Rudis Reste Rampe oder: Wie man in Braunschweig fürstlich liest

Das Blog Schlossdebatte berichtet über das Braunschweiger Schloss, das im Krieg schwer beschädigt und 1960 abgerissen wurde. Vor ein paar Jahren wurde es als Shopping-Center („Arkaden“) mit Stadtarchiv und Stadtbibliothek neu errichtet, mit barocker Fassade und sogenanntem modernen Innenleben.

So sieht es jetzt von außen aus:

Wer reingeht, erkennt die bemerkenswerten Details, mit denen das Büro Stuhlemmer Architekten die Aufgabe löste, den „Räumlichkeiten für 1,2 Millionen Euro eine schlossähnliche Anmutung zu geben.“

Den Wänden wurden Pilaster vorgesetzt, schätzungsweise aus Gips, und da wohl die Berechnungen nicht ganz den realen Maßen entsprachen, fehlt dem Abakus ein halber Meter zur Decke. Also wurden halt zwei weitere Kapitelle (oder was das sein soll) obendrüber gesetzt, aber alles schön abgestuft, das sieht wertiger aus. Dazu kommt die dezente Farbgebung, mal etwas mehr, mal etwas weniger beige.

Selbst bei einem Retro-Einfamilienhaus aus dem Katalog würde der Bauherr den Hersteller erschlagen für sowas (hoffe ich).

Gelungen auch diese Gipssäule mit quadratischer Marmorbasis und quadratischer Abschlussplatte, die leider nicht ganz den Maßen des Deckenstrangs entspricht. Aber man kann ja nicht alles haben, wenn man bei Rudis Reste Rampe einkauft. Man beachte auch die unauffällig platzierten Lüftungsschlitze in ja angeblich tragenden, massiven Deckensträngen.

Wie schön eine Begegnung von alt und neu sein kann, zeigt im Bild oben die rechteckige tatsächliche Stütze aus Beton, die hervorragend mit der Gipssäule harmoniert. Der Zwischenraum wurde findig für eine Glasvitrine genutzt. Vielleicht stößt ein Bibliotheksbesucher einmal rein zufällig an die Säule, die kippt dann bestimmt um und keiner merkt was.

Bei diesem Bild atmet man fast schon auf: einfach banal. Der Feuerlöscher ist an zentraler Stelle angebracht, so kann der König schneller löschen, wenn es brennt.

Der Clou laut Schlossdebatte:

Dies kann man auch als eine Vorschau auf das sehen, was beim Berliner Schloss kommen mag. Denn der Architekt ist der selbige, der vom Förderverein Berliner Schloss mit der Planung der Fassadenrekonstruktion beauftragt ist. Der Auftrag erging an ihn, als er selber den Verein kommissarisch leitete.

Zumindest die Auftragsvergabe ist irgendwie barock.

Aus Zeitmangel wenig durchdachter Zusatz:

Wie hätte die Bauausführung besser laufen können? Letztlich war das Kind schon in den Brunnen gefallen, als die Repräsentanten Braunschweigs entschieden, die Fassade des Schlosses wieder aufzubauen. Eine barocke Bauweise auch im Innern hätte wohl wegen der abstrus hohen Kosten die ein solcher Baustil provoziert und wegen seiner Praxisferne unmöglich fortgesetzt werden können. Ein Stadtarchiv und eine Bibliothek haben bestimmte finanzielle Rahmenbedingungen einzuhalten, da geht nix mit schlossähnlicher Anmutung.  Und eine – wie auch immer – innovative Architektur ist von solchen Stadtoberhäupten nicht zu erwarten.

Konsequenterweise sollten die aktuellen Herren Braunschweigs das gemeine Volk aus der schlossähnlichen Bibliothek raushalten. Diese ganze restaurative Logik ist zum Scheitern verurteilt. Nichts Neues, aber immer wieder schön zu sehen.

(Fotos: 1. Kudalla, 2. und 3. mit freundlicher Genehmigung von  Schlossdebatte)

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14 Antworten zu Rudis Reste Rampe oder: Wie man in Braunschweig fürstlich liest

  1. Jörg Kremer schreibt:

    Mir fehlt der Einblick, um Tiefgreifendes schreiben zu können. Oberflächlich betrachtet gehört die Pilaster-Abakus-Abstufungsorgie aber zu den skurrilsten Architekturdetails, denen ich gewahr wurde. Sind Sie sich sicher, dass das Foto in Braunschweig und nicht in Schilda entstand?

