der Religion.

    Die Welt retten ist so ähnlich wie die Welt erobern. Sowas ist mir in der Tat suspekt. Eine Nummer kleiner reicht mir. Dass mir ein gewisses Engagement nicht abzusprechen ist, zeigt ja schon der Blog.

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  30. hanneswurst schreibt:

    @tom-ate: Haben wir zusammen Schweine gehütet? Für Sie immer noch HERR wURST. Mir bleibt ja auch nichts übrig als hier den Pausenclown zu spielen, die intellektuellen Schwergewichte haben ja schon alle Nischen besetzt.

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  31. genova68 schreibt:

    Interessanter Artikel über Occupy Berlin auf indymedia:

    http://de.indymedia.org/2011/11/319683.shtml

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  32. Richtigstellung

    Lieber Blogger,

    gestern habe ich durch Zufall deinen Blog entdeckt.

    Ich möchte zu den von Dir aufgelisteten Punkten Stellung beziehen und damit auch einige Missverständnisse klären:

    Politiker-Besuche:
    Zu Occupy Frankfurt kann ich nicht allzuviel sagen. Bei Occupy Berlin hat sich bisher noch kein Politiker blicken lassen, was wir sehr beschämend finden, obwohl wir seit Wochen vor dem Reichstag sitzen. Wenn Occupy Politiker empfängt, so hat das einfach etwas mit Dialogbereitschaft unsererseits zu tun. Allerdings sind wir sehr kritisch, was das angeht. Denn gern nutzen Politiker in den Medien die Popularität von Occupy für verlogene Sympathiebekundungen, denen keine Taten folgen – ganz im Gegenteil: Wir hatten mit Polizeischikanen vorm Reichstag zu kämpfen.

    ESM-Video von abgeordneten-check:
    Tatsächlich hatte ich das Video auf youtube entdeckt und empfand die Darstellung als kurze und erschütternde Darstellung der Funktion des Rettungsschirms. Mit der Quelle hatte ich mich in der Hektik der letzten Wochen allerdings nicht beschäftigt. Nach einem freundlichen Hinweis einer Mitstreiterin habe ich das Video von meiner Website genommen.

    Friedensmeditation:
    Die Demonstration am Brandenburger Tor von Occupy Berlin wurde mit einer Friedensmeditation verbunden. Warum? 1. Um den friedlichen Aspekt des Protests zu symbolisieren, was die Polizei auch relativ schnell kapiert hat. 2. Um symbolisch unseren Geist für neue Lösungsmöglichkeiten zu öffnen. 3. Es gibt tatsächlich einige in der Bewegung, die sich einen ganzheitlichen Lösungsansatz wünschen, was ja nicht unbekannt ist, das gibt es auch bei den Grünen.

    Distanz zu Jürgen Elsässer – ein uns vollkommen unbekannter und angeblicher Occupier tauchte bei Elsässer auf!!
    Vor einigen Wochen erhielt Occupy Berlin eine Einladung von Herrn Jügen Elsässer zu einer Diskussion. Einige warnten bereits vor ihm. Jedenfalls tauchte er vor dem Reichstag auf und Florian Raffel und ich (xxx) unterhielten sich mit ihm. Er überreichte uns sein compact-Magazin, was wir beim spontanen Durcbhblättern schon als dubios und mit Anzeigen rechter Organisationen durchsetzt identifizierten. Außerdem erschien uns ein „und“ von Tea Party und Occupy für absolut unmöglich. Die Ziele von Occupy stehen im kompletten Gegensatz zur Tea Party Bewegung. Daraufhin sagte Florian Raffel höflich ab. Allerdings tauchte dann ein Bastian Meiningen als angeblicher Vertreter von Occupy Berlin auf. NIEMAND von Occupy Berlin kennt ihn, hat ihn je bei uns gesehen. Natürlich ist der Name „Occupy“ nicht geschützt, aber wir empfanden das als äußerst dreist. Wir vermuten, das Elsässer jemanden aus seinem Netzwerk vorgeschickt hat und dieser sich dann als Occupier ausgab, weil wir uns geweigert hatten. Eine Unverschämtheit! Zudem gibt es keinen Occupy-Pressesprecher, auch wenn die Medien einigen diesen Titel unfreiwillig verpassen. Jeder kann an die Medien herantreten und wir haben ein rotierendes Presseteam.

