Des Deutschen heilige Kuh

Ein bemerkenswerter Kommentar in der taz: Enteignet Spinner! Es geht um neu zugezogene Bewohner gentrifizierter Stadtquartiere, die sich nun die Umgebung via vermeintlicher Nutzungsrechte zurechtverspießbürgerlichen: Bitte keine lauten Clubs mehr, bitte keine frei zugänglichen Uferwege, bitte den Park für mich alleine. Der Verfasser Gereon Asmuth holt dann weiter aus:

Das Problem dahinter ist die heilige deutsche Kuh: das Eigentum an Grund und Boden. Nach der Wiedervereinigung wurde so ziemlich alles „rückübertragen“, was möglich war. Und als ob das nicht gereicht hätte, wurden auch noch massenhaft Grundstücke und Häuser von der öffentlichen Hand verkauft.

Doch wer in Deutschland besitzt, hat die Macht. Da kann die Politik bitten und betteln.

Es wäre nett, wenn die Eigentumsfrage wieder stärker ins Zentrum der Forderungen rücken würde. Darüber wurde in Deutschland des letzte Mal in den Zwanziger Jahren diskutiert, wenn ich das richtig sehe. Alexander Mitscherlich hat dazu in den Sechzigern noch Kluges geschrieben (und ich vor ein paar Monaten zu ihm gebloggt).

Es ist ein kaum diskutiertes Thema, dass in den 1950er Jahren bis heute unglaubliche private Vermögenszuwächse erzielt wurden, weil massenhaft fast nutzlose landwirtschaftliche Nutzfläche in sauteure Baugrundstücke umgewandelt wurden. (Das Wort „Neubaugebiet“ ist dem Bundesrepublikaner ein sehr vertrautes.) Wertsteigerungen von 1.000 oder 2.000 Prozent waren kein Problem. Der Allgemeinheit davon was abgeben? I wo.

Mehr dazu im Gentrificationblog.

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3 Antworten zu Des Deutschen heilige Kuh

  1. HF schreibt:

    Das ist wirklich eine heilige Kuh – aber auch heilige Kühe kann man schlachten. Eine interessante Materie, insbesondere dann, wenn man die Konzepte „Besitz“ und „Eigentum“ vergleicht, auch international.
    Aber wer in D dem „Eigentum“ kritisch zu nahe kommt, muss mit Verbannung rechnen!

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  2. genova68 schreibt:

    Was zeigt den der internationale Vergleich von Besitz und Eigentum? Würde mich interessieren.

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  3. HF schreibt:

    Das es diese Unterscheidung nicht überall gibt.

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