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  2. genova68 schreibt:

    Schilda ist überall.

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  3. Maximilian schreibt:

    Wenn man den Palast der Republik tatsächlich für ein Gebäude dieser Art abgerissen hat, wäre dies blanker Hohn. Vulgäre historisierende Gefälligkeit anstatt von Funktion.

    Kulturkritik ist immer so eine Sache, aber wenn alles was derzeit an baulichen „Leuchttürmen“ aus entweder Disneyland oder stumpfen Ästhetizimus besteht ist sie wohl mehr als angebracht.

    Irrsinnig ist es auch, dass die Menschen, die den Raubbau der 50er und 60er beklagen die Speerspitze derjenigen bilden die nun das Selbe Werk im anderem Gewand vollrichten.

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  5. klapauzius schreibt:

    Wenn man hier schon kritisiert, daß etwas ‚falsch‘ gemacht wurde, dann sollte immerhin etwas Grundwissen darüber vorhanden sein, wie es denn richtig ist. Zunächst: nicht jedes Schloß ist ‚barock‘, und das Braunschweiger schon gar nicht. Eine quadratische Kapitelldeckplatte ist regelmäßig breiter als der darüberliegende (steinerne) Deckenbalken, alles andere sähe bescheuert aus und entspräche allenfalls kindlichem Ordnungssinn, aber nicht antiker Bautechnik. Beim kritisierten Pilasterkapitell behaupte ich mal bis zum Beweis des Gegenteils, daß es dem historischen Vorbild ebenfalls entspricht; Pilasterkapitelle unter vorkragendem Gesims sind in historischen Zusammenhängen jedenfalls nichts Außergewöhnliches. Also: lieber mal Fachliteratur aufschlagen als Baumarktkataloge. Daß die historischen Architekturgliederungen im heutigen Bau keiner tragenden Funktion mehr entsprechen, ist bei einem Betonkasten mit vorgeblendeter Fassade ja wohl normal. Kritik sollte dann an diesem Vorgehen ansetzen, alles andere ist nur logische Konsequenz daraus. Daß es hierbei zu Brüchen kommt, ist eher eine Folge der Sparsamkeit des Bauherren bzw. heutiger Nutzungsansprüche (z.B. die Lüftungsschlitze). Eine richtig ’stilechte‘ Fortführung im Innern sähe vermutlich so aus wie auf dem Bild mit dem Feuerlöscher – wäre uns das lieber, damit hier auch ja niemandem ein ‚Disneyland‘ vorgegaukelt wird?
    Klapauzius

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  6. genova68 schreibt:

    klapauzius,

    du hast Recht: Die Fassade ist nicht barock, barock war das erste Schloss, das dort stand, aber nicht der jetzt rekonstruierte Nachfolgebau von 1841. Was allerdings die Logik meiner Kritik nicht beeinträchtigt.

    Die Kapitellabdeckplatte: Sicher kann die breiter sein als das Gebälk, aber dennoch kann man das plump oder weniger plump gestalten. Ich glaube nicht, dass die Rekonstruktion hier dem Original entspricht. Und selbst wenn: Das würde nur bedeuten, dass das Schloss von 1841 von der Gestaltung her schon fragwürdig war. Nicht alles, was alt ist, ist auch gut.

    Warum sollte das Rekonstruktionskapitell auch streng am Original orientiert sein, alles andere ist ja auch hingepfuscht, was du nicht einmal bestreitest, aber die Schuld woanders suchst. Und genau hier zeigt sich dein Dilemma: Du merkst, dass deine architektonischen Vorstellungen mit heutiger Technik nicht realisierbar sind und willst offenbar auschließlich seinerzeitige Materialien und Techniken anwenden. Hier die „Sparsamkeit des Bauherrn“ zu kritisieren, ist weltfremd: Probier doch mal, der Öffentlichkeit zu erklären, dass die Bibliothek doppelt so teuer werden muss. Oder du kommst gleich mit dem leicht abstrusen Vorwurf „heutiger Nutzungsansprüche“. Ein heutiger Nutzungsanspruch an das Gebäude ist schlicht, dort eine funktioniernde Bibliothek unterbringen zu können, zu einem vertretbaren Preis. Nicht zuviel verlangt, aber mit deinen reaktionären ästhetischen Ansprüchen nicht machbar. Damit machst du das Gebäude für heutige Ansprüche (Shopping-Center und Bibliothek) unnutzbar, es würde also überhaupt nicht gebaut.