    Klarstellung: Wir sind Kapitalismuskritiker!
    Jeder kann sich gern selbst davon überzeugen, dass auf unseren Demos immer wieder „Anticapitalista“ gerufen wird und soziale Missstände angeprangert werden. Was die Forderungen angeht, so gibt es da tatsächlich eine, die ich persönlich, aber viele andere Occupier teilen: Es geht nicht um ein Herumdoktern am System mit einer Transaktionssteuer, die sicherlich für eine Übergangsphase sinnvoll ist, sondern um die Systemfrage. Diese Sachen werden derzeit in diversen Arbeitsgruppen diskutiert. Es gibt allerdings unterschiedliche Lösungsansätze, im Grundsatz geht es aber um die Geldschöpfung und den Zins, die bei den Banken liegen. Diskutiert werden verschiedene Modelle, unter anderen auch das von Prof. Franz Hörmann von der Uni Wien. Occupy Berlin plant jedenfalls Aufklärungskampagnen und eine Veröffentlichung verschiedener Lösungsmodelle. Allerdings bindet der tägliche Kampf auch eine Menge Energie: Erhaltung des Camps, bürokratische und polizeiliche Schikanen, Verhaftungen und organisatorische Dinge.

    Allerdings müssen Fahnen von Parteien und Organisationen auf unseren Asambleas (Versammlungen) eingerollt werden (auf den Demos ist das leider nicht zu verhindern).

    Ich hoffe, dass ich damit einiges klären konnte.

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  33. Besucher schreibt:

    @occupy Berlin

    Interessante Richtigstellung.
    Meine Frage:
    Wer braucht sie? Warum gehen sie nicht zu ATTAC?

    Wir sind Kapitalismuskritiker.
    Bei uns wir immer Anticapitalista gerufen.

    Lustig.
    Die bei PI-News sind auch nur Islamkritiker.

    Sagen sie doch einfach klar und deutlich dass sie Feinde des Kapitalismus sind. Wenn ich etwas kritisiere dann höre ich mir wenigstens die Gegenseite an, aber da besteht ja die Gefahr, dass
    „Denn gern nutzen Politiker in den Medien die Popularität von Occupy für verlogene Sympathiebekundungen, denen keine Taten folgen“

    Warum laden sie nicht Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht ein?

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  34. genova68 schreibt:

    Hallo, xxx,
    danke für die Stellungnahme.

    Ihr seid also mit Politikern sehr kritisch und ärgert euch dennoch, dass sie nicht kommen? Tja. Ich kriege nur die Außendarstellung von Occupy Berlin mit, die scheint mir recht diffus, analog zu dieser Aussage. Abgrenzungen an sich finde ich kontraproduktiv, dass es inhaltliche Übereinschneidungen mit der Linkspartei gibt, ist offensichtlich, die ihr dann m.E. nutzen solltet, und wenn es nur um Equipment geht.

    Dass dieser Bastian Meiningen in eurem Namen auftreten kann, ist ein PR-Gau. Davon müsstet ihr euch wenigstens auf eurer Website klar distanzieren. Da hilft es auch nichts, dass ihr das Vorgehen Meiningens oder Elässers als „äußerst dreist“ empfindet.

    Klarstellung: Wir sind Kapitalismuskritiker!
    Jeder kann sich gern selbst davon überzeugen, dass auf unseren Demos immer wieder „Anticapitalista“ gerufen wird und soziale Missstände angeprangert werden.

    Solche Sätze sind leider unfreiwillig komisch, aber offenbar ist immerhin der Wille vorhanden.

    Allerdings will ich hier dir gegenüber nicht so von oben herab auftreten, das steht mir nicht zu. Ich war bislang nur bei der ersten Occupy-Demo am 15. Oktober dabei, fand das aber eher ernüchternd und bin seitdem zuhause geblieben:

    https://exportabel.wordpress.com/2011/10/18/wir-sind-alle-gemeinsam-da-drin/

    Die Idee des Palaverns, des Redens über alles, ist aber eine sicherlich notwendige. Was da in den Arbeitsgruppen läuft, kriegt man von außen ja nicht mit. Bitte vielleicht etwas öfter an die Außenwirkung denken ;-) Um die muss es ja letztlich gehen, wenn man etwas ändern will.

