Sarrazin und Broder: rechte Krawallpublizisten in Hochform

Zwei kleine Beispiele für die Argumentationsqualität auf der populistischen Rechten in Deutschland: Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky hat kürzlich erzählt, dass „eine arabische Frau ihr sechstes Kind bekommen habe, weil ihr durch Hartz IV eine größere Wohnung zustünde“. Was macht unser Lieblingspublizist Henryk Broder daraus? Er redet in einer Fernsehdiskussion auf Phönix von Beispielen für fehlende Integration und behauptet:

„Es gibt aber noch mehr (türkische) Familien, die ihre Kinder mit 14 von der Schule nehmen in der Hoffnung, sie würden einen schnellen Job machen, und es gibt noch mehr Familien, die Buschkowsky beschreibt, die zum Beispiel ihre Familienplanung daran orientieren, dass ab dem sechsten Kind es eine größere Wohnung gibt, die vom Sozialamt bezahlt wird. … Das ist das Wesen des Lumpenproletariats, dass es auf anderer Leute Kosten lebt.“

Buschkowsky wird somit zum Kronzeugen für viele, viele arabische Familien, die nur wegen einer größeren Wohnung sechs Kinder haben, obwohl Buschkowsky selbst nur von EINER arabischen Frau geredet hat, die, mit dem sechsten Kind schwanger, sich über eine größere Wohnung freut (wobei ihre jetztige Wohnung mit fünf Kinder wahrscheinlich nicht besonders groß ist).

So geht das. Die allermeisten Araber haben nur deshalb sechs Kinder, weil wir Deutsche denen die Wohnung bezahlen. Lumpen also. Rechter Krawallpublizismus par excellence.

Broder hat diese Ausführungen übrigens gemacht, weil er seinem Gesprächspartner in der TV-Diskussion, dem NRW-Minister für Integration, Armin Laschet, erklären wollte, was sein Bruder im Geiste, Thilo Sarrazin, meinte, als er von 70 Prozent Türken und 90 Prozent Arabern redete, die integrationsunwillig seien. Zwei Zahlen, die aus der Luft gegriffen sind, ohne jede statistische Unterfütterung. Broder versucht, die Gültigkeit dieser Zahlen mit einer weiteren Lüge zu beweisen.

Auch hier gilt: Rechte Krawallpublizisten gibt es, das ist ganz normal. Weniger normal ist es, solchen Leuten immer wieder ein Forum zu bieten. Lettre International und auch der TV-Sender Phönix müssen sich fragen lassen, warum sie diese Hampelmänner zu Wort kommen lassen, wohlwissend, dass sie der Sache nicht dienlich sind, dass sie übertreiben und lügen, bis sich die Balken biegen. Quote, Aufmerksamkeit, Zugriffszahlen sind die Währung. Das Thema an sich bleibt auf der Strecke.

Nebenbei: Armin Laschet hat in der Phönix-Sendung eine Menge vernünftiger und weitblickender Sachen gesagt, ein Politiker, der sich ernsthaft um Integration bemüht. Das gibt es also auch.

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14 Antworten zu Sarrazin und Broder: rechte Krawallpublizisten in Hochform

  1. hanneswurst schreibt:

    In der 11. Klasse argumentierte eine Mitschülerin, eine Zeitung würde völlig reichen, es gäbe ja auch nur eine Wahrheit. Dabei kannte sie meiner Einschätzung nach die „Prawda“ gar nicht.

    Kleine Randbemerkung zur Sarrazin-Debatte: mich ärgert an diesen Sarrazin-Irren, dass sie gerne anführen, dass diejenigen, die immer nur „politisch korrekt daherreden“, nichts und niemanden erreichen. Mit dieser Aussage erklärt manch einer seine Ausflüge in tiefbraune Niederrungen. Selbst ein Bundesbank-Vorstand fühlt sich nicht der „political correctness“ verpflichtet, da diese allgemein schon den Ruch der kleinen Leute hat, die aufgrund fehlender eigener ethischer Großideen versuchen, irgendwo in der Mitte der Spur entlangzueiern. Die etwas derangierte Mutti, die dem Obdachlosen regelmäßig fünfzig Cent hinstreckt um sich ein bisschen gut und richtig zu fühlen wird belächelt, wer sich müht Menschen stets als Individuen und nicht als Teil einer irgendwie zurechtgeschusterten Gruppierung zu interpretieren wird als Gutmensch abgetan. Dieses Gepoltere geht mir gehörig auf den Nerv, jeder noch so verkackte Spießer-Rentner ist mir lieber als so ein großmannsüchtiger Selbstbewunderer wie Sarrazin, der in Erwartung seiner königlichen Rentenbezüge keinen Mut aufbringen muss, um zu sagen, was er sagt. Deswegen ist es meiner Meinung nach auch so wichtig, dass Sarrazin für den Rest seiner Tage einsitzen muss.

