Rekonstruktion und Geschichte (2): Dresden

„Berlin ist interessant, Dresden aber ist schön“, schnappte ich bei einem Dresden-Besuch vergangenen September von einer Fremdenführerin, wie man sagt, auf. Ein weiterer Hinweis darauf, dass „Schönheit“ eine bestenfalls banale, wenn nicht völlig sinnlose Kategorie ist, will man sie objektivieren.

Dresden hat sich mit dem sogenannten historischen Zentrum bekanntlich eine kleine Scheinwelt geschaffen. Schon zu DDR-Zeiten wurden der Zwinger, die Semperoper und ein paar andere im Krieg zerstörte Gebäude rekonstruiert. Nach der Wende hat die Rekonstruktionswut zu einem altneuen kleinen Stadtviertel geführt. Es ist dort wie in einem Vergnügungspark für Erwachsene: ein Hilton und ein Steigenberger, ein paar Luxusläden und -restaurants, dafür keine Möglichkeit, eine Flasche Mineralwasser zu erwerben und keine Bank, auf der man mal ausruhen könnte. Es ist alles künstlich, die einzigen Einheimischen sind die Touristenführer. Kein Mensch wohnt dort, es ist alles ein einziges großes Geschichtsklitterungsfreilichtmuseum. So war sie, die gute alte Zeit. Urbanität auf neoliberal.

Kurz: Ein Walt Disney für sich großbürgerlich fühlenwollende Kleinbürger, für den Atem der Geschichte in Form von Instant-Banalität suchende Touristen, ein großer monothematischer Unterhaltungskiez für die neue Sehnsucht nach dem guten Alten.

Und so sieht das aus:

Lochrasterfassaden, nach oben hin abgetreppt, weil das schon immer so war. Kleinteiligkeit wird suggeriert, weil man die ja gerne hätte bei den Stadtatrappen. Kleinteiligkeit ist aber mit der herrschenden ökonomischen Logik nicht mehr zu machen. Ob hinter diesen drei Fassadenteilen nicht ein Gebäude steckt, ist nicht zu sagen:

Alles extrem teuer, weil hinter der Fassade das Kapital regiert. Alles, was „Exklusivität“ suggeriert und jeden massenkulturellen Schein vermeidet, steigert den  Tauschwert. Es gibt keinerlei handwerkliche oder haptische Qualitäten, die Materialität ist billig. Tragende Betonfertigteile, zentimeterdicke Dämmwolle; es ist eine präzise, DIN-gerechte Architektur, die umso herzloser daherkommt, je intensiver sie den Schein von Herzlichkeit intendieren will. Man hat den Eindruck, dass die noch zu DDR-Zeiten rekonstruierten Gebäude mehr Qualitäten aufweisen.

Die nächste Zeile gute, alte Welt entsteht:

Etwas anders sieht es bei der Frauenkirche aus. Dort wurde immerhin so sorgfältig gearbeitet, dass da nun eben keine Walt-Disney-Attrape entstanden ist, sondern ein Bauwerk, das sich, so weit es ging, aus alten Originalsteinen zusammensetzt. Das ist schon farblich bewusst abgesetzt von neuen Steinen, inklusive Einschusslöcher:

Es ist eine gelungene Rekonstruktion, zumindest von außen. (Bis zu diesem Besuch bin ich vom Gegenteil ausgegangen.) Es gibt eine bemerkenswerte Materialauthentizität, die damit zusammenhängt, dass die DDR den Schuttberg der Kirche weitgehend am Ort beließ. Es wurde nicht aufgeräumt und in dieser Form konnte aus dem Schutthaufen ein Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung entstehen. Sicher wäre es angemessener gewesen, das Mahnmal bzw. den Schutthaufen einfach so zu belassen, aber wenn es schon diese unangenehmen städtebaulichen und architektonischen Restaurationstendenzen in der Gesellschaft gibt, ist eine Kanalisierung in der Form, wie bei der Frauenkirche geschehen, schon fast vorbildlich.

Die systematische Abtragung des Trümmerberges dauerte 17 Monate. Ergebnis: 8390 originale Fassadensteine, selbst der Altar wurde im Schutt gefunden und renoviert und wieder hingestellt, die Spuren der Zerstörung sind sichtbar, die Statik der Kuppel ist angeblich original, die Oberflächenbearbeitung wurde gehandhabt wie im 18. Jahrhundert.

