Bling in Berlin

Achtung, der folgende Artikel ist wirr, von mir aber leider nicht zu entdröseln.

Eine aufschlussreiche Sicht von außen auf Architektur in Berlin: Das von mir sehr geschätzte Slab Magazine, das unter anderen von einem momentan in Berlin lebenden Amerikaner aus Santa Fé betrieben wird, beschreibt einen Teil der neueren Berliner Bauten schlicht als „faschistisch“:

„I guess this type of architecture is considered bling in Berlin. Grey and bling and fascho, the latter of which being a trend that’s undergoing quite a surprising revival around here right now…I’ll spare you the formal ananlysis of why this facade looks fascistic; I don’t feel I really need to because it just does.

Konkret geht es hier um diesen Komplex in Berlin-Friedrichshain, eine in sich geschlossene Siedlung, die man schnell in eine gated community verwandeln kann, wenn man die Tore schließt:

IMG_4124 - Kopie

Nun sind hier die Kriterien faschistischer Architektur nicht erfüllt. Das Slab Magazine denkt wohl an den typischen NS-Klassizismus mit seinen monotonen Fassaden ohne plastische Elemente ohne (oder bestenfalls sehr hart wirkenden, schmucklosen) Gesimsen, dem ideologisch und nicht funktional eingesetzten rechten Winkel, den Stützen statt Säulen, der schieren Dominanz undundund. Der Komplex in Friedrichshain ist also nichts, womit der Führer zu beglücken gewesen wäre. Der Begriff „faschistisch“ ist so gesehen fehl am Platz (zumal das die italienische Moderne unter Mussolini nicht beachtet, nebenbei).

Das Slab Magazine spricht aber nicht nur von fascho, sondern auch von bling. Das mir bis dato unbekannte englische Wörtchen steht für „eine aggressive, nach bürgerlichen Maßstäben protzige Zuschaustellung von Reichtum“. Die Bezieher solcher Bauten sind wahrscheinlich neureich, geschmacklos und politisch unangenehm.

Bling architecture gibt es in Berlin genug, zum Beispiel hier:

IMG_4137

Das Beisheim-Center am Potsdamer Platz, eine konservative und zugleich protzige Intransparenz. Bezeichnenderweise stehen vor diesem Komplex oft sauteure Autos mit viel sonnenbebrilltem Sicherheitspersonal.

„Bling“ ist da doch ein ganz netter Begriff: aggressiv und protzig. Daraus kann man auch auf einer politischen Ebene, ohne die Architektur ohnehin nur halb so interessant ist, einiges ableiten.

Überhaupt ist die Siedlung in Friedrichshain nicht so verunglückt, wie das anklingt. Sicher, der weiße Klotz hat etwas steriles, aber das ist noch am ehesten Geschmackssache. Die Reihenhäuser im Innern machen zumindest von außen einen durchdachten Eindruck: geringe Grundfläche, kleine Terassen, eine funktionale und somit sensible Ästhetik. Sicher findet man hier weder architektonischen noch gesellschaftlichen Fortschritt, doch in einem Land, das ein Schloss nach dem andern wieder aufbaut und sich am liebsten in einen großflächigen Mittelalterthemenpark ummodeln möchte, sollte man differenzieren. Dass das ganze recht teuer ist und das Thema Gentrifizierung dort eines werden könnte, mag sein.

Nebenbei: Interessanterweise wohnen laut Slab in dem Friedrichshain-Komplex mehrere Mitglieder der Fantastischen Vier, was nur den wundert, der diese Gestalten musikalisch oder sonstwie für progressiv hält.

(Fotos: genova 2010)

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