Warum Millionen Menschen verschwinden

Wie schnelllebig unsere Zeit ist:

Vor einigen Jahren änderte die rot-grüne Bundesregierung die Zählweise der Arbeitslosenstatistiken. Genauer gesagt fälschte sie sie: Ein-Euro-Jobber werden seitdem nicht mitgezählt, Arbeitslose über 58 auch nicht mehr. Die Medien regierten damals empört, meinten, dass das nicht ginge und vergaßen das Thema. Seitdem berichten sie brav jeden Monat, dass die Arbeitslosenzahlen rückgängig seien und erwähnen mit keiner Zeile mehr die Mainpulationen.

Bis auf diese Woche in der Zeit: Statt der offiziell gemeldeten 3,4 Millionen seien real schon mehr als fünf Millionen ohne Arbeit. Wie das? Unter anderem durch nicht gezählte

  • 330.000 Ein-Euro-Jobber, die nach spätestens sechs Monaten ihren Zwangsjob wieder los sind,
  • 1,3 Millionen Kurzarbeitern, die rechnerisch 430.000 fehlende Vollzeitjobs bedeuten.

Die Perfidität dieser Bemühungen, nur Statistiken zu bereinigen statt Menschen zu helfen, wird im Umgang mit älteren Arbeitslosen deutlich:

Wer 58 Jahre alt wird und binnen zwölf Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommt, wird aus der Arbeitslosigkeit herausdefiniert. Im Juni betraf das schon knapp 30.000 Menschen – die Zahl verdoppelte sich in nur drei Monaten.

Wem keine Arbeit angeboten wird, wird unsichtbar, existiert formal nicht mehr. Mit dem muss man also auch keine Geduld mehr haben, er wird ins bürokratische Nichts abgeschoben, bekommt sein Gnadenbrot. Parallel dazu wurde die Rente mit 67 eingeführt. Nichtbeachten, weißen, unsichtbar machen. In Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie die schlimmste Strafe überhaupt.

Die Perversität des Systems zeigt sich an Kleinigkeiten. Das große Ganze lässt sich nach wie vor rechtfertigen. Ist doch eigentlich alles ganz sozial hier.

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Eine Antwort zu Warum Millionen Menschen verschwinden

  1. hartmut schreibt:

    klar: die simulierte Lösung anstelle der realen, die im bestehenden rahmen nicht mehr möglich ist. Die wissen, was sie tun.

    Inzwischen haben wir ja auch wieder einen „kräftigen Aufschwng“. Verrückt! Aber es wird funktionieren, solange man den Mittelstand halbwegs bei Laune halten kann. Und die im Dunklen sieht man nicht…

    Liken

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