Postrealsozialistische Realitäten

Aktuelle Ästhetik in Polen:

Das ist ein kleiner Einblick in das ästhetische Ergbnis von 20 Jahren realkapitalistischer gesellschaftlicher Erfahrungen, die auf 40 Jahre realsozialistische Erfahrungen folgten. Eine regressive Gefühlsduselei, die mittels eines Satteldachs selbst auf Gartenzaunpfeilern den übermächtigen Wunsch nach Schutz in einer schutzlosen Gesellschaft ausdrückt.

Es kann nur besser werden.

(Fotos: genova 2011)

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5 Antworten zu Postrealsozialistische Realitäten

  1. tom-ate schreibt:

    Das ist ja zum Heulen. Könnte es nicht wenigstens ein klein bisschen ironisch gemeint sein, dieses Gebastel? Ich fürchte, nein.

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  2. genova68 schreibt:

    Hunderprozentig ausschließen kann ich die Ironie nicht, da das Haus auch in anderen Teilen äußerst merkwürdig aussah. Siehe beispielsweise die Fensterverkleidungen. Der Hang zum Satteldach ist in Polen jedoch überall ausgeprägt. Ich hatte mal wunderbare Bilde von schicken Bushaltestellenhäuschen mit Flachdach, denen solche Dächer aufgesetzt wurden. Typisch für neugebaute Häuser ist auch deren komplette Geschmacklosigkeit, wo selbst bei Mülltonnenhäuschen von einem mal einem Meter das ziegelgedeckte Satteldach nicht fehlen darf. Da könnte man jetzt viel vermuten. In Warschau ist die Situation extrem: Eine künstlich verpäppelte Altstadt, nach dem Krieg wiederaufgebaut und heute eine peinliche Welt für sich und außenrum ein Städtebau in der CIAM-Logik, der nun wirklich jedes Gefühl für Behaglichkeit oder Atmosphäre oder Aufenthaltsqualität abgeht. Diese Nach-45-Architektur findet auch keinerlei Interesse in Polen, man verbindet das wohl einfach mit einer bösen Zeit. Jetzt steht man ohne jede ästhetische Orientierung da und konzentriert sich auf billige Details, ohne Erbe, ohne Anschauung, ohne irgendwelche Standards. Das Satteldach ist da in Mitteleuropa wohl noch das naheliegendste Repertoire, das zudem einfach umzusetzen ist, siehe oben.

    Auch das, was in Polen nach 89 jenseits des Satteldaches gebaut wurde und wird, erzeugt in weiten Teilen Augenkrebs. Ich halte jedoch die erwähnte Situation in Warschau da für teilbegründend und somit hängt auch in dieser Situation das Täterland Deutschland mit drin.

    Zum Thema:

    https://exportabel.wordpress.com/tag/warschau/

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  3. InitiativGruppe schreibt:

    Das Satteldach an DIESEN Stellen kann doch eigentlich nur als Witz gemeint sein. Als Veräppelung des Satteldachs. Vielleicht läuft der Eigentümer und Verantwortliche mit einer Kopfbedeckung herum, die ebenfalls satteldachartig ist?

    Unwillkürlich fragt sich der Beschauer: Was ist da unter dem Satteldach? Es kann ja doch wohl nicht nur der blanke Stein sein. Wenn er es doch ist, liegt eine philosophische Aussage vor:
    Wir ham nix unterm Dach.
    Kein Sinn unter dem schützenden Dach.
    Das Dach schützt das Nichts.
    — Irgend sowas.

    (Das menschliche Gehirn – das meine im Besonderen – holt aus jeder Sache irgendeine Bedeutung raus. Grade dann, wenn eigentlich keine drin ist. Denn dann bin ich so frei, dann schaffe ich mir eine. Womit, so scheint mir, aus MEINER Sicht wenigstens dieser eine Architektur-Täter freigesprochen werden könnte …)

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  4. genova68 schreibt:

    „Vielleicht läuft der Eigentümer und Verantwortliche mit einer Kopfbedeckung herum, die ebenfalls satteldachartig ist? “

    lol. Es ist zu vermuten. Freispruch für alle, finde ich auch gut.

    Vielleicht ist das ganze Haus ein Witz. Es steht in einem kleinen, heruntergekommenen Dorf, ehemals deutsch. es ist das mit Abstand aufwendigste Haus im Dorf. Es schien mir auch etwas öffentliches zu sein. Aber wenn es ironisch gemeint ist, dann eben in Bezug auf den realen Satteldachfetischismus der Polen.

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  5. Besucher schreibt:

    Im Osten Deutschlands stehen auch genug geschmacklose Satteldachhäuser…
    Wenn Sie in Polen geschmackvollere Architektur suchen dann schauen Sie sich im Süden um oder in den Masuren.

    „Täterland Deutschland“
    Aha. Und sie werfen mir Polemik vor?

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