    Mein Rat, falls das interessiert: Abgrenzungen nur inhaltlich, nicht formal oder personell.

    Viel Glück wünscht
    genova

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  35. hanneswurst schreibt:

    @OccupyBerlin1: ich wünsche ebenfalls viel Erfolg. Mir gefällt die Action und ich hoffe dass sie nicht wie bei ATTAC schnell in Form von Strick- und Häkelarbeitskreisen verpufft. Die hatten mal ein Hauptziel, die sinnvolle Finanztransaktionssteuer, und jetzt kann die Politik kaum anders als sich dieser Steuer ergeben und von ATTAC hört man nichts. Hoffentlich springt Occupy ein.

    Schön fände ich übrigens Aktionen mit medial gut ausschlachtbarem Performancecharacter, z.B. eine möglichst große Horde als Obdachlose verkleidete Occupisten, die möglichst nah an einen blankgewienert Bankentower heranrobben und dort tagelang für schlechte Stimmung sorgen. Anschließend Sprengung a la „Fight Club“.

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  36. genova68 schreibt:

    „dass sie nicht wie bei ATTAC schnell in Form von Strick- und Häkelarbeitskreisen verpufft.“

    Einschlägige Erfahrungen gemacht?

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  37. hanneswurst schreibt:

    @genova: Erinnerst Du Dich nicht? Du hast gestrickt, ich habe gehäkelt. Ich lese regelmäßig, was die so machen. Nicht viel. Wer Politik machen möchte, soll eine Partei gründen oder sich einer Partei anschließen. Es gibt sinnvolle außerpolitische Aktivitäten, die man betreiben kann, wenn man etwas ändern möchte. Zum Beispiel Forschung oder Öffentlichkeitsarbeit. Meiner Meinung nach hat sich ATTAC mehr auf die Forschung verlegt, und pröttelt so vor sich hin. Die Occupy Bewegung ist ganz klar im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit angesiedelt, will Wut zeigen, anprangern. Das finde ich angesichts des Misstrauens, das meiner Meinung nach ein Großteil der Bürger gegenüber dem Investmentbanking, den Hedge-Fonds und dem Handel mit Derivaten (der Transformation von und des Betrugs mit toter Arbeit, wie Du als Marxist wohl sagen würdest) empfinden, absolut sinnvoll. Eine Programm oder sogar ein politischer Anschluss an irgendwelche Parteien hielte ich da für nicht förderlich. Es geht um Protest, um das Zerschlagen von Strukturen.

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  38. genova68 schreibt:

    Ja, ich erinnere mich. Was da vor zehn Jahren passiert ist, scheint nachhaltigen Eindruck auf dich gemacht zu haben. Ich trage meine selbstgestrickten Socken immer noch, während du mit deinem Häkeldeckchen von Anfang an nicht so recht wusstest, was anfangen.

    attac pröttelt vor sich hin, ja, kann sein. Aber das Kritisieren solcher Gruppen hat immer was wohlfeiles, wenn man selbst nichts macht. Immerhin stellen die regelmäßig Kongresse mit mehr als 1000 Teilnehmern auf die Beine und haben zig Ortsgruppen alleine in Deutschland und sind weltweit vernetzt, was heute ja wichtig ist. attac bringt immerhin eine fundierte, solide, emazipatorische Kritik am System, kein unwichtiger Aspekt. Genau das, was Occupy Berlin derzeit fehlt.

    Aber das Problem ist wohl auch unsere Perspektive auf Deutschland. So gut ich es ja fände, dass hier mehr passiert (Deutschland nach wie vor als Täterland), so sehr gehen solche Bewegungen von anderen Ländern aus. Hier geht es den Leuten ja gut, insgesamt. Die, denen es nicht gut geht, halten still.

