Über den Umgang mit den Seibelhauers

Wenn ich wissen will, ob die sogenannte Journalistin Andrea Seibel in der Welt einen neuen Kommentar geschrieben hat, schaue ich in die internen Statistiken meines Blogs. Die nämlich sind zuverlässig: Wenn Seibel mal wieder zugeschlagen hat, suchen und finden viele Dutzende Internetuser via google und der Eingabe „Andrea Seibel“ einen Exportabel-Artikel über sie aus dem Jahr 2009. Das, was Frau Seibel schreibt, ist das immergleiche. Lupenrein neoliberale Positionen auf dem intellektuellen Niveau der Tea-Party-Bewegung. Aktuell wettert sie darüber, dass die Reichen noch nicht reich genug sind:

„…mit dem Dauergebet von der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich wird nur ein Ressentiment bedient und Neid gegen „die Reichen“ geschürt“.

Das Elaborat ist erwartungsgemäß nicht weiter interessant, außer unter dem Aspekt der Aufmerksamkeitsökonomie. Seibel ist für die Welt das, was ein Jan Fleischhauer für den Spiegel ist. Es geht hier nicht um Meinungen, es geht nicht um Argumente, um Analyse, um Differenzieren, gar um Erkenntnis. Es geht schlicht darum, im marktorientierten Meinungsmonopoly möglichst noch eine inhaltliche Leerstelle zu finden, die für Aufregung sorgt, die man besetzen kann. Damit die auffällt, würzt man seinen Kommentar einfach mit ein paar geistigen Ausfällen, mit Fehlschaltungen in der Argumentationskette, mit etwas Konfrontativem, Beleidigendem, Sozialdarwinistischem. Das erzeugt Aufmerksamkeit in Form von Auflage, Klicks, Reichweite. Darum geht es, um sonst nichts.

So wie Fleischhauer kürzlich im Spiegel den Erzkapitalisten geben musste, der Schirrmachers kritischer Kapitalismusanalyse widersprach und einfach mehr Thatcher empfahl, so behauptet jetzt Frau Seibel, alles sei nur „Neid“. Es sind weder neue noch originelle Analysen, aber in der aktuellen Debatte halt noch nicht besetzt. Doch beide sind erfolgreich: Seibel bringt es innerhalb kurzer Zeit auf 500 Kommentare der geneigten Welt-Leserschaft und auf unzählige Leute, die ihren Namen bei google eingeben. Fleischhauer ist mit seinen recht begrenzten analytischen Fähigkeiten einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands. Beide zielen mit ihren Artikeln unter die Gürtellinie, intellektuell und anstandsmäßig. Darum geht es, um sonst nichts. Man wünscht sich ja fast einen zünftigen Gerhard Löwenthal und sein ZDF-Magazin zurück.

Und natürlich ist es ein Punktsieg für die seibelhauersche Fraktion, wenn sich ein seriöser und hochqualitativer Blog wie dieser hier mit diesen Aufmerksamkeitsökonomisten beschäftigt. Finito.

Dieser Beitrag wurde unter Aufmerksamkeitsökonomie, Medien, Neoliberalismus, Zeitungen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Über den Umgang mit den Seibelhauers

  1. Bersarin schreibt:

    Als Sparmaßnahme für die Frau Seibel: Halbierung von Journalisten.

    (Die etymologische Bedeutung von seibeln; neuhochdeutsch für: dummes Zeug verbreiten)

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  2. hanneswurst schreibt:

    Im Vergleich zu Michele Bachmann finde ich bei Seibel aber zumindest noch ein Argument: Spenden statt freiwillig Steuern zahlen. Das ist zwar in aller Konsequenz dumm und undemokratisch (nämlich ein Aufruf zur Oligarchie) aber wenigstens noch so etwas wie überhaupt ein Punkt, wenn auch eingebettet in 95% Müllsprech.

    Bei den Vorwahlen in Iowa konnte ich mich davon überzeugen, dass Bachmann es tatsächlich schafft, 100% Müllsprech zu produzieren, sie bringt keine Argument heraus sondern beißt wie ein gestörter Köter einfach jeden, inklusive ihrer Parteifreunde, in die Waden.

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  3. genova68 schreibt:

    Ok, wir haben also die Wahl zwischen 95 Prozent und 100 Prozent Müllsprech. Fällt die Wahl da leicht?

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  4. hanneswurst schreibt:

    Ja, meine Wahl fällt auf Bachmann, weil dieser Purismus einfach umwerfend ist. Diesen Energiestrahl aus einer anderen Welt hat es seit gut sechzig Jahren nicht mehr gegeben.

    Seibel dagegen ist einfach nur so eine dämliche Deutschlehrer-Tüpe, die mit zusammengeschusterten Scheinweltbildern etwas Pepp in ihr ödes Dasein bringen will. Wie die schon aussieht – wie eine Sarrazin Karikatur. Aber es ist unfair vom Aussehen auf den Charakter zu schließen. Obwohl – wer sich mit einer solchen Kackschreibe exponiert, hat es auch irgendwie verdient.

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