Köln – Ostberlin: ein profunder Städtevergleich

In Köln sind die Fließen kapitalistisch und ohne Schnörkel, in Berlin sozialistisch und mit Fries, man braucht Abwechslung in der Monotonie. Die Kölner Fließen sind in einem warmen Ton gehalten, es ist ja die nördlichste Stadt Italiens. Der kühle Farbton in Ostberlin zeigt die Nähe zu Sibirien. Der Kapitalismus macht krank, deshalb ist die Apotheke gleich im Haus untergebracht. Im Sozialismus braucht man Fluchtwege, am besten unterirdisch. Im Sozialismus verzichtet man auf Gardinen, man hat offenbar nichts zu verbergen. Ganz im Gegensatz zum Kapitalismus, wo man sich sogar hinter Grünzeug verbarrikadiert. Im Sozialismus schenkt man der Natur keine Beachtung, das Grünzeug vertrocknet auf dem Vordach.

In beiden Systemen schauen Frauen im Top aus ihren Fenstern. Sie sind auf der Suche.

(Fotos: genova 2004 und 2011)

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19 Antworten zu Köln – Ostberlin: ein profunder Städtevergleich

  1. hANNES wURST schreibt:

    Was ist denn jetzt Berlin? Der Puff oder die Seniorenresidenz?

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  2. genova68 schreibt:

    Interessante Assoziationen, die die Schärfe deines Blicks aufs Neue belegen.

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  3. Nihilist schreibt:

    Kapitalismus macht nicht krank – Kapitalismus IST eine ansteckende Krankheit.

    Sozialismus, das Angstgespenst, der Fluchtweg dient also den Kapitalisten zum weglaufen, wenn sie darauf treffen.

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  4. genova68 schreibt:

    In der Zeit des real existierenden Sozialismus (das Bild unten zeigt die Stalinallee) ging der Fluchtweg in aller Regel von Ost nach West, und das nicht nur für eingefleischte Kapitalisten und das nicht ohne Gründe, da wollen wir mal keine Geschichtsklitterung betreiben.

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  5. Fishtank schreibt:

    Der Sozialismus hat versagt und der Kapitalismus schickt sich aufgrund der Gier sogenannter Eliten gerade an, diesem Beispiel zu folgen. Das Ende der Geschichte? Niemand weiß es.

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  6. hANNES wURST schreibt:

    Die Republikflucht war doch schon auf dem absteigenden Ast, wie man hier deutlich sieht. Noch ein paar Jahre, und die Wessis wären in die DDR geflüchtet. Das hier sowieso keiner leben möchte, sieht man doch am deutlichen Bevölkerungsschwund. Passend zum Thema empfehle ich diese Dokumentation über Berlin:

    Der Boom findest wo anders statt – in den Ländern sozialistischer Prägung: China, Bolivien, Venezuela, Laos, Vietnam, Kuba, Syrien, Irak, Nordkorea UND VIELE MEHR.

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  7. genova68 schreibt:

    Hansi, der Blogkomiker. Aber der Film ist interessant. Ich verstehe trotzdem nicht so richtig, wie das funktioniert.

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  8. Nihilist schreibt:

    @Wursti

    Ein Denkfehler (die Grafik mit den Flüchtlingszahlen) von Ihnen oder bewusste Täuschung?

    Da die „innerdeutsche“ Grenze zu gefährlich wurde, gingen die Flüchtlingsströme eben Umwege.

    @ genova

    Die Menschen sind nicht vor dem Sozialismus geflohen, denn es war kein Sozialismus oder Kommunismus damals.

    Warum sind Kubaner aus Castros Kuba geflohen? Warum fliehen Menschen aus Afrika und anderswo?

    Weil das System Kapitalismus plus verdecktem Kolonialismus keine andere Wahl lässt. Irgendwann werden auch Deutsche aus Deutschland fliehen, wenn die Tyrannei des Kapitals zu offensichtlich wird. Noch gefällt es der Masse in einem goldenen Käfig zu leben und nur die Erwerbslosen in eine prekäre Lebenslage abzuschieben. St. Florian-Prinzip.

    Ach, diese MEINE Meinung führte in anderen Foren zur Drohung mich zu sperren. So meide ich diese Foren jetzt.

