Aufräumen zwischen den Jahren

Ich habe zwischen den Jahren, wie man sagt, meinen Keller aufgeräumt und bin, das muss ich in aller Bescheidenheit sagen, in alten Kartons auf ein paar vergessene kleine Schätze gestoßen, die ich der Blog-Leserschaft nicht vorenthalten möchte.

Den Anfang macht ein Bild von Cy Twombly, das ich in den späten Siebzigern am Strand von Long Island gefunden und mitgenommen habe. Man erkennt sofort seine ausgeprägte Kritzeltechnik, hier ungewöhnlich konstruktiv gestaltet:

Dann ein Modell (3 x 4 m) von Daniel Libeskind, ein städtebaulicher Entwurf von 1997 für den Neumarkt in Dresden, damals schon mit begrünten Dächern und einem ungewohnt runden Schwung. Die Frauenkirchenschutthalde hat Libeskind im Eifer gleich mitbegrünt. Der Entwurf wurde bekanntlich nicht verwirklicht. Das Dresdner Bildungsbürgertum hat das Modell seinerzeit im Morast des Elbufers entsorgt, Bauarbeiter fanden es beim Bau der Waldschlösschenbrücke wieder. Da es keiner haben wollte, habe ich es halt mitgenommen, gesäubert, in den Keller gepackt und vergessen:

Dann zwei original Kirchenfenster einer Fin-de-siécle-Kirche im südwestlichen Frankreich, von mir Ende des Jahrhunderts entwendet. Durch das Nordfenster fiel kühles Licht herein…

…durch das Südfenster die warme Nachmittagssonne. Ich entschuldige mich hiermit beim Pfarrer für den Diebstahl.

Hier ein frühes Ölbild von mir.  Ich war in meiner Sturm-und-Drang-Zeit ein regional bekannter Pointillist

Nun ein Bild, das mir Gerhard Richter geschenkt hat. Thema ist seine vielfältig produzierte raffinierte Doppelungstechnik. Richter verschmolz hier das Bild einer Brust seiner dritten Frau mit dem Bild der schnell rotierenden Kreissäge eines benachbarten Tischlers.

Ein Quasi-Nacktfoto von mir in einem transparenten Nylonstrampelanzug und obszöner Pose, das ich aus Gründen der Scham nur verpixelt präsentieren kann. Ich bitte um Verständnis:

Noch ein städtebauliches Modell, diesmal von Sir Norman Foster für den Alexanderplatz in Berlin. Es wurde nie öffentlich gezeigt, sondern mir direkt zugespielt. Foster plante demnach mehrere tausend Wolkenkratzer, um es „den Amis endlich mal zu zeigen“, wie er sagte.

Christo mit einem Frühwerk seiner Verpackungskunst, das mir seine Frau nach einer Gefälligkeit geschenkt hat. Er schweißte damals noch jedes Objekt mühsam ein. Später reichte ihm der Überwurf:

Zum Abschluss zwei Bilder meines Kellers und der Pakete, in denen diese Preziosen lagerten. Zuerst war natürlich alles noch sehr schmutzig:

Jetzt aber habe ich ordentlich sauber gemacht.

Wer ein Objekt haben will, möge sich melden.

(Foto: genova 2007)

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5 Antworten zu Aufräumen zwischen den Jahren

  1. hanneswurst schreibt:

    Toll, was man aus einer einfachen Ground-Zero Aufnahme mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und moderner Technik alles machen kann

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  2. genova68 schreibt:

    Nicht wahr?

    Du bist doch sicher interessiert an der unverpixelten Version des Nacktfotos, oder?

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  3. hanneswurst schreibt:

    Klar bin ich daran interessiert, aber nicht nur aus erotischen Gründen, sondern auch, um Dich eines Tages damit zu erpressen. Ich werden mir so ein Gerät besorgen, das FBI und CIA in den Spielfilmen immer benutzen, um das schlechte Bild einer Überwachungskamera in mehrere Stufen heranzuzoomen und jeweils zu schärfen.

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  4. InitiativGruppe schreibt:

    Ich muss jetzt jeden Tag bei hanneswurst nachschauen, ob er schon Erfolg hatte … Redford & Nachfolger werden dasselbe tun … ich sehe goldene views-Zeiten für hanneswursts Blog voraus.

    Die Wolkenkratzer reizen mich aber mehr. Wir haben in München keine, jedenfalls nicht im inneren Bereich der Stadt, und auch in den Randgebieten geht es eher kurz und bescheiden zu.

    5 oder 10 Wolkenkratzer in einer Stadt – das wäre allerdings banal. Aber 1000 … einer neben dem andern … in Berlin … da würden die Chinesen in Shanghai ganz schön lange dran arbeiten müssen, um das zu überbieten. Natürlich, es wäre leider nur eine Frage der Zeit.

    Man müsste sich was anderes ausdenken. Erdkernkratzer zum Beispiel gibt es noch nicht.

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  5. genova68 schreibt:

    Stimmt, Redford hat hier ja auch schon Nackfotos gepostet. In Bezug auf Hanneswursts Bemühungen warne vor Enttäuschungen.

    Ich wollte mit diesen Fotobearbeitungen zeigen, dass einen die Technik bestimmen kann. Einfach solange mit den Photoshop-Filtern herumprobieren, bis ein Bild entsteht, zu dem mir spontan etwas einfällt. Das ist keine Kunst, das ist Technokratie. Umgekehrt wäre es schon besser. Das Bild mithilfe der Technik so gestalten, dass das herauskommt, was ich ausdrücken will. Dazu müsste ich aber Photoshop besser beherrschen.

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