So kann man aus der folgenden Perspektive zumindest erahnen, wie der Versuch hätte aussehen können, Stadt ernstzunehmen. Die Frauenkirche neben konventionellem DDR-Städtebau der Fünfziger und dem Kulturpalast aus den späten Sechzigern. Immerhin bleibt dieser wohl stehen (Man ist an dieser Stelle offenbar nicht ganz so barbarisch wie in Berlin, wo die Reaktion bekanntlich für die komplette Auslöschung des Palastes der Republik gesorgt hat.):

Diese Perspektive wird es wohl nicht mehr lange geben. Auch hier ist ein Riegel historisierender Neubauten geplant, sicher energetisch auf dem neuesten Stand. Man ist ja nicht technikfeindlich.

Diese Haltung erinnert an Jeffrey Herfs These des reactionary modernism, der in der Weimarer Republik ausgeprägt gewesen sei: Gesellschaftlich konservativ, begeistert man sich dennoch für moderne Technik, durch die man einen Vorsprung erzielt. Das erklärte auch die kleinen modernen Einsprengsel im historisierenden Fassadeneinerlei: Man will ja nicht als ewiggestrig gelten.

Nebenbei: Auch die Dresdner Neustadt hat sich verändert. Vor acht oder zehn Jahren noch einwirklich anderer Stadtteil, bekommt man auch dort kein Zigarettenpapier mehr und keine Dose Cola, dafür allerlei lustigen selbstgemachten Schnickschnack total kreativer Leute. Es hat was von Prenzlauer Berg ohne Wessis.

Vorangetrieben wird also eine Gentrifizierung einmal wahrhaft kreativer, lebendiger Stadtteile, auf der anderen Seite eine Pseudobeschwörung von Stadt, die mittels Rekonstruktion nur auf Tourismushopping hinausläuft: hopp on, hopp off. Banalisierung und somit Entsorgung von Geschichte.

Während einer Art Andacht in der Frauenkirche erinnert der Pfarrer an die Bombennächte und macht dann eine Pause. Genau in diesem Moment setzt draußen eine Blasmusikkapelle ein, drinnen deutlich hörbar: Ein Prosit der Gemütlichkeit. Der einzig wahre Moment auf dem Neumarkt.

Dresden ist also in Teilen im Arsch mittlerweile. (Teilweise auch nicht, aber das ist hier nicht das Thema.)

Das Interessante finde ich dann doch schöner.

Der erste Teil dieser kleinen Serie findet sich hier.

(Fotos: genova 2010)

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12 Antworten zu Rekonstruktion und Geschichte (2): Dresden

  1. hanneswurst schreibt:

    Der Phantasialand-Umbau geht weiter, siehe auch
    http://hanneswurst.wordpress.com/2009/09/05/rekonstruktionen-i/

    Irgendwann ist jedoch auch dieser Kitsch originär, authentisch, ein echtes Zeugnis des deutschkulturellen Roll-Backs.

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  2. Jane schreibt:

    Hallo Genova,

    puh, du bist ja ganz schön rigoros in deinem Rundumschlag in Sachen Dresden-Kritik ;)

    Also, was die Innenstadt betrifft: Alles ist zu steril, zu sehr auf den Tourismus ausgelegt, es gibt zu wenig Bäume, zu wenige Bänke, zu viel Kommerz – absolute Zustimmung. Was die Architektur betrifft, sehe ich als Dresdnerin alles ein wenig differenzierter. Der Großteil der wiedererrichteten Bausubstanz am Neumarkt ist nach historischem Vorbild wiedererstanden. Die modernen Bauten dazwischen, die das Ganze wohl ein wenig auflockern sollten, sind Geschmackssache – mir persönlich gefallen sie auch nicht so dolle.

    Aber insgesamt bin ich persönlich froh, dass die einstige Brache, die für jeden echten Dresdner einfach ein klaffendes Loch mitten im Herzen darstellte, das brannte und wütete, wann immer man dort vorbeiging – dass diese Wüste heute wieder zumindest teilweise in altem Charme erstrahlt. Es stimmt übrigens auch nicht, dass dort „niemand wohnt“ – in vielen Häusern im Neumarkt-Areal bestehen die oberen Etagen aus Wohnungen – allerdings zu horrenden Mieten, versteht sich. Ärgerlich ist also vielmehr, WER dort lediglich wohnen kann. Und trotzdem will ich hier nicht weg. Es lebt sich hier immer noch gut, wenn man die Erinnerungen hat, die man mit bestimmten Ecken hier verbindet.