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  9. hanneswurst schreibt:

    @Nihil Baxter: Mein Material ist zu 100% authentisch und meine Absichten stets gut zu nennen. In der BRD halten sich nach wie vor zahlreiche Vorurteile über die DDR. Oder wurde Ihnen in der BRD schon einmal etwas darüber erzählt, wie viele Ausländer es in der DDR gab? Die Vertragsarbeitnehmer wurden – anders als in der BRD – nicht mit Integrationskursen und Ärschen wie Sarrazin gegängelt.

    Fragen Sie sich einmal, was Sie wirklich über die DDR wussten. Selbst mancher DDR Bürger ließ sich nach Belieben vom West-TV das Gehirn toasten und dachte nachher, er bräuchte dringend einen Benz um sich die Haare trockenzufahren. Das war alles Teil der größten Übernahmeschlacht der Moderne.

    Die Authentizität der DDR ist unübertroffen, das beweist schon der überaus ehrliche Akt des Mauerbaus.

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  10. genova68 schreibt:

    Danke für diese profunde Analyse des Bruderstaates. Man sieht hier einen klaren Vorteil von Blogs: Erst das Wissen aller ergibt ein rundes Bild.

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  11. Nihilist schreibt:

    @ wursti

    Sorry, ich hab diverse Verwandte „drüben“ gehabt. Die kamen nach der „Wiedervereinigung“ schnell in den Westen, aus Angst, als Stasi enttarnt zu werden. Die haben immer schön „mit den Wölfen geheult“.

    Die Vietnamesen – Hoyerswerda – ich denke, diese Anmerkung reicht aus, um die fremdenfeindlichkeit der Ex-DDR-ler zu erkennen, auch das dort nun die Rechten so erfolgreich sind. Die „No-go-Arears“ zeigen ebenfalls was dort für „Typen“ leben.

    Vielleicht etwas zu umfangreich, werde es aber trotzdem hier posten – ein Artikel den ich mal für meine Stadtteilzeitung geschrieben habe.

    Ein Gleichnis wegen Hoyerswerda!:

    Eine Dreiecksgeschichte

    Viele Geschichten beginnen mit den Worten „Es war einmal …“. Nun gibt es aber leider auch Geschichten, die müssen einfach mit den Worten „Es war wieder einmal soweit …“, beginnen. So auch diese Geschichte, die ich jetzt erzählen möchte.

    Es war wieder einmal soweit. Diesmal war es ein einfaches Dreieck das, unzufrieden mit sich selbst, zum Auslöser wurde. Es war weder ein gleichseitiges, rechtwinkliges oder gleichschenkliges Dreieck. Darunter litt es sehr, weil es etwas besonderes sein wollte. Keine der vielen anderen Formen beachtete es. Alle die Kreise, Quadrate, Ovale oder Rechtecke und sonstige Formen beachteten nicht die Anzeichen, die von diesem Dreieck ausgingen. Dann eines Tages brach einem Trapez bei einem Unfall, den das Dreieck beobachtete, eine Ecke ab. Dadurch kam das Dreieck auf die Idee, das sich viele andere Formen in einfache Dreiecke zerlegen ließen. Daraus folgerte es die These von der Überlegenheit der Dreiecke gegenüber allen anderen Formen. Diese These nun wurde sofort von vielen einfachen Dreiecken mit Begeisterung aufgenommen. Sie bildeten Gruppen, die alle anderen Formen verfolgten und bedrohten. Manche Formen wurden gegen ihren Willen in Dreiecke zerlegt. Da sich die anderen Formen nicht gegenseitig halfen sondern gleichgültig nebeneinander vor sich hin lebten, errangen die Dreiecke bald eine große Macht. Um sich zu schützen begannen nun viele andere Formen sich zu verbiegen und nahmen das Aussehen von Dreiecken an. Diese waren jedoch stets mißtrauisch und so verhielten sich diese verbogenen Formen noch dreieckiger als die echten Dreiecke. Alle Formen, die dazu nicht gewillt oder nicht in der Lage waren, sich als Dreiecke auszugeben, wurden erbarmungslos verfolgt. Viele Formen versuchten in andere Gegenden zu flüchten, aber nur wenigen gelang dies. Niemand glaubte ihnen ihre Furcht vor den Dreiecken. Langsam dehnte sich nun der Bereich der Verfolgungen immer weiter aus. Bis dann eines Tages ein mutiges Sechseck den Widerstand begann. Es erreichte einen Zusammenschluß von verschiedenen Formen, die sich nun gegen die Dreiecke zur Wehr setzten. Durch dieses Vorbild ermutigt, begannen immer mehr Formen sich den Dreiecken entgegen zu stellen. Nach langen und harten Kämpfen wurde das Gebiet der Dreiecksbanden befreit. Als nun die Taten in ihrem ganzen Ausmaß erkannt waren, sollten die Schuldigen bestraft werden. Die verbogenen Formen hatten inzwischen ihre ursprüngliche Gestalt wieder angenommen und stellten sich gegenseitig als vollkommen Unschuldig hin. Am Ende kam es zur Verurteilung von ein paar einfachen Dreiecken, deren Unschuldsbeteuerungen niemanden interessierte. Das auslösende Dreieck hatte sich zusammen mit einem anderen Dreieck als Raute getarnt und wurde nie mehr gesehen.