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  7. klapauzius schreibt:

    Liebe(-r?) genova68,

    ich freue mich ja immer besonders über Leute, die meine ‚architektonischen Vorstellungen‘, mein ‚Dilemma‘ oder gar – vielen Dank! – meine ‚reaktionären ästhetischen Ansprüche‘ durchschaut zu haben meinen. Ich habe eben nochmals meinen ersten Beitrag angeschaut, ich denke, Sie lesen da mehr hinein, als tatsächlich drinsteht. Ob die Kapitelldeckplatte nun tatsächlich plump ist oder nicht, werden wir hier kaum entscheiden können. Der ursprüngliche Kritikpunkt lautete allerdings auch anders, war sachlich wirklich nicht begründet und schien mir nicht von allzuguter Kenntnis klassischer Architekturordnungen zu sprechen. Ich fürchte deshalb, daß bei Ihrem fortschrittlichen ästhetischen Verständnis selbst antike Originale von Säulenordnungen nicht sehr günstig wegkommen würden.

    Ich meine bei Ihnen eine Haltung herauszulesen, nach der bei heutigen Bauten eine über das rein Funktionale herausgehende Gestaltung aus Kostengründen möglichst zu unterbleiben habe – oder irre ich mich? Dann sollte doch eine Kritik nicht erst bei den Gipsdekorationen des Inneren, sondern bereits bei der Fassade bzw. beim Konzept eines rekonstruierenden Wiederaufbaus ansetzen.

    Mit der Bitte um Aufklärung
    Klapauzius (männl.)

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  8. genova68 schreibt:

    klapauzius,
    wie lautete denn der ursprüngliche Kritikpunkt, der angeblich sachlich nicht begründet war? Dass die Kapitelldeckplatte regelmäßig größer ist als der tragende Balken? Glaube ich nicht, sehe ich nicht. Kann sein, muss nicht. Aber klären Sie mich ruhig auf, ernsthaft.

    Meine Kenntnis klassischer Architekturordnungen ist nicht sehr gut, vielleicht durchwachsen, aber es reicht, um das oben besprochene Gebäude kritisieren zu können. Überhaupt ist dieses Pochen auf Fachwissen angesichts der ungeheuerlichen Wissensfülle in der modernen Welt nicht überzeugend, denn dann gäbe es nur noch Fachidioten, die sich ebensowenig ein Urteil bilden können wie der Unwissende. Ich bin da mit meiner Mischung ganz zufrieden.

    Warum kommen bei mir antike Säulenordnungen schlecht weg? Ich habe doch gerade auf der Basis von Originalen das obige Gestümper kritisiert.

    Zu Ihrem letzten Absatz: Kommen Sie von dem Rekonstruktionsarchitekturforum „Pro Homine“? Dort wird die Diskussion über Rekonstruktionen geführt. Das würde jetzt zu weit führen, aber, wenn es Sie interessiert, suchen Sie mal hier im Blog via „Suche“ nach „Hildesheim“, da gibt es zwei Artikel, die sich mit dem Thema beschäftigen. Ihre Ansicht dazu interessiert mich.

    Gruß
    genova (ebenfalls männl., ich dachte, man erkennt das auf dem Bildchen, aber so kann man sich täuschen)

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  9. T. Albert schreibt:

    O Gott, sorry, was hätte denn dieses Gebäude mit klassichen Architekturordnungen zu tun?

    Weil Materialien gezwungen werden, so zu tun als ob in einem hanbüchenen Verständnis von Fügung, das mit der Statik nichts zu tun hat, wie das zweite Bild zeigt? Oder liegt ein höheres Verständnis der Sache in den eingelassenen Leuchten an falscher Stelle?
    Ausser einem wirtschaftlichen Billig-Funktionalismus, der sich mit falschen Federn schmückt ist doch nicht viel zu sehen an Substanz. Oder?

