Böller statt Brot

Eigentlich ganz gut, dass zeitgleich mit dem Volksaufstand in Ägypten die Münchner „Sicherheitskonferenz“ stattfindet, weil da die Verlogenheit kapitalistischer Interessenspolitik kaum verhüllt zur Sprache kommt. So forderte der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, am Wochenende von den Europäern höhere Militärausgaben. Begründung laut FAZ (Printausgabe vom 7.2.11, S. 2):

„…Zoellick, der die Folgen der Finanzkrise für die Stabilität und die Sicherheit der Welt geschildert hatte. Die  Auswirkungen höherer Preise für Nahrungsmittel und Energie in Entwicklungsländern seien katastrophal … Er appellierte an die Europäer, über den europäischen Tellerrand hinauszublicken. Denn jenseits von Europa lauerten die Gefahren und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. ,Und an den Sinn militärischer Macht glaube ich noch immer.´“

Spekulanten machen Nahrungsmittel teurer, die kapitalistische Logik entzieht ganzen Volkswirtschaften die Fundamente, dann wird das Brot knapp und was schlägt die Weltbank vor? Die Hungernden erschießen. So müssen sie immerhin nicht verhungern. Die Ursachen steigender Nahrungsmittelpreise via Spekulation anzugehen, hieße, die ökonomische Logik preiszugeben, in der man es sich auf der Gewinnerseite so schön eingerichtet hat.

Sicher hat Zoellick in München auch irgendwas von „Demokratie in Ägypten unterstützen“ gefaselt.

Ich erinnere mich an ein schmales Büchlein aus den Achtzigern mit dem Titel „Wie die Weltbankmacht die Welt krank macht“. Scheint sich seitdem nicht viel geändert zu haben.

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9 Antworten zu Böller statt Brot

  1. che2001 schreibt:

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Übrigens hatte ein Weltbank-Oberer, den ich mal kennenlernte mir ganz offen gesagt, dass die Brotpreisdiktatte des IWF der Destabilisierung von Regimen dienen, deren Länder man für industrielle Inwertsetzung sturmreif machen wolle.

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  2. chriwi schreibt:

    Wenn man hungernde erschießt, dann sinkt die Nachfrage und somit auch der Preis. Das ist doch eine bestechende Logik.
    Zur Spekulation ist zu sagen, dass es tatsächlich (laut Krugmann) kaum Anzeichen für Spekulationen gibt. Allerdings sind die Armen immer anfällig für Schwankungen am Weltmarkt. Steigt der Preis ein wenig, dann sind sie es die es trifft. Aus diesem Grund sollte es im Interesse der UNO liegen den Binnenmarkt (gerade den für Lebensmittel) in diesen Ländern zu stärken. Dies kann durch Schutzzölle geschehen. Kein Land konnte bisher seine Wirtschaft nachhaltig für den Freihandel aufbauen ohne sich dieser Methode zu bedienen. Dennoch wird den Ärmsten eingeredet, dass Freihandel die Rettung sei.
    Das nun gefordert wird, dass das Militär verstärkt werden soll ist in meinen Augen nur Konsequent. Erst verarmt man Regionen durch Außen- und Wirtschaftspolitik und dann tötet man die Menschen, weil sie es wagen nicht Dankbar dafür zu sein. Es herrscht halt eine globale Wirtschaftsdiktatur.

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  3. genova68 schreibt:

    Es ist ganz praktisch, dass in diesen Kreisen gerne Klartext gesprochen wird. Man muss sich nur die FAZ kaufen und bis Seite 2 lesen, um zu solchen Statements zu gelangen.

    Aussagen zum Einfluss der Spekulation auf Nahrungsmittelpreise gibt es viele. Es ist wohl eine Frage des Zeitraums. Irgendwann muss jede Spekulation zusammenbrechen, weil die Lagerbestände realer sind. Aber das kann dauern, und so kommt es erstmal zu deutlichen Preisanstiegen, die zu höheren Lebensmittelpreisen führen. Dass die nach einem halben Jahr wieder sinken können, ist ein schwacher Trost für Leute, die nichts haben. Wenn man sich die Entwicklung beispielsweise des Weizenpreises anschaut, wird man den extremen Preisanstieg (knapp 100 Prozent in sechs Monaten) nicht durch erhöhte Nachfrage bzw. verknapptes Angebot beschreiben können. Tut auch niemand, glaube ich:

    http://kursdaten.teleboerse.de/teleboerse/kurse_einzelkurs_uebersicht.htn?i=2453995&zeit=10000

