S-Bahn Berlin: „Mit krimineller Energie heruntergewirtschaftet“

Ein Beispiel dafür, dass der neoliberalen Ideologie eine Tendenz zu kriminellem Verhalten innewohnt: Die Berliner S-Bahn macht erneut Probleme, die Bremsen funktionieren nicht. Dabei geht es nicht nur um ein paar Waggons: Drei Viertel der Flotte kommen nicht zum Einsatz. Hintergrund: Die Berliner S-Bahn ist eine Tochter der Deutschen Bahn, die die S-Bahn-Gewinne einstreicht. Für 2010 waren schon 125 Millionen eingeplant, 2007 waren es noch 34 Millionen. Das geschieht auf Kosten der Sicherheit, weil vorgeschriebene Wartungen seit Jahren nicht mehr ausgeführt werden.

So langsam reicht es auch der liberalen Presse. Der Tagesspiegel wird deutlich: Die S-Bahn werde als „Gewinnausschüttungsmaschine missbraucht“, Mehdorn habe „hemmungslos alles herausgepresst“, es handele sich um eine „mit krimineller Energie heruntergewirtschaftete Wagenflotte“. Und dann kommt ein Urteil, das dem im strikt antikommunistischen Westberliner Milieu verhafteten Tagesspiegel sicher nicht leicht fällt:

„Nicht einmal die DDR hätte es sich erlauben dürfen, die S-Bahn so kaputt zu machen.“

Das sitzt. Eigentlich ist nun alles gesagt: Das kriminelle Verhalten wird in direkten Bezug gesetzt zur beabsichtigten Privatisierung. Neoliberale Politik, die, kommt es zu einem wegen mangelnder Wartung provozierten Unfall, über Leichen geht.

Neoliberalismus als ein System, das nicht nur rhetorisch den Rückzug des „bürokratischen“ Staates fordert, sondern ihn mit kriminellen Mitteln schleift. Sicherheitsvorgaben werden ignoriert zugunsten der schnellen Kasse. Hochbezahlte Juristen werden in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass die Bahn für ihr Verhalten nicht geradestehen muss, sondern der Berliner Senat.

Dafür sorgt auch das Bewusstsein der Fahrgäste, die im Tagesspiegel unter anderem mit dem Satz zitiert werden: „Da hilft nur noch wegziehen.“ Mit solchen Untertanen kann der Betrug problemlos weitergehen.

Hochbezahlte Juristen werden sicher auch dafür sorgen, dass die Regierung Kohl nicht für die geschönten Gorleben-Gutachten haften wird. Die Ähnlichkeiten zum Fall Asse sind deutlich. Zwei Atommülllager, die mit Hilfe gefakter Gutachten eingerichtet wurden. Aber das ist ein anderes Thema.

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2 Antworten zu S-Bahn Berlin: „Mit krimineller Energie heruntergewirtschaftet“

  1. lowestfrequency schreibt:

    Und wieder kann man einen Vorgeschmack darauf kriegen, was bei einer Privatisierung des gesamten Bahnkonzerns blüht… Da stünden dann bundesweit der Bahnverkehr und die Gewinne daraus zur Disposition. Und das in überaus krimineller Art und Weise, in durchaus sicherheitsrelevanten Bereichen. Ich würde lieber mehr Steuern zahlen, wenn dafür eine Bundesbahn (im Wortsinne) ordentlich funktioniert.

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  2. Pingback: Tief Daisy oder die kafkaeske S-Bahn « Exportabel

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