Cuba No

Ein fast schon prinzipielles Problem der Linken (nicht nur der Partei) ist bekanntlich das Spannungsmoment zwischen Freiheit und Gleichheit. Zwar müsste das gar nicht so sein, denn man kann beide Begriffe als positiv aufeinander bezogen und voneineinander abhängig beschreiben. Freiheit ohne ein Mindestmaß an Gleichheit ist nicht drin, und es ist bezeichnend für unser neoliberales Zeitalter, dass der Gleichheitsbegriff so negativ, so voreingenommen erscheint. Wer dieses wesentliche Element der Französischen Revolution einfordert, will die DDR zurück.

Andererseits sind die Linken an diesem Missverständnis nicht ganz unschuldig. Eine der zentralen Fragen müsste seit 1917 oder spätestens seit Stalin lauten: Warum driften linke Bewegungen immer wieder in Totalitarismus und Gewalt und somit Unfreiheit ab? Ob Stalin, Rote Khmer, Mao etc.: Die mit diesen Namen untrennbar verbundenen Gewaltexzesse sind sicher kein Zufall, sondern irgendwie mit der Theorie verbunden. Linke Aufstände haben im vergangenen Jahrhundert meist in Totalitarismus, Despotismus und Imperialismus geführt. Die Frage ist nicht originell, die Antwort könnte es sein.

Aus Sicht der Linken eigentlich eine Menge Gründe für eine gründliche Aufarbeitung von Geschichte. Pustekuchen. Natürlich distanziert man sich bei Bedarf von dem bösen Teil der DDR, von Stalin sowieso. Doch das sind verbale Gemeinplätze.

Konkret sieht das dann so aus: Eine Arbeitsgruppe der Linkspartei beispielsweise beschäftigt sich mit Kuba. „Cuba Sí“ heißt sie und die „Politischen Grundsätze“ lesen sich ja ganz nett:

Der Kampf für eine gerechte Welt, für den Frieden, die sozialen und demokratischen Menschenrechte, die Bewahrung der Umwelt und das Recht der Völker, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden, bestimmt ihr politisches Wirken.

Wobei man auch hier schon hellhörig werden könnte:  „Völker“ dürfen über ihr Schicksal entscheiden, Menschen auch? Andere Passagen werfen schwerer wiegende Fragen auf:

Die politische und materielle Solidarität mit dem sozialistischen Kuba ist Grundanliegen und wesentlicher Inhalt der Tätigkeit der AG Cuba Sí in der Partei DIE LINKE. Dabei versteht sich die AG Cuba Sí als Teil der internationalistischen Bewegungen gegen Krieg, Neoliberalismus, Faschismus, Ausbeutung und Ausgrenzung.

Diese Leute kämpfen angeblich gegen alles, was dem Menschen als Individuum und als Gruppe schadet. Und das mit vorbehaltloser „Solidarität mit dem sozialistischen Kuba“.

Die Realität in Kuba ist bekannt und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: keine unabhängige Gerichtsbarkeit, drastisch beschnittene Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, keine legale politische Opposition, politische Dissidenten im Gefängnis, wo Misshandlungen stattfinden, die in der Verfassung festgeschriebene führende Rolle der Kommunistischen Partei, Todesstrafe und so weiter.

All das kommt bei Cuba Sí nicht vor. Dort sind die Bösen immer die anderen, natürlich gerne die Amerikaner. Sicher kann man Positives über Kuba berichten: Gesundheitsversorgung, Bildung, relativ hohe soziale Standards und so weiter. Man kann Kuba auch zugute halten, dass, analog zu den realsozialistischen Gesellschaften in Europa, in erster Linie eine nachzuholende Industrialisierung realisiert wurde, die Ausgangsbedingungen also schwierig waren. Dass darüber die unhaltbare Menschenrechtssituation vergessen wird, ist völlig unakzeptabel. Regt sich in der Linkspartei jemand darüber auf? Mir nicht bekannt.

Die wesentliche Frage ist die: Wie kam es von Marx zu Stalin? Inwieweit war Stalin in Marx angelegt? Nutzte Stalin eine marxsche Leerstelle? Und wenn Marx mit Stalin nichts zu tun hat: Warum griffen keine Sicherungsmechanismen, die Stalin an seiner Politik gehindert hätten? Es gibt bei Marx genügend Textstellen, die von der „Selbstverwirklichung des Individuums“ sprechen, wofür eine klassenlose Gesellschaft die Voraussetzung sei.

Solange die Linke diese Fragen nicht ernsthaft angeht, brauchen sie sich über Rote-Socken-Kampagnen und „Freiheit statt Sozialismus“-Geschwafel nicht beschweren. Wer die Latte hochhängt, muss sie selbst überspringen können.

(Alle Zitate, stammen, sofern nicht anders belegt, aus Ingo Pies und Martin Leschke (hg.): Karl Marx´kommunistischer Individualismus. Tübingen 2005.)

