Ilse Aigner: das nette Gesicht der Korruption

Randnotiz zur politischen Kultur:

Die sogenannte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel abgelehnt und mit manipulierten Ergebnissen einer Umfrage argumentiert. Zwar würden, sagt die Umfrage in Wahrheit, die Ampel gerade „bildungsferne Schichten“ verstehen und vielleicht auf manche Pizza von Dr. Oetker verzichten, doch das darf nicht sein, denn das Anliegen der Nahrungsmittelindustrie ist es naturgemäß, ihre Produkte mit möglichst viel Fett und Zucker anzureichern: Fett ist Geschmacksträger und billig, somit margensteigernd. Ilse Aigner hat mit ihrem Verhalten exakt den Wünschen der Nahrungsmittelindustrie entsprochen: Profit machen auf Kosten der Verbraucher. Aktuell ist sie dabei, ihre Klientelpolitik auf EU-Ebene durchzusetzen. Morgen dann die ganze Welt.

Man kann in diesem Fall behaupten, Aigner ist faktisch keine Verbraucherschutz-, sondern eine Verbraucherschädigungs- und Nahrungsindustrieschutzministerin, sie hat damit auch glasklar verletzt, was sie in ihren Amtseid geschworen hat. In einer Gesellschaft mit einer ernstzunehmenden politischen Kultur müssten solche einfachen und klar zu vermittelnden Rechtsbrüche zu einem Rücktritt führen, zumal auf dieser Ebene. Ganz einfach. Passiert aber nicht. Man hat sich wohl daran gewöhnt, dass Politiker die Interessen des Kapitals vertreten. Korruption hat viele Gesichter. Gerne auch harmlos-nett.

Morgen wird sich wieder ein Bildungsbürger darüber aufregen, dass das Prekariat zu dick ist, weil es zu viele Pizzen von Dr. Oetker isst.

(Foto: Wikipedia)

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36 Antworten zu Ilse Aigner: das nette Gesicht der Korruption

  1. Wörterberg schreibt:

    Zu viele Pizzen? Kann schon sein. Aber die von Doktor Ö. ist zu teuer, da macht die Regression doch gar keinen Spass! Und ausserdem: Wenn auf dem Zeug auch eine Ampel wäre oder ähnliches Gesimpel – auf „Bio“ umzusteigen, könnten sich viele Leute deshalb noch lange nicht leisten, oder?

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  2. Nihilist schreibt:

    Tja, man(n) sollte Dr. Ö. verklagen. Also die Krankenkassen sollten das machen. Die tragen doch die Last dieser Ernährungsprodukte.

    Tabakwaren … äh Alkohol und viele andere Produkte … da kämen die Kassen ja so richtig in schwung, wenn sie mal loslegen würden.

    Aber was würde denn eine gesunde Gesellschaft an Folgekosten verursachen. Die Gesunden würden dann zu lange leben.

    Deswegen, die Ministerin ist sicher besorgt um diese zu erwartenden Folgekosten, deswegen sollen die Dummen eben ungesund leben und für ein sozialverträgliches Frühableben bereit sein. Dann stimmt die Richtung wieder. Oder sollte ich mich irren und die Ministerin ist ebenfalls nur zu dumm um die Folgen ihres Handelns zu erkennen?

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  3. genova68 schreibt:

    Wörterberg,

    es geht erstmal schlicht um Information, um Wissen. Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen. Dass gesundes Essen teuer sein muss, ist eine Mär. Man kann sich mit wenig Geld besser gesund als ungesund ernähren. Fastfood geht ins Geld.

    Nihilist,
    die Ministerin erkennt die Folgen ihres Handelns sehr wohl. Die ist noch jung und hat vielleicht noch größeres vor. Da darf man es sich mit mächtigen Lobbygruppen nicht verscherzen.

    Unvergessen in diesem Zusammenhang, wie Gabriel seinerzeit als frisch gekürter Umweltminister eine Studie aus seinem Haus, die Tempo 120 auf Autobahnen empfahl, als erster wegbügelte. Der bringt es noch zu was.

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  4. InitiativGruppe schreibt:

    Auch die SZ greift Aigner frontal an, in einem Kommentar über die Subventionsmittelvergabe. Fast alle Gelder gehen an die Großagrarier … Und Aigner versteckt das, so gut sie kann, damit die kleinen Bauern es nicht merken. Agrarkonzerne, Großgrundbesitzer, Massentierhaltung – da geht das Geld hin. Der SZ-Kommentar (nicht online) kritisiert auch scharf die Vertuschungsmanöver der Landwirtschaftsministerin.

