„Nur noch der Kaffeesatz übrig“

Der Bund hat vor knapp sieben Jahren die Wohnungsbaugesellschaft GAGFAH für drei Milliarden Euro an den US-Investor Fortress verkauft. Die Folgen sieht man hier:

Das passierte, nebenbei gesagt, unter der rot-grünen Bundesregierung.

Es ist ja bekannt, wie sowas läuft. Ein paar Kennzahlen sind dennoch aufschlussreich, weil sich damit ganz gut argumentieren lässt. So beliefen sich die Instandhaltungskosten der GAGFAH-Wohnungen im Jahr 2002 noch auf 15,29 Euro pro Quadratmeter und Jahr, nach der Privatisierung im Jahr 2009 sind es 7,60 Euro. So sehen die Gebäude auch aus.

Fortress wird die Wohnungen auch wieder verkaufen. Die Substanz wird ausgesaugt, die Sahne abgeschöpft, es bleibt der Kaffeesatz übrig, also die schlechten, ghettoähnlichen Lagen. Und dann? O-Ton aus dem Beitrag:

„Dann können die Kommunen sehen, wie sie mit diesen Vierteln umgehen“

Es sind kriminelle Methoden eines kriminellen Investors mit Hilfe einer rot-grünen Bundesregierung. Saß da seinerzeit nicht auch Olaf Scholz mit drin, der neue Hoffnungsträger der Sozialdemokraten?

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5 Antworten zu „Nur noch der Kaffeesatz übrig“

  1. hanneswurst schreibt:

    Die Methoden des Investors mögen scheiße sein, aber ist er deswegen kriminell? Sie wären vielleicht kriminell, wenn die Rechtslage vernünftiger wäre. Hier liegt die Versäumnis klar bei der Politik. Wer seine gebrechlichen Gefährten im Wald liegen lässt sollte sich anschließend nicht echauffieren, weil die Wildtiere die Situation zu einem Festmahl gemacht haben. Von einem Wirtschaftsunternehmen moralisches Handel zu verlangen, ist Ponyhofdenken.

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  2. genova68 schreibt:

    Ob scheiße oder kriminell, wenn du ein juristisches Fachurteil brauchst, frag Dr. Guttenberg, der soll da eine Koryphäe sein.

    Die Unterscheidung zwischen Poltik und Wirtschaft funktioniert meines Erachtens nicht so, wie du das darstellst. Die Verflechtungen sind auf allen Ebenen so vielfältig, wie willst du da trennen zwischen der unbedingten Forderung nach moralischem Verhalten einerseits und der kompletten Freigabe diesbezüglich andererseits. Jeder Manager würde dir da übrigens widersprechen und für sich moralisches Verhalten reklamieren. Kein Unternehmen könnte überleben, würde es sich deinen Maßstab offiziell zu eigen machen.

    Es geht auch hier wieder in erster Linie um Strukturen. Der Verkauf der Gagfah an Fortress wäre nicht möglich gewesen ohne die damals vorherrschende generelle Meinung, dass privat besser ist als Staat. Man hätte damals natürlich wissen können ,wie das laufen wird, und manche wussten es auch. Aber die Spindoktoren waren stärker, so wie offenbar geraade im Fall Guttenberg.

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  3. hanneswurst schreibt:

    Natürlich haben viele (bei Fortress bin ich mir da nicht so sicher) Unternehmen Angst, dass ihr Absatz zum Beispiel dadurch gefährdet wird, dass angeprangert wird, in welchem Maße sie Lohndumping und Ähnliches betreiben. Das sind aber ganz normale Absatzrisiken, und der Unternehmer wird einfach kalkulieren, wie viel er sich den guten Ruf kosten lassen kann. Im Zweifelsfall wird dann natürlich manipuliert bis zum Abknicken, wenn sich ein Energieriese zum Beispiel zum Vorreiter in Sachen Ökostrom erklärt (obwohl der grüne Strom nur ein Feigenblättchen ist).

    Dieser ganze Bullshit von der unternehmerischen Verantwortung und den Öko-Konsumenten ist für den Arsch. Und zwar deshalb, weil man sich nicht darauf verlassen kann. Sicherlich gibt es hier und da vorbildliche Unternehmen, aber wer kann sagen, ob das gleiche Unternehmen auch noch so vorbildlich ist. Die Realität ist, dass eine Unternehmung im Normalfall durch eine Grauzone fliegt, hin- und hergerissen zwischen den verschiedensten Verantwortlichkeiten und der Gewinnabzielungsabsicht. Selbst wenn ein Großteil der Unternehmen beschließen würde, eine moralische Instanz zu bilden, wäre das keinesfalls vorteilhaft für den Staat. Schnell würde die Politik sich auf die lieben Unternehmer einschießen und die Kontrolle aus Kostengründen aus der Hand geben, nur um in die Katastrophe zu schlittern sobald irgendwelche Anteilseigner doch einmal wieder eine fette Rendite sehen wollen.

    Dass die Wirtschaft anders agieren kann als die Politik, wird ja auch ausgenutzt. Im Fall GAGFAH bedeutet das: der Bund hat sich willfährig von einer Altlast getrennt, die erstens weit außerhalb seiner Kernkompetenz steht und die zweitens nur über kalkulierte Grausamkeiten vertretbar abgewickelt, abgewirtschaftet oder auch saniert werden kann. Die Kalkulation war wahrscheinlich: entweder jetzt 3 Mrd. einsacken oder in den nächsten zehn Jahren 3 Mrd. draufzahlen.

    Die arme Frau ohne Klo tut mir natürlich leid, eine Mietminderung von 1 Euro pro Stuhlgang sollte da schon drin sein. Andererseits kann man mit dieser Methode den Wasserverbrauch besser regulieren, die GAGFAH hat also auch etwas Gutes getan. Die Mieter müssen wegen Schieferschlag Zwischenspurts einlegen, was die Gesundheit fördert, und Notausgänge sind sowieso überbewertet – oder hattest Du schon mal einen Notausgang zu wenig? Wenn, dann doch eher einen zu viel, zum Beispiel bei der Suche nach dem Ausgang aus der Tiefgarage. Dass die GAGFAH keine Interviews gibt kann nur bedeuten, dass sie den Ausspruch „Tue Gutes und sprich darüber“ konsequent zu Ende gedacht hat. Meiner Meinung nach ist das alles sehr löblich.

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  4. genova68 schreibt:

    In Sachen Mietminderung sind wir uns einig, und ob ich schon mal einen Notausgang zu wenig hatte, werde ich dir mitteilen, wenn ich einmal verbrannt sein werde.

    Die Sanierung von Wohnungen ist allerdings keine Grausam-, sondern eine Selbstverständlichkeit. Die Argumentation leuchtet vielleicht in der Sahelzone ein.

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  5. genova68 schreibt:

    Rentner und Türken machen gemeinsam Front gegen das durch und durch verkommene Kapitalistengesindel:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,753127,00.html

    Weiter so!

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