    Somit endet diese Geschichte mit den Worten, das war einmal. Aber, wie schon am Anfang gesagt, manche Geschichten kommen irgendwann mit den Worten, es war wieder einmal soweit, zurück. Hoffentlich findet sich dann rechtzeitiger Widerstand, damit sich die Geschichte nicht vollends wiederholt

    ***

    Die Mitläufer sind eben manchmal „Dreieckiger“ als die „Dreiecke“ selbst. Auf die DDR gemünzt, die Stasi-IM …

    So wie die Kapitalismusmitläufer … aber das kann ja jeder Tag für Tag selbst erleben.

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  12. genova68 schreibt:

    Nihilist,
    bitte bedenke bei deiner Kritik die politische Biographie von HannesWurst. Bis 1973 auf dem militanten Flügel der Rheinland-Maoisten aktiv, wechselte er nach einer kurzen, aber heftigen apolitischen Phase 1974 zur DKP, die ihn 1979 wegen „übermäßiger Orthodoxie“ (O-Ton der Anklage) ausschloss. Dann siedelte er – gegen den erklärten Willen des Staatsrats – in die DDR über, wurde dort jedoch von Vertragsarbeitern gemobbt. Derzeit bietet er auf privater Basis in Xanten „Extegrationskurse“ für Ostdeutsche im Westen an (Bezahlung ausschließlich in Ostmark). Die Nachfrage ist verhalten.

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  13. Nihilist schreibt:

    Ich lach mich weg.

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  14. hanneswurst schreibt:

    @ganove: Vielen Dank für diese kurze Würdigung meiner politischen Laufbahn. Du hast meine FDP-Phase ausgelassen. Aber ich habe noch einmal die Reißleine gezogen, wie Christian Klar und ich zu scherzen pflegen.

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  15. genova68 schreibt:

    Ich dachte, das mit der FDP sei dir peinlich und ließ es deshalb unerwähnt.

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  16. bersarin schreibt:

    Zwei schöne Photographien, fürwahr, wobei mir die Frau in Berlin doch die vielversprechendere von beiden zu sein scheint.

    (Das Friedrichstraßenprojekt müßte man demnächst wohl angehen – jetzt, wenn es wärmer wird. Vielleicht einigen wir uns so monatsmäßig auf den Mai? Zu schauen wäre, wie man das durchführt. Der eine die rechte, der andere die linke Seite? Nein, zu starr geregelt. Jeder fertigt zehn Bilder?)

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  17. genova68 schreibt:

    (Willkommen zurück, Bersarin. Mai für die Friedrichstraße ist gut. Die Regeln können wir ja weit fassen. Was mich immer einengt, sind thematische Vorgaben, so wie kürzlich „Luxus in Neukölln“. Man läuft dann rum und findet tausend interessante Perspektiven, nur nichts zum Thema Luxus in Neukölln. Wir können das ja per Mail regeln. Ich melde mich.)

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  18. bersarin schreibt:

    Luxus in Neukölln: das ist der doppelte Cheeseburger bei Mc Donald’s oder ’ne Flasche Berliner Pilsener oder n‘ Goldi.

    (Nein, das ist zynisch. Ich photographierte aber trotzdem so etwas in dieser Art: Trashprodukte, Herabgesunkenes und koppelte dies mit dem Thema Luxus in Grunewald und Dahlem: Hundephotos, Hundekot und fein gemachte Hunde, Hundefutter. Ach, es gibt so viele schöne Photo- und Kunstprojekte.)

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  19. genova68 schreibt:

    Ja, so hätte man das machen können mit dem Luxus in Neukölln. Aber das wäre auch ein wenig platt, oder? Oder klischeehaft. Ja, es gibt unendlich viele wunderbare Ideen und Perspektiven. Ich bin nur schnell blockiert, wenn ich Vorgaben habe.

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