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  2. hanneswurst schreibt:

    Übrigens, Herr Genova:

    der Meinung, dass eine halbwegs seriöse Zeitung einen Rechtsabgerutschten wie Horst Mahler oder Henryk Broder für sich schreiben lassen sollte, bin ich keinesfalls. Ich finde es jedoch wichtig, solche Menschen und ihre Meinungen früh genug sichtbar zu machen und zu interpretiert. Einer völkischen Argumentation kann auf diese Weise die Faszination der Innovation entzogen werden. Deswegen mein Lob des Sarrazin-Interviews. Ich meine, dass die Liga der rechtsabgerutschten 68er im öffentlichen Diskurs problemlos als ein Club von verwöhnten Wichtigtuern identifiziert werden kann, die noch ein letztes Mal auf den Putz hauen wollen.

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  3. genova68 schreibt:

    Lebenslänglich für Sarrazin? Das hat noch keiner gefordert. Dieser Blog und seine Leser sind die Avantgarde, das ist nun klar.

    Mich würde interessieren, wie wiele Araberinnen in Berlin sechs oder mehr Kinder haben. Laut Broder muss das ja eine ziemlich hohe Zahl sein. Und viel weniger dürften nur fünf Kinder haben, da die ja dann schnell noch eins machen würden wegen der großen Wohnung.

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  4. T. Albert schreibt:

    Dass ausgerechnet Broder andere Leute als Lumpenproletariat bezeichnet, hat auch was erheiterndes und spricht für seinen überbordenden Witz, wie er in der extremen Mitte der Gesellschaft, wo sich jeder, zu dessen Äusserungen mitgelacht wird, nicht für einen Lumpen hält, wenn er es in diese Mitte geschafft hat, wie auch immer. Engels verstehe ich in ebendiesem Sinn:“Das Lumpenproletariat, dieser Abhub der verkommenen Subjekte aller Klassen, der sein Hauptquartier in den großen Städten aufschlägt, ist von allen möglichen Bundesgenossen der schlimmste. Dies Gesindel ist absolut käuflich und absolut zudringlich….“
    Der Mist ist, dass diese Hygieniker wie Grotjahn in der SPD eingeschrieben sind oder waren, andere dieser Herren laufen dort auch noch rum, und das bewegt mich zu Austrittsgedanken.

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  5. hanneswurst schreibt:

    Schon gelesen:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,653065,00.html

    Alle in den Knast, Bundesbank wegen Volksverhetzung, SPON wegen Realitätsbeugung!

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  6. genova68 schreibt:

    T. Albert,

    das heißt, du bist SPD-Mitglied? Lustig. Über den Begriff des Lumpenproletariats habe ich mir keine tiefschürfenden Gedanken gemacht, leider. Es ist in der Tat menschenverachtend, eine Mutter von sechs Kindern als Lumpenproletarierin zu bezeichnen. Es ist allerdings genauso kritikwürdig, dass weder Laschet noch der Moderator das kritisieren. Man könnte Broder wahrscheinlich verklagen, wegen Beleidigung oder was auch immer, ich bin kein Jurist. Es sollte aber zumindest Grund genug sein, diesen Arsch in keine Diskussionssendung mehr einzuladen. Aber auch das wird nicht passieren, weil er für Quote sorgt.

    Hannes,

    dass die Kommunikationsabteilung der Bundesbank laut Spiegel sogar zu dem Interview geraten hat, ist bemerkenswert. Wieso raten die dazu? Wollten die Sarrazin ein Bein stellen, damit Weber ihn danach kaltstellen kann? Jeder Kommunikationsexperte, der diesen Titel verdient, musst doch wissen, was sich zusammenbraut, wenn man sich so äußert, wie es Sarrazin gemacht hat. Vielleicht hat man mit Sarrazins Geltungsdrang gespielt.