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  4. chriwi schreibt:

    Das die starken Preisanstiege die Entwicklungsländer so hart treffen zeigt, dass diese unabhängiger werden müssen. In Deutschland hat man den Anstieg faktisch nicht gemerkt. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass das Brot deutlich teurer geworden wäre. Es gibt also scheinbar Mechanismen, welche die Effekte dämpfen könnten. Nur die werden den Entwicklungsländern zum Wohle des Freihandels meist verboten.

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  5. genova68 schreibt:

    Dass wir das nicht merken, liegt schlicht daran, dass wir einen relativ geringen Teil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Wir merken nicht, ob das Brot 20 Cent teurer wird, von 3,20 auf 3,40 Euro. Wenn sich der Preis von 20 auf 40 Cent erhöht, sieht das anders aus, vor allem, wenn man nur zwei Dollar pro Tag hat.

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  6. chriwi schreibt:

    Ich denke, dass die Menschen in den ärmsten Ländern die Schwankungen besser verkraften würden, wenn es einen Schutzzoll für Nahrungsmittel gäbe. Die Produktion im eigenen Land würde gefördert, ebenso die Zahl der Arbeitsplätze und des Einkommens. Wenn dann eine Dürre kommt kann man immer noch die Zölle anpassen, um den Preis zu abzufedern. Aber bei solcher Politik würde sich der IWF sofort querstellen. Die EU fängt ja einen Teil der Nahrungsmittelkosten mittels Subventionen ab. Wehe auf solche Idee würde ein Entwicklungsland kommen.

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  7. genova68 schreibt:

    Ja, das ist alles kompliziert. Ein Problem ist sicher, dass die EU überschüssige Nahrungsmittel subventioniert exportiert. So ist beispielsweise die Hühnerwirtschaft in Teilen Westafrikas vor Jahren schon zusammengebrochen. Importiertes Hühnerfleisch aus Europa war billiger als vor Ort „produziertes“. Ein Skandal, der hier niemanden interessierte. Das gleiche gilt für Milchpulver und Baumwolle. Wird bei Bedarf alles von den angeblichen Verfechtern des freien Marktes subventioniert, damit die Überproduktion hier lautlos abgebaut werden kann. Danach kann man dann wieder demonstrativ Entwicklungshilfegelder in die betreffenden Länder schicken, womit man ihnen auch gleich klarmachen kann, dass sie halt zu blöd sind, um ohne Hilfe klarzukommen. Und nebenbei fordern, dass weitere „Handelsschranken“ abgebaut werden müssen, sonst kriegen sie das Geld nicht.

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  8. chriwi schreibt:

    Eben aus diesem Grund sind diese Länder dann für Schwankungen besonders anfällig. Wenn die Subventionen in Europa etwas fallen, dann steigen gleich die Preise. Umgekehrt bricht die heimische Nahrungswirtschaft ein, wenn die Subventionen mal wieder erhöht werden. Heiner Flassbeck hat es treffend formuliert. Der Freihandel sorgt nicht für gleiche Chancen nur weil alle nach den selben Regeln spielen. Niemand würde glauben, das wenn Energie Cottbus 100 mal gegen Real Madrid spielen würde, die Chancen gleich wären. Der Stärkere dominiert den Schwächeren. Im Gegensatz zum Fussball wird in der Marktwirtschaft nicht mal nach gleichen Regeln gespielt.

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  9. genova68 schreibt:

    Jo, Freihandel ist pure Ideologie und wird nur von denen propagiert, die eine Favoritenrolle innehaben, die sich nur erreichen konnten, weil sie jahrzehnte- und jahrhundertelang mit Schutzzöllen gearbeitet haben. Dass dieser darwinistische Blödsinn so viel Beachtung findet, zeugt von der neoliberalen Verseuchung der Hirne.

    Das ist mir vor ein paar Jahren einmal aufgefallen:
    https://exportabel.wordpress.com/2008/02/22/das-glaubensbekenntnis-des-pascal-lamy/

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