    Was die Neustadt betrifft, bist du mir zu extrem in deiner Kritik. Es ist natürlich nicht so, dass man in der Neustadt kein Zigarettenpapier und keine Dose Cola kriegt. Dennoch:
    Ich bin in der Neustadt aufgewachsen, ich habe ihre Veränderung in den letzten 20 Jahren hautnah mitbekommen. Vieles macht mich traurig – dazu gehört auch, dass die Neustadt heute eine Art Durchgangsquartier für Reisende, Feierwütige und Profilsuchende aller Art geworden ist – den schnoddrigen Ur-Neustädter, der auf seine Eckkneipe schwört und im 2. Hinterhof Tomaten pflanzt und der seinem Viertel über lange Jahre treu bleibt, den gibt es heute hier immer seltener. Stattdessen gibt es hier heute eine schier unbegreifliche Überbevölkerung – das Viertel platzt aus allen Nähten, Freizeitflächen, Kitas und Kinderärzte quellen über – und die Mieten steigen und steigen. 6 € kalt für eine abgewohnte Altbauwohnung mit Linoleum-Belag und Durchlauferhitzer sind hier normal.

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  3. Jane schreibt:

    Oh, der letzte Satz hinter dem Innenstadt-Part sollte eigentlich unter den Neustadt-Teil, ist irgendwie hochgerutscht.

    P.S.: Frohes Neues!!

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  4. InitiativGruppe schreibt:

    Es ist schon deprimierend. Aber es könnte noch schlimmer sein.

    Wenn ich mal denke, wie man in den 50er und 60er Jahren die Innenstädte wieder aufgebaut hat — München hat da viele hässliche Beispiele zu bieten, aber Hanover, Köln, Frankfurt, Nürnberg – die hätten mich beim Spaziergehen beinahe aggressiv gemacht. Da kommt mir die Dresdner Lösung noch vergleichsweise erträglich vor. Optisch wenigstens.

    Trotzdem. Zwischen den verschiedenen Kreisen der Hölle ist bei Dante kein so großer Unterschied, dass es uns Lust machen würde zu wählen …

    Gibt es eigentlich Städte oder Stadtteile in Deutschland, die die Kriegswunden besser haben heilen lassen?

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  5. genova68 schreibt:

    Hallo Jane,

    zur Neustadt: Ja, das meinte ich. Ich habe übrigens keine breit angelegte Untersuchung gestartet, sondern nur festgestellt, dass ich nach zwei Tagen keine Papers hatte, stattdessen hätte ich mich mit Unmengen kreativen Schmucks behängen können, die Büdchen müsste man wohl suchen. Du beschreibst da eine typische Entwicklung für solche Viertel, die du wohl am besten einschätzen kannst, wenn du dort aufgewachsen bist.

    Was ich in Bezug auf den Neumarkt sagen wollte, ist schlicht folgendes: Es ist auf der einen Seite ein durchkapitalisiertes Viertel, wo jeder Zentimeter möglichst hochpreisig genutzt wird, es gibt eine Menge völlig seelenloser Systemgastronomie, es gibt absichtlich keine Bänke, damit die Systemgastronomie aufgesucht wird, es gibt keine Büdchen aus demselben Grund. Also eine Art Effizienzsteigerung des Bodens. Auf der anderen Seite aber wurde diese heimelige Architektur aus dem Boden gestampft, die genau diese Profitorientiertheit vergessen machen soll. Es ist durch und durch verlogen. Dass die Häuser „nach historischem Vorbild wiedererstanden“ sind, sagt nichts über ihre Qualität. Ich fand das meiste ziemlich billig, aber ich halte es generell für absurd, heute eine auf alt getrimmte Fassade über Betonfertigteile zu hängen und Stuck dranzuklatschen.

    Turbokapitalismus und Flucht in die Vergangenheit, das ist, politisch gesprochen eine üble Mischung. Und es zeigt auch, wie wenig man sich heute zutraut. Zeitgenössische Architekten (und damit überhaupt aktuelle Ideen) bekommen keine Chance, alles ist auf die Vergangenheit ausgerichet.

    In Dresden und in anderen deutschen Städten ist das natürlich in Teilen verständlich angesichts der Kriegszerstörung und der großen Lücken, gerade in Dresden. Man ist dann froh, dass da was hinkommt. Ich meine das natürlich nicht persönlich (und es gibt ja viele interessante Ecken in Dresden). Dennoch hebt das meine Kritik nicht auf. Ich kam auf diesen Artikel, weil sich seit meinem letzten etwas längeren Besuch (2001) diese vielen Veränderungen ergeben haben, wie ich jetzt beobachtet habe.

