GAU in Deutschland: Kurze Bemerkung zur „Brückentechnologie“

Zu den Ereignissen in Japan wird derzeit soviel geschrieben, da fällt mir nichts Neues ein. Außer der Frage, inwieweit sich Medien zum Büttel einer Politik machen, die auf die Lüge setzt und das dann ein Argument nennt.

Beispiel „Brückentechnologie“: Den Begriff haben die PR-Experten der Regierung genau zu dem Zeitpunkt kreiert, als man beschloss, die Atomkraftnutzung nicht mehr als Brückentechnologie zu verwenden, sondern aus dem Ausstieg auszusteigen. Die angeblichen zwölf Jahre Laufzeitverlängerung waren erkennbar Augenwischerei. Die Atomlobby sagte das vor einem halben Jahr ganz offen:

„Die Betreiber fordern eine Gesamtlaufzeit der Anlagen von 60 Jahren und mehr – solange sie sicher sind. Auch den Bau neuer Kernkraftwerke wollen sich die großen Konzerne langfristig offen halten.“

AKWs also laufen lassen, solange sie Rendite bringen. Zwölf Jahre mehr bringen runde 50 Milliarden Euro für die Atomindustrie, warum nicht über 60 Jahre reden?

Obwohl also das Gerede von der Brückentechnologie an Orwell erinnert, ist der Begriff in aller Munde. Er wird von den Medien bereitwillig transportiert. Sender wie der Deutschlandfunk lassen in aller Ausführlichkeit die hartnäckigsten Vertreter des Orwellschen Geplappers zu Wort kommen und machen sich damit zum Büttel der Lüge. Christian Lindner von der FDP ist so ein Exemplar. Wer den interviewt, sollte das nur mit dem Vorsatz machen, ihm die Maske vom Gesicht zu reißen. Wer das nicht tut, sollte sich fragen, welchen Erkenntnisgewinn der Hörer des Interviews eigentlich hat. Außer dem Wissen, dass Lindner ein guter Rhetoriker und ein guter Lügner ist. Aber das wusste man ja schon vorher.

Korruption, Lüge, Bestechung durch die Atomindustrie, politische Zuhälterei, Missachtung des Grundgesetzes, das wären die Stichworte, die fallen müssten. Nix Brückentechnologie. Wenn es um seriösen Journalismus ginge, wohlgemerkt.

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5 Antworten zu GAU in Deutschland: Kurze Bemerkung zur „Brückentechnologie“

  1. Observator schreibt:

    Brücken brechen schon mal zusammen, zumal dann, wenn sie wie in diesem Fall, auf Lügen errichtet sind!

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  2. chinesischezeichen schreibt:

    Brückentechnologie ist ein wunderschönes Beispiel politischer Rhetorik. Da kann jeder das reininterpretieren, was er gerade möchte.

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  3. genova68 schreibt:

    Ja, Brückentechnologie, schönes Wort. Man sollte sich viel mehr um solche sprachlichen Details kümmern, die wirken im Bewusstsein tiefer als alle Fakten. Eines der größten Kampfgebiete diesbezüglich ist ja nach wie vor aktuell: Sagt man Kernenergie oder Atomenergie? Will man an einen Kirschkern erinnern oder an die Atombombe? Keiner der beiden Begriffe hat sich allgemein durchgesetzt.

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  4. Lara schreibt:

    Vielleicht kennst du ja schon den Neusprech-Blog, dort wurde das Wort auch schon einmal besprochen, wobei nicht auf die auf der Hand liegende Verdopplung, dass die Atomkraft bereits eine Brückentechnologie war bevor sie zu eben dieser erklärt wurde, hingewiesen wird. Ich hab so meine Probleme mit dem Neusprechblog, weil er mich zuweilen an Bastian Sick mit einem Schuss Politikpopulismus erinnert, aber naja, ist ein wenig abhängig von den Einträgen und Autoren.

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  5. genova68 schreibt:

    Nein, den Neusprech-Blog kannte ich noch nicht. Das Thema findet sowieso viel zu wenig Beachtung, wenn man Leute wie diesen FDP-Lindner hört und unzählige andere, wird man vollgestopft mit solchem Müll, ohne es zu merken. Westerwelle ist da sowas wie ein moderner Vorreiter, glaube ich. Der hat diese Art des smarten Redens, bei der das Zertreten des Gegners nicht mehr so laut knirscht, verinnerlicht.

    Bastian Sick, tja, mir kam der immer ein wenig zu klugscheißerisch vor. Wohl deshalb, weil er es nicht bei der Kolumne belassen konnte, sondern meinte, ganze Hallen füllen zu müssen.

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