„Es ziehen sehr interessante Zeiten in Deutschland herauf…“

Das Internet-Forum Architektura Pro Homine setzt sich nach eigener Einschätzung „für Rekonstruktion und neue klassische Architektur“ ein. Dass das nicht ohne eine politisch reaktionäre Gesinnung zu haben ist, die feudalistische Strukturen und schlimmeres fordert, wird von diesen selbsternannten Eignern eines natürlichen Geschmacksempfindens bei Bedarf zwar gerne bestritten, ist aber immer wieder ablesbar.

So sieht ein User namens „Wissmut“ durchaus, dass es im neuerbauten Braunschweiger Schloss eine Diskrepanz zwischen Form und Inhalt gibt: außen Schloss, innen ECE-Shopping-Center. Was tun? Das hier:

„Übrigens muß es kein Einkaufsschloß bleiben. Die steinerne Hülle dürfte länger halten als die Glas- und Plastikpaneele…oder, bei der Gelegenheit, der ECE-Konzern. Es ziehen sehr interessante Zeiten in Deutschland herauf, da wird es überall viel Fluktuation geben.“

Ja, es ziehen sehr interessante Zeiten in Deutschland herauf. Vielleicht könnte man das Schloss, wenn die Glas- und Plastikpaneele futsch sind, vorübergehend als Abschiebegefängnis für die dann unliebsam gewordenen nutzen. Man braucht ja Platz, angesichts der Fluktuation.

P.S.: Was ist das eigentlich für eine Flagge, die Wissmut als Avatar benutzt?

Wissmut gibt als Wohnort übrigens Hildesheim an…

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Dieser Beitrag wurde unter Architektur, Geschichte, Rechtsaußen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu „Es ziehen sehr interessante Zeiten in Deutschland herauf…“

  1. frank peso schreibt:

    eine mischung aus deutscher flagge und siehe unten. klassischer wagnerismus, norddeutsche hauptstadt braunschweig, eng verbandelt mit der amerkanischen medienindustrie: tom cruise „stauffenberg“.

    Fahne des Deutschen Widerstandes 20. Juli (Stauffenberg)
    http://www.flaggezeigen.de/catalog/product_info.php?products_id=1125

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  2. genova68 schreibt:

    Aha, danke. Da sehen die sich also im heroischen christlichen Widerstand gegen die böse moderne Architektur.

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  3. frank peso schreibt:

    die ideologie ist römisch-katholisch, jesuitisch, ein kind der gegenreformation. von architektur hab ich überhaupt keine ahnung, deswegen lese ich den blog so gerne. happy new year!

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  4. hf99 schreibt:

    yep, frank peso, sehe ich so ähnlich. dazu kommt: Stauffenberg entstammt dem george-Kreis – ständestaat, elite, der den pöbel unter zucht zu halten habe etc.

    natürlich habe ich respekt für stauffenbergs tat, werfe ihm auch seine herkunft, seine beschränkungen nicht vor…aber seit einigen jahren berufen sich edelintellektuelle neonationale in einer sehr unangenehmen art und weise auf stauffenberg und den 20. juli.

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  5. genova68 schreibt:

    Jo, happy new year.

    Stauffenberg, ja, seit fünf oder zehn Jahren gibt es ja auch keinen anderen Widerstand mehr. Das hat alles System.

    System hat auch dieses Architekturforum, eine Fundgrube, ganz hervorragend. Es komme jetzt endlich zu einer „schrittweisen Rehabilitierung“ des Steildachs, wird da geschrieben. Als ob das jemals out gewesen wäre. Leider werde es durch „Niedrigenergieunterfangen“ so verhunzt dass „solche Entwürfe auf normale Menschen fremdartig, bisweilen bizarr“ wirkten.

    Kommt mir strukturell vor wie die normale „schweigende Mehrheit“.

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  6. frank peso schreibt:

    zu den ideologischen grundlagen und den geschichtsfälschungsstrategien fand einen vortrag von richard williamson über richard wagner interessant. die jesuiten haben schließlich den begriff propaganda erfunden. von nwo bis 9/11, alles auf youtube:

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  7. genova68 schreibt:

    Ein kurzer Hinweis auf die Diskussion in dem Rekonstruktionsforum. Spricht eigentlich Bände:

    http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?f=49&t=3186&sid=077e480b9331208d0a9419878282082e&start=12

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  8. frank peso schreibt:

    das ist im prinzip das problem unserer debatte „…dass er zu denen gehört, die das wieder tun…“. ich schrieb: „die rechten weltanschauungskonstrukteure haben das „3. Reich“ aus kunst- und geisttechniken entwickelt, die linke nur unzureichend reflektieren. “ geisttechniken nennt er hier „einen großen Gesprächszusammenhang“. dieser bogen ist allerding keineswegs abgebrochen, sondern erklärtermaßen staatskultur. wir sollten mal diese denkmuster für die linken aufdröseln, damit die wissen, was sie rechten denken und warum. aus rein materialistischer sicht kann man solche muster durchaus nachvollziehen. wenn man alledings keine bildungsschranken oder gar umfassende volksbildung will, ist die rechte position problematisch. die ist ja nun auch wirklich nicht unkomplex und ein bildungsideal möglicherweise nur schwer zu realisieren. deshalb haben wir hier die inklusion- exklusion-kultur:

    Philon
    Betreff des Beitrags: Re: Alles Disney, oder was?
    „In der Philosophie spannt sich ein großer Bogen von der spätmittelalterlichen Mystik eines Meister Eckart, Tauler etc. über Immanuel Kant, den deutschen Idealismus und die deutsche Romantik bis hin zu Heidegger und Adorno: ein Bogen, der einen großen Gesprächszusammenhang bildet und in dem eines aus dem anderen hervorgeht und weitergedacht wird. Abgebrochen ist dieser Bogen erst in den letzten 10-15 Jahren.“

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  9. frank peso schreibt:

    also das ist schon interessant, dass jetzt mal im nachgang zu wikipedieren. vor allem muss ich noch einmal in einklang mit dem mystisker philon betonen, dass adorno ein extrem rechter philosoph war. wenn ein linker adorno zitiert krieg ich innerlich pickel. was ne welt!

