Ich entschuldige mich: Berlin, wie es wirklich ist!

Meine kleine Bilderserie über Berlin hat eine Kontroverse ausgelöst. Mich erreichten zahlreiche Mails (unter anderem aus dem Büro Wowereit), in denen sich waschechte, wie man sagt, Berliner darüber beschwerten, dass ich unsere Stadt zu negativ dargestellt hätte: Keine Menschen, gähnende Leere, überall Unkraut – das sei ein einseitiges Bild und überdies allenfalls mit böswilliger fotografischer Absicht in den Außenbezirken zu realisieren.

Es tut mir leid, dass ich dem offiziellen Bild unserer sympathischen Reichshauptstadt Schaden zugefügt habe. Dabei wollte ich doch nur ihr bestes. Natürlich ist Berlin total trendy und die Kreativen sind kreativ, ein Gewusel, wohin man blickt. Ganz besonders in Mitte.

Deshalb nun als Bitte um Entschuldigung und als Zeichen meines guten Willens eine kleine Bilderserie über den Trendbezirk Mitte, wie er wirklich ist. Hier schlägt das Herz der Stadt:

(Fotos: genova 2011)

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13 Antworten zu Ich entschuldige mich: Berlin, wie es wirklich ist!

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  2. hnk schreibt:

    Jetze fängst aber an künstlerisch zu werden, bei einigen. Vorsicht!

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  3. genova68 schreibt:

    Bei welchen denn?

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  4. B-like-Berlin schreibt:

    Also ich würde jetzt nicht sagen, dass Deine Fotos die Stadt negativ darstellen. Da könnte man andere Fotos machen bzw. zeigen. Die Stadt ist so, wie Du sie zeigst und sie ist überwiegend so – und teilweise noch „negativer“.
    Das Problem besteht darin, dass die Leute die die genialen Sprüche erfinden, die Stadt nicht in ihrer Vollständigkeit kennen. Die leben nur in ihrer eigenen kleinen Szenerie und reden sich tagtäglich gegenseitig besoffen.
    So ungefähr könnte es auch in Wandlitz gewesen sein. Die Typen in ihrer Waldsiedlung hatten auch keinen realistischen Eindruck mehr von ihrem Land.

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  5. genova68 schreibt:

    B-like,
    ja, meine Rede. Ich finde nicht, dass die Fotos eine Stadt diskreditieren, es ist die Realität, und die ist nicht per se schlecht. Es sind gesellschaftliche, ökonomische und politische Prozesse, die sich darin ausdrücken. Es ist eine räumliche, architektonische Abbildung von Wirklichkeit und als solche erstmal zu zeigen. Mir ging es eher darum, wie du das schreibst, zu zeigen, dass die Realität eine andere ist als das, was sich be berlin und Tourismusmanager ausmalen. Bei denen geht es nicht um „Berlin“, sondern um ein leicht handelbares Produkt, das schnell konsumiert werden kann. Künstlich sind eher die typischen Touristenorte, weil die nur über das Engagement von Investoren mit hohen Renditeerwartungen funktionieren, also über den dauernden Zustrom von Touristen, die sich wiederum nicht für die Stadt interessieren, sondern für das Bild, das ihnen von ihr von der Tourismusindustrie angeboten wird. Aus ihrer Sicht sind meine Bilder schon eine Form des Diskreditierens.

    Das ist anderswo ja ähnlich. Der typische Rom-Tourist kann eigentlich auch nicht behaupten, „Rom“ besucht zu haben, sondern nur einen kleinen Teil, der künstlich arrangiert wird, als Kulisse. Das Problematische an beiden Beispielen, Rom und Berlin, ist dann, dass dieses konstruierte Stadtbild auf Kosten anderer geht: Steigende Mieten vor allem. Und schlicht ein falsches Bild von Stadt. Stadt ist mehr als eine Touristenattraktion.

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  6. InitiativGruppe schreibt:

    Wieder keine Menschen.
    Ich dachte immer, Berlin hat 3,4 Millionen Einwohner.
    Aber wenn du kommst, bewaffnet mit der Kamera, dann flüchten die sich wohl alle in die Häuser.

    Oder wie schaffst du es, so souverän menschenfreie Stadträume fotografieren zu können.
    Wie oft hast du sagen müssen: „Entschuldigung, könnten Sie bitte mal aus dem Bild gehen?“

    Oder hast du dir für jedes Foto eine Stunde lang geduldig die Beine in den Bauch getreten, bis das Schussfeld endlich menschenfrei war?

    Oder liegt es daran, dass heute wirklich jeder nur noch am Bildschirm hockt und guckt und surft? Dass kein Schwein noch was draußen tut, nur zum Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit setzt es sich mal kurz dem offenen Himmel aus?

    Oder es gibt in Berlin eine Sperrstunde – in der müssen alle von der Straße weg sein.