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28 Antworten zu Cuba No

  1. Bersarin schreibt:

    Hab Dank für diesen guten Text. Es ist hier in der Tat vieles geschildert, was im argen liegt. Diese Kuba-Besoffenheit eines Teils der Linken habe ich nie verstanden. Es ist eine grenzenlose Naivität. Und das „freie Selbstbestimmungsrecht der Völker“ ist eine der hohlsten und leersten Phrasen, die ich gehört habe. Immer schön aus der Ferne gesprochen, wenn’s nichts kostet. So wird huldvoll Solidarität verteilt. Es ist dies eigentlich ein furchtbarer Jargon, der zur Selbstergötzung und zur Projektion dient. (Hartmut beschreibt das ja in vielen Beiträgen sehr gut in seinem Blog „Kritik und Kunst“.)

    Die Fragen, die Du aufwirftst, sind bedenkenswert. Und ein großer Teil der politischen Linken täte gut daran, sich damit auseinanderzusetzten; allein schon deshalb, um dieses Feld nicht den Falschen zu überlassen.

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  3. mo schreibt:

    „Eine der zentralen Fragen müsste seit 1917 oder spätestens seit Stalin lauten: Warum driften linke Bewegungen immer wieder in Totalitarismus und Gewalt und somit Unfreiheit ab? Ob Stalin, Rote Khmer, Mao etc.: Die mit diesen Namen untrennbar verbundenen Gewaltexzesse sind sicher kein Zufall, sondern irgendwie mit der Theorie verbunden.“

    zum letzteren zuerst: das dürfte meiner meinung nach mit einer falsch abgeleiteten (vulgär-)marxistischen und vor allem eindimensionalen hierarchisierung zusammenhängen: erst die ökonomie, und dann mit weitem abstand alles andere (für mich wie vieles andere zu beobachtende auch u.a. ein produkt dissoziierender / fragmentierender wahrnehmung).

    mehr grundsätzliches dazu hier.

    dazu – und durchaus nichts speziell linkes – kommt dann noch eine eigenart von gesellschaftlich instabilen / revolutionären phasen, womöglich gekoppelt mit militanz und oder militarisierung: solche phasen werden bevorzugt – einfach, weil es mehr handlungsspielräume gibt – von antisozialen / soziopathischen persönlichkeiten benutzt, um ihre eigenen fiktionen real werden zu lassen (und die hat immer etwas mit dem drang nach macht zu tun). ideologien sind dabei für solche leute beliebig austauschbar und werden je nach „bedarf“ funktionalisiert. ein stalin (zweiter punkt im beitrag) unterscheidet sich diesbezgl. von seinen biographisch bedingten motivationen bspw. kein stück von einem saddam hussein.

    speziell zu kuba: die relativ gute (materielle) grundsicherung, auch hinsichtlich bildung, gesundheit etc. ist in der ganzen region weiterhin einzigartig. aber sie muss und musste in einem ständigen unerklärten kriegszustand durchgesetzt werden, und der aspekt kommt mir hier zu kurz (ähnliches sehe ich – wenn auch weitaus skeptischer – für andere klassisch linksnationale guerillabewegungen der vergangenheit gültig).

    und genau an dieser stelle sehe ich mich als bewohner der westlichen welt und als profiteur der zutiefst ungerechten zustände von „frieden“ und „wohlstand“ hier in der gefahr, in die hier skizzierte position zu kommen:

    „Fidel Castro wusste um diesen Unterschied, als er in den sechziger Jahren seine Worte an die Intellektuellen formulierte: „Innerhalb der Revolution alles, außerhalb nichts!“ Dieser Leitsatz wurde im Westen seither vehement verdammt. Denn er entlarvt. Die heute von „Reporter ohne Grenzen“, „Intellektuellen“ oder „unabhängigen Journalisten“ artikulierte Kuba-Kritik basiert vor allem auf einem: der Delegitimierung der Souveränität des sozialistischen Kubas. Anders gesagt: Auf dem Verhältnis von Kolonisierten und Kolonisatoren. Oder denen, die sich diesen Herren andienen.“

    anders gesagt: die messlatte, die ich hier aus der nordeutsche tiefebene mit ihren spezifischen sozialen bedingungen und meiner daraus folgenden prägung anlege, ist für die allermeisten anderen regionen des planeten schlicht unbrauchbar, unangemessen und falsch. und wird unreflektiert tatsächlich schnell zu jener westlichen arroganz, die weithin unbegriffen tatsächlich die fortsetzung des kolonialistischen blicks ist.

    und klar habe ich als eher anarchistisch orientierter an kuba genauso wie an jedem anderen nationalstaat einiges elementare auszusetzen, wobei ich hier (ebenso wie bei israel) der beschissenen realität meinen tribut zolle, wenn ich sage, dass bestimmte ergebnisse der kubanischen revolution mich durchaus parteiisch sein lassen. vor allem, wenn ich mir deutlich mache, dass so ziemlich bei allen punkten, auf die der zeigefinger (auf einer durchaus berechtigt) deutet, vier finger auf uns zurückweisen:

    „keine unabhängige Gerichtsbarkeit, drastisch beschnittene Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, keine legale politische Opposition, politische Dissidenten im Gefängnis, wo Misshandlungen stattfinden, die in der Verfassung festgeschriebene führende Rolle der Kommunistischen Partei, Todesstrafe und so weiter.“

    eins: haben wir hier in letzter instanz auch nicht, bzw. spielt geldbeutel und sozialer status die hauptrolle beim recht bekommen. (dazu habe ich noch an der hiesigen justiz einiges grundsätzliche auszusetzen.)