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  39. Besucher schreibt:

    (Deutschland nach wie vor als Täterland)

    Ich würde es begrüßen wenn Du Dich entleibst.
    Wie stehst Du diese Schuld nur Tag für Tag durch? Glaubst Du, Du bekommst irgendwann einen Märtyrerdenkmal? Mein Kampf gegen mich und mein Volk?
    Echt witzisch, Jenosse!

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  40. InitiativGruppe schreibt:

    Die Antwort von Occupy Berlin finde ich interessant und sympathisch.
    Ich denke mir dabei: Die jüngere Generation MUSS die Sache anders anpacken als wir (mit wir meine ich: Leute meiner Generation). Ich schaue neugierig zu und versuche herauszufinden, was da vor sich geht, ohne es einfach nur in die Schachteln meines 68er-Gehirns zu zwingen.

    Genova, du liegst wohl altersmäßig dazwischen. Ich spüre bei dir viel Erbitterung. (Die mir fehlt.)

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  41. hanneswurst schreibt:

    @IG: Ja, ich spüre sie auch, diese Erbitterung. Ich kenne das gar nicht, wahrscheinlich weil ich so viel saufe.

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  42. genova68 schreibt:

    Ich habe den Teil der hier erschienenen Stellungnahme von xxx, die Jürgen Elsässer betrifft, in dessen Blog gepostet. Elsässer hat geantwortet, ich kopiere das mal hierhin:
    —————–
    juergenelsaesser

    November 27, 2011 at 16:24

    genova68: Danke für den Hinweis! Offensichtlich wird Bastian Menningen jetzt wegen der Teilnahme an der COMPACT-Veranstaltung innerhalb von Occupy Berlin massiv angegangen. Festgehalten werden muss: Er hat sich als Aktivist, nicht als Sprecher, schon gar nichts als Pressesprecher von Occupy Berlin bezeichnet. Was den Schreiber xxx des obigen Textes angeht, so begründet er seine Absage an unserer Veranstaltung so: „Außerdem erschien uns ein „und“ von Tea Party und Occupy für absolut unmöglich.“ Das ist wahrheitswidrig. xxx selbst hat dem Titel von Anfang an zugestimmt und es sich erst später anders überlegt! Ich schrieb am 18. Oktober an den admin von occupy berlin: „COMPACT-Magazin macht am 3.11. in Berlin eine Podiumsdiskussion Wutbürger gegen Euro-Wahn – Teaparty und/oder Occupy-Bewegung?’ Wir hätten gerne von Euch jemand auf dem Podium.“ Darauf meldet sich der jetzt so empörte xxx noch am selben Tag: „Hallo Herr Elsässer, wäre es auch möglich, zwei Personen zu schicken? Die Occupy-Bewegung ist nicht einheitlich.“ Das bejahte ich natürlich. Warum er es sich später anders überlegte, hat jedenfalls nichts mit dem Titel der Veranstaltung zu tun. Und warum er auf Bastian Menningen einprügelt, obwohl er gleichzeitig betont, Occupy sei „nicht einheitlich“, ist auch erstmal schwer zu verstehen. Offensichtlich hat die Pluralität bei Occupy ihre Grenzen: Wer mit COMPACT redet, fliegt raus. Gut zu wissen!
    ———————
    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/11/23/elsasser-zu-occupy-doner-morden-und-helmut-schmidt/#comments

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  43. Hallo Herr Elsässer,

    als ich Ihnen auf Ihre Anfrage hin antwortete, kannte ich Sie überhaupt nicht und ahnte noch nicht, worum es Ihnen eigentlich geht. Mich erreichten zu dieser Zeit täglich hunderte e-mails, die ich eilig beantworten musste. Eine Diskussion kann ja durchaus einen provokanten Titel haben, dass Sie Ihr Vorhaben jedoch ernst meinen, nämlich Tea-Party und Occupy verknüpfen zu wollen, war mir in dem Moment nicht klar.

    Dann warnten mich einige Mitstreiter. Nachdem Herr Florian Raffel und ich Sie jedoch persönlich auf der Bundestagswiese kennengelernt hatten und Ihr Magazin in den Händen hielten, zeigte sich schnell, dass die Differenzen zu groß waren bzw. worum es Ihnen eigentlich geht und wir quasi vor Ihren Karren gespannt werden sollten.

