„Tagesspiegel“ kollaboriert mit Hassprediger

Deutsche Feuilletons führen derzeit die x-te Debatte zum Thema Islam. Die selbsternannte „Hauptstadtzeitung“ Tagesspiegel muss da natürlich mithalten und tut das mit einem Beitrag von Henryk Broder. Man stelle sich das vor: Seidl in der FAZ, Assheuer in der Zeit, Steinfeld in der Süddeutschen und der Tagesspiegel kommt mit dem Rechtsaußenvollpfosten Broder. Ich habe keine Lust, diesen Artikel und den dort geschriebenen unglaublichen Blödsinn auseinanderzunehmen. Nur soviel: Ein Kern seiner Argumentation: Die FAZ, die Zeit und die Süddeutsche haben etwas gegen ihn, weil er „polnischer Jude“ ist und die genannten Herren werden, kaum ummantelt, als Nazis bezeichnet.

Das ist meines Erachtens der vorläufige Gipfel des Broderschen Egozentrismus, der keines weiteren Kommentars bedarf. Das Problem dabei: Die Verantwortlichen beim Tagesspiegel bieten diesem Hansel zum wiederholten Mal ein Forum.

Die Hauptstadtzeitung lässt einen Hassprediger plappern und begibt sich damit auf Bild-Niveau. Wenn überhaupt. Steckt dahinter ein Konzept?

Lesenswert zum Thema: Arne Hoffmann und ein Beitrag des Islamwissenschaftlers Stefan Weidner im Merkur. Dort schreibt er in Bezug auf Muslime und ihre westlichen Kritiker:

Keine der beiden Seiten grenzt sich genügend gegen ihre extremen Ränder ab.

Für den Tagesspiegel zählen offenbar nur die page impressions. Gerne auch vom extremen Rand.

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9 Antworten zu „Tagesspiegel“ kollaboriert mit Hassprediger

  1. regido schreibt:

    Na ja,es ist schon aergerlich….es gibt immer wieder leute die meinen die deutsche geschichte fuer ihre eigenen zwecke misbrauchen zu duerfen….das geht leider quer durch alle reihen
    gruss regido

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  2. hanneswurst schreibt:

    In dieser Diskussion werden – nicht nur von Broder – religiöse Überzeugungen, politische Meinungen und individuelle Eigenschaften behandelt, als wären diese drei Ebenen kommensurabel. Das ist ein schwerwiegender Fehler. Muslim = Islamist (falsch); Terror im nahen Osten = islamischer (ohne den Islam nicht vorhandener) Terror (falsch); wenn die Palästinenser immer schon Juden oder Christen gewesen wären, dann gäbe es keinen Nahostkonflikt (falsch); wer Muslim ist, will keinen Frieden (falsch); wer die vom radikalen Islam ausgehende Intoleranz und Aggressivität anprangert, der greift damit pauschal 1,5 Milliarden Muslime an und ist somit moralisch disqualifiziert (falsch) usw. Die eigentlichen Themen bleiben so zunehmend auf der Strecke, bald wird nur noch über Kopftücher und Kruzifixe gequatscht und das eigentliche Ziel – den verblödeten Nahost Konflikt in den Griff zu bekommen um endlich mehr Kapazitäten zu haben um stärker auf die Länder einzugehen, die das besonders nötig haben – wird aus den Augen verloren. Aber es ist eigentlich auch piepegal was in deutschen Zeitungen dazu schwadroniert wird.

    Ich finde, dass es falsch wäre, Broder oder Steinfeld die Plattform zu entziehen. Dass endet auf einer Slippery Slope bei der „Prawda“. So mündig muss der Leser schon sein, dass er sich seinen Teil zu Broders saftigen Altvatterschimpfereien denken kann.

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  3. genova68 schreibt:

    Meine Aussage war, dass eine an sich seriöse Zeitung wie der Tagesspiegel jemandem wie Broder keine Plattform bieten solle. Der hat Plattformen genug. Steinfeld wollte ich die Plattform nie entziehen, der soll ruhig weitermachen bei der SZ.

    Broders Geplapper wird salonfähig gemacht durch das Medium Tagesspiegel, da geht es nicht um den einzelnen Leser, sondern um gesellschaftliche Tendenzen.

    Ansonsten danke, dass du dich so ausgiebig mit dem Text beschäftigt hast.