    zwei: der kapitalismus westlichen typs hat sich von allen herrschaftssystemen deshalb als das „erfolgreichste“ durchsetzen können, weil er die angeblichen „rechte“ (auch die zitierten) zwar formal mehr oder auch weniger gnädig gewährt, aber gleichzeitig die bedingungen geschaffen hat, um mögliche wirkungen der inanspruchnahme breit zu unterlaufen. zensur im klassischen sinne ist viel zu auffällig, angreifbar und als machttechnik kontraproduktiv, wenn ich die mittel und technik habe, einen derartigen informationsoverkill zu erzeugen, dass bei den leuten im kopf nur noch weißes rauschen herrscht. und informationen lediglich unter entertainmentaspekten wahrgenommen werden. alles darf gesagt werden, aber nur, weil es praktisch ohne konsequenzen bleibt. und demos dienen mehr und mehr lediglich als eine art alibi – „sehr her, bei uns darf gegen alles protestiert werden“ – ebenfalls folgenlos.

    drei: zur „opposition“ in diesem land fällt mir nur – und zwar sowohl parlamentarisch als auch „draussen“ – nur zynisches gelächter ein.

    vier: politische gefangene haben wir hier wie im ganzen westen auch, wobei ich den begriff weiter fassen würde als in seiner klassichen bedeutung (hier produzieren zunehmend die sozialen verhältnisse zustände wie die eingeknasteten schwarzfahrer in berlin). ich selbst bin übrigens ebenfalls in einem politischen verfahren (was die justiz damals immer bestritten hat) als totaler kriegsdienstverweigerer verurteilt (bewährung) worden.

    die letzten beiden punkte: da haben wir vermutlich einen konsens, weil ich selbst unter offenen kriegsbedingungen (die in kuba so nicht gegeben sind) die todesstrafe für unakzeptabel halte.

    aber alles in allem würde ich mit einschränkungen aktuell doch eher „cuba si“ sagen.

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  4. hanneswurst schreibt:

    Nicht wenige „Revoluzzer“, die zu Recht darauf hinweisen, dass einem islamischen Land nicht mit Gewalt demokratische Verhältnisse aufgedrückt werden können, scheinen dennoch zu befürworten, dass im Westen umwälzende Veränderungen zwar etwas autoritär aber doch für die Mehrheit nutzbringend innerhalb einer Legislaturperiode durchgesetzt werden könnten. Dass es zum Beispiel in den USA schon angesichts solcher für uns selbstverständlicher Dinge wie der Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung zu Volksaufständen kommt, wird nicht gesehen, weil es dem sozialen Instinkt links Denkender wiederspricht.

    Die von mo beschriebene Anziehungskraft, die Phasen möglicher Umwälzung auf starke, aber soziopathische Persönlichkeiten ausübt, ist bestimmt ein Faktor in der Serie der gescheiterten sozialistischen Gesellschaften. Ein anderer Faktor ist, dass die Revolution von 1917 oder – ein anderes schreckliches Beispiel das im Völkermord gipfelte – die Revolution in Kambodscha 1975 nicht Teil einer demokratischen Entwicklung, sondern Teil einer totalitären Umwälzung war.

    Es ist ein Mythos, dass linkes Denken mit Umbruch, Umwälzung, Unfreiheit, Gewalt und Unterdrückung durchgesetzt werden muss. Dass die Geschichte gezeigt hat, dass eben diese Nebenwirkungen oft mit linken Umbrüchen verbunden waren, sagt nichts über die Gültigkeit der sozialen Idee aus, sondern über die Unfähigkeit der Protagonisten, ihre Visionen und das Wohl und den Willen der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

    Exemplarisch kann diese Intellektuellenproblematik meiner Meinung nach jeder überprüfen, der sich in eine „linke Szene“ begibt, es reicht manchmal schon das kleine Künstlercafe um die Ecke. Den Sonnenstaat vor Augen versteht der Linke nicht, dass seine Theorie auf diejenigen, die nicht so viel Zeit haben sich über den idealen Menschen klarzuwerden, parternalistisch, befremdlich und arrogant wirken. Was also auch „DER LINKEN“ meiner Meinung nach am meisten fehlt ist eine pragmatische Herangehensweise, auch im Umgang mit existierenden und vergangenen Formen des Sozialismus.

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  5. genova68 schreibt:

    Halllo mo,

    falsche Hierarchisierung, mag sein. Das wäre eine Frage, die professionell geklärt werden müsste. Warum dieses Falsche so weltumspannend angewendet werden konnte, wäre die Frage. Wo sind die Mechanismen, die das Emporkommen von Leuten wie Stalin verhindern, und zwar systemisch? Dass jemand wie Guttenberg Karriere macht, ist natürlich auch eine kleine Katastrophe, aber im neoliberalen Lager ist das ja ganz ok so. Dass die Linke ähnlich funktioniert, ist bedenklich. Wenn also Stalin wie S. Hussein funktioniert und der Linke Stalin über Jahrzehnte als Linker zig Millionen Menschen ermorden darf, dann hat vor allem die Linke ein Problem, nicht Stalin.