    Herr Meiningen ist bei Occupy Berlin nicht aufgetaucht und hat sich auch nirgendwo bei uns engagiert. Von daher ist er auch nie „rausgeflogen“.

    Herr Meiningen kann sich gern bei Occupy melden: presse@occupyberlin.de und persönlich Stellung beziehen.
    Ansonsten bleibe ich dabei, dass da ein Etikettenschwindel vorliegt.

    Mit besten Grüßen

    xxx

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  44. genova68 schreibt:

    Peter Nowak in der „jungle world“ über occupy. Es seien…

    „…vornehmlich junge Menschen, die eine gewisse Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Verhältnissen verspüren, aber weder bereit sind, sich theoretisch mit der Verfasstheit von Staat, Kapital und Nation auseinanderzusetzen, noch sich kollektiv dagegen zu wehren. Die Erfahrung, gemeinsam für soziale Forderungen zu kämpfen, fehlt heute immer mehr Menschen. Darin liegt auch der Grund für die Attraktivität der »Occupy«-Bewegung. So vereinzelt, wie sie oft in ihren Jobs, in den Arbeitsagenturen und in ihrem Alltag agieren, zelebrieren sich die jungen Menschen auch in ihrer Rolle als Protestler. In der »Occupy«-Bewegung geht es gerade nicht darum, gemeinsame Interessen zu formulieren und eine Durchsetzungsmacht zu entwickeln. Die Camper und Besetzer gerieren sich vielmehr als protestierende Ich-AG, die ganz individuell ihre Befindlichkeiten ausdrücken möchte. Zwei Berliner Protestcamper haben ihr Anliegen mit einem Schild vor ihrem Zelt gut auf den Punkt gebracht. »Dominik und Saskia sind empört«, steht da. Eine andere Demonstrantin zeigte ein Plakat mit der Aufschrift: »Ich bin so empört, dass ich sogar dieses Schild gemalt habe.«

    http://jungle-world.com/artikel/2011/47/44397.html

    So kann man das sagen. Die empörte Saskia ist wohl Saskia Koch, die kürzlich eine empörte Rede vom Blatt ablas:

    http://www.alex11.org/2011/11/rede-von-saskia-koch-25-11-2011/

    Da fehlt in der Tat jedes Bewusstsein für die Situation. Man ist empört und erregt, sonst nix. Die Empörung ist individuell und substanzlos. Es ist Kindergarten. Das Problem ist nur, dass die schon 26 ist.

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  45. InitiativGruppe schreibt:

    … die protestierende Ich-AG …
    — das trifft es wohl.
    Und raubt mir etwas von dem bisschen Optimismus, das ich manchmal noch aufbringe.

    Die Erfahrung, gemeinsam für soziale Forderungen zu kämpfen, fehlt heute immer mehr Menschen.

    Wenn das so ist – was machen wir da?
    Jammern drüber bringt nix.
    Entweder wir lachen kräftig oder melancholisch und resignieren, oder — oder was?

    Was machen wir – aber nun nicht auch unsererseits als Ich-AGs, die sich immer wieder mal zu einem Event treffen und sich dann einsam mit Gemeinschaftsgefühl vollsaufen.

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  46. genova68 schreibt:

    Man sollte diesen deutschen Occupy-Quatsch beiseite lassen. Gorleben hat ja gerade gezeigt, dass Menschen sich massenhaft und effektiv einsetzen, wenn die Ziele konkret sind. In Berlin gibt es unendlich viele symbolische Orte. Die Occupyhanseln laufen ja gerne Unter den Linden rum, da sitzt unter anderem die Bertelsmann-Stiftung, die HU, das Adlon: Welche Symbole braucht man denn noch, um die zu nutzen? Diese Saskia Koch ist bezeichnend für die Sache, habe ich das Gefühl. Die rennt gerne mit dem Mikro durch die Stadt und wenn sie am Reichstag vorbeikommt, ruft sie durchs Mikro dem Reichstag zu: „Lieber Reichstag, wir sind empört!“ Eine nette Touristenattraktion.