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  10. klapauzius schreibt:

    Lieber genova68,

    ich will versuchen, mich einigermaßen kurz zu fassen. Ich finde unter dem Hildesheim-Suchbegriff drei Artikel, die ich bisher nur überflogen habe, die aber auch recht umfangreich sind. Auf was genau soll ich denn eingehen?

    Ersatzweise vielleicht so viel: Was Rekonstruktionen angeht, so ist – sobald man den Rekonstruktionsgedanken an sich bejaht – die möglichst originalgetreue Wiederherstellung ja wohl zunächst mal das Ideal (das Problem, welche Zeitschicht die Rekonstruktion dann als ‚Original’ darstellen will, lassen wir mal beiseite). Daß in der Praxis regelmäßig Kompromisse eingegangen werden, kann man bedauern oder nicht, es ist aber so. Ursachen sind andere Nutzungsansprüche (fängt bei veränderter Innenraumaufteilung an und endet z.B. bei den absonderlichen Lüftungsschlitzen im Gebälk), wirtschaftliche Überlegungen (vorne hui, hinten Rendite) oder vielleicht auch schlicht Banausentum und Stümperei. Hier gilt wohl fast immer, daß der, der bezahlt, auch das bekommt, was er bestellt. Und was die Kompromisse angeht, so gibt es immer bessere und schlechtere Lösungen. Fange ich damit an, Modernes kontrastierend entgegenzustellen, dann fehlt mir allerdings das Original als Bezugssystem, und wer will dann noch sagen, was erlaubt ist, und was nicht?

    Was nun das Braunschweiger ‚Schloß’ angeht, so ist es in seiner Kombination von Kommerz und vorgepappter Fassade für mich ein eher widerwärtiges Beispiel einer Rekonstruktion. Die kritisierte Säule im Innern mag wohl keinem realen Gebäudetragwerk mehr entsprechen, bildet darin aber nur symptomatisch das verquere Gesamtsystem ab, kritikwürdig wäre also ja eher der gesamte Baugedanke an sich. Und dennoch, sehe ich die Fassade, dann sage ich mir: besser als gar nichts. Und sehe ich den Gips im Innern, dann auch: besser als gar nichts.

    Nun nochmals zu den Säulen und Pilastern. Ich mag Ihnen kleinlich erscheinen, aber ich halte es für richtig, sich vor einer fachlichen Kritik an den Hervorbringungen anderer erst einmal – zumindest einigermaßen – fachkundig zu machen. Anders gesagt: Wenn ich nicht bereit bin, mich ein wenig zum Fachidioten zu machen, dann kann auch meine Kritik nur von begrenztem Wert sein. Antike Architektur und ihre Nachschöpfungen sind allerdings nicht so aus der Welt, daß man Fachidiot sein müßte (für ein paar Fachausdrücke hat’s doch schon gereicht?), ein paar Bildchen ergoogeln langt häufig auch schon.

    Die Säulen am Original wie auch (so behaupte ich weiterhin) an der Rekonstruktion folgen antiken bzw. seit der Renaissance entwickelten Vorbildern, die bestimmten tektonischen Gesetzmäßigkeiten folgen. Als ‚klassische’ Architekturordnung sind sie kanonisch und stehen in ihrer Gestalt somit per definitionem außer Kritik. Kritik ist nur in zwei Fällen möglich, nämlich erstens, wenn wir antike Architektur an sich mißraten fänden (dann aber liegt das Problem nicht nur am Braunschweiger Schloß), oder wenn sie mißproportioniert oder unstimmig eingesetzt wäre. Letzteres trifft, so behaupte ich, allenfalls im Bezug auf den umgebenden Betonbau auf, nicht aber beispielsweise innerhalb des gipsernen Architravsystems. Im Klartext: Wieso soll eine über den aufsitzenden Gebälkblock herausragende Kapitelldeckplatte ‚Gestümper’ sein, wenn die dorisch/tuskische Architekturordnung nie etwas anderes macht? Die Erkenntnis, daß die Abschlußplatte ‚leider nicht ganz den Maßen des Deckenstrangs entspricht’, kann also kaum an der Betrachtung antiker Originale entsprungen sein. Gleiches gilt für das Pilasterkapitell: hier wird in ironisch-naiver Art unterstellt, daß ein Meßfehler dafür gesorgt habe, daß dem Kapitell ‚ein halber Meter bis zur Decke’ fehle. Was, bitteschön, soll denn das Kapitell direkt an der Decke, zwischen die Gesimsblöcke eingefügt? Es gehört nun mal unter das ‚Gebälk’ – also die unter der Decke umlaufende Profilleiste. Was auf Bild 2 zu sehen ist, ist also nicht etwa ein ‚hanbüchene(s) Verständnis von Fügung, das mit der Statik nichts zu tun hat’ (Beitrag T. Albert), sondern, von unten nach oben, eine Abfolge von Pilaster, Kapitell, glatten Zwischenstück (um die optische Überschneidung aus Betrachterperspektive zu vermeiden) sowie gekröpftem Architravstück (das, was wie ein zweites, daraufgesetztes Kapitell aussieht). Alles folgt einem logischen, statischen System und ist an antiken Bauten spätestens seit hellenistischer Zeit genau so zu finden. Wer’s scheußlich findet, soll sich bei den antiken Architekten beklagen, aber nicht bei der vermeintlichen Resterampe.