    Links steht für die Befreiung des Menschen, das sollte die Messlatte sein.

    Später mehr.

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  6. genova68 schreibt:

    Mo,
    die Punkte eins bis drei sind genau das, was ich meine: Es geht mir in diesem Artikel nicht darum, Deutschland oder westliche Demokratien zu verteidigen. Es geht um Kuba. Und da geht demokratietechnisch eben nichts. Nicht einmal so ein Blog wie dieser hier wäre möglich. Ein linker Anspruch darf nicht dabei stehenbleiben, dass es „hier“ auch nicht besser ist.
    Davon abgesehen gibt es hier Opposition und Meinungsfreiheit, auch wenn man das systemisch betrachtet mit erheblichen Einschränkungen versehen kann.

    Hannes,
    es kommt in den USA derzeit nicht zu einem Volksaufstand, sondern die Spin doctors laufen zur Höchstform auf. Das ist so ähnlich wie die Verteufelung der Linkspartei hierzulande.

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  7. hanneswurst schreibt:

    Hallo Genova,

    es könnte gefährlich sein, real existierende Proteste gegen einen Vorschlag zum Ergebnis einer Verschwörung oder Manipulation zu erklären, weil man selber überzeugt davon ist, dass sich der Sinn des Vorschlags bei sogenannter „nüchterner Betrachtung“ für eine deutliche Mehrheit erschließen müsste. Nicht dass ich Dir in der Sache widersprechen möchte, tatsächlich ist es gut möglich, dass in den USA gerade eine paar Lobbyisten versuchen, einen Volkswillen vorzutäuschen. Das wird sich herausstellen, bis dahin müssen diese Stimmen ernstgenommen werden. Auch gegen die Einführung eines Personalausweises würden die Amerikaner auf die Barrikaden gehen, es kommt eben dazu, dass wir die Verhältnisse dort nicht gut genug kennen.

    Deswegen meine anhaltende Obama-Euphorie: politische Gegner, andere Systeme und die Stimmung der eigenen Bevölkerung ernst zu nehmen sind nicht gerade amerikanische Ur-Tugenden, Obama schickt sich an in dieser Hinsicht neue Maßstäbe zu setzen.

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  8. mo schreibt:

    @hanneswurst:

    „Es ist ein Mythos, dass linkes Denken mit Umbruch, Umwälzung, Unfreiheit, Gewalt und Unterdrückung durchgesetzt werden muss. Dass die Geschichte gezeigt hat, dass eben diese Nebenwirkungen oft mit linken Umbrüchen verbunden waren, sagt nichts über die Gültigkeit der sozialen Idee aus, sondern über die Unfähigkeit der Protagonisten, ihre Visionen und das Wohl und den Willen der Bevölkerung in Einklang zu bringen.“

    wichtiger punkt, den ich so allgemein erstmal unterschreiben würde – wenn ich mich nicht auf das gedankenexperiment einlasse, wie´s denn nach einer hypothetischen „klassischen“ revolution hierzulande konkret aussehen soll – und zwar der umgang mit den konkret existierenden nazis, reaktionären politikern, den ganzen wirtschaftskriminellen, etc. etc.

    historische revolutionen waren (bisher) immer eine sache von mehr oder weniger großen gesellschaftlichen minderheiten, denen sich dann die relative mehrheit aus überzeugung / opportunismus / angst anschloß. die alten fühl- und denkstrukturen jedoch sind natürlich weiter da, wirken weiter und werden nicht durch den bloßen austausch des personals obsolet.

    im „archipel gulag“ gibt es irgendwo die schilderung vom rabiaten vorgehen der bolschewiki gegen die bäuerliche landbevölkerung, als diese durchaus nicht von ihren religiösen ritualen lassen wollte und die orthodoxen kirchen gegen die gedachten umfunktionierungen auch handfest verteidigte. das ist zwar imo ein sekundärer bereich, macht aber die prinzipiellen probleme in deiner aussage oben ganz gut deutlich:

    1. unterschiedliche bewußtheits- und bildungs-/informationsgrade führen zu sehr unterschiedlichen bewertungen und umgängen mit einer situation.

    2. innerhalb einer revolutionären phase wird dieser punkt besonders dann heikel, wenn die neu entstandenen strukturen tatsächlich unter der prämisse einer ernstgemeinten allgemeinen befreiung agieren wollen. sie sind von beginn an mit all jenen konfrontiert, die zeit ihres lebens an das bisher bestehenden geglaubt, davon profitiert, sich unterworfen oder sonstwie arrangiert haben. und jetzt teils alles neue nur als zumutung oder auch bedrohung empfinden (und das betrifft bei weitem nicht nur die herrschende „elite“, die meiner meinung eh nicht kampflos das feld räumen würde bzw. historisch geräumt hat).

    wie geht eine emanzipatorische bewegung mit all diesen leuten um, von denen – auch das historisch ein fakt – ein teil sofort zu militanten konterrevolutionären mutieren wird?

    deine ansage konsequent zueende gedacht bedeutet in so einer situation letztlich: „lass sie machen“, weil alles andere bedeuten würde, sich selbst die hände schmutzig zu machen. wer nicht befreit werden will, weil das alte system zu verlockend ist, soll halt da bleiben, wo er ist.