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  5. genova68 schreibt:

    Aha, muss ich mal lesen.

    Ich glaube, im Verbraucherschutzministerium gibt es in der Tat noch deutliche Unterschiede zwischen grün und dem Rest. Künast war mir damals wirklich sympathisch, als sie das Amt innehatte.

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  6. Wörterberg schreibt:

    Mein Punkt war: Anzunehmen, es würde Fastfood gegessen, weil die Leute nicht wüssten, dass manches von dem Zeug „ungesund“ ist, ist als Erklärung nicht besonders überzeugend, negiert aber einige ganz wesentliche Funktionen, die Essen über die Nährstoffaufnahme hinaus auch hat, von symbolisch-kulturellen bis zum (oft auch regressiven) Lustgewinn. Bei diesen Funktionen spielen ernährungsphysiologische Erwägungen aber oft keine oder nur eine sehr nebensächliche Rolle, und die lassen sich eben auch nicht in Handarbeit mit „gesunden“ Zutaten einfach so reproduzieren. Das gilt übrigens nicht nur für die Insassen „bildungsferner Schichten“; dass uns die an dieser Stelle immer zuerst einfallen, belegt eher, wie tief wir schon dieses herrschaftliche Gespräch über „Eigenverantwortung“ verinnerlicht haben, mit dem den Leuten die üblen Folgen der Zwangslagen, in denen sie stecken, als ein Mangel an individuellem Bemühen ausgelegt werden.

    Eine Parallele gezogen: Die eine fährt aus Jux im SUV zum Kletterwochenende in die Alpen und geht abends zum rustikalen Braten (aber Bio-Aufzucht!) ins Restaurant, der andere sitzt prekär zu Hause und sein Tag erreicht den Höhepunkt, wenn er sich auf einen Döner und ein Flaschenbier mit dem Kumpel im Imbiss treffen kann. Wollen wir das mal bilanzieren, was da an Kosten oder Schäden aufläuft, und wie weit wir da mit dem geläufigen Begriff von „Gesundheit“ kommen?

    Und deshalb halte ich nicht viel von so simplen Ampeln auf den Verpackungen, in der Wirkung wäre das – analog zu den Rauch- und örtlichen Alkoholverboten – ein weiteres Element in dem biopolitischen Optimierungsdiskurs (mein Essen hat aber weniger Fett als deines!), mit dem v.a. die Verlierer im großen Konkurrenzspiel davon abgelenkt werden, über die Regeln nachzudenken.

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  7. Wörterberg schreibt:

    On topic: Dass die LandwirtschaftsministerInnen sich um das Wohlergehen der Landwirtschaft bekümmern – und dort diese oder jene Spielart des Agrarkapitalismus bevorzugen, je nach Herkunft, Geschmack und Verbündeten – überrascht mich nicht. Überraschen würde mich aber, wenn sich eine „gesunde“ Wirtschafts- und Lebensweise durch Konsum herbeiführen, also kaufen ließe.

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  8. InitiativGruppe schreibt:

    „Eigenverantwortung“ kann schon auch was Positives sein: Indem ich sie mir zuschreibe, schiebe ich die Verantwortung nicht auf andere; ich kann mir vornehmen, durch Handlungsänderung ein besseres Ergebnis zu erreichen.

    Das funktioniert natürlich nur mir selbst gegenüber; es bringt nichts, anderen Menschen „Eigenverantwortung“ zuzuschreiben – damit schiebt man die Verantwortung auf andere, bzw. von der Natur, den Umständen, dem Zufall, der Gesellschaft auf die Individuen.

    Wie hält man beide Ebenen auseinander, wie bringt man sie ins richtige Verhältnis zueinander: die objektivierende und die subjektivierende Betrachtung ein und derselben Handlung?

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  9. Wörterberg schreibt:

    Zur Kritik am essentialistischen Gebrauch von „gesund“ und „ungesund“ bei der Nahrungsaufnahme übrigens: Pollmer, heißt der wohl, hat daran ja eine ganze Existenz als Buchautor aufgezogen.

