Hölle mit Alpen

Die Schweiz ist die Hölle mit Alpen. Nicht die „Islamisierung“ treibt ihre Bewohner um, sondern der Andere, den sie fürchten, die Emanzipation, die sie verachten, und die Moderne, die sie bloß im Bankverkehr dulden.

So erfrischend sieht Stefan Ripplinger in der Jungle World das skurrile Gebilde namens Schweiz. Übertreibung als journalistisches Mittel. Mir gefällt daran vor allem, dass sich einer nicht an die dubiose Weisung hält, man dürfe die Schweiz jetzt von außen nicht kritisieren, weil deren Bewohner erstens eine demokratische Abstimmung durchgeführt haben und zweitens schon viel länger Demokratie können als „wir“. Kritikverbot, weil Demokratie herrscht. Und diese Argumentation kommt nun gerne vom rechten Rand, also von Leuten wie Roger Köppel, die via Ummodelung ökonomischer und somit gesellschaftlicher Verhältnisse demokratische Strukturen lieber heute als morgen entsorgen würden.

Ich nehme an, Ripplinger meint nicht, dass die Hölle nur die anderen seien. Die Hölle ist überall. Absturzgefährdet sind alle.

Disaster am Matterhorn, damals wie heute (Wikipedia)

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4 Antworten zu Hölle mit Alpen

  1. T. Albert schreibt:

    ja, also, der erwähnte Herr Broder hat nun nicht alle Latten am Zaun. Aber „Islamisierung“ ist natürlich d a s Wort hier, und zwar seit Jahren. Dafür sorgen Köppel und seine SVP-Qualitätszeitschrift und Blocher sowie die Schweizer Demokraten, bei denen Broder sich schon mal rumtreibt. Das sind allesamt Hassprediger. Drum hat der frühere Zürcher Stadtpräsident mal gesagt, Köppel wäre besser in Deutschland geblieben.

    Zu den anderen angerissenen Themen in Jungle World sage ich mal, nein, es ist schlimmer: das ist nicht die Schweiz, das ist Europa, und momentan wird das immer deutlicher.

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  2. T. Albert schreibt:

    Achso, das wollt ich ja noch sagen: Ich finde die Schweiz-Kritik ein bisschen müssig, weil man ja sehr vieles anbringen könnte, das die Schweiz sehr vorteilhaft erscheinen liesse, verglichen mit anderen Ländern, wenn man eben Länder generalisiert. Deswegen fände ich es viel besser, wenn die Kritik sich konkret an die Leute und Gruppen wenden würde, die die anti-demokratischen und rassistischen Zustände erhalten respektive herbeipredigen wollen.

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  3. genova68 schreibt:

    T. Albert,

    ich stimme dir komplett zu. Ich fand vor allem die Launenhaftigkeit dieses JW-Bloggers angenehm und die Tatsache, dass er keinen Respekt vor dem Begriff der Nation hat. Aber sicher ist das keine Kritik, die man IM DETAIL ernstnehmen könnte, weil er sich mit Details gar nicht aufhält. Ich hatte in den vergangenen Wochen nur den Eindruck, dass man von vornherein als demokratiefeindlich abgestempelt wird, wenn man die demokratische Schweiz kritisiert. Die Schweizer Entscheidung wird jetzt gerne so unangenehm verteidigt, die hintenrum ganz andere Interessen vertreten. Welche Aspekte mir dort gut gefallen, habe ich hier ja schon mehrfach geschrieben.

    Dass das ganze ein europäisches Phänomen ist, ist wohl richtig. Es hängt mit dem ganzen neoliberalen Verblendungskomplex zusammen. Jeder für sich und alle gegen die da unten. Verteilungskämpfe.

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  4. hoffmann schreibt:

    Ja, ja,
    die Schweizer lehnen die „Moderne“ und die „Emanzipation“ in Form des Islams respektive des Minarettenbaus ab.
    Hat Herr Ripplinger noch alle?

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