    das du damit dann auch explizit jede möglichkeit gesellschaftlich nötiger veränderungen in reich des imaginären verweist, ist dir hoffentlich klar? wir haben es nicht mit freundlichen menschen innerhalb eines kultivierten und gepflegten diskurses zu tun, die sich einfach von besseren argumenten überzeugen lassen würden, sondern mehrheitlich

    – bei den „eliten“ mit hochpathologischen persönlichkeiten und einer fließenden grenze zur organisierten schwerkriminalität

    – bei großen teilen der bevölkerung mit psychophysisch geschädigten menschen, bei denen ängste eine große rolle spielen und von denen eine großer teil in dem drinhängt, was ich als bei mir im blog immer als täter-opfer-dialektik benenne („nach oben buckeln, nach unten treten“).

    solche strukturen werden nur langfristig aufzulösen sein, was aber nicht die frage überflüssig werden lässt, ob überhaupt eine ganz wichtige voraussetzung dafür – nämlich die lahmlegung bzw. unschädlichmachung all jeder strukturen, funktionen und apparate, in denen bisher der herrschende todeskult rund um die verdinglichung gehegt und vermittelt wird – anders als im kampf und auch unter anwendung von u.u. nötiger gewalt erreichbar ist. ich halte es hier eher mit günther anders.

    kurz: es ist und bleibt ein eiertanz, bei dem ich die gewalt eher als notwendiges übel. welches streng kontrolliert gehört, ansehe. aber ich sehe weit und breit nicht, wie es ohne den zwangsweisen verrat an allen eigenen hoffnungen ohne gehen soll.

    das ganze stellt sich noch schärfer da, wen ich mir anders´argumente – damals auf die atomkraft gemünzt – heute beim klimawandel, bei peakoil, bei den biotechnologien… deutlich mache – wenn nämlich das herrschende system dazu übergeht, die lebensbedingungen und -grundlagen der gesamten spezies elementar und destruktiv zu verändern, läuft die diskussion für mich eher unter notwehr.

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  9. mo schreibt:

    @genova:

    „die Punkte eins bis drei sind genau das, was ich meine: Es geht mir in diesem Artikel nicht darum, Deutschland oder westliche Demokratien zu verteidigen. Es geht um Kuba. Und da geht demokratietechnisch eben nichts. Nicht einmal so ein Blog wie dieser hier wäre möglich. Ein linker Anspruch darf nicht dabei stehenbleiben, dass es „hier“ auch nicht besser ist.“

    schon klar, aber ich weiter oben auch einen entscheiden punkt (zumindest für mich) erwähnt: die quasi kriegsbedingungen, unter denen kuba seit jahrzehnten existiert. ich habe dieses jahr ein paar monate mit jemandem zusammengewohnt, der in der kubasolidarität aktiv ist – und darüber das erstemal überhaupt infos mitbekommen, von denen ich bisher nichts wusste (weil sie hier natürlich von sich als „seriös“ generierenden medien nicht thematisiert werden. würde auch jeglichen schönfärbereien der „besten aller welten“ sehr hässliche flecken zufügen):

    »lm Jahre 1977 konnte man in einem Beitrag der Zeitschrift Newsday (New York), der sich auf ein Interview mit Mitgliedern des CIA stützte, folgendes lesen: »Wenigstens mit der schweigenden Unterstützung von ClA-Offiziellen haben gegen CASTRO operierende Terroristen im Jahre 1971 das Virus für das afrikanische Schweinefieber nach Kuba gebracht. – Sechs Wochen später erzwang ein Ausbruch der Krankheit die Notschlachtung von 500 000 Schweinen, um den Ausbruch einer umfassenden Tierepidemie zu verhindern. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft nannte diesen Ausbruch das >alarmierendste Ereignis< seit 1971. Das hochinfektiöse und gewöhnlich tödlich wirkende Virus brachte die kubanische Schweineproduktion monatelang zum Still- stand. Der Bericht von Newsday bestätigte jahrelange Behauptungen Kubas, denen zufolge der Ausbruch mit einer andauernden und geheimen Desta- bilisierung mit Hilfe biologischer Waffen in Verbindung steht, die die USA bei ihrem kleinen Nachbarn anwenden. Die Bemühungen richteten sich vor allem gegen die Pflanzen, an denen das wirtschaftliche Überleben Kubas hängt, gegen Tabak (mit Hilfe eines Pilzes), gegen den Zucker (mit Hilfe von Getreidebrand) und auch gegen Menschen – bemerkenswert ist dabei vor allem ein Ausbruch von Denguefieber mit Blutungen, von dem 350 000 Menschen betroffen waren, von denen 156 gestorben sind. Das Interesse des CIA, die kubanische Wirtschaft mit chemischen und biologischen Methoden zu sabotieren, die sich gegen Getreide und Menschen richten, ist zudem aktenkundig. -"

    die auf allen möglichen gebieten stattfindenden counteraktionen seitens der usa gegen kuba machen vor dem hintergrund der frage, wie denn die eigene bevölkerung wirkungsvoll gegen derlei miese aktionen geschützt werden können, durchaus auch aktionen denkbar, die aus unserem blickwinkel hier fragwürdig sein mögen.

