Warum Berliner meist spermaübersät sind

Ein allzu merkwürdiges und vielleicht deshalb totgeschwiegenes Thema: Die Berliner laufen mehrere Monate im Jahr spermaübersät durch die Stadt. Das liegt an den vielen Linden, die ab Frühling notgeil werden und ihren Saft hemmungslos verspritzen. Ein Auto, das länger als zehn Tage unter einer sexuell aktiven Linde steht, kann man zum Schrottplatz schieben, so verklebt ist es. Menschen sind nach einem langen Spaziergang durch die Stadt ähnlich verschmiert, nur sieht man es nicht so deutlich. So mancher coole Hairstyle ist nicht beabsichtigt. Vielleicht wirken deshalb viele so cool hier. Straßen, Pflaster, alles schmierig. Brillenträger registrieren den Niederschlag am deutlichsten.

Vielleicht steht der Berliner an sich ja auf diese Praxis, die dann nicht nur für den Baum eine sexuelle wäre, wer weiß. Immerhin heißt die wichtigste Straße der Stadt „Unter den Linden“, was wörtlich gemeint ist und wo man beim Spazierengehen dauerhaft und gründlich besamt wird, quasi mit Nieselsperma.

Wenn man sich nun noch überlegt, dass die Linde in Mitteleuropa oft als Dorfmittelpunkt diente und als Gerichtsort, tja, dann wird es heikel. Nach einem langen Prozess hat der Richter das Urteil in verklebtem Zustand verkündet, woraufhin sich der Angeklagte nicht den Schweiß, sondern das Sperma von der Stirn strich. Vielleicht diente der Samen auch als eine Art ökologisches Sonnenschutzmittel, mit dem man automatisch eingeschmiert wurde.

Die Sexualität eines Baumes und was der Mensch daraus macht. Berlin ist  eine Reise wert. Zumindest ab Frühling.

Spermanieselanlage Unter den Linden in Berlin:

289798722_63ac99f41fFoto: Flickr

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7 Antworten zu Warum Berliner meist spermaübersät sind

  1. Botschaft schreibt:

    Linden besamen, andere «stinken» …

    In Berlin gerät man immer wieder in Wolken eines gewissen penetranten Spermageruches und dieses Jahr wurde angeblich der Urheber identifiziert. Es ist ein Strauch oder Baum mit gelben Blüten, stacheligen Blatträndern und Dornen am Stiel. Der extrem aufdringliche Geruch strömt von den gelben Blüten aus. Eine Journalistin namens Katrin Passig vermutet als weitere Urheber dieses Geruches den Götterbaum, die Stinkesche und die Esskastanie und erklärt, dass sie im Botanischen Garten 30 weitere Vertreter mit diesem Geruch finden konnte.

    Ich persönlich rieche es ganz gerne (das «humanoide» wohlgemerkt), die klebrigen «botanischen Spermien» allerdings sind – wie wir sehen, lesen und riechen können – allerdings etwas weiteres wunderliches aus dem Himmel über Berlin.

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  2. genova68 schreibt:

    Es riecht sogar nach Sperma? Ursache ist die Stinkesche? Und das hat Frau Passig herausgefunden? Es wird immer skurriler.

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  3. Qualle schreibt:

    Frau Passig aus Deggendorf gebürtig ist Journalistin und Vorstandsmitglied bei BDSM Berlin e.V. (BDSM Berlin e. V. war die erste sadomasochistische Gruppe Deutschlands, die als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt wurde.)

    Sie schreibt sehr gerne über Sperma, im folgenden Artikel beschäftigt sie sich beispielsweise mit «Leuchtsperma»

    http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20050924161822

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  4. Iris schreibt:

    Der Geruch, den die Berliner Bäume verströmen, hat mich nie gestört, wenn ich mal da war. Andere Ob- und Subjekte haben mir da schon mehr gestunken.

    Berlin ist eine Reise wert. Zumindest ab Frühling.

    Das stimmt allerdings … sofern man wieder abreisen kann – spätestens ehe der Winter einzieht.

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  5. genova68 schreibt:

    Das mit dem BDSM ist mir neu, man lernt nie aus, danke. Interessant auch, dass man via Qualle schnell von Naturschutzpark Wattenmeer auf den BDSM Berlin e.V. kommt. Wer weiß, vielleicht geht es im Wattenmeer ja ordentlicher zur Sache als man so glaubt.

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  6. Motherhead schreibt:

    Ein ganz hervorragender Artikel, der unter normalen Umständen einen Ehrenplatz in der Titanic verdient hätte. Aber deren überwiegend schwule Redakteure turteln ja lieber untereinander, anstatt sich einmal einen kräftigen Input von außen geben zu lassen.
    Apropos schwul: Unabhängige Spermatologen haben herausgefunden, dass sich mit Wowereits Amtsantritt im Juni 2001 die Spermaproduktion schlagartig verdreifacht hat. Allerdings scheint sie in geradezu rührender Solidarität mit ihm allmählich abzunehmen.

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  7. genova68 schreibt:

    Ja, der Artikel ist wirklich extrem gut, finde ich nach wie vor und lese ich immer wieder gerne.

    Der Artikel wird übrigens via Suchmaschinen oft angeklickt, weil sichviele Menschen mit Sperma beschäftigen. Ich halte dieses Nieselsperma in halb Berlin übrigens wirklich für sexuell begründet. Es kann schon ein geiles Gefühl sein, Unter den Linden spazieren zu gehen, wenn man sich der Situation bewusst ist. In Deutschland wird das dann mit der Liebe zur Natur verkleistert, dabei geht es nur Körperflüssigkeiten.

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