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  4. Er schreibt ja leider auch noch im ehemaligen Nachrichtenmagazin, das ja auch sonst ohne Unterlass die Botschaft „Islam=Terror“ verbreitet, und bekommt doch sogar eine Sendung in der ARD …

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  5. hanneswurst schreibt:

    @genova: ich meine, dass Steinhoff dann ebenso die Plattform entzogen werden müsste, denn er echauffiert sich über das Geplärre von Broder mit demselben aggressiven Klugscheissergetue, das er bei Broder ja gerade kritisiert. Außerdem erklärt er (und das tun viele in dieser Diskussion) Borders individuelle Meinung zu einer gesellschaftlichen Tendenz. Er analysiert aber Broder, nicht die Gesellschaft. Da geht alles durcheinander (Kategorienfehler, s.o.), oft auch nur um noch einen Artikel präsentieren zu können und das wird nicht aufhören, solange jemand hinhört und diese Artikel ernstnimmt. In einem Blog darüber zu berichten, erweitert die Plattform ebenfalls. Das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit, nicht Hass.

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  6. genova68 schreibt:

    Hannes,

    Steinhoff? Meinst du Steinfeld? Ich glaube, es gibt einen großen Unterschied zwischen Steinfeld und Broder, rein argumentativ und vom Stil her. Zeig mir bitte den vergleichbaren Ansatz bei Steinfeld, wenn Broder sein „polnisches Jüdischsein“ anführen muss. Auf die Idee, dass man Broder einfach aufgrund seines Geplappers kritisieren kann, kommt er nicht.

    Dass Broders Meinung eine Tendenz in der Gesellschaft ausdrückt, ist ziemlich klar. Er hat eine große Fangemeine, seine Bücher werden massenhaft gelesen, und das, was er schreibt, wird in diversen rechten bis rechtsradikalen Foren wiederholt.

    Dein letzter Satz stimmt, aber wieso soll ich ein Phänomen in diesem kleinen Blog ignorieren, das sowieso existiert? Wegen dem bisschen Weiterverbreitung hier?

    Guardian,

    welche Sendung ist das denn?

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  7. hanneswurst schreibt:

    @genova: es war nicht wirklich vorwurfsvoll gemeint – es ist ja normal, in einem Blog aufzugreifen was gerade beschäftigt. Ich denke in letzter Zeit jedoch zunehmend darüber nach, was zum Beispiel die medialen Diskussionen über den kriegsähnlichen Völkermord in Afghanistan bringt. Wir wissen heute noch nicht, ob der erste Deutsche Sündenfall nach 1945 – Belgrad – völkerrechtlich vertretbar war. Dennoch wird ausfallend darüber diskutiert, was das Richtige für die Afghanische Landbevölkerung sein soll. Die Diskussion über den Islam ist nur eine Facette davon. Diese Beiträge sich allesamt nichts anderes als verlängerte Stammtischgespräche. Ein Broder oder ein Steinfels wissen nichts, gar nichts, über konkrete Lösungsmöglichkeiten, sie sprechen so, wie es ihren eigenen Interessen gerade genehm ist, sie sprechen aus was ankommt oder interessant ist oder was polarisiert, denn ihr Ziel ist gehört und gelesen zu werden, nicht irgendwelchen Afghanen zu helfen. Sie sind unwissend und unbeteiligt, und sollen deshalb die Schnauze halten. Am einfachsten wäre das zu erreichen, indem man all diese Berichte einfach ignoriert.

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  8. genova68 schreibt:

    Steinfels? Meinst du Steinburg?

    Steinfeld und Broder in einen Topf zu werfen, geht nicht. Steinfeld denkt und wägt ab, Broder ist ein subtiler rechtsradikaler Hetzer (ja, das geht). Das ist ein Unterschied.

    Mit dem Nichtbeschäftigen hast du schon recht, es ist ja letztlich Zeitverschwendung. Letztlich liest man Broder genauso, wie man einmal jährlich bei Neunlive reinzappt. Das reale Grauen ist ein Faszinosum.

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  9. Redford schreibt:

    Was wollen Sie hier eigentlich Herrn Broder ans Zeug flicken? Antisemit?

    Die Hassprediger, die Sie meinen, finden Sie in den diversen Moscheen des Landes.

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