    „Davon abgesehen gibt es hier Opposition und Meinungsfreiheit,…“

    simulationen davon, würde ich sagen – hätte beides im realen leben auch nur ansatzweise ernste konsequenzen, würden wir hier sehr schnell die fratze hinter den freundlich-verzerrt grinsenden masken zu sehen bekommen. und die ist bei der ausübung von gewalt durchaus von keinerlei skrupeln behindert. was ich nicht für erstrebenswert halte, um missverständnisse auszuschliessen. aber dazu -> siehe meine antwort @ hanneswurst.

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  10. hanneswurst schreibt:

    Hallo mo, der „herrschende todeskult rund um die verdinglichung“ klingt ein bischen nach Alex Jones. Das ist klassische RAF Argumentation. Nichts gegen einzuwenden, viel Erfolg. Allerdings bin ich für Verteilungsgerechtigkeit in jeder Hinsicht, also auch betreffs Intelligenzquotient und körperlicher Attraktivität (und – äh, Attribute). Dafür wäre ich bereit zu sterben.

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  11. mo schreibt:

    ???

    „herrschende todeskult rund um die verdinglichung“ klingt ein bischen nach Alex Jones. Das ist klassische RAF Argumentation.

    mal abgesehen davon, dass ich die assoziation von alex jones (mit dem ich btw. nix am hut habe) zur „klassischen raf-argumentation“ durchaus gewagt finde – ich habe vorhin nach einer prägnanten formel für das ganze gesucht, und da kam dann diese etwas pathetische metapher raus.

    nichtsdestotrotz habe ich aus meiner sich auf ein paar ganz reale probleme hingewiesen. und diesbzgl. sind mir deine letzten sätze ein rätsel.

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  12. hanneswurst schreibt:

    @mo: Du plädierst innerhalb einer Demokratie für einen nötigenfalls gewaltvollen Umsturz und denkst Dir dazu triviale Gut-Böse Szenarien aus. Ob die Probleme, auf die Du dabei hinweist, überhaupt real sind, könnte diskutiert werden – wenn nicht Deine Handlungsoptionen bereits eine weitere Diskussion obsolet machen würden.

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  13. mo schreibt:

    @ hanneswurst

    „demokratie“?

    hier sind diejenigen gelistet, die in dieser „demokratie“ wirklich das sagen haben. und tatsächlich deutet sehr viel darauf hin, dass ein solches system nur mit massenhafter (!) aufkündigung der zusammenarbeit in allen bereichen zu kippen ist, was im schlechtesten falle repressiv beantwortet werden wird. und dann ist allerdings schon aus eigenem überlebensinteresse das recht auf notwehr (wie von anders skizziert) gegeben.

    „triviale gut-böse-szenarien“: dann viel spaß beim überzeugen von nazis, bankstern und mafiosi. die sind deinen argumenten gegenüber bestimmt sehr offen und verständnisvoll.
    und werden sich sicherlich auch an regeln halten.

    ich nenne eine solche haltung schlicht realitätsverweigerung.

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  14. T. Albert schreibt:

    Kleiner biographisch begründeter Einwurf:

    Ich aber komme aus ganz anderen linken Zusammenhängen, bin ich immer noch.
    Sorry, aber mit Stalin und solchem Pack haben wir nie was zu tun gehabt, überhaupt mit Massenmördern nicht, wir dachten immer, es sei links, gegen Massenmörder und Lagerkommandanten zu sein, auch gegen gefährliche Spiesser wie diese DDR-Staatsparteiler.
    Was war denn an diesen Veranstaltungen links?
    Allen Ginsberg war links, als er sich in Havanna auf der Strasse für Rechte kubanischer Schwuler einsetzte, die Prager Studenten 68 waren links.
    Ich wurde behördlich als Linker behandelt, als ich in einem bestimmten historischen Moment als Soldat den Kriegsdienst verweigerte, wir galten als linksradikale, denen man die DDR an den Hals wünschte, weil die unseren linken Pazifismus gewiss nicht zugelassen hätte, was jeder bundesdeutsche Konservative für völlig richtig hielt.

    Es gibt ja nun wirklich genügend anti-stalinistische, um nicht zu sagen anti-kommunistische, linke Traditionen in Europa und USA, deren Geschichte vielleicht deswegen niemanden mehr interessiert, weil Stalinisten und Faschisten aller Art auch im Interesse des hundscommunen Kapitalismus ordentliche Arbeit an ihnen angerichtet haben.

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  15. genova68 schreibt:

    Mo,

    fehlende Menschenrechte darauf zurückzuführen, dass die bösen USA seit Jahrzehnten den Kubanern das Leben schwer machen, halte ich für zu kurz gegriffen. Ich habe eher das Gefühl, dass den Machthabern in Havanna die Durchsetzung von Menschenrechten nicht interessiert, es steht nicht auf ihrer Agenda. Wer einen halbwegs freien Meinungsaustausch jahrzehntelang unterdrückt, kann sich nicht einfach auf die angeblich von außen drohende Gefahr hinausreden.
    Ich habe das Gefühl, dass du mit Deutschland umso strenger umgehst, je lockerer due die Menschenrechtssituation in Kuba siehst. Und das halte ich für unseriös. Sei ruhig kritisch mit Deutschland, aber dann passt deine Nachsicht ei Kuba nicht. Es gibt hier massenhaft demokratische Defizite und es wird immer schlimmer. Aber es gibt Opposition, es gibt Gewerkschaften, es gibt mittlerweile eine Linkspartei etc. Das System ist halt so schlau, die Leute im großen und ganzen zufriedenzustellen. Schwarz-gelb liegt bei fünfzig Prozent. Das sollte man zur Kenntnis nehmen.