    „Eigenverantwortung“ am Fleischessen zum Beispiel: Wer arm ist, bei dem gelangen, wenn er, zumal in Gesellschaft, hin und wieder Fleisch essen möchte, nur die Rest- und Imitatprodukte aus der konventionellen Industrie auf den Speiseplan. Das Kalbsschnitzel vom „Bio“-Hof ist für den praktisch nicht zugänglich (wer anderes behauptet, kennt wahrscheinlich nicht den Tagessatz: EUR 4,32 oder so). Wenn man dem jetzt eine Ampel auf den Tiefkühlkarton mit den Fleischresten pappt, bedeutet man ihm noch eindeutiger, als er es schon bisher irgendwie wusste: Du schadest dir selbst und damit auch der Allgemeinheit, der du mit deiner Herz- und Gefässkrankheit auf der Tasche liegen wirst. Du bist ein Schädling!

    Wie geht der damit um? Entweder nimmt er das resignierend hin, oder er verschuldet sich für das Bio-Kalbsschnitzel (kl. Scherz), oder er verzichtet, „eigenverantwortlich agierend“, ganz aufs Fleischessen, zumal in Gesellschaft.

    Also wenn man den ärmeren unter den Fleischessern erzählen will, dass sie sich doch mal „gesünder“ ernähren möchten, dann kann man ihnen auch gleich sagen: Esst kein Fleisch, zum Beispiel. (Die SUV-Fahrerin von oben aber fragt niemand nach ihren Abgasen, und weil sie im Restaurant „Bio“ essen kann, kriegt sie die Ampelkartons erst gar nicht zu sehen, außerdem hat sie sich vorher beim Klettern ertüchtigt.)

    So schlägt ja auch die Agrarpolitik der Grünen aus: Wer’s sich leisten kann, geht in den Ablasshandel mit „gesundem“ und „biologischem“ Zeug, der Rest ist (selber) schuld an den üblen Zuständen drumherum. (Und auf Belgrad lassen zwar auch wir Bomben abwerfen, aber nur wenig von dem Zeug, was nicht biologisch abbaubar ist.)

    Da hat das Mädchen, das in Ernst Albrechts ewigem Grinsen aufgewachsen ist, doch immerhin die aufrichtige Menschenverachtung zu sagen: Wer arm ist, soll auch nicht rauchen und Alkohol trinken (und in Zukunft vielleicht auch kein Fleisch, keine tierischen Fette, keinen weißen Zucker usw. mehr essen).

    Jetzt aber mal eigenverantwortlich schlafen gegangen!

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  10. genova68 schreibt:

    Wörterberg,
    ich stimme dir eigentlich in allem zu und finde, dass da keine Gegensätze zu meinem Artikel aufgemacht werden, sondern eher eine Weiterführung. Wir sind uns wohl einig in dem, was du zum Thema Biopolitik und Disziplinierung durch Gesundheitswahn und zur elitären Ökopolitik der Grünen schreibst. Und den heutigen mitteleuropäischen SUV-Fahrer sah ich schon vor 20 Jahren mal flott für eine Woche zum Golfspielen an die wasserarme Algarve fliegen und sich auf dem Rückflug über eine wilde Müllkippe im Alentejo beschweren.

    Mein Ansatz war einfach ein direkter, die offensichtliche Korruption und der fehlende gesellschaftliche Druck auf die Frau, und der liegt eben nicht an den von dir aufgezeigten biopolitischen Verschränkungen.

    Widersprechen würde ich dir dennoch konkret, was die Ampel angeht. Ich fände sie sinnvoll, wenn man sie nicht absolut nimmt. Information an sich ist ok. Fett an sich ist ja auch nicht schlecht. Auf jedem guten Käse, jeder Schweinshaxe und jedem Saumagen wäre ein roter Punkt, was diese Gerichte kulturell ja nicht diskreditieren würde.

    Und noch zur Esskultur, was bei der Ampel ja mitgedacht werden sollte: Esskultur ist genauso veränderlich wie Kultur überhaupt, und die genannten Gerichte stammen aus einer Zeit, in der die Masse der Menschen sich bewegen und folglich zur Regeneration viel Fett aufnehmen musste. Die Zeiten sind vorbei und der Körper reagiert auf gleichbleibende Fettzufuhr mit Fettleibigkeit. Die mittels Gesundheitswahn zu maßregeln, ist, wie gesagt, Ausdruck einer herrschaftlichen Politik (die in Wahrheit hier die Möglichkeit nutzt, dem Individuum die weitestgehende Selbstkontrolle anzueignen), aber die Wampe an sich ist der Ausdruck des Körpers, dass ihm das zuviel Fett ist.

