Koch-Mehrin ist „das Milli Vanilli der Politik“

Ein aufschlussreicher Artikel im Tagesspiegel über die mir grundsympathische Silvana Koch-Mehrin. Inge Gräßle, die für die CDU im EU-Parlament sitzt, hält sie für eine „Kunstfigur“ und eine „Schauspielerin“: „das Milli Vanilli der Politik“, haha.

Ihre Anwesenheitsquote im Haushaltskontrollausschuss liege bei 9,2 Prozent. Gräßle stellt Koch-Mehrin die Frage, „was sie eigentlich in Brüssel will, weil sie sich auch für nichts interessiert“, und: „Als Politikerin ist sie ein Totalausfall“. Koch-Mehrins Verhalten sei „gefährlich für das Parlament und die Demokratie insgesamt.“

Starker Tobak. Mal abgesehen von eventuellen persönlichen Animositäten der beiden: Wundern tun mich diese Vorwürfe nicht. Oder hat man schon mal etwas Inhaltliches, etwas Substanzielles von Koch-Mehrin gehört? Jeder kennt sie, aber wofür steht sie?

Wer also hat anderes erwartet? Die FDP ist eine Klientelpartei, und Brüssel ist die Stadt der Lobbyisten. Warum sollte die FDP-Abgeordnete Koch-Mehrin in langweiligen Ausschüssen hocken, wo womöglich nicht mal Fotografen zugelassen sind? Warum sollte sie wochenlang an Gesetzesentwürfen feilen, wenn die Kommission, der Rat und die Lobby das eh schon regeln? Silvana Koch-Mehrin handelt da ganz praxisbezogen. Auch, was die Drohungen gegen die Blogger von den Ruhrbaronen angeht (steht auch im Tagesspiegel-Artikel). SO macht man Politik.

Dass ihr das nun vielleicht das politische Genick bricht, ist völlig ok. Wichtig wäre allerdings eine öffentliche Diskussion über das Verhältnis von Lobbyismus und Politik, in Brüssel und anderswo.

Der beste Satz in dem Tagesspiegel-Artikel ist: „Die Liberalen selbst wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern“. Hört sich so an, als sei es das gewesen.

Vielleicht ist mir Silvana Koch-Mehrin sympathisch, gerade weil sie so unpolitisch rüberkommt. Unpolitische Menschen sind mir meist sympathischer als politische. Wobei unpolitische Politiker schon logisch betrachtet ein Problem sind. Und inhaltlich erst recht.

(Nachtrag 6. Juni: Mehr dazu hier.)

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5 Antworten zu Koch-Mehrin ist „das Milli Vanilli der Politik“

  1. nullachtneun schreibt:

    Die schöne Politikerin….
    Aber für was steht sie denn sonst? Hat mir gut gefallen: „wo noch nicht mal Fotografen anwesend sind“
    Andererseits: Markantes Profil ist doch sowieso Mangelware. Merkel schlängelt sich so durch und der SPD-Kanzlerkandidat(wie heißt er doch gleich:-) kopiert seinen Vorgänger. Hab mich nur noch nicht so ganz entschieden, ob ich das jetzt gut finde oder nicht; würde mich da jetzt auch ungern festlegen;-)

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  2. Sisyphos schreibt:

    Gestern hatte ich einen Flyer der FDP mit dem Foto von Frau Koch-Mehrin und dem Spruch: Arbeit muss sich wieder lohnen! im Briefkasten. Frau Koch-Mehrins „Arbeit“ lohnt sich sicher!

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  3. genova68 schreibt:

    Apropos: Koch-Mehrin soll ihre Doktorarbeit abgeschrieben haben, das Guttenberg der FDP sozusagen. Das würde in den obigen Artikel passen: durchmogeln eben. Vielleicht wäre sie doch besser Mutter und Halbtagstippse geworden.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756282,00.html

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  4. Nihilist schreibt:

    ja, habs auch gerade gelesen. LOL – ROFL – wie oft schon habe ich in Gesprächen erklärt, wer sich ins „Licht“ stellt, sollte darauf achten, dass keine „Leichen im Keller“ liegen.

    Da passt der alte Witz – an der Grenze bittet einer um Asyl, wegen seines Glaubens. Welcher Glaube das denn sei, wird gefragt. Antwort, „Ich glaubte ich werde nicht erwischt“.

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  5. genova68 schreibt:

    Eigentlich ist Frau Koch-Mehrin die größte Gegnerin eines jeden Emanzipationsversuchs. Sie hat ihre Position vor allem deshalb, weil sie gut aussieht. Dass sie ihre Dissertation abgeschrieben hat, ist genausowenig überraschend wie bei Guttenberg. Jede ernstzunehmende Feministin müsste sich solche Trullen als Objekt der Kritik vornehmen. Dass sie von Westerwelle entdeckt wurde, passt ja auch ins Bild.

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