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  16. genova68 schreibt:

    T. Albert,
    deinen Hinweis auf die Konservativen in Deutschland, die sich in Teilen mit den Realsozialisten der DDR prächtig verstanden (Demokratiebeschränkung, harte Strafen, simples Weltbild, harte Männer, klare Feindbilder etc.) halte ich für wichtig. Die restriktive Gesellschaftsführung in Kuba findet sicher insgeheim bei Schäuble und anderen Zustimmung.

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  17. Botschaft schreibt:

    Leider erst jetzt entdeckt, diesen bislang für mich wichtigsten Beitrag zum diesjährigen «nine-eleven».

    Danke.

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  18. mo schreibt:

    @genova

    „fehlende Menschenrechte darauf zurückzuführen, dass die bösen USA seit Jahrzehnten den Kubanern das Leben schwer machen, halte ich für zu kurz gegriffen. Ich habe eher das Gefühl, dass den Machthabern in Havanna die Durchsetzung von Menschenrechten nicht interessiert, es steht nicht auf ihrer Agenda. Wer einen halbwegs freien Meinungsaustausch jahrzehntelang unterdrückt, kann sich nicht einfach auf die angeblich von außen drohende Gefahr hinausreden.“

    zunächst mal denke ich, dass ich mit meinen positionen in kuba selbst einigen ärger bekommen würde – und trotzdem: das anlegen der weiter oben schon benannten hiesigen messlatte halte ich nicht nur bezgl. kubas für einen ausdruck von ignoranz und arroganz. die v.a. dann entstehen, wenn man sich nicht die jeweils spezifischen bedingungen einer region deutlich macht.

    wie bekannt sein sollte, war die kubanische revolution anfangs durchaus nicht auf konfrontationskurs zu den usa, sondern letztere haben genau in dem moment den konflikt gesucht, als ihre eigentumsinteressen auf der insel massiv in frage gestellt wurden.

    die darauf folgende hinwendung zur sowjetunion / ostblock dürfte zwar das ökonomische überleben gesichert haben, jedoch in fragen des politischen selbstverständnisses eindeutig negativ auf die revolutionsregierung gewirkt haben – umsonst in mehrfacher hinsicht haben die sowjets nix gemacht. und so wird kuba auch einiges an stalinistischen repressiven standards „importiert“ haben, die sich gerade in der speziellen lage kubas aus sicht der regierung bestens zur scheinbaren „stabilisierung“ in sachen macht als geeignet zeigten.

    das muss und kann man kritisieren, unter berücksichtigung der oben genannten prämisse. und wenn ich mir den aktuellen amnesty-bericht zu kuba ansehe, so fällt auf, dass darin sehr wohl diese prämisse ausdrücklich erwähnt wird. dazu finde ich, dass sich die situation dort im verhältnis zu vielen anderen regionen – auch im westen! – ziemlich moderat darstellt.

    grundsätzlich: jede/r politische gefangene/r ist eine/r zuviel. aber: die größtenteils hoch reaktionäre kubanische opposition, wie sie da bspw. in miami sitzt, hat selbst keinerlei wirkliches interesse an emanzipatorischer entwicklung, sondern will lediglich die prärevolutionären kapitalistischen zutsände wieder haben. und das zu bekämpfen, halt ich allerdings für legitim.

    „Ich habe das Gefühl, dass du mit Deutschland umso strenger umgehst, je lockerer du die Menschenrechtssituation in Kuba siehst. Und das halte ich für unseriös. Sei ruhig kritisch mit Deutschland, aber dann passt deine Nachsicht mit Kuba nicht. Es gibt hier massenhaft demokratische Defizite und es wird immer schlimmer.“

    die nachsicht mit kuba habe ich an der stelle nicht, wo dort real leute verfolgt werden, die sich für eine größere politisch-soziale partizipation der bevölkerung einsetzen (für die die revolution übrigens mit der gewährleistung von basics in sachen bildung und materieller sicherheit überhaupt erst die elementarsten grundlagen geschaffen hat – das wird gerne „übersehen“.)

    mit einem gewissen verständnis jedoch – ohne das optimal oder gar toll zu finden – kann ich bestimmte arten von selbstschutz des dortigen systems nachvollziehen, wenn sie sich gegen die richten, die unter dem deckmäntelchen der demokratie lediglich die gleichen – hochgradig erbärmlichen und menschenrechtsfeindlichen – zustände wie bspw. in den restlichen karibikländern wieder einführen wollen. und das ist nicht , zumindest unter den aktuellen bedingungen, ohne ein gewisses maß an repressionen zu verhindern. das ich oder andere mir das anders wünschen würden, ändert an der lage erstmal nichts.