    Gute Ernährung und teuer: Gutes Fleisch ist teuer, gutes Gemüse, Obst, Kartoffeln etc. aber nicht. Jeden Tag Biofleisch ist absurd, selbst wenn man das Geld hat, denn solche Mengen Biofleisch kann man nicht herstellen, dann ist es kein Biofleisch mehr (zumindest, wenn man den Begriff der artgerechten Haltung ernst nimmt). Hier kommt eher das über mehrere Generationen entwickelte kulturelle Desaster massenhaft fehlender Kochfähigkeiten zum Tragen. Kochen ist heute ans TV zu Zugucken delegiert.
    So eine Art reflektiver Hedonismus wäre vielleicht ein Ansatz, wie auch schon in Bezug auf die im anderen Artikel erwähnte selbstmitleidige Weinerlichkeit eines Teils der deutschen Linken.

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  11. InitiativGruppe schreibt:

    Warum soll Benzin möglichst billig bleiben?
    Damit auch Obere Unterschicht und Untere Mittelschicht es noch bezahlen und damit unbeschränkt Auto fahren können.
    Ergo sind die Grünen, die Benzin möglichst teuer machen wollen, elitär und unsozial.

    — Mir ist so ein Gedankengang schlicht fremd. Und das, obwohl ich meine, ein Sozialist zu sein. Es ist unklug, ökologische und soziale Politik gegeneinander auszuspielen.

    Man könnte analog argumentieren:
    Rüstungsexport bringt Arbeitsplätze. Ergo zerstören Rüstungsexportgegner Arbeitsplätze und reduzieren Steuereinnahmen und sind darum wirtschaftsschädlich und unsozial.

    Mir scheint aber, Wörterberg argumentiert entlang dieser – aus meiner Sicht – falschen Logik. Täusche ich mich?

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  12. Wörterberg schreibt:

    Du täuschst Dich.

    Als Sozialist ist Dir bekannt: Der vorrangige Zweck der hiesigen Politik ist weder die Bewahrung der Lebensgrundlagen, noch ist es die Herstellung möglichst guter Lebensbedingungen für alle Menschen.
    Der Zweck der hiesigen Gesellschaftsordnung ist die Produktion von Wachstum und (privatem) Reichtum. Solange das so bleibt, fallen „ökologische“ und „soziale“ Politik – also die mehr oder weniger hilflosen und ohnehin auf die privilegierteren Territorien der Erde beschränkten Versuche, die üblen Folgen der zweckmäßigen Einrichtung der Verhältnisse einzuhegen – notwendigerweise auseinander.

    Verweisen darf ich an dieser Stelle auf das Flaschenpfandsystem: Gemeint war es als „ökologischer“ Eingriff, es wirkt sich unter den hiesigen Verhältnissen aber so aus, dass Menschen, die ihre Arbeitskraft nicht oder nicht einträglich genug verkaufen können, nunmehr für ein klägliches Zubrot massenhaft im Müll herumwühlen.

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  13. genova68 schreibt:

    Ökologisch kann das Flaschenpfandsystem aber dennoch sein, wer das Pfand bekommt, ist egal, Hauptsache, die Flasche wird wiederverwertet. Man könnte vielleicht sogar die These aufstellen, dass Gesellschaften ökologischer werden, je sozial ungerechter sie sich ausformen, zumindest ist das eine Variante. Das effiziente Müllverwertungssystem in Kairo beispielsweise würde nicht funktionieren, wenn es nicht die vielen Armen gäbe, die den Müll sammeln, sortieren und weiterverwerten.

    Die Unterschicht putzt da also den Dreck der Reichen weg. Zyniker würden nun sagen, dass es ja auch sozial ist, wenn die Armen was zu tun haben.

    IG,
    soziale und ökologische Politik gegeneinander ausspielen, das ist ja genau das, was die Grünen machen. Zuerst die Agenda 2010 einführen und dann auf die Leute mit dem Finger zeigen, die Billigflieger benutzen. (Ich weiß schon, dass du bei denen engagiert bist, aber das muss man sich dann halt anhören ;-)

