Sensation: Bislang unbekanntes Bild von Gerhard Richter entdeckt

Auf einem Dachboden in Düsseldorf gefunden und gleich mitgenommen: Gerhard Richter, „Kaiser“, 4 x 6 Meter, 1982:

Typisch hier seine subtile Kritik an restaurativen gesellschaftlichen Zuständen, geradezu visionär, wie er mit der totalitären Ampel und dem Kaiser unter einem bleiernen Himmel die heraufziehende entdemokratisierende Kohl-Ära vorwegnahm und gleichzeitig eine Verbindung zu seinem RAF-Zyklus herstellte. Die Poller im Vordergrund visualisieren gekonnt die sieben Jahre später tatsächlich durchlässig gewordene Grenze zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat.

Leider habe ich wegen der vielen Playmates an meinen Wänden keinen Platz für Richter und muss den Schinken verkaufen. Was er wohl wert ist?

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13 Antworten zu Sensation: Bislang unbekanntes Bild von Gerhard Richter entdeckt

  1. Jörg Kremer schreibt:

    Sehr schön „gespielt“. Mehr davon!

    (Ich war um 1995 in Portugal bei einem Frisör, der für seine Kunden in einem Körbchen ramponierte Playboy-Ausgaben liegen hatte. Die jüngste war ca. 5 Jahre alt, die älteste war von von 1665 (!!!). Der hatte auch keinen Platz für aktuelle Zeitschriften. Der Frisör rasierte mich übrigens, indem er mit dem offenen Rasiermesser seinen tastenden Fingern folgte. Er sah fast nichts. Wofür also neue Playboy-Ausgaben kaufen?)

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  2. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  3. bersarin schreibt:

    Ich biete im Gegenzug Playmates, da ich vor lauter Richter, Polke und Kiefer an meinen Wänden keinen Platz mehr für jene habe.

    Die Playboyausgabe von 1665 hätte ich mitgenommen. Wie waren die Photographien der Mädels?

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  4. Jörg Kremer schreibt:

    Der Frisör war rührend. Am Spiegel lagen Nivea Verpackungen in Museumsqualität.
    Mädels aus den 60ern muss man besonders mögen, sonst wirken diese Bilder heute geradezu naiv. Damals schon. Man erkennt dann sehr schnell die Prägung, die man durch Bilder erfährt.

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  5. hf99 schreibt:

    2 Aldiweine? Immerhin gemeinsam gsoffn…

    Geil, Blogging of the month…

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  6. genova68 schreibt:

    Playboy-Ausgaben von 1665, da muss ich mich geschlagen geben. Dagegen ist ein Richter von 1982 ja so sensationell wie die Super-Illu von letzter Woche.

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  7. genova68 schreibt:

    bersarin, fuer zwei playmates aus dem 17. jhdt/ kriegst du den richter, der ist eh viel zu unhandlich.

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  8. bersarin schreibt:

    Ich habe die beiden Frauen in ein Taxi gesetzt. Sie sind auf dem Weg zu Dir. Die eine ist schwarzhaarig, die andere blond. Sie sprechen nicht viel, doch das brauchen sie auch nicht.

    Den Richter haben meine Leute bereits bei Dir abgeholt. Du weißt gar nicht, was für ein Kleinod Du aus der Hand gabst. Dieses Bild deutet mit zarter Geste nicht nur die Aufhebung der deutschen Teilung an, sondern trägt in sich zugleich ein Plädoyer für die Monarchie. Inmitten des Trostlosen ist der Kaiser der Anker einer künftigen Rettung.

    Für die künstlerische Entwicklung Richters kann man dieses Werk gar nicht hoch genug ansiedeln. Es gibt Deutungen, die sprechen sich dafür aus, dieses Gemälde als Quintessenz seiner Stadtbilder zu sehen. Irritierend allenfalls, daß es als photographische Skizze innerhalb des „Atlas“ nicht auftaucht.

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  9. genova68 schreibt:

    Ein perfekter Deal, vielen Dank. Leider hat sich das Taxi offenbar verfahren.

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  10. hanneswurst schreibt:

    Ein wichtiges Werk. Richter hat schon mehrfach verschmierte Glasscheiben vor das Objektiv installiert, um den Eindruck entstehen zu lassen, die Aufnahme wäre spontan und weitgehend intentionslos aus einem vorbeifahrenden öffentlichen Verkehrsmittel heraus entstanden. In Wahrheit bedarf solche Lichtkunst einer mehrwöchigen Planungs- und einer mindestens dreitägigen Ausführungsphase. Der gewünschte Bildeindruck entsteht nur bei Verwendung spärlichen Morgenlichtes (4.45h im Juni) und dennoch muss der Vorplatz belebt aussehen. Der Straßenverkehr wurde weiträumig abgesperrt, damit Abgase und Vibrationen den Strahlengang nicht beeinflussen. Wegen unerwünschten Vogelflugs musste der Aufnahmetermin mehrfach wiederholt werden.

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  11. genova68 schreibt:

    Ein super Kommentar von hanneswurst (11.08 uhr). Nach dreizehn Monaten bedanke ich mich dafür leicht verspätet, dafür um so herzlicher.

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  12. hanneswurst schreibt:

    Gerne, mein Lieber. Zum Jubiläum eine nostalgische Tour durch das eigene Blog? Was gibt es Schöneres.

    Übrigens wurde heute ein anderes Werk von Richter für 15 Mio. $ versteigert (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,797046,00.html). Ich empfinde auch so etwas als einen obszönen kapitalistischen Auswuchs, aber bei Kunst wird irgendwie immer ein Auge zugedrückt.

    Nun aber prost und dreimal hoch die Tassen, ich trinke heute eine ganze Pulle Ardbeg auf Dein Wohl.

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  13. genova68 schreibt:

    Auf mein Wohl, vielen Dank.

    Die Kunstpreise sind ja nur Ausdruck des Systems, da wird halt ein Objekt gesucht, mit dem das Kapital sich vermehren kann. Richter wird sich drüber freuen, wobei es mich interessieren würde, was der zu dieser Perspektive sagt, aus der seine Kunst da betrachtet wird. Systemisch gesprochen wechselt da Geld gegen Produkt. Dass der Richter so teuer ist, liegt an seiner Marktkompatibilität, würde ich sagen. Ein bisschen RAF, ein bisschen deutsch-deutsche Geschichte usw. Wenn das Kapital Verwertungsmöglichkeiten sucht, dann wird auch der Bereich Kunst in den Blick genommen, und dann müssen eben ein paar Künstler her, die auf den Stand des Millionenswerts gebracht werden müssen. Wie das im Kunstmarkt funktioniert, ist sicher interessant. Nach der Becher Schule war die Leipziger, derzeit wird sicher fieberhaft nach irgendwas neuem gesucht.

    Es gibt ja in der FAZ und der SZ extra die Rubrik „Kunstmarkt“. Sehr aufschlussreich zu lesen.

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