    Als letzte Kritikpunkt bleibt noch das Auseinanderklaffen von Scheinarchitektur und real tragenden Funktionen. Auch hier brauche ich nicht das Vorgehen in Braunschweig zu kritisieren, denn auch hier gibt es ab der Antike genügend Beispiele, in denen Scheinarchitekturen keine tragende Funktion mehr hatten, sondern allein zur Wanddekoration dienten (etwa in der pompeianischen Wandmalerei, in der Innenverkleidung des Pantheon usw.). Die Architekturgeschichte kam hier, und ich bin froh darüber, über Jahrhunderte ohne bauhäuslerische Ansprüche zur Materialgerechtigkeit aus.

    Die Lüftungsschlitze und Lampen lasse ich mal beiseite (kurz wurde mein Beitrag nun dennoch nicht.)

    Beste Grüße, Klapauzius

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  11. T. Albert schreibt:

    Wo ist der Pilaster?
    Ich sehe eine Säule, Säulen tragen ein Gebälk.
    Neben der Säule sehe ich einen scheibenartigen Pfeiler, der wohl auch irgendwas trägt, das „Gebälk“ scheint dort jedenfalls aufzuliegen.
    Aus der Wand hinter der Stahlwangentreppe
    sehe ich eine Lisene, die von der Treppe geschnitten wird. Man mag die wegen der reliefartigen Graphik eines Kapitells und einer Basis einen Pilaster nennen, gern.
    Pilaster und Lisene tragen nicht, sondern gliedern Flächen, das hat mit bauhäuslerischer Werkgerechtigkeit nichts zu tun, die ja auch so nicht existierte.
    Deswegen ist die Frage nach tragenden Elementen und „Scheinarchitektur“ auch keine der in „die Moderne“ projizierten Materialgerechtigkeit, sondern eine des intelligenten Umgangs mit der klassischen Syntax.
    Scheinarchitektur in Wandmalereien wie in Pompeji oder im Barock sind ein Thema der Malerei, die sich auf eine physische Architektur bezieht und sie räumlich erweitert oder sprengt, jedenfalls ihre Materialität aufhebt. Das gibts auch in der bösen Modernen, figurativ gerne in Italien, und von hoher bildnerischer und plastischer Intelligenz.

    Ich vermute mal, dass ein Büro wie Demetri Porphyrios in London(?) mit der Sache anders umgegangen wäre.

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  12. genova68 schreibt:

    klapauzius,

    zu „Hildesheim“ gibt es hier zwei Ergebnisse, die sich zum selben Thema äußern. Das eine ist nur eine Ergänzung des anderen.

    Ihre Argumentation „besser als gar nichts“ finde ich befremdlich, da es ja (unter anderem) um ästhetische Qualitäten geht, die man nur im Gesamtzusammenhang beurteilen kann. Wenn man, wie oben auf den Bildern dargestellt, eine sinnlose Säule neben eine sinnvolle Stütze stellt, dann wirkt die Säule lächerlich, was Sie sicher nicht bestreiten. Gar nichts wäre da also besser.