    Ja, ich bin rigoros, Jane, es ist ja nur ein Blog. Und ich hab dich ja etxra zu Widerspruch eingeladen :-)

    IG,
    mir ging es nicht um „Schönheit“ oder „Hässlichkeit“, das sind m.E. sinnlose Kategorien beim Städtebau, da zeitabhängig. In den Fünfzigern fand man allgemein Altbauten scheiße, Stadtautobahnen dagegen waren sehr angesagt. Und wir bauen auch heute aus einer bestimmten Haltung, nur dass wir zufällig Altbauten gerade wieder schön finden und Stadtautobahnen blöd. Es gilt, die Haltung immanent zu kritisieren. Was sich daraus ästhetisch ergibt, ist in dieser Kritik begründet. Ich kritisiere also nicht die CIAM-Logik oder existierende Stadtautobahnen, ich kritisiere höchstens, wenn man noch heute Stadtautobahnen bauen will. Abgesehen davon ist das doch alles interessant, man schaue sich Duisburg an oder Ludwigshafen. Wesentlich interessanter und mir tausendmal angenehmer als der Dresdner Neumarkt.

    Stadt ist lebendig und immer diffus. Wer das nicht will, kriegt einen Neumarkt.

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  6. genova68 schreibt:

    Achso, auch von mir ein frohes neues Jahr.

    Hannes, dein letzter Satz macht mir Mut.

    Das Dresden-Bild auf deinem Blog bringt die Puppenstubenästhetik viel besser zum Ausdruck als meine Bilder hier, sehe ich gerade.

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  7. InitiativGruppe schreibt:

    Genova68,
    deine Antwort an Jane bringt die Sache nochmal sehr deutlich auf den Punkt.

    Aber die Adjektive schön und hässlich möchte ich mir doch nicht ganz rauben lassen, wenn es um Stadtlandschaft geht. Dass es auch andere gibt – und wichtigere, das gebe ich zu. Zum Beispiel lebendig. Die Architektur der Münchner Goethestraße im Bahnhofsviertel Süd (typisch 50er/60er Jahre) ist hässlich im Sinne von extrem langweilig und seelenlos, aber dieTürken haben es geschafft, diesen Teil der Straße aufregend lebendig zu machen.

    Duisburg kenne ich überhaupt nicht. Aber ich hab mir schon vorgenommen, mal einen Spaziergang in Marxloh zu unternehmen; dann schau ich mir auch die Innenstadt an. Vielleicht komm ich dieses Jahr dazu.

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  8. genova68 schreibt:

    „lebendig“ finde ich besser. Das Beispiel mit den Türken zeigt das ja. Und da tritt die Architektur als vermeintlich allmächtige Instanz zurück. Sie stellt einen Rahmen, der gefüllt werden kann.

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  9. stefanolix schreibt:

    Zuerst zu einem Detail des Beitrags: Ich bin sicher, dass da keine Einschusslöcher zu sehen sind (zumindest nicht aus dem II. Weltkrieg). Der Sandstein wurde an diesen Stellen erst vor kurzer Zeit beschädigt.

    Dann zum Neumarkt: Ich sehe es als Dresdner zunächst ähnlich wie Jane. Der Neumarkt kann keine Brache bleiben. Wenn man sich für die alten Grundrisse entscheidet, muss darauf auch nach den heute geltenden Standards gebaut werden. Also wird der Bauherr um eine angemessene Wärmedämmung nicht herumkommen. Über die Architektur kann man sehr viel und sehr lange diskutieren. Mir gefällt auch einiges nicht. Aber wie Du im Artikel schon andeutest: man sieht auf ziemlich engem Raum Wohnarchitektur aus der DDR, die Frauenkirche, das Johanneum, das Schloss und den Kulturpalast. Jetzt sieht man eben auch noch Architektur aus den Jahren ab 2000.

    Es hätte insgesamt schlimmer kommen können und es ist an etlichen Stellen in Dresden schlimmer gekommen.

    Dass sich in diesem Teil der Stadt Hotels und Edelboutiquen ansiedeln, finde ich nicht unbedingt falsch und muss ich nicht unbedingt verdammen, obwohl ich beides nicht brauche. Dresden lebt (auch) vom Tourismus. Irgendwo müssen auch gut betuchte Touristen schlafen und einkaufen. Warum nicht dort?

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  10. genova68 schreibt:

    Stefanolix,
    das mit den Einschlusslöchern meine ich dort gelesen zu haben, kann mich aber auch täuschen. Es geht jedenfalls darum, dass alt und neu zusammengebracht und als solches vorgestellt werden.