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  7. T. Albert schreibt:

    Ja, das heisst, ich bin SPD-Mitglied. Und lustig ist das nicht. Und jetzt bin ich gegen einen Parteiausschluss von diesem Pack, weil es dann sofort, wie bei Clement, bei der Mehrheit rechts von der Mitte, die uns jetzt wieder zeigt wos lang geht, heissen wird, die „linke“ Partei SPD sei gegen die Meinungsfreiheit, wie alle „Sozialisten“.
    Aber ich trete dafür vielleicht aus, weil ich mal aus diesen Gründen in der Pogromzeit der Neunziger Jahre, eingetreten bin; damals dachte ich, wenn das so weitergeht, ist es vielleicht die Sozialdemokratie, die verhindert, dass „Ausländer“ totgeschlagen oder in Berlin sportlich aus der S-Bahn gestossen werden. Ich bin ja ein altmodischer Brandt-Bahr-Wehner-Eppler-Friedenspisser, der an Brandts „Mehrheit links der Mitte“ und „mehr Demokratie wagen“ geglaubt hat. Dass Hetzer wie Genosse Sarrazin und der verwahrloste Broder da mitmachen, wusste ich ja nicht, als ich
    eingetreten bin.

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  8. Blasph schreibt:

    Ja, so kann man auch versuchen, objektiv bestehende Probleme mit islamischen Einwanderen wegzureden. Erfolg wird es alledings nicht haben, das hatte es schon in der „DDR“ nicht. Denndie Realitäten sind immer stärker als der Wunsch, sie zu verschweigen und/oder schönzureden.

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  9. T. Albert schreibt:

    @Blasph
    Wer redet objektiv bestehende Probleme weg?

    Der Herr Sarrazin hat mit denen doch gar nichts zu tun. Der weist auch auf nichts hin. Der äussert eine Meinung. Ich hatte als junger Mann in einem Planungsbüro und einem Planungsamt und einer universitären Fakultät mit solchen objektiven Problemen zu tun; ich weiss, wie man darüber sachlich spricht, jedenfalls nicht so.

    Dass die DDR an islamischen EInwanderern kaputt ging, habe ich gar nicht mitgekriegt. Ich dachte , das wäre wegen der Arbeitsverweigerung und des Massendiebstahls von Material und Werkzeug für die Datschen aus den Betrieben gewesen.

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  10. Blasph schreibt:

    @T. Albert :
    Die „DDR“ ist nicht wegen der Arbeitsverweigerung und Massendiebstahl von Material und Werkzeug für die Datschen aus den Betrieben untergangen – sondern weil sie eine extrem unökonomische, menschenverachtende Diktatur war.

    Sarrazin äussert eine Meinung. Richtig. Eind emokratisches Grundrecht. Aber offensichtlich mag die Mehrheit der politischen Klasse wie die Mehrzahl der Medien das überhaupt nicht. Denn „Multi-Kulit“, Klimaerwärmungshysterie, permanentes Umverteilen von Steuergeldern etc. sind zu Quasi-Religionen in Deutschland geworden. So wie der Sozialismus in der „DDR“.

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  11. genova68 schreibt:

    Natürlich darf Sarrazin seine Meinung äußern. Aber die Meinungsfreiheit hat ihre grundgesetzlichen Grenzen. Und wenn jetzt die Staatsanwaltschaft prüft, ob man wegen Volksverhetzung tätig werden soll, dann nennt man das Rechtsstaat. Und wenn jemand die Meinung von Sarrazin nicht mag, dann darf er das sagen. Auch das ist Meinungsfreiheit. Und dass man der Meinung sein kann, dass ein Vorstandsmitglied der Bundesbank in diesem Ton nicht reden sollte, kann ich das nachvollziehen.

    Ihnen passen demokratische Grundrechte offenbar nur, wenn Ihre Meiung vertreten wird.

    Der Rest Ihres Postings sind argumentfreie und polemische Behauptungen. Wenn Sie in der Lage sind, die zu belegen, könnte ich damit etwas anfangen.

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  12. T. Albert schreibt:

    Ja, ein demokratisches Grundrecht. Und ihm zu widersprechen ist auch ein demokratisches Grundrecht. Das ist der Meinungsstreit.

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  13. T. Albert schreibt:

    Wo ich gerade Zeit habe, Blasph:

    Es gibt ja auch extrem ökonomische Diktaturen. Das Dritte Reich zum Beispiel. Da sind ja manche erst richtig reich geworden.

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