Egon Hartmann und das wirre 20. Jahrhundert

Der Architekt Egon Hartmann ist gestorben. Das ist nun nicht weltbewegend, aber interessant sind seine Rollen in den unterschiedlichen politischen Systemen und insofern ist Hartmann ein anschauliches Subjekt für das wirre 20. Jahrhundert.

Zuerst Gesamtdeutschland: 1919 im Sudetenland geboren, erlitt er 1944 eine schwere Kriegsverletzung: Sein Unterkiefer war weg, er brauchte mehrere Dutzend Operationen, mehrere Jahre künstliche Atmung und eine Gesichtsplastik. Dann Osten: 1951 baute er an der Stalinallee in Ostberlin maßgeblich mit. Dann Westen: 1958 gewann er in Westberlin den zweiten Platz (wie auch Hans Scharoun) im sogenannten Hauptstadtwettbewerb, der vor allem aus ideologischen Gründen durchgeführt wurde. Ein weiteres Jahr später plante er die Großsiedlung Neuperlach in München mit.

Zuerst herausragende Leistungen im Realsozialismus, dann herausragende Leistungen im Realkapitalismus.

Auf beiden Seiten dabei, und das mit Qualität. Ob und was ihn mit den Nazis verband, weiß ich nicht. Wie auch immer: Der Mann wird in den kommenden Jahren entdeckt werden, lautet meine Prognose.

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