    Ansonsten: Ob Brache oder nicht und wie auch immer die Nutzung aussieht: Ich meine, dass Architektur immer etwas Zeitgenössisches sein sollte, alles andere ist Lüge oder Phantasialand. Wie genau das Zeitgenössisches aussieht, ist unklar, Gott sei Dank. Es ist eine Fassade, die nur einer verlogenen Pseudobürgerlichkeit dient, die teuren Läden sind Distinktionsmöglichkeit, die tumben Blaskapellen sprechen eine andere Schicht an, die dort vielleicht manchen nicht willkommen ist, aber man braucht ja den Umsatz.

    Die Dämmung ist heute nötig, viel Interessanter wäre es aber, architektonische Konzepte einzusetzen, die Ökologie von vornherein mitdenken, was Materialien, Grundrissgestaltung, Größen, Variierbarkeiten, Energiegewinnung und mehr angeht, statt überkommene Muster verzweifelt auf einen technologisch neuesten Stand bringen zu wollen. Versuch mal, einen Ford T mit aktueller Sicherheitstechnik auszustatten.

    Stadt ist kein Phantasialand, letzteres steht ja außerhalb der Kritik, weil dort eine bewusste Kunstwelt aufgebaut wird.

    Dass es hätte schlimmer kommen können, ist ein Allgemeinplatz, der zur Verteidigung des status quo kaum herangezogen werden kann.

    Mein Eindruck war allerdings der eines Kurzbesuchs. Ich kann den Platz da nur aus der Perspektive beurteilen, insofern ist mein Artikel ein Schnellschuss, wie das meiste hier.

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  11. stefanolix schreibt:

    Was ist »verlogene Pseudobürgerlichkeit«? Wenn »Pseudo« schon unecht ist, was meint dann »verlogen«? ;-) — Um das diskutieren zu können, müsste man wohl erst mal Deine Definition und Bewertung der Bürgerlichkeit kennen …

    Die luxuriösen Boutiquen bieten Kleidungsstücke an, die zum großen Teil gar nicht für Männer bestimmt sind, die ich mir zum Teil nicht leisten kann und die ich mir zum Teil auch nicht leisten will. Die Geschäfte für Touristen bieten viele Waren an, die ich als Dresdner nie im Leben brauche. Beide Arten des Einzelhandels sind aber Arbeitsplatz für viele Dresdner Menschen.

    Gleichgültig was man anzieht, es steckt immer Distinktion darin. Ich bin mir bewusst, dass meine Art der Kleidung ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen muss, weil ein Schuh oder eine Hose letztlich immer für einige Menschen unter deren Niveau und für andere Menschen nicht erreichbar ist. Das gilt aber auch für einen einzigartigen Schal, den mir jemand gestrickt hat oder für ein Kleid, das sich meine Frau selbst genäht hat. In beiden Fällen war der finanzielle Wert vielleicht nicht groß, aber das Kleidungsstück ist etwas Besonderes. Und wenn ein Punk-Pärchen über den Neumarkt läuft, legen sie auch großen Wert auf inidividuelle Jacken, Frisuren und Musikgeschmack. Distinktion, wohin man auch schaut ;-)

    Wenn ich in einer anderen Großstadt Urlaub mache, setze ich auch voraus, dass man auf Besucher wie mich vorbereitet ist. Dort wird es wohl genauso aussehen wie aus meiner Sicht in Dresden: die Einheimischen würden sich nie Souvenirs kaufen, aber die Touristen mögen es eben. Man muss auch gönnen können (hochdeutsche Übersetzung eines Satzes aus einer anderen sehr schönen Großstadt).

    Zu der negativ aufgefallenen Blasmusik: Auf dem Neumarkt gibt es über das Jahr verteilt Jazz, Dixie, gut gespielte Klassik, verkitschte Klassik, authentische Volksmusik, verkitschte Volksmusik, geistlichen Chorgesang und adventliche Posaunenmusik — um nur ganz wenige Beispiele herauszugreifen. Ich denke, man kann niemals alle diese Arten mögen, aber man kann Musik recht weitgehend tolerieren, auch wenn Du in meiner Aufzählung gewisse Wertungen nicht übersehen kannst.

    PS: Ich biete es gern an und es haben auch schon Blogger angenommen: Bei Deinem nächsten Kurzbesuch kann ich gern mal die Rolle »alternativer Stadtführer« spielen. An Mineralwasser mangelt es in Dresden übrigens nicht, wenn man weiß, wo man hinspazieren muss ;-)

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  12. genova68 schreibt:

    Hi,
    danke für das Stadtführungsangebot :-)

    Ich antworte dir demnächst, bin derzeit ständig in Eile.

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