Claus Strunz: Arbeitslose sollen auf Bahnhöfen Schnee schippen!

Claus Strunz ist ja schon öfter durch bemerkenswerte Ideen aufgefallen. Im derzeitigen schneereichen Winter kommt der TV-Moderator, Chefredakteur des Hamburger Abendblattes und Ex-Chef der Bild am Sonntag jedoch erst so richtig in Fahrt. Strunz forderte am 18. Januar in seiner Talkshow („Sind Deutschlands Arbeitslose faul?“) auf dem Krawallsender N24, dass das Privatunternehmen Deutsche Bahn zum Schneeschippen auf Bahnhöfen und Gleisanlagen Hartz-IV-Empfänger einsetzen soll, die hätten ja schließlich eine Arbeitspflicht. Von einer „Bürgerpflicht“ sprach er auch. Und der Studiogast Martin Lindner von der FDP faselte irgendwas von „hunderprozentiger Leistungskürzung“ bei Arbeitsverweigerung.

Bodo Ramelow von der Linkspartei, ebenfalls zu Gast in der Sendung, erwähnte in dem Zusammenhang den Reichsarbeitsdienst der Nazis, worauf Strunz empört tat. Nazivergleiche würden nicht so gut kommen, meinte er. Da hat er Recht, doch ich frage mich, ob auf diesen in der Tat asozialen Vorschlag in dieser Deutlichkeit schon mal jemand gekommen ist, außer vielleicht die NPD.

Wenn das Unternehmen Deutsche Bahn Leute zum Schneeschippen braucht, soll es halt welche anstellen, gerne auch Langzeitarbeitslose. So einfach geht das. Stattdessen sollen nach Meinung von Strunz die Langzeitarbeitslosen das kostenlos machen. Auch eine Möglichkeit, Arbeitslosigkeit nicht abzubauen. Es ist eine an sich verrückte Idee, schon rein logisch, weil die Langzeitarbeitslosen dann noch länger arbeitslos bleiben, worauf man sie zu weiteren Umsonst-Arbeiten zwingen kann, da sie ja langzeitarbeitslos sind und jetzt ihrer „Bürgerpflicht“ nachkommen müssen und so fort. Immerhin werden sie ja von „meinen Steuergeldern“ (O-Ton Strunz) bezahlt.

Sowas ist bei N24 nicht nur aufzeichnungs-, sondern auch sendefähig.

Am besten entlassen wir jetzt alle, die Arbeit haben, um sie danach als Langzeitarbeitslose zum Arbeiten zu zwingen. So sparen die Unternehmen eine Menge Geld. Ich brauche übrigens auch dringend eine Putzfrau, aber bitte umsonst.

Hintergrund der Strunzschen Überlegungen war übrigens der von ihm erwähnte Fall, dass die Bahn zum Schneeschippen bulgarische Billigarbeiter eingesetzt hat. Strunz ist das noch nicht billig genug. Warum drei Euro die Stunde zahlen, wenn der gemeine deutsche Arbeitslose umsonst schippt?

Gesellschaftliche Strukturen ändern sich langsam, auch hin zum Asozialen. Hinweise, dass wir da auf einem guten Weg sind,  gibt es mittlerweile genug.

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8 Antworten zu Claus Strunz: Arbeitslose sollen auf Bahnhöfen Schnee schippen!

  1. hanneswurst schreibt:

    Ich finde es besonders bedauerlich, dass die Angemessenheit der Tätigkeit für die jeweilige Personeneinheit immer weniger Bedeutung hat. so kann es wohl kaum eine angemessene Strafarbeit für einen arbeitslosen Humanbiologen sein, Schnee zu schippen. Latrinenreinigung dagegen könnte interessant für ihn sein, während das Schneeschippen vielleicht ein arbeitsloser Choreograph übernehmen kann, der der Sache auch etwas abgewinnt. Arbeitslose Philosophen machen sich auf dem Jahrmarkt gut als „lebende Monster“ im Gruselfahrgeschäft, Wirtschaftswissenschaftler helfen natürlich im Ausschank und TV-Moderatoren, tja die, äh, werden im Zoo verfüttert.

    So verliert der Vorschlag von Strunz (nomen est omen) doch seinen Schrecken.

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  2. Ano schreibt:

    Der Anspruch auf die kostenlose Nutzung eines „Langzeitarbeitslosen“ gilt:
    (a) für Privatpersonen ab einem versteuerten Einkommen von 75.000 Euro p.a.
    (b) für Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern.

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  3. Man könnte es auch so sagen: Hundertprozentige Leistungskürzung – das ist schlicht Sozialdarwinismus. Das einzige, warum sich ein Nazi-Vergleich nicht anbietet, ist, dass man sie noch selber verhungern lassen will.

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  4. martin schreibt:

    Der Herr Chefredakteur sollte sich vergegenwärtigen, dass er u.U. auch irgendwann dann mal mit der Schippe am Bahnsteig stehen könnte – und es dort viele, viele Leute gibt, die auch das besser können als er. What a shame!

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  5. genova68 schreibt:

    Hannes,

    danke für deine weiterführenden Vorschläge. Ich werde sie umgehend an Herrn Strunz und die FDP weiterleiten.

    Ano,

    gut, dass da jetzt klare Verhältnisse herrschen.

    Man könnte zu der Fernsehsehndung noch ergänzen, dass Strunz, da Ramelow das Schneeschippenbeispiel nicht kapierte, einen anderen Einsatzort für Langzeitarbeitslose nannte: marode Schulen. Dort könnten die eingesetzt werden, zumal es ja auch unter Langzeitarbeitslosen viele qualifizierte Fachkräfte gebe.

    Eine gute Idee. So kann man endlich auch hochqualifizierte Humanbiologen in ihrem Fach umsonst arbeiten lassen.

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  6. Blues schreibt:

    Mancher Politiker, im Gegensatz zu etlichen Vertretern früherer Polit-Generationen nicht mehr so richtig durchs Berufsleben gegangen, befürwortet nun also offen die Zweiklassengesellschaft: jene, die gut bezahlt auf Klobrillen thronen, verwalten andere, die leider nicht draufpass(t)en.
    Spannend an der Behandlung des Themas, dass
    mit der Stigmatisierung Langzeitarbeitsloser
    Fronten errichtet werden, wo eine Gesellschaft als Ganzes sich einem Strukturwandel besser stellen könnte. Wie wär’s da mit einem richtig runden Tisch? – Artus‘ Tafelrunde, das Prinzip Gleichheit …
    Solange jedoch vom Leben nicht gewaschene Funktionäre ahnungslos den reibungslosen Weltablauf predigen und die Presse ihnen auch noch die Mikrophone hinhält, sind selbstlaufende Mechanismen am Werk, die mit weitblickenden Lösungen nichts zu tun haben. Schade.

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  7. T. Albert schreibt:

    Gott ja, als Funktionär beim Arbeitsdienst kriegt man ja auch nicht so die dicke Kohle, irgendwann werden sich Typen wie Lindner und Stronzo aber darum reissen da mitmachen zu dürfen, wenn sie so weitermachen mit der Vernichtung der Binnenwirtschaft. Nicht mal ihren Billigmüll werden sie noch verkaufen können.

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  8. genova68 schreibt:

    Jetzt hat Westerwelle die Strunz´sche Idee vom Zwangsschippen aufgenommen.

    http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/westerwelle-eis-hacken-fuer-hartz-iv-article743696.html

    Es geht voran.

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