    Oder – nachdem wir in einer Zeit der Verschwörungstheorien leben, in der zum Beispiel auch behauptet werden kann, das Massaker von Utöya habe gar nicht stattgefunden — vielleicht gibt es ja gar kein Berlin? Ich meine, vielleicht gibt es nur die hardware, aber keine Berliner? – Also, wenn ich jetzt aus irgend einem Grund ein persönliches Interesse daran hätte, könnte ich von München aus (!) behaupten, es gebe keine Berliner – Genova68 habe es mit seinen Fotos bewiesen. Denn es ist UNMÖGLICH, in der Mitte einer Millionenstadt sechs solche jeweils einen weiten Raum abgreifende Fotos zu machen, ohne dass da ein Mensch drauf ist. (Bei dieser Überlegung orientiere ich mich am „Honigmann“, dem erfolgreichsten Blog bei wordpress!)

    Eine weitere gewagte Hypothese: Genova, die Fotos hast du in Bukarest oder Warschau gemacht – und das vierte hast du zu unserer Täuschung dazwischen geschmuggelt (oder es ist trickreich retouchiert).
    Denn eine deutsche Großstadt sieht doch nicht SOO aus!
    Deutsche Staatsbürger lassen es einfach nicht zu, dass ihnen ein solches Wohnumfeld zugemutet wird.
    Das sage ich als Mitglied des Bezirksausschusses 6 Sendling, München.

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  7. genova68 schreibt:

    Berlin ist eine in weiten Teilen leere Stadt. Die Zusammenballungen finden nur an wenigen Orten statt. Friedrichshain beispielsweise hatte 1938 300.000 Einwohner, mittlerweile sind es 100.000, seit Jahrzenten konstant. Und Friedrichshain ist noch der am dichtesten besiedelte Bezirk Berlins. Es gibt in Berlin, vor allem im Osten, nach wie vor riesige Brachflächen, früher industriell genutzt. In der DDR wurde der Osten extrem erweitert, dort wären die Fotos noch weit extremer, alles riesig breit und menschenleer. (Das war ja auch ein Teil der kleinbürgerlichen Absurdität der DDR: Die haben riesigbreite Straßen gebaut, nach westlichem Vorbild, es aber dann nicht auf die Reihe bekommen, die nötigen Autos herzustellen.) Selbst eine Stadt wie Düsseldorf ist viel dichter, es sind viel mehr Menschen pro Quadratkilometer unterwegs, ganz zu schweigen von Paris oder London.

    Das unterste Bild beispielsweise ist direkt neben dem Alexanderplatz aufgenommen. Dort ist eine Brache von der Fläche einer Kleinstadt, praktisch leer. Norman Foster und Kollhoff wollten da in den Neunzigern eine Wolkenkratzerstadt bauen, haha. Und auch für die anderen Bilder musste ich maximal zehn Sekunden warten, bis die Solo-Oma mit Rollator aus dem Bild gewackelt war. Ich habe das alles nur im vorbeifahren geknipst, weiß gar nicht mehr, an welchen Wochentagen. Wahrscheinlich Sonntag, wenn ich mir den Netto-Markt anschaue.

    Im Südwesten Berlins existieren in weiten Teilen nur Straßen und Unkraut, dazwischen viel stillgelegte Industrie.

    Andererseits ist es ja nichts neues, dass der Durchschnittsdeutsche nur rausgeht, wenn es ein Event gibt, Altstadtfest oder sowas. Wenn nicht, bleibt der dahoam. Natürlich gibt es haufenweise Stellen, wo es wimmelt. Eigentlich überall dort, wo man shoppen kann.

    Warschau fand ich übrigens ähnlch leer, da gab es, bis auf die kleine Altstadt, eigentlich nur Leere. Im Gegensatz zu Bukarest, das war fast überall voll.

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  8. Pingback: Berliner Lokoschadenseiten | B like Berlin

  9. Nihilist schreibt:

    Joseph von Eichendorf

    Markt und Straßen stehn verlassen,

    lol – nur eben keine Weihnachtszeit.

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  10. T. Albert schreibt:

    Aber klar wird: Wenn nur endlich das „Schloss“ steht, dann wird alles leuchten. Ohne Kopftuchmädchen wird es endlich wieder Platz für Menschen geben und sie werden wieder sichtbar sein. Das „Schloss“ wird die Stadt und die Republik wunderbar verwandeln, Sozialausgaben werden ersatzlos nicht mehr nötig sein.

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  11. genova68 schreibt:

    Die Kopftuchmädchen kriegen Schlossplatzverbot. Wäre ja noch schöner.

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  12. Panama foundation schreibt:

    Blauer strahlender Himmel Den jugeudlichen Teilnehmern wird .wolbte sich iiber der Reichshauptstadt diese einfache aber wiirdige National- .als diese den hundertsten Geburtstag feier gevviss eine bleibende Erinnerung .des eisernen Kanzlers feierte.

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  13. genova68 schreibt:

    Ja. Ich denke, das kann man so sagen.

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