    Aber diese Leute sind natürlich auch nur das Produkt der Gesellschaft. Der Neoliberalismus funktioniert so hervorragend, dass eine Saskia Koch eben genauso drauf ist, wie sie drauf ist. Eben nichts mit der Bereitschaft, sich mit der theoretischen Verfasstheit von etwas auseinanderzusetzen.

    Egal. Ich verwechsle das eh nicht mit meiner persönlichen Ebene. Es kommt, wie es kommt. Mich ärgert das nur, weil es ja so unnötig ist, von den theoretischen Fähigkeiten des Menschen betrachtet, dass er quasifaschistischen Ideologien verfällt.

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  47. hanneswurst schreibt:

    @genova: Den letzten Satz habe ich nicht verstanden. Für den Rest habe ich kein Verständnis. Inwiefern lassen sich die Occupisten instrumentalisieren? Sollen Sie Deiner Meinung nach im Auftrag der Banken die echte, wirkungsvolle, wohldurchdachte und sich bereits im Gang befindliche Revolution verschleiern, die irgendwelche anderen Kräfte angezettelt habe (ATTAC, Greenpeace oder der ADAC)? In den USA haben sich die Gewerkschaften hinter Occupy gestellt, hier kritteln natürlich die Großköpfe der Linken an einer kleinen Aktion herum, die irgendwie nicht in ihre Apparatschikstruktur passt. Die Kritik von Novak ist aber noch nachvollziehbar im Vergleich zu den Verschwörungstheorien, die Du durchscheinen lässt.

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  48. genova68 schreibt:

    Ich kritisiere Occupy Deutschland, nicht die in den USA. Und ich kritisere Occupy Deutschland konkret. Insofern kann ich mit deiner Kritik (Apparatschik, Großköpfe etc.) nichts anfangen.

    Edit:

    Ganz interessant, was Grottian, der Occupy sehr positiv gegenübersteht, zu dem Thema schreibt:

    „Die Occupy-Bewegung steht auf der Kippe. Die kalten Nächte vor der EZB und dem Reichstag, das rasch erlahmende Interesse der Menschen, ja die fehlende Attraktivität der Bewegung für gemischte Protestpotentiale, führen zu der plausiblen Prognose, dass diese sich selbst überschätzende Bewegung an den nächsten Demo-Samstagen erlahmt. Ein Lächerlichkeitsverfall ist sogar möglich. Die Akteurinnen und Akteure werden bald unsicher werden, interner Streit bei 999 Politikverständnissen inklusive. Ein Rückschlag für die Bewegung ist eher wahrscheinlich….

    Bisher hat die Occupy-Bewegung eine sehr einäugige Perspektive und noch geschlossene Augen für ihre eigenen strategischen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Öffnung der Bewegung und das sensible wechselseitige Sich-Einlassen auf unterschiedliche Protestkulturen ist der Schlüssel für eine soziale Bewegung, die ihren Namen verdient. Ein zweitägiger gemeinsam vorbereiteter Ratschlag sollte bis Ende November machbar sein. Die Occupy-Bewegung und Attac – so möchte man nach einem alten Lied schließen – sind die «Königskinder der Bewegung». Sie sind noch nicht wirklich zusammengekommen.“

    http://www.sozonline.de/2011/11/wie-weiter-mit-occupy/

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  49. hanneswurst schreibt:

    @ganove: Auf Spiegel Online gibt es eine ganz witzige Zusammenstellung von TV-Ausrastern (jeweils mit YouTube Link). Lustigerweise ist unsere Diskussion fast wortwörtlich gleich auf in Video 1 dabei:

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/24009/amok_auf_der_mattscheibe.html

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  50. genova68 schreibt:

    Ja, eine coole Aktkion von dem Ton Steine Scherben-Typ, kannte ich schon. Cool auch, wie locker alle reagieren. Heute käme wahrscheinlich sofort eine Horde Sicherheitsleute und würde ihn überwältigen.

    Aber ich vertrete nicht unbedingt dessen Position. Ich vertrete eigentlich überhaupt nichts, ich fordere hier ja nur profunde Analyse von denen, die mal flott die Welt verändern wollen. Die haben sich als Thema ja nicht ihre Modelleisenbahn im Keller gewählt.