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  14. Wörterberg schreibt:

    genova68: Was Du oder ich für zynisch halten (die Armen machen den Dreck der Reichen weg, und das ist sozial…) ist eine Sache. Mir käme es bei dieser Diskussion nur darauf an, dass am Ende klar wird: Wenn Leuten, die für die Reichtumsproduktion keine Funktion (mehr) haben, praktisch (nun auch wieder in den industriellen Zentren) das Existenzrecht abgesprochen wird, ist das in unseren Verhältnissen volle Absicht, nicht etwa bedauerlicher Übereifer von Populisten oder der Sozialbürokratie, Nebenwirkung eines faulen Kompromiss zwischen konkurrierenden Parteiflügeln oder das Resultat mangelnder Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage. Die Grünen, die Sozis und die anderen verheimlichen das ja auch gar nicht: Was sie an vermeintlichen „sozialen“ und „ökologischen“ Wohltaten verteilen wollen, ist immer nur gedacht als Nebenprodukt oder Beförderung eines erfolgreichen Abschneidens in der Standortkonkurrenz der Nationen (wenn ihr ein Mittagessen für eure Schulkinder und im Alter noch einen Platz im Wartezimmer beim Hausarzt haben möchtet, dann seht jetzt mal lieber zu, wie ihr euch nützlich macht beim Ausstechen der Griechen, der Amerikaner, der Chinesen usw. ).

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  15. genova68 schreibt:

    Wörterberg,
    ich stimme dir ja grundsätzlich zu, habe nur meine Probleme mit diesem Schematismus: „volle Absicht“. Die Grünen, die Sozis und andere bestehen aus Menschen, denen ich in weiten Teilen diese volle Absicht nicht unterstellen würde. Die sind in Teilen guten Willens, wenn auch unfähig. Volle Absicht könnte ich höchstens dem System Kapitalismus unterstellen, der die Menschen so zurichtet. Absicht in dem Sinn, dass das systemimanent ist.

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  16. Wörterberg schreibt:

    Was stimmt Dich so milde? Sind die wirklich unfähig? Haben die nicht, ausgesprochen fähig, meistens genau das durchgezogen, was sie vorher angekündigt haben, angeblich schweren Herzens dem Sachzwang huldigend, z.B. faktische Abschaffung des Asylrechts, Remilitarisierung der Außenpolitik, Hartz IV u.v.m.?
    Sogar den Einheitsgewerkschaften, die nicht mal ab und zu Regierungsverantwortung spielen müssen, fällt gegen Rente mit 67 (=Rentenkürzung) nur gerade noch ein, dass es ja leider gar nicht genügend Jobs gäbe für die Alten.
    Keine Absicht, alles nur vom System übel Zugerichtete?

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  17. Nihilist schreibt:

    Mein Gesicht ist viel netter!

    TINA lässt grüßen.

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  18. genova68 schreibt:

    Milde, tja. Ich glaube, dass sich Teile der SPD von der Schröder-Clique überrumpeln ließen, der kriegte die Agenda nur durch, indem er wiederholt mit Rücktritt drohte. Und da sind Politiker doch zu machtgeil bzw. von existenziellen Überlegungen geprägt, als dass man da hinschmeißen würde. Schröder hat seine Politik ja in weiten Teilen über nicht legitimierte Expertenrunden praktizieren lassen mit dem Parlament als Abnicker. Dazu kam damals eine andere Stimmung im Land, die Wirtschaft machte extrem Druck. Ich halte das eher für systemisch. Die neoliberale Politik war in anderen Teilen der Welt schon viel weiter gediehen, da hält der Duckmäuserdeutsche auf Dauer nicht dagegen. Den Grünen ist Wirtschaftspolitik egal, die hat das in weiten Teilen schlichtweg nicht interessiert, Hauptsache man kann sich eine Solaranlage aufs Dach bauen und Schwule dürfen heiraten. Die FDP ist ganz direkte Vertreterin des Kapitals.

    Folge: Die SPD ist heute ausgedünnt, da gehen nur noch Leute rein, die als Netzwerker etc. Karriere machen wollen.

    Ich sehe da also keine Verschwörung, die hängen alle im täglichen Politbetrieb drin, haben permanent mit Lobbygruppen Kontakt, werden teilblind, sind überfordert, werden bestochen, stehen unter Druck. Es ginge eher darum, zu zeigen, so Schluss ist, was man sich nicht mehr bieten lässt, siehe Frankreich und anderswo. Man lässt sich hier halt alles bieten, also läuft das eben so weiter.

    Das soll alles keine Entschuldigung sein, eher eine Erklärung.

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  19. InitiativGruppe schreibt:

    Genova68,
    das mit der Agenda 2010 ist ein stichhaltiges Argument; ich hab seinerzeit dagegen plädiert … heute sind auch meine grünen Kolleg/innen nicht mehr glücklich über die damalige Zustimmung.

