Nur die dümmsten Kälber

Falls mal wieder jemand behauptet, es sei kein Geld da:

(zum vergrößern draufklicken)

Interessant, dass der Aufschwung von 2004 bis 2007  nur dem reichsten Zehntel etwas gebracht hat. Nicht einmal das Zehntel mit dem zweithöchsten Vermögen konnte profitieren. Und Merkel, Westerwelle und die anderen Heinis tun gerade einiges dafür, dass die Säule ganz rechts noch ein bisschen wächst.

Aber warum sollten sie es nicht tun? Man lässt sie ja. Sah die Grafik in meinem Geschichtsbuch, 8. Klasse, über die Vermögensverteilung in Frankreich kurz vor der Französischen Revolution nicht ähnlich aus? Der Unterschied ist wohl, dass die Franzosen damals ihren Chef geköpft haben, die Deutschen heute ihre Metzger auch noch selber wählen. Wobei zumindest die 15 Prozent FDP aus der Grafik erklärbar sind.

Quelle ist übrigens das DIW und die Bundeszentrale für politische Bildung, beide nicht gerade als linksextremistisch bekannt.

Dafür, dass ausgerechnet der rechte Katholik, Bertelsmann-Fellow und objektiv tendenziöse Journalist Peter Frey als Nachfolger für den geschassten Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur im Gespräch ist, können die Kälber nichts, aber die beiden Meldungen passen gut zusammen. Frey wird (wie hier im Blog dargestellt) auch in seiner neuen Position ein zuverlässiger Vertreter neoliberaler Interessen im Zweiten Deutschen Fernsehen sein.

Da hat Roland Koch ganze Arbeit geleistet.

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2 Antworten zu Nur die dümmsten Kälber

  1. hanneswurst schreibt:

    Ich liebe solche Statistiken. Entweder sie sind interpretierbar, oder man kann sie herrlich zerfleddern. An dieser Statistik scheint es nicht viel zu deuteln zu geben: das Pareto-Prinzip, wonach 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der Vermögenswerte gehören, ist ziemlich genau eingehalten. In meinem utopischen 5 Sterne Traumstaat verfügt 40 Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent der Vermögenswerte (40:60 = 2:3 => 23 => 2+3 => 5).

    Allerdings frage ich mich, wie in der Studie „Gesamtvermögen“ definiert ist. Ich bin zu faul zu recherchieren, vermute jedoch, dass darin Sparvermögen (inkl. Altersvorsoge) und Güter (Immobilien usw.) enthalten sind. Also das Ergebnis der Nettohaushaltsbilanz. Wenn jemand ein gutes Einkommen hat, jedoch alles stets auf den Kopp haut, wird er demnach im unteren Drittel der Studie erscheinen, und trotzdem vielleicht gut leben. Gleiches gilt für den verschuldeten ALG II Empfänger, der im untersten Dezil zu finden ist, und seine Modelleisenbahn im Keller vor der Pfändung schützt. Es sei ihm gegönnt, und vielleicht lebt er auch ganz gut. Mit anderen Worten: Vermögen ist nicht gleich Lebensqualität, und die Lebensqualität ist das, worauf es eigentlich ankommt.

    Der Buddhist wird üblicherweise in Dezil 2 -3 leben wollen. Der Druck der materiellen Bindung im obersten Dezil muss erst einmal ausgehalten werden, wie Alfred Herrhausen mir in einem vertraulichen Gespräch bestätigte. Auch gebe ich zu bedenken, dass gerade die 10% der armen Schweine, denen 60% des Vermögens gehört, besondere Angst vor Inflation, Bodenreform usw. haben müssen (solange sie nicht zum Buddhismus bekehrt werden) und deshalb eine stabile Säule der Gesellschaft sind (mit anderen Worte: sie haben alle einen Stock im Arsch). Wer möchte damit tauschen.

    Noch etwas ist mir aufgefallen: wenn nur das untere Dezil Nettoschulden hat, und dann nur in einer Höhe von 1,6 Prozent des Gesamtvermögens, dann bin ich erstaunt über die relative Schuldenfreiheit in Deutschland. Ich hätte vermutet, dass viel mehr Bürger durch den Zinseszins der Oberschicht geknechtet werden.

    Die im Blog aufgegriffene Kernaussage der Studie bleibt davon jedoch unberührt: zwischen 2002 und 2007 gab es eine insgesamt unsoziale Verschiebung der Vermögensverhältnisse. Allerdings stand der DAX Ende 2002 bei ca. 2900 Punkten, Ende 2007 bei ca. 8000 Punkten (+175%). Solche und ähnliche Wirtschaftsdaten beeinflussen das Gesamtvermögen der Vermögenden natürlich ganz anders, als das der Buddhisten. Aber der DAX ist ja auch voll asozial.

    Mit anderen Worten: entweder ich interpretiere die Studie ganz falsch, oder sie ist in diesem (politischen) Kontext einfach nicht zu gebrauchen.

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  2. genova68 schreibt:

    Herrhausen hat schon recht, Vermögen führt zu Herzinfarkt.

    Hier werden die Zahlen erläutert:
    http://www.diw.de/de/diw_02.c.219188.de/ueber_uns/forschungsabteilungen/laengsschnittstudie_sozio_oekonomisches_panel/nachrichten/nachrichten.html?id=diw_01.c.74800.de

    Interessant: Am reichsten sind westdeutsche Autochtone, dann kommen westdeutsche Migranten, dann ostdeutsche Autochtone, dann ostdeutsche Migranten.

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