Tocotronic: Kreative Selbstmobilisierung in die Zweiklassengesellschaft

Der Tagesspiegel hat Dirk von Lowtzow anlässlich des neuen Albums von Tocotronic interviewt. Sehr lesenswert, nicht nur dieser Ausschnitt:

Rockmusik soll ehrlich und unverfälscht sein. Trotzdem wehren Sie sich gegen Authentizität?

Früher erschien es mir unnötig, mich dagegen zu wenden. Aber mittlerweile geht mir diese perfide Ideologie, dieses permanente Gefühl, sich selber sein und vervollkommnen zu müssen, auf die Nerven. Das ist eine kreative Selbstmobilisierung, die uns zwingt, uns ständig auf uns selbst zu beziehen. Selbstverbesserung ist zum biopolitischen Imperativ geworden und durchsickert den gesamten Körper. Beginnen tut das relativ harmlos mit dem Glauben an die unbedingte Authentizität, aber es endet in der Zweiklassengesellschaft, bestehend aus denen, die über das kulturelle und das vorhandene Kapital verfügen, um die eigene Vervollkommnung voranzutreiben und „exzellent“ zu werden, und allen anderen, die solche Voraussetzungen nicht haben.

Mehr dazu auch bei Bersarin.


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5 Antworten zu Tocotronic: Kreative Selbstmobilisierung in die Zweiklassengesellschaft

  1. Bersarin schreibt:

    Danke für den Link auf meinen allerdings bescheidenen Beitrag.

    Ja, ich mag deren Musik. Warum ich Typen wie Arne Zank jedoch zum Brechen finden, das äußert sich in Sätzen wie: tausendmal lieber Thomas Bernhard lesen als den langweiligen Böll. (Sinngemäß und aus dem Kopf zitiert.)

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  2. hanneswurst schreibt:

    Schönes Interview. Wie von Lowtzow allerdings selber anmerkt, ist es oft schwer, zwischen persönlicher Biographie und Kulturgeschichte zu unterscheiden.

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  3. genova68 schreibt:

    Fuer einen Jungspunk wie diesen Zank ist Boell ein Langweiler, das kann ich schon verstehen. Er ist sicher der Schlagzeuger, da gefaellt ihm der bernhardsche Rhythmus besser.

    Hannes, das war dein zweites Lob in diesem Blog, ich mache einen Sekt auf.

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  4. Pingback: TOCOTRONIC….der Schall und der Wahn « Laila's Musik Blog

  5. nheepapara schreibt:

    nicht schlecht, so gut aber auch wieder nicht, die texte, wenn ich mir zu sagen das erlauben darf, dass man so tiefgründig sich giebt beim interview, viel luft, nach oben. übrigens erinnerte mich „mach es nicht selbst“ an interpassivität, in zweierlei hinsicht.

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