Zwei Ausreißer

(Foto: genova 2007)

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4 Antworten zu Zwei Ausreißer

  1. InitiativGruppe schreibt:

    Es ist wirklich nicht so, dass mir bei jedem Foto was einfällt, oder dass ich in jedes Foto meine Philosophie hineindenken kann — aber wie bei den bisherigen so kann ich auch hier einfach nicht widerstehen:

    Wir teilen die Welt gern in zwei (binär, gut-böse, Herr-Knecht, etc.) oder drei (siehe Platon, Hegel, Zen und Co.).B ush, binLaden, Hitler, Stalin, Sarrazin, Torquemada, etc. sind Zweier-Typen; ich gehöre entschieden zu den Dreier-Typen.

    Also fühle ich mich bei diesem Foto gleich mal optisch zuhause. Ein simpler, wunderbarer „Dreier“!

    Unten die Natur, in der Mitte als Wand aufrecht die etwas unordentliche Ordung des Menschen, darüber als Dach die Religion, die Metaphysik, der Sinn …

    Alles drei schäbig! Trostlos, armselig, langweilig, schief, unsauber.

    Auf dem Foto geht es zu wie in Kafkas Welt. Alle Dimensionen sind auf perverse Weise unvollkommen, falsch, schief.
    Die Natur ist nicht vital, eher kläglich und banal,
    die fensterlose türlose Wand taugt nicht viel, wenn man von der unregelmäßigen Quadrierung auf die nachlässige bzw. nicht-professionelle Bautechnik schließen darf,
    das metaphysische Dach ist krumm und wetteranfällig, auch wenn im Moment grade mal nur ein einziges kleines Loch drin ist.

    In allen drei Dimensionen Armseligkeit. Wenn auch einigermaßen funktionstüchtig. Sieht man es zusammen und mit melacholischer Unsentimentalität – ist es schon wieder schön. Und es reicht hin zum Leben.

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  2. genova68 schreibt:

    tu dir keinen Zwang an, ich lese deine Interpretationen gerne, wobei ich das Bild hier ein wenig überinterpretiert finde. Aber das ist schlicht eine Frage des Betrachters, es gibt keine ungültigen Interpretationen. Die Zweier- und Dreier-Betrachtung für sich ist interessant.

    Kann man zuviel hineininterpretieren? Ich gehe da visuell ran. Ich sehe im Vorbeifahren etwas, das mich visuell anspricht, halte an, steige aus, knipse. In diesem Fall war das die Dreiteilung, in der Tat, und in dieser rechtwinkligen Exaktheit die beiden Schrägbalken, die aus dem Konzept herausfallen, und die Tatsache, dass hier niemand den rechten Winkel im Sinn hatte beim Gestalten.

    Eigentlich interpretierst du das doch nicht über. Das zu behaupten, nur weil ich das nicht selbst so gesehen habe, wäre egozentrisch, und das will man doch nicht sein.

    Zur Qualität der Wand, die etwas zu tun hat mit dem visuellen Eindruck: Das ist im Grunde ein moderner Skelettbau, allerdings ohne hinreichende statische Eigenschaften, würde ich sagen. Die bei Holzfachwerk eigentlich nötigen Streben und die Bänder fehlen fast völlig. Dadurch entsteht dieser Rechtwinkeleindruck, der bei einer so großen Fachwerkfläche selten ist, glaube ich, bei Scheunen vielleicht nicht. Wahrscheinlich ist deshalb die komplette Ziegelfüllung nicht nur Füllung, sondern auch statisch notwendig. Das Ding steht im Bergischen Land (stand dort zumindest vor einigen Jahren noch…), vielleicht wird das als Scheune so toleriert, es wohnt ja niemand drin.

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  3. Nihilist schreibt:

    Ich Vernunftmensch sehe nur eine ungepflegte „Grün“fläche (ja eher gelb) mit krummen Wänden und wellenförmigen Dach.

    Die waren wohl besoffen.

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  4. InitiativGruppe schreibt:

    Früher mal saß man mit (unterhaltsamen!) Freunden im Wohnzimmer zusammen. Es gab keine Medien, außer Zeitungen und Bücher. Was hat man da gemacht? – Witzige Spielchen getrieben, unter anderem. Spielchen, die den Geist und die Kreativität der Beteiligten herausgefordert und zugleich Anlass zu viel Gelächter gegeben haben.

    Was ich mit meinen Foto-Interpretationen mache, würde ich als lustvolle Befriedigung meines kindlichen Spieltriebs charakterisieren. Es ist halb Spaß, halb Ernst. Und auf jeden Fall gesund. Es hält das Hirn fit, beweglich, lernfähig – in einer Zeit, in der man so wenig intellektuelle Debatte live kriegen kann, ist das nicht zu unterschätzen.

    Ich glaube schon, dass ich in diesem Spiel die Fotos überinterpretiere. Das gehört zum Witz der Sache. Ich nehme ein Stückchen Wirklichkeit — und wie ein Romantiker projiziere ich Seeleninhalte in diese Wirklichkeit hinein. Nicht willkürlich – dann wäre das Spiel witzlos. Spielerische Projektionen brauchen ein Gerüst an Objektivität. Nicht alles geht. (Ich glaube nicht, dass JEDE Interpretation stimmt. Im Gegenteil. Nur ganz wenige – die aber auch erstaunlich verschieden sein können – stimmen wirklich.)

    So, jetzt habe ich mein Interpretieren interpretiert, die Meta-Meta-Ebene erklommen. Und bin mit dieser Bemerkung schon auf der Meta-Meta-Meta-Ebene?

    Eine interessante Fortsetzung wäre es, wenn sich hier ein Kafka-Leser fände, der mit mir überlegen könnte, warum mich dieses Foto so aufdringlich an Das Schloss denken lässt, und generell an die vielen Szenen in Kafkas Werken, in denen alles schief und schäbig ist.

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