    Grundsätzlich (auf Wörterberg gemünzt):
    1. Wir leben im Kapitalismus (mit ein bisschen sozialistischem Einschlag: Es gibt immerhin den Sozialstaat mit seinen Transfers; und mit ein bisschen ökologischem Einschlag: Es gibt einige ökologische Einschränkungen fürs Kapital).
    2. Wir haben keine durch Beispiele geprüfte plausible Alternative zum Kapitalismus.
    3. Also – auch als Sozialist – arrangiere ich mich mit dem Kapitalismus und bilde mir nicht ein, ich könnte ihm ein ganz anderes System entgegensetzen.

    Daraus folgt, dass wir alles, was sozial und ökologisch machen können, nur im Rahmen der kapitalistischen Gesamtlogik machbar ist. Letztlich kann ich immer nur so argumentieren, dass der Kapitalismus selber Schaden nehmen würde, wenn er nicht auch ein Stück weit sozial und ökologisch wird bzw. bleibt.

    Das ist für einen Sozialisten nicht unbedingt befriedigend, aber ich bin ein erwachsener Mensch und weder romantisch noch sentimental noch idealistisch veranlagt. Also kann ich damit leben.

    Alle sozialen und ökologischen Errungenschaften werden demnach immer eine gewisse Ambivalenz und Widersprüchlichkeit zeigen. Fundis spotten dann. Naive regen sich auf. Sentimentale jammern. Zyniker grinsen dreckig. Neoliberale schwingen die Axt.
    – Meine Antwort? –
    „Pragmatiker aller Couleur, vereinigt euch! Rettet den Kapitalismus vor sich selbst!“

    Ja, so sehe ich mich: Als sozialistischer Retter des Kapitalismus vor sich selbst.

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  20. genova68 schreibt:

    IG,
    die Hüter der reinen Lehre werden dich jetzt prügeln („Kapitalismus mit ein bisschen sozialistischem Einschlag“) ;-)

    Ich will gar nicht auf die einzelnen Punkte eingehen (das kann Wörterberg sicher besser), aber ich sehe so langsam nicht mehr, dass dieses soziale Abfedern im Kapitalismus, womit zumindest WIR sozialisiert wurden, auf Dauer so weitergeht. Und an der Peripherie knallt es eh schon. In Tschechien wird diskutiert, das Sozialbudget um 25 Prozent zu kürzen, in Rumänien ist es gerade um, ich glaube 15 Prozent gekürzt worden. Und das in Ländern, die uns jahrelang als Vorbild hingestellt wurden wegen niedriger Sozialstandards. Das glaubt doch kein Mensch mehr. Was soll Pragmatismus, vor allem angesichts des Finanzkapitalismus, da noch bringen? Ein bisschen weniger Boni?

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  21. InitiativGruppe schreibt:

    Mit dem „sozialistischen“ Kompromisselement“ im Kapitalismus geht es bergab. Das seh ich so wie du.

    Die Reichen werden reicher, der Mittelstand stagniert, die Armen werden ärmer.
    Geld ist Macht – die Reichen sammeln so viel Reichtum an, dass sie sich die Politik, die Medien, die Manipulationssphäre kaufen können.
    Die Armen beklauen lieber dich und mich (ich komm sicher auch nochmal dran), der Mittelstand beschimpft lieber die „faul in der sozialen Hängematte schaukelnde“ Unterschicht, Solidarität ist vielen vor allem jungen Leuten so fremd wie der Versuch, das Ganze der Gesellschaft systematisch in den umsichtig skeptischen Blick zu bekommen.

    Die Entwicklung nach unten hält jetzt niemand mehr auf.
    Der Kapitalismus will sich von mir nicht retten lassen.
    Ok.
    Après moi le deluge.

    Ich bin 60, tu was ich kann – an mir soll’s nicht liegen! – ohne Hoffnung, ich mach es einfach nur aus guter alter Gewohnheit und weil ich es gern tu, und tu es gern, weil ich so erzogen worden bin.

    Manchmal haben Großväter ja das Glück, dass die Enkelgeneration wieder Geschmack findet an altmodisch gewordenen Leidenschaften … Ich merke davon noch nichts.

    Egal, die Amis werden uns in den nächsten 10 Jahren ins globale Unglück stürzen, assistiert von den Israelis. Die Europäer werden dabei teils mitspielen, teils den Schwanz einziehen. In 30 Jahren ist DIESE Welt kaputt. Nicht nur anders als heute, sondern KAPUTT.

    Aber bis dahin bin ich schon EINS mit der Natur geworden.

