Stadtschloss Potsdam: „…zum Scheitern verurteilt“

Der Architekt Peter Kulka hat bislang ganz gute Sachen gemacht. Unter anderem den sächsischen Landtag und sowas: Überdachung des Dresdner Residenzschlosses

Jetzt baut er das Potsdamer Stadtschloss wieder auf. Die Postdamer Eliten wollten es so. Demokratisch bedenklich: Zunächst war ein moderner Entwurf vorgesehen, dann kam der SAP-Mitgründer Hasso Plattner und verkündete, 20 Millionen Euro zu spenden, wenn statt eines modernen Baus das Schloss wiederaufgebaut werde. Günter Jauch fand das auch gleich ganz toll. So soll es aussehen:

Das baunetz hat dazu alles Nötige angemerkt. Die zentrale Textpassage:

„Kulka ist immer dort sehr stark, wo er vorhandene historische Reste kongenial mit einer konsequent zeitgenössischen Zutat ergänzen kann. Das versucht er auch hier. Doch in Potsdam kollidiert er mit der Tatsache, dass hier bis auf minimale Fundstücke keine historische Substanz mehr vorhanden ist.“

Genau das ist das Problem. Hier kann man nicht mit historischer Bausubstanz umgehen, weil sie nicht mehr vorhanden ist. Also kann man auch nichts Zeitgenössisches hinzufügen. Kulka weiß das sicher. Und er sieht die bisherigen bundesrepublikanischen Bemühungen um den Wiederaufbau von „Historischem mit moderner Nutzung“ ganz realistisch:

„Die Pinakothek in München ist ein positives Beispiel. Das Schloss in Braunschweig mit integriertem Einkaufszentrum war dagegen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Auch in Berlin tut man sich schwer beim wieder aufzubauenden Stadtschloss.“

Stimmt. Was man hinzufügen sollte: Die Pinakothek in München war nur beschädigt und ist von Hans Döllgast ganz hervorragend, behutsam und ehrlich erneuert worden. Dass Kulka hier Döllgast instrumentalisiert, ist fast schon unverschämt. Kulkas Potsdam-Entwurf hat mit dem Geist von Döllgast nichts zu tun. Kulka baut schlicht ein altes Schloss nach. Das ist der Unterschied. Das Schloss in Potsdam wurde 1960 dem Erdboden gleichgemacht. Vom Braunschweiger wie vom Berliner Schloss war und ist nichts mehr da. Deshalb scheitert auch der Ansatz eines „Bürgerschlosses“, wie Kulka es vorschwebt.

Kulka nimmt hier sein Scheitern vorweg. Allerdings geht es um eine Bausumme von 120 Millionen Euro. Wer kann dazu schon nein sagen?

(Foto: baunetz)

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Architektur, Geschichte abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Stadtschloss Potsdam: „…zum Scheitern verurteilt“

  1. Pingback: Potsdam - Blog

  2. Pingback: Dieter Weirauch`s 50plus Blog » Blog Archive » Stadtschloss Potsdam

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.