    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Deutscher_Idealismus

    Der Deutsche Idealismus ist eine erkenntnistheoretische und metaphysische Theorie in der Geschichte der neueren Philosophie. Ihren Beginn und Ausgangspunkt stellte die Philosophie Immanuel Kants dar.

    Der Terminus Deutscher Idealismus wurde von seinen Vertretern nicht verwendet. Er wurde erst in den 1840er Jahren von seinen materialistischen Gegnern eingeführt;[1] in neutraler Bedeutung tauchte der Begriff erst ab den 1860er Jahren auf.[2]

    Zu den wesentlichen Problemstellungen des Deutschen Idealismus gehören die Fragen nach dem Wesen und der Leistungsfähigkeit der menschlichen Vernunft und ihrem Verhältnis zum Absoluten.

    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Romantik

    Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst (1790–1840), der Literatur (1795–1848) und der Musik (Kernphase 1820–1850, siehe auch Musik der Romantik) äußerte.

    Aber auch Richard Wagner begann mit Werken im Stil der deutschen romantischen Oper (Der Fliegende Holländer, 1843; Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, 1845; Lohengrin, 1850). Durch die neue stimmungs- und bildauslösende Funktion von Harmonik und Klangfarben wurden bereits im Freischütz (vor allem in der Wolfsschluchtszene) jene Sphären und Vorstellungen vermittelt, die seitdem untrennbar mit dem Romantikbegriff verbunden sind: die Evokation des blinden Waltens oder Seins von unergründlichen Natur- und Schicksalskräften, das Übernatürliche, der mythische Sagengrund und die märchenhafte Vergangenheit, die zum Symbol eines utopisch-ursprünglichen Zustands wird. Hinzu kamen ein volkstümlich-nationaler liedhafter Ton und der Gestus des ritterlichen Aufschwungs. Die Musik wurde durchlässig für Stimmungen und szenische Bilder, die aus romantischen Motiven und Seelenlagen hervorgingen.

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  10. Stephan schreibt:

    Soso… wer beispielsweise nach einem Gang durch Stuttgart zur Erkenntnis kommt, daß das Kronprinzenpalais* am Schloßplatz irgendwie hochwertiger/angenehmer/ästhetischer/künstlerisch wertvoller usw. war als die etwas eigenartige Betonrampe ungeklärter Sinnhaftigkeit, die danach dort errichtet, wieder abgerissen und durch einen inzwischen wieder maroden Neubau einer ähnlichen Betonrampe namens „Kleiner Schloßhof“ ersetzt wurde, der ist also „reaktionär“ und „rechts“.

    Und wer statt einer glatten Betonfassade vielleicht auch gern so etwas wie Farben und Formen hätte, der ist automatisch ein Vertreter „feudalistischer Herrschaftsstrukturen“. Wahrscheinlich ist auch jeder Cola-Trinker US-Imperialist, dafür jeder Döner-Esser Kämpfer für die Unterdrückten.

    Mein Respekt – Sie haben den vollen Durchblick!

    *abgerissen wegen eines geplanten, aber nie erfolgten Straßendurchbruchs

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  11. genova68 schreibt:

    „Wahrscheinlich ist auch jeder Cola-Trinker US-Imperialist, dafür jeder Döner-Esser Kämpfer für die Unterdrückten.“

    Stimmt, so ist es. Danke für den Hinweis.

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  12. frank peso schreibt:

    zur erinnerung für die, die immer so eklich rumjammern und weil heute der 31. ist: kultur:

    Wir kennen die Massen, wir kennen das Theater. Das Beste, was darin sitzt, deutsche Jünglinge, gehörnte Siegfriede und andre Wagnerianer, bedarf des Erhabenen, des Tiefen, des Überwältigenden. So viel vermögen wir noch. Und das andre, das auch noch darin sitzt, die Bildungs-Kretins, die kleinen Blasierten, die Ewig-Weiblichen, die Glücklich-Verdauenden, kurz das Volk – bedarf ebenfalls des Erhabenen, des Tiefen, des Überwältigenden. Das hat alles einerlei Logik. »Wer uns umwirft, der ist stark; wer uns erhebt, der ist göttlich; wer uns ahnen macht, der ist tief.« – Entschließen wir uns, meine Herrn Musiker: wir wollen sie umwerfen, wir wollen sie erheben, wir wollen sie ahnen machen. So viel vermögen wir noch.

    Wagners Musik, nicht vom Theater-Geschmacke, einem sehr toleranten Geschmacke, in Schutz genommen, ist einfach schlechte Musik, die schlechteste überhaupt, die vielleicht gemacht worden ist. Wenn ein Musiker nicht mehr bis drei zählen kann, wird er »dramatisch«, wird er »Wagnerisch«…

    der ganz große fritz

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