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  22. Kaiserliche Majestät schreibt:

    „Egal, die Amis werden uns in den nächsten 10 Jahren ins globale Unglück stürzen, assistiert von den Israelis.“

    Wie genau?

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  23. genova68 schreibt:

    Solche Prognosen sind derzeit en vogue. Der Ökonom, die ich in dem Schweinethread verlinkt habe, behauptet, dass nächtes Jahr alle Währungen zusammenbrechen. „Der kommende Aufstand“ lebt auch von der gesellschaftlichen Apokalypse. Alles bricht zusammen. Was danach kommt, wird man sehen. Sozusagen eine große Erzählung mit ungewissem Ausgang. Aber kann ja alles sein.

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  24. InitiativGruppe schreibt:

    Ja, man wird sehen. Ich weiß gar nicht, ob ich es bedauern soll oder nicht, den großen Knall zu verpassen.

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  25. InitiativGruppe schreibt:

    KM,

    in den vierziger Jahren wusste man in Deutschland, was und wer unser Unglück ist. Nicht alle Erkenntnisse aus der alten Zeit sind falsch – stimmst du mir da zu?

    Mit Hilfe der Amis sehe ich eine große Gefahr auf uns und insbesondere die muslimische Welt zukommen. Der Sündenbock ist bekannt, die Messer gewetzt.

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  26. Wörterberg schreibt:

    *Aluminiumhütchen aufsetz*

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  27. Kaiserliche Majestät schreibt:

    „in den vierziger Jahren wusste man in Deutschland, was und wer unser Unglück ist. Nicht alle Erkenntnisse aus der alten Zeit sind falsch – stimmst du mir da zu?“

    Kommt darauf an, welche 1940er-Erkenntnis Sie genau meinen.

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  28. InitiativGruppe schreibt:

    Ich weise darauf hin, dass hier jemand meine Identität missbraucht: 22.43 und 22.47 sind nicht von mir.

    Interessant zu erfahren, dass jemand das so machen kann. Und machen will. Gibt es eine Möglichkeit, sich vor so etwas zu schützen? Gibt es eine Möglichkeit, den Betrüger ausfindig zu machen?

    Bei dem Kommentar um 22.47 merkt man, dass er nicht von mir sein kann.

    Genova68 ist auf meinem Blog auch Opfer eines solchen Namensbetrugs geworden.

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  29. genova68 schreibt:

    Der Betrüger ist immer derselbe: Der verrückte Redford/Knut/Dr. Heinmann etc., der einerseits „Türken raus“ ruft, mir andererseits, vorzugsweise nachts, sexuell anzügliche Mails schreibt („gaynova“), gerne auch mit Bildern nackte Männer (er selbst?) drin. Der Typ ist aus Augsburg, ein Stalker und das, was man früher geisteskrank nannte. Psychologisch interessant, allerdings unangenehm, wenn der unter meinem Namen schreibt, offenbar seine neueste Masche. Mailadresse plus Nickname plus Bildchen klauen und anderswo drauflosschreiben.

    Der probiert ständig, mit neuen Nicks hier Kommentare zu setzen, gerne auch einschleimende, damit es nicht so auffällt. Es ist wohl auch manisch. Gastautor bei PI ist der auch, wo seine psychologische Grundaustattung ja auch ganz gut hinpasst.

    IG,
    Identitätsmissbrauch finde ich nicht lustig, es funktioniert ja, wie man oben sieht.

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  30. Kaiserliche Majestät schreibt:

    „Gibt es eine Möglichkeit, sich vor so etwas zu schützen? “

    Naja, man trägt bei WordPress in den Kommentaren ein:

    den Nickname, die E-Mailadresse und die Webseite. Alles drei dürfte bei euch bekannt sein. Nehmt eine Mailadresse, die keiner erraten kann.

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  31. genova68 schreibt:

    KM,
    so ist es. Ich habe bislang die Mailadresse benutzt, die hier unter „Worum geht es hier“ öffentlich einsehbar ist. Habe ich jetzt geändert.

    Es ist im Prinzip wie mit den verrückten Islamisten. Wegen ein paar Deppen muss man sich über erhöhte Sicherheitsstandards Gedanken machen.