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  51. InitiativGruppe schreibt:

    Gorleben hat ja gerade gezeigt, dass Menschen sich massenhaft und effektiv einsetzen, wenn die Ziele konkret sind.

    Der Punkt ist gut und macht mich nachdenklich, genova.

    Ist’s konkret, geht noch einiges. Siehe Stuttgart, Gorleben, AKW-Ausstieg, u. a..

    Aber das Wesentliche ist nicht mehr sonderlich konkret. Das Treiben der Finanzmärkte, die Art und Weise, wie Politik vom Geld gesteuert wird, … keine Sau kapiert das so genau, ich auch nicht.

    Brecht: Die Wahrheit ist in die Funktionale gerutscht.

    Woraufhin er die Dreigroschenoper geschrieben hat. Ein genialer Zugriff. Das böse und unheimliche Abstrakte wird konkret und witzig und schmissig auf die Bühne gestellt. Am Ende gehört auch noch Her Majesty The Queen zur universell gewordenen Gangstergesellschaft und rettet den Räuberhauptmann Mackie Messer vor dem Galgen.

    doch das Messer sieht man nicht

    Genau. Was bleibt da heute noch?
    DAS vielleicht?

    Der Mensch ist gar nicht gut.
    Drum hau ihn auf den Hut.
    Hast du ihn auf den Hut gehaut,
    Dann wird er vielleicht gut.

    Denn für dieses Leben
    ist der Mensch nicht gut genug.
    Doch sein höhres Streben
    is’n schöner Zug.

    Genova: … ich fordere hier ja nur profunde Analyse von denen, die mal flott die Welt verändern wollen …
    Brecht/Peachum dazu: doch die Verhältnisse, die sind nicht so!“

    Wir fordern zurecht, aber wir kriegen’s nicht. Der Verhältnisse wegen. Die wir kritisieren. Mit Worten. Blogartikeln zum Beispiel.

    Uns fehlt das revolutionäre Subjekt.

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  52. Mohr schreibt:

    Nun ich bin eine einfache Bürgerin und ich habe die Occupybewegung erlebt, mit allen ihren Facetten. Ich finde sie eine Bereicherung und ihr fragt euch warum ? Ich will es mit einfachen Worten erklären. Es sind Menschen aus unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Anschauungen. Am Anfang als ich sie kennenlernte und öfters mit ihnen zusammenkam, störte mich auch diese Strukturkosigkeit und von einem Thema zum anderen schweifen. Da es wöchentlich Treffen und
    Versammlungen gibt,wurde dieses Grundproblem von den Mitbegründern
    erkannt. Inzwischen darf man diese Menschen nicht unterschätzen. Ihr wollt eine Bewegung die seit ca drei Monaten besteht,keine Chance lassen.
    Wisst ihr was ein Mut (und das ist eine Tugend) aufgebracht werden muss, auf die Strasse zu gehen und rundherum befinden sich 98 % die munter weiterleben,als wenn alles ok wäre.
    Dies ist nicht ein Haufen Spinner, aber sie können für euch Couchbesetzer nicht in kurzer Zeit die Welt verändern.
    Sie sind vernetzt, sie entwickeln sich weiter.
    Ich habe keine meditierenden Occupyaner erlebt, sondern knallharte recherchierende Menschen.
    Aber vor dem Computer zu sitzen ist einfacher als auf die Strasse zu gehen!!
    In diesem Sinne

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  53. genova68 schreibt:

    Wer den Anspruch hat, 99 Prozent zu vertreten, muss sich schon ein wenig Kritik gefallen lassen. Und ich meine die immer konstruktiv. Dass man Mut braucht, um auf die Straße zu gehen, ja, sicher, den will ich ja niemandem absprechen. Dennoch halte ich Occupy in Deutschland für gescheitert. Es ist niemand mehr übrig. Und das liegt eben an dem thematischen und organisatorischen Larifari. Man kann nicht einfach vom Himmel fallen und die Welt retten wollen.

    Aber individuell kann das ja alles bereichernd erfahren werden, klar. Es geht hier nur nicht ums Individuelle, sondern um große Ganze. 99 Prozent eben.

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