    Dass Sie das Braunschweiger Schloss ein „widerwärtiges Beispiel“ nennen und als Begründung die Kombination von alter Fassade und Kommerz anführen, ist ja schon mal ein sinnvoller Ansatz. Aber wie sollte man es denn anders machen? Das Schloss original wiederaufbauen? Dann wäre es kein Shopping-Center und niemand hätte das ganze bezahlt. Es wäre also nie entstanden. Ihre Haltung ist insofern reine Fantasterei. Architektur ist keine reine Kunst, sondern immer umweltbezogen, zumal mitten in einer Stadt. Das nur mal als EIN Kritikpunkt.

    Es ist dieses typische indifferente „zurück zur guten alten Zeit“, was in der Praxis natürlich nie funktioniert, was aber als ideelles Konstrukt nicht totzukriegen ist. Leute wie Sie verstehen nicht, dass man gegenwärtige Missstände nicht dadurch ausräumt, dass man die letzten 100 Jahre für nicht existent erklärt. Und genau darum geht es ja.

    Zu den Säulen: Sie reden von den Säulen des Braunschweiger Schlosses „im Original“. Wo sind die denn abgebildet? Dann könnte man das ganze leicht klären. Die Auftrag an Stuhlemmer war jedenfalls nur, eine „schlossähnliche Anmutung“ herzustellen.

    Außerdem „behaupten“ Sie jetzt mehrfach, dass bei der Rekonstruktion klassische Säulenordnungen eingehalten worden seien. Ich habe sowas noch nie gesehen, zumal man auf Bild zwei von Säulenordnung ja kaum reden kann, eher von „Gesimseordnung“. Unterschiedlichste Querschnitte, die sich auch mal auf ein Drittel der Fläche reduzieren. Was sollen denn das für „bestimmte tektonische Gesetzmäßigkeiten“ sein? Wo ist das „logische, statische System“? Das ist nur logisch in dem Sinn, dass es statisch nichts zu verantworten braucht, weil das die Stütze nebenan erledigt.

    Sie nennen das Ding auf Bild zwei „Pilasterkapitell“: Ich frage mich, wo man auf Bild zwei noch von einem Kapitell reden kann, aber wahrscheinlich sollte es eines werden, stimmt. Sie beschreiben die Abfolge auf Bild zwei, indem Sie hier hinschreiben, welche einzelnen Teil Sie sehen (Pilaster, Kapitell, glattes Zwischenstück etc.). Ganz ehrlich: Ich habe sowas noch nie gesehen, außer in billigen Kopien. Sagen Sie doch mal konkret, wo es sowas aus hellenistischer Zeit geben soll und um welche Säulenordnung es sich handelt. Mir geht es nicht ums rechthaben, ich würde es gerne wissen.

    Ich habe übrigens gerade an den Architekten eine Mail geschrieben mit der Bitte um Aufklärung: Gab es orignale Pläne oder Fotos oder woran hat er sich orientiert.

    Ich werde über die Antwort hier berichten.

    Gruß
    genova

    T.Albert, danke für den fachkundigen Beitrag.

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  13. genova68 schreibt:

    So, ich habe, wie erwähnt, am 6. Februar an Herrn Stuhlemmer folgende Mail geschrieben:

    ———-
    Sehr geehrter Herr Stuhlemmer,

    ich habe mich kürzlich im privaten Kreis mit jemandem über die Rekonstruktion des Braunschweiger Schlosses unterhalten und darüber, inwieweit die von Ihnen hergerichteten Innenräume originalen Vorbildern entsprechen. Wir wussten beide nichts genaues darüber, deshalb nun meine Mail an Sie.

    Sind denn die auf den Bildern hier (http://schlossdebatte.de/?p=433) zu sehenden Säulen, Pilaster, Gesimse etc. nach originalen Plänen rekonstruiert worden? Oder haben Sie die Anregungen dafür woanders bezogen? Inwieweit haben Sie sich an klassischen Säulenordnungen orientiert?

    Oder gibt es irgendwo (im Internet) eine Seite, die diese Fragen schon beantwortet?

    Danke im voraus für Ihre Antwort.

    Freundliche Grüße
    xxx

    —————
    Es ist bislang keine Antwort gekommen, auch nach einer Erinnerungsmail nicht. Ich gehe einfach mal davon aus, dass es keine Pläne gab und dass Herr Stuhlemmer offenbar zu dem Thema wenig einfällt. Ansonsten könnte er eine simple Frage zu einem öffentlichen, mit Steuermitteln errichteten Gebäude beantworten.

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