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  32. InitiativGruppe schreibt:

    Das hätte ich beinahe übersehen. KM hat gefragt, was ich damitt meine:
    „Egal, die Amis werden uns in den nächsten 10 Jahren ins globale Unglück stürzen, assistiert von den Israelis.“

    Pessimistische Antwort:

    Ich gehe davon aus, dass in absehbarer Zeit die Republikaner wieder den Präsidenten bzw. die Präsidentin in den USA stellen werden, dass dann der Nahostkonflikt brutal radikalisiert wird (mit Deportation der Palästinenser, etc.), dass USA und Israel den Krieg mit dem Iran suchen werden, dass das alles eskaliert … militärisch, ökonomisch, terroristisch … bis zum Atomschlag auf Teheran …
    Die Weltwirtschaft hat schon jetzt Probleme, das Gleichgewicht zu halten – wenn sie aufgrund von Konflikteskalation und Krieg im Ölhaltigen Osten ganz aus den Fugen gerät, dann wird’s rundgehen auf diesem Globus.

    Dazu kommt dann noch China. Sobald die Amis ökonomisch und politisch nicht mehr mit China mithalten können – ich schätze, schon in 10 Jahren ist es soweit – werden die USA sich auf ihr immer noch überlegenes Atomwaffenpotential, auf ihre eigenen Weapons of Mass Destruction besinnen und mit ihnen riskante Außen- und Innenpolitik betreiben, um für sich zu retten, was zu retten ist, und um die inneren Spannungen nach außen zu lenken. – Soweit ist es noch nicht, aber ich seh es kommen.

    Das sagt Leo, der Prophet.
    (Propheten irren sich manchmal. Schon möglich, dass das hier der Fall ist. Hoffen wir’s jedenfalls.)

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  33. chriwi schreibt:

    Illse will jetzt auch die Zulassungskriterien für Pestizide aufweichen. Da baut sich jemand den Weg für die Zukunft.

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  34. Elisabeth schreibt:

    Also, ich würde richtigem Fruchtsaft die rote Ampel verpassen, da sehr kalorienhaltig und noch dazu sehr säurehaltig, daher zahnschädlich!

    Aber eine in Mineralwasser aufgelöste Multivitamintablette erhält von mir die grüne Ampel – Vitamine, Mineralien, kaum Kalorien, was will man mehr?

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  35. Mary schreibt:

    Wäre es nicht sinnvoll, sich als Linke mal generell für das Verbot von Tabak auszusprechen? Und von hochprozentigen Alkoholika? Das würde nicht nur die Gesundheit der Unterschicht, sondern auch der linken Elite deutlich befördern.

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  36. Serdar Balci schreibt:

    „Ökologisch kann das Flaschenpfandsystem aber dennoch sein, wer das Pfand bekommt, ist egal, Hauptsache, die Flasche wird wiederverwertet“

    Das Pfandflaschensystem ist kompletter Irrsinn, auch in ökologischer Hinsicht. Aus gutem Grund gibt es dann sonst kaum irgendwo… wesentlich besser sind Recycling-Dosen aus dünnwandigem Aluminium, die wieder zu neuen Dosen recycelt werden.

    Schon mal überlegt, wie schwer ein Getränkekasten mit Glasflaschen ist – vgl. mit Aluminiumdosen? Daß dieser im Gegensatz zur gepreßten Recyclingdose dasselbe Volumen beim Rücktransport benötigt? Daß somit Millionen von unnötigen LKW-Fahrten erfolgen? Daß die zu Recht hohen Anforderungen an die Hygiene aufwendige Reinigung mit viel heißem Wasser erfordern? Bei Großbrauereien überhaupt nur ein Rücklauf von vielleicht 60 % eigenen Flaschen erfolgt – der Rest sind Fremdflaschen?

    Wieso die Pfandflaschen meist völlig neu aussehen? Ganz einfach, die Rückläufer werden einfach zu mindestens 50 % entsorgt und durch nagelneue Flaschen ersetzt. Aber Hauptsache, wie haben die „umweltfreundliche“ Pfandflasche.

    „Zwar würden, sagt die Umfrage in Wahrheit, die Ampel gerade „bildungsferne Schichten“ verstehen und vielleicht auf manche Pizza von Dr. Oetker verzichten“

    Finde ich gut. Dann aber bitte auch die rote Ampel für alle Currywurst-Buden, Fastfood-Ausgabestellen und Döner-Läden, die können Sie gern persönlich an der Eingangstür anbringen.

    Übrigens: schon mal nachgeschaut, was in einem Industrie-Preßfleisch-Döner so alles drin ist? Separatorenfleisch verschiedenster Art, gekörnte Brühe, Flüssigei, Bindemittel, Paniermehl, Konservierungs- und Farbstoffe.

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