Die Brücke der Liz Mohn nach Ägypten

Die deutsche Elite und ihre langjährig gepflegten Beziehungen zum Mubarak-Clan sind ein Thema, bei dem sich sicher interessante Kontakte recherchieren ließen. Liz Mohn von Bertelsmann und der berüchtigten Bertelsmann-Stiftung hat das auf gefühlig-weibliche Art erledigt.

„Menschen verbinden, Brücken bauen“, wollte sie laut Eigenwerbung mit der Frau des Menschenschinders Hosni, Suzanne Mubarak. Die Damen kennen sich seit 1995:

„Eine besondere Begegnung hatte Liz Mohn mit der ägyptischen First Lady Suzanne Mubarak, die sie bei der Einweihung der von der Bertelsmann-Stiftung geförderten Mubarak Public Library kennen lernte. Liz Mohn rief in Ägypten ein Forum für Kultur ins Leben, in dem sie gemeinsam mit Suzanne Mubarak Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zusammenbrachte.“

Die beiden verbindet „eine enge Freundschaft“, liest man da auch. Über die Zielsetzung dieser Mubarak Library (wird die jetzt umbenannt?) schreibt Bertelsmann mit entwaffnender technokratischer Offenheit:

„Als kundenorientierte und wirtschaftlich geführte öffentliche Bibliothek ist sie das Modell für ein effizientes Filialsystem und Ausgangsbasis für die Qualifizierung von Bibliothekaren in Ägypten.“

Welche Bücher angeschafft werden, ist nicht so wichtig, Hauptsache effizient. „Kundenorientiert“ bekommt vor dem politischen Hintergrund einen ganz besonderen Beigeschmack.

2004 bekam die nette Suzanne („Sie hält ihre Kleidung einfach und wählt Accessoires, die für sich selbst sprechen“) die Ehrenbürgerwürde der Universität Stuttgart verliehen, die Laudatio hielt die nette Liz. Den Text würde ich gerne lesen, er ist aber im Internet neuerdings nicht mehr verfügbar. Die FASZ zitiert sie jedenfalls mit Bemerkungen über das „außerordentliche gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein“ der Frau Mubarak und ihre „Offenheit für neue Ideen und die Meinung des Gegenübers.“ (Print, 13.2.11, S. 29)

Gut möglich, dass der Gegenüber kurz nach seiner Meinungsäußerung in den Folterkellern verschwunden ist. Aber das konnte die Liz (die 2001 ein Buch mit dem Titel „Liebe öffnet Herzen“ schrieb) ja nicht wissen. Oder: Wer es mit der Meinungsäußerung gegenüber Suzanne übertreibt, muss die Konsequenzen tragen.

Das außerordentliche gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein hat wahrscheinlich auch dazu geführt, dass der Mubarak-Clan nun über ein Vermögen von geschätzten 40 Milliarden US-Dollar verfügt. So gesehen ist es direkt anerkennenswert, dass Suzanne ihre Kleidung dennoch einfach hält.

Dass ausgerechnet so ein neoliberaler Scheißverein wie die Bertelsmannstiftung sowas bringt, ist natürlich nur Zufall. Was sonst?

Dieser Beitrag wurde unter Aufmerksamkeitsökonomie, Neoliberalismus, Politik, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Die Brücke der Liz Mohn nach Ägypten

  1. hanneswurst schreibt:

    Lustige Nachrichten aus aller Welt

    ÄGYPTEN: Hosni Mubarak verlässt Ägypten, Husni Mubarak tritt seine Nachfolge an. ALGERIEN: Premierminister Ahmed Ouyahia kann sich jetzt auch eine Revolution in seinem Land vorstellen. USA: Millionen Amerikaner demonstrieren auf dem Times Square gegen präsidentielles Regierungssystem. Atomschlag um 9.00 PM (EST) erwartet. VR CHINA: Wen Jiabao verspricht Deutschland Hilfe beim demokratischen Wiederaufbau. GÜTERSLOH: Gregor Gysi hält zum 70. Geburtstag Laudatio auf Liz Mohn.

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  2. InitiativGruppe schreibt:

    Genova,
    du siehst das mit Liz M. und Suzanne M. noch aus der – veralteten – Perspektive der menschlichen Gleichheit. Die Zeit haben wir hinter uns. Heraufgedämmert ist bereits die Neue Zeit, für die wir noch keinen Namen haben, drum nenn ich sie mal – etwas anachronistisch – Neo-Feudalismus.

    Der Aristokrat und die Aristokratin von heute
    hat 1. so viel Geld, dass sie einer anderen Sphäre gehören,
    hat 2. dieses Geld weitgehend arbeitsfrei, also auch die Zeit, es auszugeben und auf entsprechend hohem Niveau zu konsumieren,
    hat 3. Macht, denn Geld ist Macht, und hat so viel Macht, dass du und ich im Konfliktfall nicht mehr zählen,
    hat 4. mit unserer Sphäre der Normalbürger nur noch in Form von Herablassung, großzügiger Spende oder Polizeiknüppel-Attacke zu tun; man lebt in einer gated community, unsereins steht am Schaufenster und drückt sich die Nase platt beim Reinschauen.

    Das neue Feudalsystem ist noch in den Anfängen und ist noch nicht ganz perfekt. Nur so ist es zu erklären, dass jemand wie du Liz M. und Suzanne M. so ungestraft anpinkeln darfst. In einer Generation wird man deine Respektlosigkeit vor den Edlen Reichen nicht mehr verstehen.

    Wie schon Shakespeare zeigt: Es spielen sich Tragödien ab in der Welt der feudalen Welt. Dramen auf hohem Niveau. Es gibt Stürze, die Fallhöhe ist beträchtlich. Manchmal steht sogar der lächerliche Pöbel auf und zerrt an den Nerven. Aber am Ende stellt sich die natürliche Ordnung wieder her, und wer nach oben gehört, steht auch oben, und wer nach unten gehört, bleibt unten.

    Noch fehlt es in unserer Kultur am unterwürfigen Respekt vor der Feudal Society. Dein Artikel ist dafür ein Beispiel. Unsere Enkel hingegen werden so viel Ehrfurcht vor dem Geld haben, dass ihnen der Respekt vor den Superreichen ganz selbstverständlich sein wird.

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  3. genova68 schreibt:

    Zwei recht unterschiedliche, aber nichtsdestotrotz künstlerisch wertvolle Beiträge. Habt Dank!

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