    nach deiner argumentation, um das mal polemisch auf den punkt zu bringen, wäre dann alles in ordnung, wenn es bspw. meinungsfreiheit (nach westlichem muster, also nach dicke des geldbeutels -> meinungswert) geben würde, aber gleichzeitig nicht mehr die elementarsten sicherungen bei bildung, gesundheit, nahrung etc. vorhanden wären, sondern sich die menschen dort unter den üblichen kapitalistischen bedingungen durchschlagen müssten – allerdings könnten sie sich ja dann offen „beschweren“, auch wenn´s folgenlos bleibt.

    und noch polemischer: solche meldungen zb. sind zumindest mir aus kuba noch nicht untergekommen, und das begreife ich auch nicht mehr als „demokratiedefizite“, sondern als a-sozialen ausdruck eines systems, welches selbst jede, aber auch jede legitimation verspielt hat, irgendjemandem etwas über demokratie und menschenrechte erzählen zu wollen. ich könnte dir deshalb deinen obigen vorwurf auch postwendend zurückgeben.

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  19. genova68 schreibt:

    Vielleicht sind wir ja gar nicht so weit auseinander. Aber ein grundsätzlicher Dissens bleibt: Du bringst hier ein paar Einzelfälle (Menschen, die eventuell wegen Hartz IV Selbstmord begangen haben) und setzt das gegen die grundsätzlich fehlende Meinungsfreiheit in Kuba. Das funktioniert nicht. Es gibt keine freien Parteien, keinen freien Internetzugang, keine freie Presse etc. Das habe ich alles mehrfach erwähnt. Da gibt es für mich wenig zu relativieren, vor allem, wenn es Kuba seit 40 Jahren nicht schafft, diesen Zustand zu ändern. Die Kubaner trauen sich auf der Straße nicht, den Mund aufzumachen aus Angst, eingesperrt zu werden. Das System ist repressiv und da helfen keine Relativierungen. Wer das relativiert, macht sich mitschuldig.

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  21. Pingback: Linkspartei: “Stalinismus durch die Hintertür” « Exportabel

  22. genova68 schreibt:

    Aus aktuellem Anlass hole ich diesen Artikel hoch: Die Glorifizierung Fidel Castros durch die Linkspartei (http://www.zeit.de/politik/2011-08/castro-linke-mauer), und zwar nicht nur durch die durchgeknallten Mitglieder der Cuba-Si-Gruppe, sondern von ganz oben: von Gesine Lötzsch und Klaus Ernst. Eine Katastrophe.

    Lötzsch dazu im Deutschlandfunk:

    Lötzsch im DLF: „Beim Glückwunschschreiben an Fidel Castro ist etwas schiefgelaufen“

    Die Vorsitzende der Partei „Die Linke“, Lötzsch, hat noch einmal eingeräumt, dass es beim umstrittenen Glückwunsch-Brief an Fidel Castro Abstimmungsprobleme gab. Sie sagte im Deutschlandfunk, es sei etwas schiefgelaufen. Das Schreiben habe weder ihr noch dem Vorsitzenden Ernst vorgelegen. Frau Lötzsch betonte, sie selbst hätte den Brief nicht so formuliert. In dem Schreiben hatte die Partei dem Maximo Líder zu einem „kampferfüllten Leben und erfolgreichen Wirken“ gratuliert und betont, Kuba sei „Beispiel und Orientierungspunkt für viele Völker dieser Welt“. Der Brief trug die offenbar automatisch eingefügte Unterschrift der beiden Vorsitzenden.

    http://www.dradio.de/nachrichten/201108270800/5
    ———————

    Dazu ein guter Text von Hartmut auf „kritik und kunst“:

    http://kritikundkunst.wordpress.com/2011/08/22/linkspartei/

    ——————-

    Ich habe das Gefühl, die Linkspartei ist so langsam nicht mehr wählbar. Zumindest, bis sie den parteiinternen Stalinisten mal ordentlich auf die Backe geschlagen haben. Dass die stalinistischen Elemente in der Linkspartei, unter anderem in Form der Cuba-Si-AG, seit Jahren unbehelligt ihren Krempel im Namen der Partei präsentieren dürfen, rächt sich jetzt.

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  23. hanneswurst schreibt:

    Verdammter Mist, welche Partei kann ich denn dann überhaupt noch wählen?

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  24. genova68 schreibt:

    Ich schwanke derzeit zwischen FDP und NPD.

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  25. Nihilist schreibt:

    Piraten – die liegen doch in Berlin vor der FDP – also wäre deine Stimme bei den beiden von Dir genannten eher verschwendet.

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  26. besucher schreibt:

    Ich glaube dass „die Macht“ seit jeher einen große Menge Psychopathen anzieht: das Problem dabei ist dass bei gesellschaftlichen Umwälzungen verschiedene Institutionen ausfallen die für eine Gewaltenteilung sorgen könnten. In dieser Konstellation kommt die Stunde des Nero: ob er nun Robespierre oder Lenin (da ging es ja schon los mit der Verfolgung) heißt.

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  27. genova68 schreibt:

    Hier kann ich dir erstaunlicherweise einmal zustimmen.

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  28. besucher schreibt:

    Der Artikel ist auch richtig gut ;-)

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